Es hätte mir genauso

Roman

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Hardcover
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Man stelle sich vor: Jemand gibt eine Dinnerparty, man unterhält sich gepflegt über Gott und die Welt, und zwischen Hauptgang und Dessert steht einer der Gäste auf und geht kurz nach oben. Und kommt nicht wieder. Hat sich im Gästezimmer eingeschlossen. Auf Tage, Wochen, Monate …

Zu einer Dinnerparty bringt der Freund eines Freundes einen Fremden mit, Miles Garth. Man unterhält sich, wird angenehm betrunken, die Diskussionen werden lebhafter, und manchmal schrammen sie auch kurz am Streit vorbei. Man kennt das. Miles fügt sich einigermaßen in die Runde ein, auch wenn er als Vegetarier, der nicht trinkt und manchmal allzu offen spricht, irgendwie anders ist. Doch dann steht Miles mitten unter dem Essen auf, schließt sich im Gästezimmer ein und ist fortan nicht mehr dazu zu bewegen, wieder herauszukommen. Das kennt man eher nicht. Und es ist überdies ganz schön peinlich, zumal der ungebetene Dauergast bald überregionale Prominenz erlangt und sich um das Haus in Greenwich eine Miles-Fangemeinde schart, inklusive Protestbannern und Merchandising. Währenddessen versuchen vier Personen das Rätsel um Miles zu lösen: Anna, die vor dreißig Jahren mit Miles durch Europa reiste; Mark, der Miles zur Party mitgebracht hat; May, eine alte, demente Frau, deren Verbindung zu Miles sehr überraschend ist (und sehr zu Herzen geht); und die neunjährige Brooke, die vor Wissbegierde strotzt und Wortspiele über alles liebt.

Ali Smith erzählt diese aberwitzige Geschichte, die eigentlich jedem hätte genauso passieren können, mit unvergleichlichem Wortwitz und rasantem Charme. Ihr Roman ist eine umwerfende Satire über die Brüchigkeit gesellschaftlicher Konventionen – und wie wenig es nur braucht, um die geheiligte Ordnung unseres bürgerlichen Lebens gehörig durcheinanderzubringen.


DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Aus dem Englischen von Silvia Morawetz
Originaltitel: There But For The
Originalverlag: Hamish Hamilton
Hardcover mit Schutzumschlag, 320 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-630-87312-1
Erschienen am  22. Oktober 2012
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Sprachakrobatischer Hochseilakt

