Joe

Roman

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Gary Jones schätzt sein eigenes Alter auf etwa fünfzehn. Zusammen mit seinem gewalttätigen Vater, einer apathischen Mutter und seinen beiden Schwestern zieht er obdachlos und ohne Chance auf ein anständiges Leben durch den Süden der USA. Bis er auf den Ex-Häftling Joe Ransom trifft, der sein eigenes Leben auf die Reihe zu bekommen versucht. Joe gibt dem eifrigen Jungen einen Aushilfsjob und nimmt ihn unter seine Fittiche. