Im Sommer

Mit Aquarellen von Anselm Kiefer

(7)
Hardcover
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Die Jahreszeiten-Bände von Karl Ove Knausgård: "Im Sommer" ist der vierte und letzte Teil einer grandiosen Liebeserklärung an das Leben und die sinnlich erfahrbare Welt - geschrieben von einem Vater für seine jüngste Tochter.

Knausgård schreibt über Wassersprenger und Schnecken, Rote Johannisbeeren und Tränen, über Weidenröschen, den Zirkus, Marienkäfer und das Fischen von Krabben. Er führt auch Tagebuch, in dem die kleinen Ereignisse im Leben einer Familie vor dem Hintergrund all dessen registriert werden, was ein Sommer an Gedanken, Erinnerungen, Sehnsüchten, Erlebnissen von Kunst und Literatur zum Leben erweckt.

"Die Zeit ist abgrundtief, die Sicht, die man als Kind hat, reicht nicht weit. Für mich war die Kindheit meiner Großeltern außer Reichweite, sie war etwas, worüber ich nichts wusste – und für meine Kinder ist die Kindheit meiner Eltern außer Reichweite! Von ihren Urgroßeltern in Westnorwegen, bei denen ich jeden Sommer verbrachte, haben sie keine Ahnung. Es nützt nichts, dass ich von ihnen erzähle, sie können das an nichts festmachen, die Menschen, die in den Geschichten auftauchen, sind tot und sind es während ihres ganzen Lebens gewesen. Der Keller mit den Steinwänden und dem oftmals feuchten Boden mit dem Abfluss, in den das Wasser rieselte, die weißen Schüsseln, mit den Bergen glänzend roter Johannisbeeren darin, die Milcheimer, der kleine Traktor und all die anderen Dinge, die in meiner Erinnerung leuchten, sagen ihnen nichts, denn die Welt wird von innen erleuchtet, von innen heraus entsteht die Bedeutung der Dinge und Orte."

»Wer sich vor den exzessiven Büchern des Norwegers Karl Ove Knausgård fürchtet, der sollte seine leichten und hellen Porträts der Jahreszeiten lesen.«

Ulrich Greiner / Die Zeit (05. Juli 2018)

DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Aus dem Norwegischen von Paul Berf
Originaltitel: Om sommeren
Originalverlag: Norstedts
Hardcover mit Schutzumschlag, 496 Seiten, 13,0 x 20,5 cm, 11 farbige Abbildungen
mit Lesebändchen
ISBN: 978-3-630-87513-2
Erschienen am  29. Mai 2018
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Die Jahreszeiten-Bände