Von: M. D. Grand

24.08.2019

Gleich vorweg: Es hätte mir genauso ist definitiv eines der aller, aller besten Bücher, die ich in meinem ganzen Leben jemals gelesen habe. Wie schreibe ich aber eine Rezension zu etwas, das mich so hellauf begeistert hat? Und wie gehe ich damit um, wenn euch dieses Buch nicht halb so gut gefällt, wie mir? Ich weiß es nicht. Fakt ist, dass dieses Buch sicher nicht für jedermann ist. Fakt ist auch, dass es mich einfach genau in meinem Humor und meiner Denkweise abgeholt hat. Und das auf so ungewöhnliche und originelle Weise, dass ich absolut verstehe, wenn jemand sagt: das ist nichts für mich. Stärken des Buchs: Die Schottin Ali Smith hat einen absolut ungewöhnlichen Schreibstil. Sie verzichtet vollkommen auf direkte Rede, was den Leser herausfordert, wirklich ständig dabei zu bleiben. Den Prolog musste ich zwei Mal lesen, weil ich dachte, ich habe irgendwas Essentielles nicht kapiert – und das stimmt auch. Der Prolog macht ausnahmslos Sinn, wenn man das ganze Buch bis zum Ende gelesen hat.Trotzdem ist der Schreibstil anspruchsvoll, wobei ich mich recht schnell daran gewöhnt habe und neben der Sprachakrobatik auch den Wortwitz und die immer mal wieder auftauchende Reflexion über Sprache toll fand. Es. Hätte. Mir. Genauso. Mit jeweils einem dieser Wörter beginnen die vier großen Kapitel, in die das Buch geteilt ist. Smith lässt in jedem Kapitel verschiedene Charaktere auftreten, die eigentlich nur durch Miles – den Herrn im Gästezimmer – miteinander verbunden sind. Miles ist dabei allerdings eher nebensächlich. Es werden verschiedene Szenen aus dem Leben der Figuren erzählt, die mich immer wieder zum Schmunzeln, manchmal zum Lachen und einmal sogar fast zum Weinen gebracht haben. Unter anderem beinhaltet das Buch die für mich schönste Liebesgeschichte, die auf knapp eineinhalb Seiten rührender ist, als jeder große Liebesroman. Die Charktere sind dabei genauso ungewöhnlich gewählt wie das ganze Buch. Trotzdem kehrt die Autorin immer wieder zu Miles zurück, erzählt verschiedene erste Begegnungen mit ihm, die ihn sofort lebendig machen, auch, wenn man ihn eigentlich sozusagen nie wirklich zu Gesicht bekommt. Mit viel unterschwelligem Witz kommentiert die Autorin gesellschaftliche Probleme, wobei der Witz tatsächlich so unterschwellig ist, dass man dafür schon einen bestimmten Grundsarkasmus und bösen Schmäh’ (wie wir Österreicher sagen) haben muss. Wer nach wirklichen Witzen sucht, sucht hier vergebens. Trotzdem habe ich den trockenen Humor der Autorin sehr genossen und wirklich gelacht – was eine Kunst ist. Unter Leuten, die mich schlecht kennen, kursiert nämlich das Gerücht, ich würde keinen Spaß verstehen. Dabei mag ich nur keine Witze oder absichtlichen (erzwungenen) Humor. Ali Smiths unterschwellige Boshaftigkeit im Stile eines schwarzen, englischen Humors trifft mich daher genau in der Seele. Kunstvoll ist aber nicht nur die Satire, sondern auch der (wirre?) Handlungsbogen. Die Art, wie Smith die doch irgendwie unzusammenhängenden Geschichten zusammenspinnt, immer wieder zu Miles zurückkehrt und ihn doch nie zu Wort kommen lässt, mag vielleicht manchen zum wütenden Buch-In-Die-Ecke-Pfeffern bringen. Mich hat es fasziniert. Wie eine Seiltänzerin bewegt sie sich immer gerade so weit über den Abgrund, das der Leser gerade nicht mitrutscht. Und am Ende? Wird alles gut. Alle Handlungsbögen und Ebenen kommen zusammen, vor allem über das Kind Brooke Bayoude (Cleveristin), die wie ein schlauer Leuchtturm immer die Richtung hält und definitiv nochmal ein Highlight der Story ist. Mit ihr knüpft das Ende wieder an den Prolog an und auf einmal macht alles Sinn. Trotzdem bleiben viele Dinge unbeantwortet, was mich persönlich nicht gestört hat. Dennoch könnte es für manche ein Kritikpunkt sein, daher: endlich ab zu den Schwächen. Schwächen des Buchs: Für mich hatte dieses Buch eigentlich keine Schwäche. Aber: Wer unbeantwortete Fragen nicht mag und nicht gerne bei Büchern mitdenkt, wer keinen unterschwelligen Humor mag, sondern lieber offen und direkt oder gar brav, ist dieses Buch NICHT zu empfehlen. Genauso für alle, für die die Handlung immer geradeaus gehen muss oder solche, die sich denkerisch nicht gerne mit ihrer Umgebung auseinandersetzen. Mein Fazit: Wenn du also das Gefühl hast, du bist absolut nicht wie ich: BITTE KAUF DAS BUCH NICHT. Fühlst du dich aber doch irgendwie wie ich, immer auf der Suche nach einer denkerischen Herausforderung oder schwarzem Humor, für den man sein Gehirn anstrengen muss, dann bitte, bitte greif zu! Dann wirst du Es hätte mir genauso lieben – vielleicht sogar fast so sehr wie ich. Na gut, aber zumindest wird es dir gefallen, da bin ich mir sicher. Da es das Buch also (wie man vielleicht rauslesen kann) in meine Liste der Lieblingsbücher geschafft, hat, plädiere ich für 6 von 5 Sternen. Da wir aber hier nur fünf haben, werden die es bestimmt auch tun.

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Komm zu Potte?

