Gullivers Reisen

Roman

(6)
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Nie war er aktueller als heute – Swifts «Gulliver» in der gültigen deutschen Übersetzung zum Jubiläum!

Gullivers Reisen nach Lilliput und zu den Riesen kennt jedes Kind. Und doch ist Swifts Fantasy-Saga vor allem ein eindrucksvolles Leseabenteuer für Erwachsene – tiefsinnig, amüsant, subversiv und desillusionierend –, eine zeitlos gültige Generalabrechnung mit menschlicher Dummheit und Selbstüberschätzung, ja eine besonders frühe Form der Polit-Satire: Die mit unerschöpflicher Fabulierlust bis ins Detail realistisch gestalteten Erlebnisse Gullivers in fremden Reichen sind gespickt mit polemischen Seitenhieben auf Staat, Kirche oder Rechtswesen.

Zum 350. Geburtstag des Autors am 30. November 2017 erscheint Christa Schuenkes kongeniale Übersetzung nun in der neu gestalteten Manesse Bibliothek - für alle, die den Menschen immer noch für die Krone der Schöpfung halten. Ein Klassiker, wie er gegenwärtiger gar nicht sein könnte!

»Er hat nicht nur eine grandiose Satire auf zeitgenössische Politik und existenzielle Grundzustände geschrieben, sondern eines der besten Bücher überhaupt. Es ist so irritierend aktuell, dass einem mulmig zumute werden kann.«

Salzburger Nachrichten, Anton Thuswaldner (25. November 2017)

Aus dem Englischen von Christa Schuenke
Mit Nachwort von Dieter Mehl
Hardcover mit Schutzumschlag, 704 Seiten, 9,0 x 15,0 cm, 8 s/w Abbildungen
ISBN: 978-3-7175-2078-8
Erschienen am  20. November 2017
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Viel mehr als nur Lilliput

Von: Wissenstagebuch

08.03.2020

Startschwierigkeiten, dann im Sog Ich habe Gullivers Reisen in der wunderbaren deutschen Übersetzung von Christa Schuenke gelesen. Nach einigen Startschwierigkeiten, weil ich die Sprechweise, die Swift für seinen Gulliver erdacht hat, als gekünstelt und anstrengend empfand, hatte ich mich spätestens nach dem ersten Teil an die floskelhafte Sprache gewöhnt. Dann konnte ich mich an Swifts Fabulierkunst erfreuen, denn die Abenteuer, die er seinen Reisenden erleben lässt, werden von Fahrt zu Fahrt bunter, wilder und verrückter. In der Manesse-Ausgabe, die ich gelesen habe, berichtet die Übersetzerin Schuenke von den Schwierigkeiten, vor denen sie bei der Übersetzung stand und freue mich, dass sie sich schließlich für wunderbare Worte wie „Neubegierde, Sacktuch (Taschentuch) und gezwungenlich (zwangsläufig)“ entschieden hat. Satirisch, bissig, misanthrop Jonathan Swift spielt mit seinem Leser ein literarisches Verwirrspiel. Dem Werk ist das Vorwort des fiktiven Herausgebers Richard Sympson vorangestellt. Dieser ist der Cousin des fiktiven Autors Lemuel Gulliver. Damit nahm Swift zu damaligen Zeit schon so manchen Leser auf den Arm; einige brüsteten sich gar damit, die fiktive Figur Gulliver persönlich zu kennen. Überrascht war ich von der Schärfe, mit der Swift Korruption, Standesunterschiede und die menschliche Natur im Allgemeinen anprangert. In Lilliput liest der Leser über die Spitzen gegen das britische Königshaus noch leicht hinweg. Zum Glück gibt es einen ausführlichen Anhang mit gut 200 Endnoten; viele zeitgenössische Witze sind ohne Hilfestellung heute gar nicht mehr zu verstehen. Spätestens im letzten Teil lässt Swift seinen Protagonisten den Glauben an das Gute (und die Vernunft) im Menschen vollends verlieren. Sein Gulliver ist angeekelt von menschlicher Gesellschaft und seine Kritik ist durch und durch misanthrop. Unappetitliche Gesellschaftskritik Während die ersten beiden Teile durchaus noch als Jugendliteratur durchgehen, verliert sich diese Eigenschaft bei Teil III und IV völlig. Zwar wird in diesen Teilen alles fantastischer, fast schon Science-Fiction-lastig, doch steht hier Gesellschaftskritik im klar Vordergrund. Diese untermauert der Protagonist in seinen Reden mit teils unappetitlichen Vergleichen und sexuellen Bezügen (siehe obiges Zitat zum Adel). Sein Abscheu vor der Menschheit findet sein Äquivalent in der Verrohung seiner Sprache. Fazit Alle vier Teile von Jonathan Swifts „Gullivers Reisen“ waren die Lektüre wert. Wer nur den ersten Teil liest und auf Lilliput verweilt, hat nicht einmal den halben Spaß. Durch die ausführlichen Anmerkungen im Anhang meiner Ausgabe habe ich in englischer und in römischer Geschichte was dazu gelernt. Hat man sich erst mit der umständlichen Sprache des Protagonisten arrangiert, ist der Weg frei für Swifts unterhaltsame Fabulierkunst und satirisches Talent.

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Der heitere Misanthrop

Von: Lector in fabula

19.12.2018

Manche Klassiker der Weltliteratur sind scheinbar so populär und allgegenwärtig, dass sie an ihrem Erfolg zu ersticken drohen. Jeder glaubt, sie zu kennen oder gelesen zu haben, ihre Fabeln und Figuren sind längst eingegangen in das Gedächtnis unserer Kultur. Doch der Eindruck täuscht. Wer hat schon Don Quijote wirklich gelesen, diesen ersten modernen Roman der europäischen Literatur, der bis heute Maßstäbe für episches Erzählen setzt? Oder Moby Dick, die einzige wirkliche Great American Novel, die je geschrieben wurde? Oder die Lederstrumpf-Romane des James Fenimore Cooper, neben deren erhabener Schönheit der Kitsch des Möchtegern-Cowboys Karl May unerträglich bieder daherkommt? Wenn diese Texte überhaupt noch als Lesestoff existieren, dann als Bearbeitungen für Kinder (meistens Jungs) – gekürzt und vereinfacht, reduziert zu bloßen ‘Abenteuerromanen’ und damit aller Kraft, Herbheit und Größe beraubt. In Ermangelung wirklicher Kinder- und Jugendbücher wollte man damit in vergangenen Zeiten junge Leser zur Literatur hinführen. Aber das ist längst Geschichte. Dumbledore schlägt Captain Ahab um Längen. Ein Schicksal ruhmvoller Vergessenheit erleidet auch das wohl wichtigste Werk des irischen Satirikers, Essayisten und Aufklärers Jonathan Swift (1667-1745). Mit dem Titel Gullivers Reisen (engl. Travels into Several Remote Nations of the World, 1726) dürften selbst diejenigen etwas anzufangen wissen, denen Bücher – wenn überhaupt – als Raumdekoration dienen. Geschildert werden die Irrfahrten des Arztes Lemuel Gulliver, der als Schiffsmediziner anheuert und zur See fährt. Mehrfach erleidet er Schiffbruch und strandet in fernen Ländern, von denen kein Mensch zuvor jemals gehört hat. Auf der Insel Liliput, die von nur sechs Zoll kleinen Menschen bewohnt wird, muss er sich mit den im wahrsten Wortsinn kleinlichen Problemen der dortigen Gesellschaft auseinandersetzen. Denn die Liliputaner sind tief gespalten. Die Parteien der ‘Trackmesan’ (tragen hohe Schuhabsätze) und der ‘Slackmesan’ (tragen niedrige Absätze) liegen so heftig miteinander im Streit, dass kein Diskurs mehr möglich ist. Außerdem droht Krieg mit der Nachbarinsel Blefuscu, wo man aus reiner Infamie sein Frühstücksei von der anderen Seite aufschlägt als auf Liliput. Weil Gulliver jedoch einen Brandanschlag der gegnerischen Nachbarn auf den liliputanischen Königspalast vereitelt, indem er das Feuer mit seinem Urin löscht, verurteilt man ihn wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses zum Tode. Gerade noch rechtzeitig kann Gulliver von der Insel fliehen und wird gerettet. Wenig später verschlägt ein erneuter Schiffbruch den Arzt nach Brobdingnag, einer von Riesen bevölkerten Insel. Als er dem dortigen König das britische Gesellschaftssystem zu erklären versucht, wendet sich dieser voll Ekel ab: “Aber nach allem, was ich deinen Erzählungen entnehmen konnte […], kann ich daraus nichts anderes schließen, als dass die Eingeborenen bei euch zur übergroßen Mehrheit das zäheste und widerwärtigste kleine Gewürm sein müssen, dass die Natur jemals auf dieser Erde hat kriechen lassen.” Weitere Unglücksfälle auf hoher See führen Lemuel Gulliver unter anderem in ein Land, dessen Bevölkerung verelendet, während die akademische Elite sich mit vorgeblich revolutionären, in Wahrheit aber völlig abstrusen Forschungen beschäftigt. Man arbeitet dort etwa an der Rückverwandlung von Kot in menschliche Nahrung und der Extraktion von Sonnenlicht aus Gurken. Swift hält mit seiner bitterbösen Satire der zeitgenössischen Gesellschaft einen Spiegel vor, in dem sich alles zur Karikatur verzerrt. Politische Parteien, Konfessionen, eitle Macht- und Herrschsucht, der Fortschrittsoptimismus der Wissenschaften – all das wird auf höchst unterhaltsame Weise durch den Kakao gezogen. Allerdings machte sich der Schriftsteller mit derlei Späßen nicht nur Freunde. Schon als Theologiestudent am Trinity College in Dublin eckte Swift so häufig an, dass er sein Examen 1686 trotz überdurchschnittlicher Leistungen nur ‘by special grace’, also gnadenhalber, bestand. 