Dorfroman

Roman

(3)
HardcoverNEU
22,00 [D] inkl. MwSt.
22,70 [A] | CHF 30,90 * (* empf. VK-Preis)

Bestellen Sie mit einem Klick:

Oder kaufen Sie direkt vor Ort bei Ihrem Buchhändler

Alles scheint noch vertraut in Hülkendonck, einem Dorf am Niederrhein. Als wären die dreißig Jahre, in denen der Erzähler hier nicht mehr lebt, nie gewesen. Sein Besuch bei den Eltern beschwört die Vergangenheit wieder herauf: die idyllische Weltfremdheit der 70er Jahre, den Beginn einer industriellen Landwirtschaft, die das bäuerliche Milieu verdrängt. Und den geplanten Bau des "Schnellen Brüters", eines neuartigen Atomkraftwerks, das die Menschen im Ort genauso tief spaltet wie im ganzen Land. Es ist jene Zeit, in der der Erzähler zu ahnen beginnt, dass das Leben seiner Eltern nicht das einzig mögliche ist – und in der er Juliane kennenlernt, eine Anti-Atomkraft-Aktivistin, die ihn in die linke Gegenkultur einführt...

Einfühlsam und packend erzählt Christoph Peters von den inneren Zerreißproben eines jungen Mannes und eines ganzen Dorfes. Es ist der große Roman über den turbulenten Aufbruch in jene Bundesrepublik, in der wir heute leben.

»Einfühlsam und packend, ein großer Roman von einem der besten Schriftsteller der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur.«

Christoph Schröder / SWR2 (23. August 2020)

ORIGINALAUSGABE
Hardcover mit Schutzumschlag, 416 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-630-87596-5
Erschienen am  24. August 2020
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Buchtipps für deine Ferien
pin
Nimm dieses Buch mit in den Urlaub!
Dieses Buch spielt in: Kalkar, Deutschland

Leserstimmen

Dorfroman

Von: Mario Keipert

25.10.2020

Im Grunde bestätigt auch Christoph Peters' Dorfroman ein Klischee: dass es "im Westen", bei allen Verwerfungen dennoch eine Kontinuität gegeben hat, die im Zweifel stärker ist als alle Risse, die sich durch Biographien oder Familien ziehen. Deshalb ist auch ein – im Vergleich zu Wenzel – fast gediegenes, konventionelles Erzählen möglich, das schon im Titel angedeutet wird: der Dorfroman ist Entwicklungsroman, Gesellschaftspanorama, Chronik gleichermaßen. In 30 Kapiteln, mit einer ruhigen, unaufgeregten Erzählweise spannt Peters den Bogen zwischen einer Kindheit im Westdeutschland der 1970 und der Gegenwart, in der der mittlerweile in Berlin lebende Erzähler nach Hülkendonck, in das Dorf seiner Kindheit, zurückkehrt. Als mein Vater unser Haus gebaut hat, war er überzeugt, ein Geschlecht zu begründen, dem eine bessere Zukunft als seine eigene zwischen Pferdepflug, Schweinescheiße und Krieg offenstünde. Seine Kinder würden die höhere Schule besuchen, Jura oder Medizin studieren, als Anwälte, Notare, weithin respektierte Ärzte gutes Geld verdienen. Eines Tages träte einer von uns seine Nachfolge an, übernähme den Stammsitz, die Gärten, während meine Mutter und er sich im ersten Stock aufs Altenteil zurückzögen, nach vollbrachter Lebensleistung ihren verdienten Ruhestand im Kreis von Enkeln und Urenkeln verbrächten. ... Nichts von alledem ist eingetreten. Christoph Peters: Dorfroman. Luchterhand 2020 Der Rückblick, der aus dieser Heimkehr – und der Frage danach, ob man sich hier, bei den Eltern, wieder niederlassen könne – resultiert, bringt Verschiedenes zutage. Da ist zum einen der langsam einsetzende Zerfall der dörflichen Welt, der Einzug der Industrie in die Landwirtschaft, die Verstädterung auf dem Lande. Peters schreibt auch eine Art Nachruf auf eine Welt, die sein Erzähler schon nicht mehr findet. Da ist aber vor allem der Bau des Schnellen Brüters, der den Ort und die Familie spaltet. Nicht nur der Kirchenvorstand zerbricht an den Verhandlungen – der Dorfroman legt auch Zeugnis ab über die Art und Weise, wie sich die (katholische) Kirche angesichts moderner Lebensfragen selbst demontiert. Und dann ist da natürlich noch Juliane, die erste große Liebe des Erzählers, die diesen nicht nur in sexuelle, sondern vor allem auch in neue politische Sphären einführt ... Der Kunstgriff, der Peters' Dorfroman so außergewöhnlich wie bemerkenswert macht, ist dabei, dass der Roman Kapitel für Kapitel fast spiegelbildlich zwischen zwei Perspektiven wechselt. Aus der Zeit vor dem Bau des Atomkraftwerks erzählt aus nächster Nähe das kindliche Alter Ego des Erzählers. Die Welt ist noch heil: was die Eltern sagen, ist erstmal per se überzeugend, die Kirche ist ein fixer Orientierungspunkt im Alltag, und all das, was das Verständnis des Kindes übersteigt (Baader-Meinhof, der WDR, der Papst), wird in den kindlichen Kosmos so eingeordnet, dass es passt. Dem gegenüber stehen die Erinnerungen des erwachsenen Erzählers, der auf seine Jugendzeit zurückblickt. Das AKW ist gebaut (wenngleich es nie ans Netz gehen wird), die Fronten im Dorf, die sich im kindlichen Blick wie in einem Spiel gerade erst bilden, sind längst verhärtet, und die Gegenkultur (lange Haare, Drogen, freie Liebe) hat ihr Widerstandsnest in Sichtweite des Schnellen Brüters aufgebaut. Die Erinnerungen gelten der Jugendzeit, der eigenen Politisierung – und dem Moment, wo sich der Bruch zwischen Eltern und Kind ereignete. Das Behütetsein der Kindheit vermögen sie nicht einzuholen. Zwei Erinnerungsschichten, die sich diametral gegenüberstehen und dennoch beide ihre Gültigkeit, ihr Recht behalten: die Stärke seines Dorfromans liegt darin, wie Christoph Peters dem so unterschiedlichen Erleben des Kindes / des Jugendlichen seine je eigene Wahrheit zugesteht. Und wie er den Riss, der sich in dieser Biographie verbirgt, ohne ihn zu kitten dennoch zu überbrücken vermag. Der Erzähler wird, soviel sei verraten, nicht wieder zu seinen Eltern ziehen. Versöhnung über alle Verwerfungen hinweg stiftet dieser Roman aber in mehr als ausreichendem Maß.

