Im Sommer

Mit Aquarellen von Anselm Kiefer

(6)
Hardcover
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Die Jahreszeiten-Bände von Karl Ove Knausgård: "Im Sommer" ist der vierte und letzte Teil einer grandiosen Liebeserklärung an das Leben und die sinnlich erfahrbare Welt - geschrieben von einem Vater für seine jüngste Tochter.

Knausgård schreibt über Wassersprenger und Schnecken, Rote Johannisbeeren und Tränen, über Weidenröschen, den Zirkus, Marienkäfer und das Fischen von Krabben. Er führt auch Tagebuch, in dem die kleinen Ereignisse im Leben einer Familie vor dem Hintergrund all dessen registriert werden, was ein Sommer an Gedanken, Erinnerungen, Sehnsüchten, Erlebnissen von Kunst und Literatur zum Leben erweckt.

"Die Zeit ist abgrundtief, die Sicht, die man als Kind hat, reicht nicht weit. Für mich war die Kindheit meiner Großeltern außer Reichweite, sie war etwas, worüber ich nichts wusste – und für meine Kinder ist die Kindheit meiner Eltern außer Reichweite! Von ihren Urgroßeltern in Westnorwegen, bei denen ich jeden Sommer verbrachte, haben sie keine Ahnung. Es nützt nichts, dass ich von ihnen erzähle, sie können das an nichts festmachen, die Menschen, die in den Geschichten auftauchen, sind tot und sind es während ihres ganzen Lebens gewesen. Der Keller mit den Steinwänden und dem oftmals feuchten Boden mit dem Abfluss, in den das Wasser rieselte, die weißen Schüsseln, mit den Bergen glänzend roter Johannisbeeren darin, die Milcheimer, der kleine Traktor und all die anderen Dinge, die in meiner Erinnerung leuchten, sagen ihnen nichts, denn die Welt wird von innen erleuchtet, von innen heraus entsteht die Bedeutung der Dinge und Orte."

»Wer sich vor den exzessiven Büchern des Norwegers Karl Ove Knausgård fürchtet, der sollte seine leichten und hellen Porträts der Jahreszeiten lesen.«

Ulrich Greiner / Die Zeit (05. Juli 2018)

DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Aus dem Norwegischen von Paul Berf
Originaltitel: Om sommeren
Originalverlag: Norstedts
Hardcover mit Schutzumschlag, 496 Seiten, 13,0 x 20,5 cm, 11 farbige Abbildungen
mit Lesebändchen
ISBN: 978-3-630-87513-2
Erschienen am  29. Mai 2018
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Die Jahreszeiten-Bände

Leserstimmen

Von kurzen Hosen, Erdwespen und schmalblättrigen Weidenröschen

Von: Franziska_J

18.01.2019

„Die Welt ist unübersetzbar, aber nicht unverständlich, solange man die einfache Regel beherzigt, dass auf nichts von alldem, was sie durch ihre Myriaden von Leben und Geschöpfen ausdrückt, ein Fragezeichen folgt, sondern immer nur Ausrufezeichen.“ Philosophisch, poetisch, berührend – So lässt sich Im Sommer (2018), der vierte Band der Jahreszeitenreihe von Karl Ove Knausgård am besten zusammenfassen. Es ist das letzte Puzzlestück zu Knausgårds großer Liebeserklärung an das Leben. In kurzen Betrachtungen, die selten länger sind als drei bis vier Seiten, beschreibt er die unendliche Vielfalt des Lebens und das Glück der kleinen Dinge. Dieses Mal reicht seine Sammlung des Alltäglichen von Rasensprengern über Eiswürfel bis hin zu Marienkäfern. „Was sehen wir, wenn wir sie nach einer verregneten Nacht langsam und erhobenen Hauptes kriechen sehen? Sie gleichen uralten Majestäten, Herrschern des Waldbodens, Kaisern des modernden Laubs und der feuchten Erde.“ So beschreibt der Autor Schnecken, eine Spezies, der die meisten Menschen wohl nur sehr wenig Aufmerksamkeit schenken und die höchstens Ekel hervorzurufen vermag. Seine Sichtweisen und Wendungen sind originell und bereichernd für jeden, der sich ein bisschen Zeit nimmt. Sie vermitteln eine neue Sicht auf die Welt, denn die scheinbaren Nebensächlichkeiten, die für uns viel zu selbstverständlich geworden sind, werden aus ihrem Schatten geholt und in ein neues Licht gerückt. Als Leser fühlt man sich ermutigt, selbst einmal seine gewohnten Wege zu verlassen und die Welt mit anderen Augen zu betrachten. Die Worte, die Knausgård wählt, sind ebenso wie die betrachteten Gegenstände unscheinbar und leicht, doch ihm gelingt es, mit einer unglaublichen Wortgewandtheit und Poesie, jeden seiner Sätze zum Leuchten zu bringen. Sie malen Bilder im Kopf des Lesers, die Anstoß sind für ein eigenes Erinnern. Liest man die Kapitel zu Marienkäfern und Sommerregen, fühlt man sich regelrecht zurückversetzt in seine eigene Kindheit. Man erinnert sich vielleicht daran, wie man die Punkte der kleinen Käfer zählte, wenn sie plötzlich auf der Hand landeten oder man hat den Geruch von nasser Erde in der Nase, wenn nach einem heißen Sommertag endlich der erlösende Regen kam. Optisch ergänzt werden Knausgårds scharfsinnige Texte durch Aquarelle der Künstlerin Anselm Kiefer. Mit diesen sommerlichen Zeichnungen wird das Buch auch zum Blickfang in jedem Bücherregal. Im Sommer – Ein liebevoll gestaltetes Buch, das zum Verweilen einlädt und die perfekte Lektüre für graue Wintermonate ist. Es ist beinahe ein bisschen traurig, dass Knausgårds Jahreszeiten-Bände an dieser Stelle enden müssen…

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Die Schönheit des Banalen

Von: toldme.de

21.10.2018

Karl Ove Knausgård ist den meisten von uns durch seinen erschütternd wahren und ehrlichen Romanzyklus „Mein Kampf“ bekannt, der sich in sechs Teile aufgliedert und in dem der norwegische Schriftsteller über sein Leben schreibt. Von der Beziehung zu seinem Vater, über seine Liebschaften und das Verhältnis zu seinen eigenen Kindern lässt er keine Alltäglichkeit aus und hat mich damit in seinen Bann gezogen. Seine Jahreszeitenbände, die mit „Im Herbst“ beginnen, sind anders. Sie sind weniger brutal, aber mindestens genauso ehrlich. Sie werden oft als seine „Liebeserklärung an das Leben“ beschrieben und ja, diese Beschreibung finde ich treffend. Knausgård hat mit dem ersten Jahreszeitenband begonnen, als seine jüngste Tochter noch in dem Bauch seiner Frau schlummerte. Er wollte die sinnlich erfahrbare Welt, wie er sie während des entstehenden Lebens seiner Tochter wahrnimmt, aufschreiben und für seine Tochter, im Nachhinein, ebenso erfahrbar machen. Er schreibt von seinem Leben in Norwegen, von seiner Rolle als Familienvater, über politische Situationen und seine Gedanken. Er ist der Schriftsteller, der es beherrscht seine eigene Lebensgeschichte aufzuschreiben, ohne sich selber zu schützen und hat damit den Alltag zu einem riesigen Stück Literaturgeschichte gemacht. „Im Herbst“ spielt sich sechs Monate vor der Geburt seiner Tochter ab, die mittlerweile zwei Jahre alt ist. Über alle Jahreszeitenbände hinweg, bis zu „Im Sommer“, der diesen Sommer erschienen ist, archiviert Knausgård das Ist, damit seine Tochter es nachlesen, rückwirkend erleben kann, wenn sie alt genug ist. Diesen Gedanken finde ich wunderbar und es ist wohl seine ganz eigene Art, um ihr zu zeigen, wie sehr ihm ihre Entwicklung am Herzen liegt. Die Jahrezeitenbände sind ein Journal über die Banalitäten des Alltags, sie stellen Belanglosigkeiten in den Mittelpunkt und machen auf das Gesetz aufmerksam, nach dem nicht nur Knausgård, sondern auch viele andere Skandinavier leben. Das Jante-Gesetz ist ein Verhaltenskodex, der Bescheidenheit lehrt, Neid verurteilt und den Erfolg des Kollektivs im Blick hat. Karl Ove Knausgård reflektiert sein Verhalten in den Jahreszeitenbänden immer wieder nach Jante, der aus einem Roman von Aksel Sandemoses hervorgeht, und führt wieder einen Kampf. Den gegen sein zynisches Ich.

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Vita

Karl Ove Knausgård wurde 1968 geboren und gilt als wichtigster norwegischer Autor der Gegenwart. Die Romane seines sechsbändigen, autobiographischen Projektes wurden weltweit zur Sensation. Sie sind in über 30 Sprachen übersetzt und vielfach preisgekrönt. 2015 erhielt Karl Ove Knausgård den WELT-Literaturpreis, 2017 den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur. Er lebt mit seiner Familie an der schwedischen Südküste.

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Paul Berf

Paul Berf, geboren 1963 in Frechen bei Köln, lebt nach seinem Skandinavistikstudium als freier Übersetzer in Köln. Er übertrug u. a. Henning Mankell, Kjell Westö, Aris Fioretos und Selma Lagerlöf ins Deutsche. 2005 wurde er mit dem Übersetzerpreis der Schwedischen Akademie ausgezeichnet.

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Links

Pressestimmen

»Die Jahreszeitenbücher stehen der ›Min-Kamp‹-Saga in ihrer poetischen Qualität in nichts nach. Sie sind kein Nebenwerk, keine Fingerübungen, sondern sie haben den Charakter eines Hauptwerkes.«

Gerrit Bartels / Der Tagesspiegel (25. Juli 2018)

»Es ist dieses sehr detaillierte Schreiben, das bereits Knausgårds autobiografisches Projekt vor einigen Jahren bestimmte und das ihm zu Weltruhm und einer großen Fangemeinde verhalf.«

Bettina Baltchev / MDR Kultur (30. Juli 2018)

»Empathie, Staunen und Erschrecken liege hier ganz nahe beieinander, und in allen drei Dingen beweist Knausgård erneut phänomenale Fertigkeiten.«

Andreas Wirthensohn / Wiener Zeitung (21. Juli 2018)

»Nach dem Band ›Im Frühjahr‹, in dem er die aufkeimende psychische Erkrankung seiner Frau offenbarte, ist das Sommerbuch der ergreifendste Band seiner Jahreszeiten-Schriften.«

Christian Mückl / Nürnberger Zeitung (16. Juli 2018)

»Knausgård ist niemals absichtlich poetisch; die poetischen Qualitäten seines Schreibens ergeben sich als Neben-, geradezu als Abfallprodukt der Genauigkeit seines Schauens und Grübelns.«

Burkhard Müller / Süddeutsche Zeitung (27. Juni 2018)

»Ein mehr als tausendseitiges Hauptwerk, das sich als Nebenwerk ausgibt. Es kreist in immer neuen Ansätzen um die Frage, was das menschliche Leben ausmacht.«

Richard Kämmerlings / Die Welt (26. Mai 2018)