1694 wurde Swift zum Reverend der Church of Ireland ordiniert. Später engagierte er sich auch in der Politik, zunächst bei den liberal-progressiven ‘Whigs’, dann bei den konservativen ‘Tories’. Als deren Stern rapide sank, kehrte Swift der Politik den Rücken und wurde schließlich zum Dekan von St. Patrick in Dublin ernannt. Seine regelmäßig publizierten Satiren, mit denen er unter anderem die Ausbeutung der irischen Bevölkerung durch die englischen Gutsbesitzer anprangerte, brachten Swift mehrmals in ernsthafte Schwierigkeiten mit Justiz und Klerus. Den Vorwurf seines Bischofs, er würde mit seiner Scharfzüngigkeit das Volk aufwiegeln, erwiderte er gelassen mit den Worten: ‘Ich bräuchte nur meinen kleinen Finger rühren und Sie würden in Stücke gerissen.’ Auch Gullivers Reisen ist in erster Linie eine bissige, politisch-gesellschaftliche Satire und weniger ein Roman. Charaktere und Handlung sind hauptsächlich Aufhänger für Swifts erfindungsreichen Spott. Doch bei allem Witz, den der Text auch heute noch versprüht, durchzieht das ganze Werk doch eine ernste, fast melancholische Grundmelodie. Denn Swift bringt der menschlichen Natur ein abgrundtiefes Misstrauen entgegen. Vor allem der letzte Teil des Buches, der Gullivers Erlebnisse im Land der Houyhnhnms schildert, ist an Misanthropie kaum noch zu überbieten. Dort leben keine Menschen, sondern ausschließlich vernunftbegabte und zivilisierte Pferde – die Houyhnhnms -, sowie eine weitere Spezies, die haarig, hässlich und dumm erscheint. Diese ‘Yahoo’ genannten Wesen haben menschliche Züge, wie Gulliver entsetzt feststellt. Rasch identifizieren ihn die klugen Pferde mit diesen niedrigen Geschöpfen und sperren ihn ein. Mühsam muss Gulliver das Vertrauen der Houyhnhnms erlangen, was ihm zunächst auch gelingt. Doch mit der Zeit muss Gulliver einsehen, dass er als Mensch den Yahoos ähnlicher ist als den weisen und friedlichen Pferden. Schlussendlich muss er die Insel wieder verlassen und kehrt zurück in seine Heimat. Doch dort kann Gulliver sich nicht mehr einfügen, alles Menschliche stößt ihn fortan ab und führt ihm den großen zivilisatorischen Abstand vor Augen, der seine Spezies von den edlen Houyhnhnms trennt. Der Mensch, so lautet die Einsicht dieses letzten Teils von Gullivers Reisen, ist zu einer wirklich moralischen und friedlichen Existenz schlicht unfähig. Dieses Fazit überrascht, vor allem, wenn man Swift im Kontext seiner Zeit als einen Autor der Aufklärung versteht. Aber diese Einschätzung ist eben nur die halbe Wahrheit. Denn die Aufklärung von Voltaire und Rousseau über Hume und Kant bis hin zu Marx hat den Menschen stets als ein Wesen verstanden, das grundsätzlich zur Vervollkommnung fähig ist. Wenn wir uns nur kräftig genug anstrengen, wenn wir uns aller inneren und äußeren Hindernisse entledigen und unsere Vernunft zur vollen Entfaltung bringen – dann können wir als Menschen unter Menschen gut und richtig leben. Der Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit ist möglich. Swift widerspricht diesem Kerngedanken weitgehend, er würzt die fortschrittsgläubige Aufklärung mit einer gehörigen Portion Skepsis. Nein, wir Menschen sind nicht gut, und Staat und Gesellschaft, diese Hervorbringungen unserer stolzen Kultur, sind es erst recht nicht. Wir sind schlecht gezähmte Yahoos, die einander die Butter auf dem Brot missgönnen und ihresgleichen bedenkenlos wegen nichts und wieder nichts abschlachten. Mit dieser Ansicht steht Swift pessimistischen Philosophen wie Schopenhauer und Nietzsche deutlich näher als seinen schier grenzenlos zuversichtlichen Zeitgenossen. Es ist nicht verkehrt, gerade heute dem heiteren Misanthropen Jonathan Swift wieder eine angemessene Würdigung zuteil werden zu lassen. Die maßstabsetzende Übersetzung von Christa Schuenke, die den Text sanft aktualisiert ohne seinen Entstehungskontext zu verleugnen und überdies mit hilfreichen Anmerkungen daherkommt, macht dies möglich.