Lesen Sie weiter

Eine großartige politische coming-of-age-Geschichte

Von: Silke Schröder, hallo-buch.de

28.09.2020

In einfühlsamer Weise erzählt Christoph Peters in seinem “Dorfroman” vom Erwachsenwerden in der westdeutschen Provinz, von der Rebellion gegen die Eltern, dem katholisch geprägten Dorfleben und den politischen Auseinandersetzungen, die durch das Projekt eines Kernkraftwerks besonders gefährlicher Bauart über ein Dorf hereinbrachen. Im Mittelpunkt steht der 15-jährige Ich-Erzähler, der noch nach seinem Weg durchs Leben sucht und vom begeisterten Schmetterlingsfänger zum jugendlichen Anti-AKW-Rebell mutiert – kein leichter Schritt im katholisch-konservativ geprägten Landkreis Kleve. Dabei bedient sich Peters vieler realer historischer Bezüge, switcht immer wieder von der Gegenwart in die ausgehenden 1970er Jahre und lässt so den Beginn der jahrzehntelangen Atomkraft-Debatte in der damaligen BRD noch einmal auferstehen. Gleichwohl behält seine sehr persönliche Geschichte das richtige Gleichgewicht zwischen autobiografischem Geschichtsgemälde und der Beschreibung eines aktionistisch-jugendlichen Aufbegehrens gegen politischen Mief und blinden Fortschrittsglauben. “Dorfroman” ist ein Buch, hinter dessen unscheinbarem Titel eine großartige politische coming-of-age-Geschichte steckt.

Lesen Sie weiter
Alle anzeigen

Vita

Christoph Peters wurde 1966 in Kalkar geboren. Er ist Autor zahlreicher Romane und Erzählungsbände und wurde für seine Bücher mehrfach ausgezeichnet, unlängst z. B. mit dem Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg (2016) und dem Wolfgang-Koeppen-Preis (2018). Christoph Peters lebt heute in Berlin. Zuletzt erschienen von ihm bei Luchterhand der Erzählungsband "Selfie mit Sheikh" (2017) sowie der Roman "Das Jahr der Katze" (2018).

Zur AUTORENSEITE

Events

19. Nov. 2020

Lesung und Gespräch

19:00 Uhr | Kalkar | Lesungen
Christoph Peters
Dorfroman

06. Dez. 2020

Lesung und Gespräch

11:00 Uhr | Frankfurt | Lesungen
Christoph Peters
Dorfroman

13. Dez. 2020

Lesung und Gespräch

11:00 Uhr | Kassel | Lesungen
Christoph Peters
Dorfroman

03. März 2021

Lesung und Gespräch

19:00 Uhr | Xanten | Lesungen
Christoph Peters
Dorfroman

04. März 2021

Lesung und Gespräch

19:30 Uhr | Kempen | Lesungen
Christoph Peters
Dorfroman

Videos

Pressestimmen

»Ein wunderbar nachdenkliches Buch, das den Zeitgeist, aber auch die Konflikte der jungen Bundesrepublik einfängt und zugleich - durchaus fesselnd - eine tragische Liebesgeschichte erzählt.«

Katja Lückert / NDR Kultur (24. August 2020)

»Der wahre Tod des Dorfes, so die subtile Botschaft dieses unaufgeregten, klugen Romans, ist nicht der Fortschritt oder der Strukturwandel, sondern der Riss der Generationenkette.«

Richard Kämmerlings / Welt am Sonntag (30. August 2020)

»Der ›Dorfroman‹ ist anspruchsvolle Zeitanalyse, aber auch beste Unterhaltung.«

Anja Settnik / Rheinische Post (07. September 2020)

»In seinem ›Dorfroman‹ erzählt der Autor hellsichtig und spannend, wie sich die Zeiten ändern.«

Johannes Schröer / Domradio.de (04. September 2020)

»Zielsicher führt Peters seinen Erzähler an biografische Bruchlinien. Am Ende aber lässt er ihn nur in die Jahre des Heranwachsens heimkehren. Zurück gehts nach Berlin.«

Markus Clauer / Die Zeit (10. September 2020)

»Wie Christoph Peters seine existenziellen Fragen an die Welt immer wieder in Romane von höchster Unterhaltsamkeit verwandelt, macht ihn zu einem großen Autor.«

Christoph Schröder / ZEIT ONLINE (02. September 2020)

»Eine faszinierende Spurensuche in einer Jugend der siebziger Jahre, inklusive tragischer Liebesgeschichte.«

Katja Lückert / WDR 3 (30. September 2020)