Von: Thursdaynext

05.02.2019

Ali Smith – Es hätte mir genauso Genauso? Wie genauso? Und was ist das überhaupt für ein Wort, genauso? Es sieht so falsch aus auf dem Cover, so unvollständig und seltsam. Ich hätte es getrennt geschrieben, genau so! Laut Duden ist es entweder ein Zahlwort oder ein Adverb, und es schreibt sich korrekt genauso. Die 2011 erschienene englische Originalausgabe ist betitelt mit: „There But For The“. Zu „Es hätte mir genauso“ kam ich durch eine Verwechslung. Ali Smith‘ mit Zadie Smith. Glückliche Schusselei, die mir die seltsame Geschichte um Genevieve Lees UHU bescherte, „Lange halten wir nicht mehr durch mit unserem UU, das kann ich Ihnen sagen.“ Wie bitte mit welchem Uhu?“ „Mit unserem ungewollten Untermieter. „Oh, ah.“ Nein UU, sagte Genevieve Lee.“ Erstaunlich wie zivilisiert jemand sich verhalten kann, wenn ein fast völlig fremder Mensch, der nur eine kurze Aufenthaltsberechtigung in den eigenen vier Wänden hat, diese in Beschlag nimmt. Miles Garth, kam zum Essen und blieb. Im hübsch hergerichteten Gästezimmer. Stumm, und stetig. So kommt Anna ins Spiel, deren Adresse die unfreiwillige Gastgeberin in Miles Handy entdeckt und kontaktiert hat, in der Hoffnung sie möge den Seltsamen aus ihrem mit Stolz aufgemöbelten, denkmalgeschützten Haus locken. Anna, die Wortspiele liebt, lernt dort die neunjährige Brooke kennen, die ebenfalls Wortspiele schätzt, ihre Schule und ihre Klassenkameraden aber deutlich weniger. Man erfährt vieles in diesem Roman, der so schwungvoll daherfließt, mit einer graziösen Leichtigkeit zu lesen ist und dabei wunderbare kleine Satzschätze schenkt. Es war mir eine Freude, ihn zu lesen, immer mal wieder vermischt mit dem Anspruch an die Autorin, doch jetzt mal Tacheles zu schreiben, zu Punkt, zu Potte zu kommen. Ali Smith beschert einem wunderbare Sätze und Metaphern wie: „Seine Tante hat einen betagten Mops namens Polly. Das Gesicht des Mopses sieht total zerstört aus, wie zerschmolzen. Das sieht aus, denkt Mark, wie das Wort Tragödie aussähe, wäre es eine physische Realität, ein Ding und nicht bloß eine Wort.“ „Verrückt, klug und brilliant“ wird der Kultur Spiegel auf dem rückseitigen Anlocktext zitiert. Das stimmt, dennoch bin ich ambivalent bei der Bewertung dieses unterhaltsamen Romans. Wenn beim auf den Punkt kommen, der Punkt für das große Ganze steht, vieles zusammengeführt wird und wieder auseinanderdriftend im Irgendwo zerfließt beliebt ein kleines, aber hartnäckiges Gefühl Beliebigkeit. Eine anregende, angenehme Kaffeeplauderei mit netten Menschen, die man nie wieder trifft, Niveau und Stil und leckeren Plunderstückchen, während daheim Berge von Wäsche liegen, die Bäder geputzt werden müssen und gekocht ist auch noch nicht. So habe ich „Es hätte mir genauso“ einerseits mit großem Vergnügen und andererseits mit zunehmender Ungeduld und Ungnädigkeit gelesen, denn Ali Smith führt ihre vielen, interessanten losen Fäden nicht zusammen. Sie könnte es zweifellos, aber sie will nicht. Das hat einen eigenen Reiz und es passt zum mäandernden Roman, dennoch hat es mich gestört. Bewertung: Ambivalent. Werde ich wieder einmal etwas von Ali Smith lesen wollen? Ja, wahrscheinlich, wenn sie erneut mit einer so seltsamen, andersartigen Storyidee zu locken vermag.

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Vita

Ali Smith wurde 1962 in Inverness in Schottland geboren und lebt in Cambridge. Sie hat mehrere Romane und Erzählbände veröffentlicht und zahlreiche Preise erhalten. Sie ist Mitglied der Royal Society of Literature und wurde 2015 zum Commander of the Order of the British Empire ernannt. Ihr Roman »Beides sein« wurde 2014 ausgezeichnet mit dem Costa Novel Award, dem Saltire Society Literary Book of the Year Award, dem Goldsmiths Prize und 2015 mit dem Baileys Women’s Prize for Fiction. Mit »Herbst« kam die Autorin 2017 zum vierten Mal auf die Shortlist des Man Booker Prize.

Zur AUTORENSEITE

Silvia Morawetz

Silvia Morawetz, geb. 1954 in Gera, studierte Anglistik, Amerikanistik und Germanistik und ist die Übersetzerin von u.a. Janice Galloway, James Kelman, Hilary Mantel, Joyce Carol Oates und Anne Sexton. Sie erhielt Stipendien des Deutschen Übersetzerfonds, des Landes Baden-Württemberg und des Landes Niedersachsen.

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