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Vita

Jonathan Swift

Jonathan Swift (1667–1745) studierte Theologie in Dublin und wurde anglikanischer Geistlicher. Mit zahlreichen Flugschriften und ersten satirischen Erzählungen nahm er Stellung zu kirchlichen und politischen Themen. «Gulliver's Travels», die 1726 zunächst anonym erschienen, wurden zu einem überwältigenden Publikumserfolg und machten ihn zum bis heute bedeutendsten englischsprachigen Satiriker.

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Christa Schuenke

Christa Schuenke, geboren 1948 in Weimar, studierte Englisch und Französisch in Leipzig und absolvierte ein Philosophiestudium in Berlin. Sie ist seit 1978 als literarische Übersetzerin aus dem Englischen und Amerikanischen aktiv. Einen Namen machte sie sich vor allem mit Klassikerübertragungen, darunter William Shakespeare, John Donne, Herman Melville, John Keats oder Edgar Allan Poe. Dafür wurde sie u.a. mit dem Christoph-Martin-Wieland-Preis und dem Übersetzerpreis der Kunststiftung NRW ausgezeichnet. Christa Schuenke lebt in Berlin.

zum Übersetzer

Pressestimmen

»Der Manesse-Verlag hat der 2006 entstandenen, feinsinnigen Neuübersetzung von Christa Schuenke nun aus Anlass des 350. Geburtstags von Jonathan Swift eine edel gestaltete Neuausgabe gegönnt. Die ist im praktischen Liliput-Format aufgelegt und somit geeignet fürs Mitführen in (fast) allen Taschen.«

Weser Kurier, Iris Hetscher (30. November 2017)

»Aktuell wie eh und jeh und in einem heute noch beeindruckenden und aufrüttelnden Stil.«

DIE FURCHE (A), Brigitte Schwens-Harrant (30. November 2017)

»Was kann, was darf Satire ? Wenn sie, wie Swifts federleichte Prosa, von so überbordend wildem Witz, so scharfem Spott auf Kirche, Staat, Verwaltung und Justiz ist, einfach alles. Damit weitet sich Sozialsatire schlüssig bissig zur global genialisch gültigen Menschheitssatire. Er bleibt konkurrenzlos eine reine Lesefreude.«

Mannheimer Morgen, Erika Deiss (12. Januar 2018)

»Feinster Lesestoff, schönste Aufmachung. ... Die wundervollen Bände von Manesse begeistern die Leser seit Jahren, nicht anders ist es bei Gulliver, der vor fast 300 Jahren erstmals die Welt verzauberte.«

»Eine bissige Satire, mit der Swift seiner Zeit den Spiegel vorhält.«

Nürnberger Zeitung, Inga Kilian (29. Dezember 2017)

»Dieser Klassiker gehört in jeden Haushalt.«

HAZ Hannoversche Allgemeine Zeitung, Martina Sulner (09. Dezember 2017)

»Großartiger hätte man diesen so gegenwärtigen Klassiker kaum gestalten können als mit dieser Fassung aus der Manesse-Bibliothek.“«

Wilhelmshavener Zeitung (15. Dezember 2017)

»Es gelingt der Spagat einer historisierenden Übersetzung, bei der die rhythmisch angeordneten Worte keine Stolpersteine bilden, sondern einen Satzfluss generieren, der heutigen Lesern leicht von den Lippen geht. Komplettiert wird das Werk durch ein Nachwort Dieter Mehls, der den genialen Satiriker und sein Werk porträtiert und so den Geist des Werks final konzentriert. Zum 350. Geburtstag Swifts ist somit eine Ausgabe erschienen, die das Erbe eines Misanthropen mit Hang zur Nächstenliebe zum Lesevergnügen werden lässt.«

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