Leserstimmen

https://lobedentag.blogspot.com/2019/02/buch-der-woche-karl-ove-knausgard.html

Von: susannebecker@online.de

25.02.2019

"Es ist nicht so gekommen, wie ich es mir vorgestellt hatte, sagt der Geschmack der Pflaume, und nun ist es zu spät. Heute ist der achte August, und an dem alten Pflaumenbaum mitten im Garten, .... sind fast alle Pflaumen, ..., reif. Ich habe heute, im frischen, kühlen Wind auf dem Rasen stehend, zwei Stück gegessen, und in der Melancholie, die ihr Geschmack in mir erweckte, lag auch etwas Gutes, der Gedanke an das alltägliche Leben, das bald beginnen wird, mit seinen Grenzen und seiner Routine, mit Herbst und Winter, die kein Versprechen in sich bergen." Mit seinem vierten Jahreszeitenband Im Sommer hat mich Karl Ove Knausgård erneut überrascht. Es beginnt wie, man könnte fast sagen, immer, mit kurzen Texten über alltägliche Dinge wie Rote Johannisbeeren, Mücken oder Campingplätze, Dinge, die jeder mit Sommer assoziiert und in deren Verlauf er schon sehr viel über seine Art zu denken und die Welt zu sehen preisgibt. In denen auch hier und dort intimere Einblicke in sein Leben, vergangen und gegenwärtig, einfließen. Dann wird diese Dynamik der kurzen Texte unterbrochen durch den Beginn eines Tagebuchs des Monats Juni 2016. Dieser Teil hat eine ganz andere Tonlage und die Leserin wird näher herangezogen. In diesem Juni-Tagebuch erwähnt er bereits eine Norwegerin, eine alte Frau, die sein Großvater kannte, möglicherweise auch seine Großmutter. Die im Norden Norwegens im gleichen Ort gelebt hat wie die beiden. Es gibt zu dieser Frau eine Geschichte, die zur Zeit der deutschen Besatzung Norwegens spielte. Mitten im Tagebuch, nur für ein paar Seiten, wechselt Knausgård den Erzähler: das Ich der vorherigen Seiten, von dem wir annehmen dürfen, dass es sich um ihn selbst handelt, wird ohne Übergang plötzlich diese alte Frau, die herum tastend nach einer Stimme für ihre offensichtlich schockierende Geschichte sucht. Genauso übergangslos wechselt Knausgård zurück zum Ich des norwegischen Mannes, der er sein könnte. Aber die alte Frau taucht zwischendurch immer mal wieder auf. Im Juli-Tagebuch dann übernimmt sie einen großen Teil der Erzählung und wir erfahren ihre Geschichte. Dieser beinahe poetologisch zu nennende Einblick in das Entstehen einer Geschichte, während sie entsteht, während er in seinem Schreibschuppen am Rande seines Gartens sitzt, gegenüber im Haus schlafen die Kinder, eben noch hat er den Rasen gemäht und für Gäste gegrillt, das hat mich wirklich umgehauen, weil es mutig ist. Es zwingt den Leser dazu, in einem einzigen Buch drei verschiedene Bücher zu akzeptieren, sowie zwei verschiedene Erzähler. Das ist insofern gewagt, als eine Leserin sofort abspringt, wenn sie sich irritiert fühlt oder den Faden verliert. Er muss diese drei Teile also auf eine Weise aufs Papier weben, die die Leserin die gesamte Zeit über festhält, auch bei abrupten oder weniger abrupten Wechseln der Perspektive. Zwischen den so unterschiedlichen Abschnitten können, das weiß vermutlich jede, die selbst schreibt, jene Abgründe entstehen, in die einem eine Leserin Aufnimmerwiedersehen verloren geht. Aber meiner Meinung nach gelingt es ihm, eben solche Abgründe gar nicht erst entstehen zu lassen. Ich war wie gebannt von dem Text, von allen drei Texten. Ich las immer weiter und weiter, weil ich wissen wollte, was Knausgård sonst noch erlebt, aber auch, welches Geheimnis die Frau umgibt. Wird er es lösen? Oder wird er die Leserin mit einem ungelösten Geheimnis zurück lassen? Auch das wäre ihm zuzutrauen. Ich hätte es ihm sogar abgenommen. Wenn dann plötzlich wieder über Eiscreme oder Regenwürmer geschrieben wird, ist es wie ein Nachhausekommen. Ich glaube, ich habe ihm alle drei Teile als dieses ganze, wunderbare Buch abgenommen, weil sie alle drei von etwas geprägt sind, was, das wird mir plötzlich erst jetzt, bei der Lektüre meines sechsten Buches von ihm, bewusst, alle seine Bücher durchzieht: eine beinahe naiv erscheinende Unschuld, eine Verletzbarkeit, die sich in keinster Weise schützt oder verbirgt. Das führt dazu, dass man dem Buch vertraut, Es gibt keinen Grund, sich vor ihm in Acht zu nehmen. Es steht offen und ehrlich vor einem. Dieses Buch, wie alle Jahreszeitenbände, ist illustriert mit den Bildern eines Künstlers. In diesem Fall handelt es sich um den vielleicht höchst bezahlten Künstler der Welt: Anselm Kiefer. Die Bilder sind von zarter Schönheit und Intensität, das Gegenteil von allem, was ich bislang mit Kiefer assoziiert hatte. Sie tragen Titel wie „Ich bin der ich bin“ oder „Les extases féminines“. Eine der wunderbarsten Episoden für mich in diesem Buch, das ehrlich gesagt voller wunderbarer Episoden steckt, ist der Moment, als Karl Ove Knausgård Anselm Kiefer in seinem Studio nahe Paris besucht. Zwei geniale Künstler, die sich im Grunde nichts zu sagen haben. Herrlich! Nun bin ich fast fertig mit der Jahreszeiten Reihe, nur noch circa vierzig Seiten liegen vor mir und sie fehlt mir schon jetzt. Ich mag Knausgårds Art, sich das Leben zu erschreiben, sehr. Herzlich danke ich dem Luchterhand Verlag für das Rezensionsexemplar. Bereits besprochen auf dem Blog habe ich Im Frühling sowie Im Herbst und Im Winter und hier noch ein Link zu allen Texten auf dem Blog, in denen Knausgård vorkommt. (c) Susanne Becker

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Von kurzen Hosen, Erdwespen und schmalblättrigen Weidenröschen

