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Gebundenes Buch (engl.), Leinen ISBN: 978-3-7913-8349-1

Erschienen:  31.10.2016
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Der renommierte Münchner Fotograf Christopher Thomas schreckt nicht vor unbequemen Themen zurück. Mit der humanitären Organisation Women for Women reiste er mehrfach nach Indien und Bangladesch. Die Fotografien in diesem Band dokumentieren die menschlichen Tragödien, mit denen er auf diesen Reisen konfrontiert wurde. Unermüdlich prangert Women for Women die grausamen Mitgiftmorde in vielen asiatischen Ländern an und kämpft für die Rechte der Frauen. Zahlreiche Ärztinnen und plastische Chirurginnen arbeiten daran, jenen Frauen zu helfen, die eine Säureattacke oder Verbrennung überlebt haben. Die vorliegende Publikation ist ein wichtiger Meilenstein bei diesem engagierten Vorhaben – sie präsentiert eindrucksvolle Schwarz-Weiß-Arbeiten, die in den Jahren 2012 bis 2015 entstanden sind. Auch wenn dieses Fotobuch keine leichte Lektüre ist, sind die Sensibilität und die Lichtführung der Fotografien kraftvoll und anrührend zugleich und ziehen den Betrachter in ihren Bann.

Christopher Thomas (Autor)

Christopher Thomas, 1961 in München geboren, Absolvent der Bayerischen Staatslehranstalt für Photographie, arbeitet weltweit als renommierter Werbephotograph. Seine Photoreportagen für Geo, Stern, Süddeutsche Zeitung Magazin, Merian und andere Zeitschriften wurden vielfach international ausgezeichnet. Als Künstler bekannt geworden ist er mit dem Zyklus Münchner Elegien (2005). Seine Serien New York Sleeps (2008) Passion (2010), Venedig. Die Unsichtbare (2012), Paris im Licht (2014) und Female (2016) wurden in zahlreichen Galerien und Museen ausgestellt. Christopher Thomas lebt und arbeitet in München.

Gebundenes Buch (engl.), Leinen, 96 Seiten, 30x30, 55 s/w Abbildungen

ISBN: 978-3-7913-8349-1

€ 39,95 [D] | € 41,10 [A] | CHF 52,90* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: Prestel

Erschienen:  31.10.2016

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Bedrückend, erschreckend, mutig

Von: Michael Lehmann-Pape Datum: 05.01.2017

www.rezensions-seite.de

56 Schwarz-Weiß Fotografien, entstanden bei einem Aufenthalt des Fotografen Thomas in Indien und Bangladesch.

Neben einigen Landschaftsaufnahmen im Zentrum Portraits von Frauen, die Opfer von Verbrennungen und Verätzungen geworden sind und bei denen es Thomas gelungen ist, dass diese Frauen sich ungeschützt dem Fokus der Kamera ausgeliefert haben.

Eine Atmosphäre im Buch, die Thomas zunächst durch nebelige, intensive, das „Dunkle“ der Natur darstellende Fotografien einleitet, Landschaftsbilder aus Bangladesch, die gerade durch das Verschwommene, leicht bis stark verhangene Wetter formvollendet jenes Gefühl des „Entstellt-Seins“ und der Verbergung desselben aufnehmen, was den Personen im Buch im Alltag sicherlich ebenso zu eigen ist.

Gewalt gegen Frauen in Indien und Bangladesch ist keine Bagatelle, die Stellung der Frau höchst gefährdet, Vergewaltigung, körperliche Verletzungen lange Zeit kaum im Blick der Öffentlichkeit und wenig bestraft.

Eines der Hauptmotive ist dabei Gier. Gier nach Mitgift, nach Zahlungen für die Frau durch ihre Familie. Kann oder will die Familie der Frau nicht mehr bezahlen (auch nach der Hochzeit ergeben sich beständig neue Forderungen), werden diese Frauen (als „Eigentum“ des Mannes“ geschlagen, gefoltert, im wahrsten Sinne des Wortes „zerstört“ bis hin zur Verbrennung. Ein Akt, bei dem die Frauen ein leicht und schnell brennbares Gewand übergestreift bekommen. Eine Art der Tötung, die unliebsame Fragen fernhält, die immer als „Unfall“ deklariert werden können, bei der der Mord kaum juristisch einwandfrei nachweisbar ist.

„Danach ist der Weg frei für eine neue Frau und damit ein neues Einkommen“.

Was einem als Leser und Betrachter das Blut in den Adern gefrieren lässt, was in diesem Ausmaß und dieser Brutalität kaum allgemein bekannt sein dürfte.

„Mitgiftverbrennung ist seit Jahrzehnten die am meisten verbreitete Form der Strafe und Tötung, Tendenz steigend“.

Überlebende, entstellte Frauen, der Fuß zu einem Klumpen verformt, der Rücken nicht tätowiert, wie man auf den ersten Blick meinen könnte, sondern großflächig verbrannt, Hals und Ausschnitt bis an die Wangen herauf eine einzige Narbenwulst, ein Gesicht (es braucht gute Nerven für die Betrachtung der Bilder) vollständig zerstört, Nase, Mund, Auge, Ohr wie eine einzige, breiige Masse.

Es schockiert, immer wieder, zu sehen, was Menschen einem anderen Menschen anzutun vermögen für ein bisschen Geld, aus Wut, aus Kalkül und Berechnung. Es ist kein Wunder, dass statistisch gesehen in Indien in jeder Stunde vier Frauen Selbstmord begehen.

Und trotz der Bilder, die sich einbrennen, des Leids, das dargestellt wird, der Zerstörung einer Person, die zwar noch lebt und atmet, aber dies unter einer „Brandmarkung“ zu leben hat, die dem Betrachter Tränen in die Augen treiben, ist dieser Fotoband ein wichtiges Dokument.

Dass die Welt es sieht. Und das nicht tatenlos weiter zugeschaut wird, wie Mädchen als „Ballast“ gelten, oft abgetrieben, ebenso oft kurz nach der Geburt getötet oder eben als erwachsene „Ehefrau“ bei lebendigem Leibe verbrannt werden.

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