Fremdes Licht

Roman

(6)
Hardcover
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Sie ist an einem unbekannten Ort und in einer eisigen, unwirtlichen Umgebung. Erst nach und nach kehrt die Erinnerung zurück, und Elaine begreift, was passiert ist: dass ihr Großvater einst bei den Inuit in Grönland lebte und er sie mit dem Überleben in Eis und Schnee vertraut machte. Dass sie zuletzt für einen Konzern im Schweizer Ort Winterthur tätig war und sich dort als Genforscherin mit der Rekonstruktion von Leben beschäftigte. Dass die Erde während eines Kometeneinschlages zugrunde ging und sie die letzte Überlebende zu sein scheint. Was das alles mit ihrer Urgroßmutter aus Grönland zu tun hat, ahnt sie nicht.

»Stavarič, der das halbe Jahr als Botschafter in Sachen Literatur unterwegs ist, hat hier eine inhaltliche und sprachliche Wundertüte erschaffen, die ihresgleichen sucht.«

Linda Stift / Die Presse (07. März 2020)

ORIGINALAUSGABE
Hardcover mit Schutzumschlag, 512 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-630-87551-4
Erschienen am  09. März 2020
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

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Dieses Buch spielt in: Grönland

Leserstimmen

Wundersam: Ein Roman, der Grenzen überschreitet

Von: Constanze Matthes

11.06.2020

Weißer Planet heißen sie – die Regionen der Arktis und Antarktis. Als ob sie Teil einer anderen Welt sind, der unsrigen bekannten nicht zugehörig. Auch wenn seit Jahren der Tourismus auch in jene kalten, oft auch dunklen und somit unwirtlichen Gegenden Einzug gehalten hat, gleicht eine Reise noch immer einem faszinierenden Abenteuer. Wenn ich an die Arktis denke, fällt mir neben Svalbard vor allem Grönland ein. Auf diese riesige Insel im Nordatlantik führt der neue Roman des österreichisch-tschechischen Autors Michael Stavarič. Und nicht nur dorthin. Denn „Fremdes Licht“ bringt den Leser an andere Ort, in andere Zeiten. Eine einzigartige Erfahrung, die gar nicht einfach zu beschreiben ist. Das Buch verwirrt auch, was jedoch das Vergnügen keineswegs trübt, und ist an einigen Stellen befremdlich. Doch am besten von vorn. Mit eine der beiden Heldinnen: Elaine Duval lebt in der Schweiz und ist eine renommierte Forscherin auf dem Gebiet der Reproduktion. Es ist eine Zeit unserer bekannten einige Jahrzehnte voraus. Nach zwei verheerenden Lichtkriegen leben die Menschen unter der Erde. Bevor ein Komet auf der Erde einschlägt, kann Elaine in einem Flugschiff in das All entfliehen. Das Kommando übernimmt ihr Jugendfreund Dallas. An Bord haben zudem Menschen Zuflucht gesucht, die nicht für die lange Reise zu einem Exoplaneten vorgesehen waren. Die Plätze für die notwendigen Kälteschlaf-Kokons sind rar. Elaine findet sich schließlich nach dem Absturz des Schiffes in einer Eiswüste wieder, Erinnerungen an ihren geliebten Großvater, seine Erzählungen über das Leben der Inuit und die gemeinsamen Touren auf Grönland werden wach. Denn Elaine, eine Kämpfernatur, die sich zu behaupten und in dieser menschenfeindlichen Umgebung zu überleben weiß, ist mit dieser weißen kalten Welt sehr vertraut. Sie liegt ihr quasi im Blut. Denn ihre Urgroßmutter, so hat es ihr Großvater erzählt, ist eine Inuk. Eine Schamanin, die zwei Namen trug: Ukiutaq, kurz Uki was übersetzt Winterkind bedeutet, sowie Elaine. So nannte der Kapitän des Schiffes, das eines Tages die Küste von Grönland erreicht und in Sichtweite von Ukis Heimatort vor Anker geht, die junge Inuk in Anlehnung an seine geliebte Frau. Uki und der Kapitän, der sich mit dem Namen Fridtjof vorstellt, lernen sich kennen. Er lehrt ihr das Lesen, die Begeisterung für Bücher. Mit dieser Figur verbindet Stavarič wohl geschickt Realität mit Fiktion. Wer in Sachen Arktis-Expeditionen ein klein wenig Bescheid weiß, wird wohl an den bekannten Zoologen und Polarforscher Fridtjof Nansen (1861 – 1930) denken, auch wenn der Autor von einigen Daten und Fakten aus der Biografie des berühmten Norwegers abweicht. So hieß dessen Frau Eva statt Elaine, wird im Buch als Jahr der Begegnung der Inuk mit dem Wissenschaftler 1893 angegeben, dabei war Nansen bereits fünf Jahre zuvor auf Grönland, um als Erster die Insel und ihr Inlandeis zu überqueren. Eine Reise, während der er die Lebensweise der Inuit genau studierte – vor allem ihre Erfahrungen im Eis zu überleben und ihr Umgang mit Hundeschlitten. 1893 brach Nansen, der sich zudem für die Unabhängigkeit seines Heimatlandes einsetzte, zu seiner mehrjährigen Nordpolar-Expedition auf. Er war indes nicht nur Wissenschaftler, sondern auch Politiker. Nach dem Ersten Weltkrieg war er als Delegierter und Hochkommissar für Flüchtlingsfragen tätig. Nach ihm ist der sogenannte Nansen-Pass für staatenlose Flüchtlinge benannt. 1922 erhielt der Norweger den Friedensnobelpreis. Alle drei Figuren lässt Stavarič zu Wort kommen. Die jüngere Elaine berichtet über ihre Erlebnisse als Forscherin und ihre Erinnerungen an ihren Großvater. Ein eindrücklicher Erzählstrom – schildernd, erklärend, erinnernd. Die ältere schildert ihr Leben auf Grönland, die Begegnung mit Fridtjof, den sie wegen eines besonderen Geschenks Vogelmann nennt, sowie die spätere Reise nach Amerika zur Weltausstellung in Chicago, wo ihr und ihrem Begleiter etwas Schreckliches geschieht. In Tagebuch-Auszügen blickt auch der Kapitän auf das Geschehen. Jeder hat seine eigene Sprache, seinen eigenen Ausdruck. „Fremdes Licht“ überschreitet Grenzen und vermischt auf wundersame Weise Geschichte mit Zukunft und das Genre des historischen Romans mit einer Dystopie, Science Fiction sowie einer spannenden Kriminalgeschichte. Dieses so sprachgewaltige komplexe, aber auch berührende Werk hält neben den interessanten Einblick in die Lebens- und Gedankenwelt der Inuit viele spannende Fragen und Themen zum Nachdenken bereit. Es geht um den Überlebenskampf in rauen Welten und nach einer Katastrophe, es geht aber auch um den Umgang des Menschen mit dieser Welt und seinem Streben nach Wissen und Fortschritt. Was geschieht, wenn zwei Kulturen aufeinandertreffen. Dabei geht der Roman aber auch der Frage nach dem Sinn des Lebens nach, wenn nicht nur das eigene Leben, sondern die Erde, ja das ganze Universum endlich ist. Es gibt also viel zum Nachdenken, vor allem auch über die Frage, wo Elaine denn mit dem Flugschiff, auf dem sich laut Passagierliste kurioserweise auch der Autor eingefunden hat, wirklich gelandet ist. Ist vielleicht sogar jede noch so weite Reise eine Rückkehr?