Von: Franziska_J

18.01.2019

„Die Welt ist unübersetzbar, aber nicht unverständlich, solange man die einfache Regel beherzigt, dass auf nichts von alldem, was sie durch ihre Myriaden von Leben und Geschöpfen ausdrückt, ein Fragezeichen folgt, sondern immer nur Ausrufezeichen.“ Philosophisch, poetisch, berührend – So lässt sich Im Sommer (2018), der vierte Band der Jahreszeitenreihe von Karl Ove Knausgård am besten zusammenfassen. Es ist das letzte Puzzlestück zu Knausgårds großer Liebeserklärung an das Leben. In kurzen Betrachtungen, die selten länger sind als drei bis vier Seiten, beschreibt er die unendliche Vielfalt des Lebens und das Glück der kleinen Dinge. Dieses Mal reicht seine Sammlung des Alltäglichen von Rasensprengern über Eiswürfel bis hin zu Marienkäfern. „Was sehen wir, wenn wir sie nach einer verregneten Nacht langsam und erhobenen Hauptes kriechen sehen? Sie gleichen uralten Majestäten, Herrschern des Waldbodens, Kaisern des modernden Laubs und der feuchten Erde.“ So beschreibt der Autor Schnecken, eine Spezies, der die meisten Menschen wohl nur sehr wenig Aufmerksamkeit schenken und die höchstens Ekel hervorzurufen vermag. Seine Sichtweisen und Wendungen sind originell und bereichernd für jeden, der sich ein bisschen Zeit nimmt. Sie vermitteln eine neue Sicht auf die Welt, denn die scheinbaren Nebensächlichkeiten, die für uns viel zu selbstverständlich geworden sind, werden aus ihrem Schatten geholt und in ein neues Licht gerückt. Als Leser fühlt man sich ermutigt, selbst einmal seine gewohnten Wege zu verlassen und die Welt mit anderen Augen zu betrachten. Die Worte, die Knausgård wählt, sind ebenso wie die betrachteten Gegenstände unscheinbar und leicht, doch ihm gelingt es, mit einer unglaublichen Wortgewandtheit und Poesie, jeden seiner Sätze zum Leuchten zu bringen. Sie malen Bilder im Kopf des Lesers, die Anstoß sind für ein eigenes Erinnern. Liest man die Kapitel zu Marienkäfern und Sommerregen, fühlt man sich regelrecht zurückversetzt in seine eigene Kindheit. Man erinnert sich vielleicht daran, wie man die Punkte der kleinen Käfer zählte, wenn sie plötzlich auf der Hand landeten oder man hat den Geruch von nasser Erde in der Nase, wenn nach einem heißen Sommertag endlich der erlösende Regen kam. Optisch ergänzt werden Knausgårds scharfsinnige Texte durch Aquarelle der Künstlerin Anselm Kiefer. Mit diesen sommerlichen Zeichnungen wird das Buch auch zum Blickfang in jedem Bücherregal. Im Sommer – Ein liebevoll gestaltetes Buch, das zum Verweilen einlädt und die perfekte Lektüre für graue Wintermonate ist. Es ist beinahe ein bisschen traurig, dass Knausgårds Jahreszeiten-Bände an dieser Stelle enden müssen…

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Vita

Karl Ove Knausgård wurde 1968 geboren und gilt als wichtigster norwegischer Autor der Gegenwart. Die Romane seines sechsbändigen, autobiographischen Projektes wurden weltweit zur Sensation. Sie sind in über 30 Sprachen übersetzt und vielfach preisgekrönt. 2015 erhielt Karl Ove Knausgård den WELT-Literaturpreis, 2017 den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur. Er lebt in London.

Zur AUTORENSEITE

Paul Berf

Paul Berf, geboren 1963 in Frechen bei Köln, lebt nach seinem Skandinavistikstudium als freier Übersetzer in Köln. Er übertrug u. a. Henning Mankell, Kjell Westö, Aris Fioretos und Selma Lagerlöf ins Deutsche. 2005 wurde er mit dem Übersetzerpreis der Schwedischen Akademie ausgezeichnet.

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Links

Pressestimmen

»Die Jahreszeitenbücher stehen der ›Min-Kamp‹-Saga in ihrer poetischen Qualität in nichts nach. Sie sind kein Nebenwerk, keine Fingerübungen, sondern sie haben den Charakter eines Hauptwerkes.«

Gerrit Bartels / Der Tagesspiegel (25. Juli 2018)

»Es ist dieses sehr detaillierte Schreiben, das bereits Knausgårds autobiografisches Projekt vor einigen Jahren bestimmte und das ihm zu Weltruhm und einer großen Fangemeinde verhalf.«

Bettina Baltchev / MDR Kultur (30. Juli 2018)

»Empathie, Staunen und Erschrecken liege hier ganz nahe beieinander, und in allen drei Dingen beweist Knausgård erneut phänomenale Fertigkeiten.«

Andreas Wirthensohn / Wiener Zeitung (21. Juli 2018)

»Nach dem Band ›Im Frühjahr‹, in dem er die aufkeimende psychische Erkrankung seiner Frau offenbarte, ist das Sommerbuch der ergreifendste Band seiner Jahreszeiten-Schriften.«

Christian Mückl / Nürnberger Zeitung (16. Juli 2018)

»Knausgård ist niemals absichtlich poetisch; die poetischen Qualitäten seines Schreibens ergeben sich als Neben-, geradezu als Abfallprodukt der Genauigkeit seines Schauens und Grübelns.«

Burkhard Müller / Süddeutsche Zeitung (27. Juni 2018)

»Ein mehr als tausendseitiges Hauptwerk, das sich als Nebenwerk ausgibt. Es kreist in immer neuen Ansätzen um die Frage, was das menschliche Leben ausmacht.«

Richard Kämmerlings / Die Welt (26. Mai 2018)