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The end is always the start of a new episode

Von: Gallus Frei-Tomic aus Amriswil

24.05.2020

Fremdes Licht“ ist eine virtuose Mischung aus Dystopie, Science Fiction und Abenteuerroman, den Michael Stavarič nicht einfach linear erzählt, den Überlebenskampf einer starken Frau, sondern in Rückblenden von Geschichte(n), der Geschichte der Inuit, der Geschichte ihrer Familie, der Geschichte eines untergegangenen Planeten. Wer „Fremdes Licht“ liest, fröstelt manchmal, sei es in Grönland an der Küste oder auf dem Exoplaneten Winterthur. Michael Stavarič hat die Kälte verinnerlicht und erzählt davon, dass weder Hitze noch Feuer, nicht einmal Wärme und Kraft das Leben in eisiger Kälte ermöglichen. Nur Leidenschaft und Hingabe. Grosse Erzählkunst!

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Vita

Michael Stavarič wurde 1972 in Brno (Tschechoslowakei) geboren. Er lebt als freier Schriftsteller, Übersetzer und Dozent in Wien. Studierte an der Universität Wien Bohemistik und Publizistik/Kommunikationswissenschaften. Über 10 Jahre lang tätig an der Sportuniversität Wien – als Lehrbeauftragter fürs Inline-Skating. Zahlreiche Stipendien und Auszeichnungen, zuletzt: Adelbert-Chamisso-Preis, Österreichischer Staatspreis für Kinder- und Jugendliteratur. Lehraufträge zuletzt: Stefan Zweig Poetikdozentur an der Universität Salzburg, Literaturseminar an der Universität Bamberg.

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Events

09. Okt. 2020

Lesung und Gespräch

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21. Okt. 2020

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19:15 Uhr | Lenzburg | Lesungen
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29. Okt. 2020

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05. Nov. 2020

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19:30 Uhr | Klagenfurt | Lesungen
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Pressestimmen

»Kunstvoll verschränkt Stavarič Zeiten und Orte, entführt in die Geheimnisse der künftigen Gentechnik oder flicht geheimnisvolle Zeichen (der Inuit-Sprache) ein.«

Oberösterreichisches Volksblatt (12. März 2020)

»Und warum macht dieser wunderbar abgehobene, präzise beobachtende Schriftsteller das alles? Er will zeigen, wie Räume und Zeiten mit unsichtbaren Fäden verbunden sind.«

Peter Pisa/ Kurier (14. März 2020)

»Michael Stavarič verschränkt drei halsbrecherisch disparate Handlungsstränge zu einem tollkühn konstruierten Roman.«

Günter Kaindlstorfer / Ö1 (12. April 2020)

»›Fremdes Licht‹ ist ein phantasmagorisches Erzähl- und Leseabenteuer.«

Sigrid Brinkmann / Deutschlandfunk Kultur (02. April 2020)

»Sein verblüffender Roman zielt erstaunlich weit hinaus, ins kalt Geschaute, klar Gedachte, hinein ins froststarrende Herz gesellschaftlicher Einsamkeit.«

Ronald Pohl / Der Standard (04. Juni 2020)

»Michael Stavarič ist ein kluger, sprachmächtiger Autor mit ausgeprägtem wissenschaftlichen Interesse.«

Christian Schacherreiter / Oberösterreichische Nachrichten (29. Mai 2020)

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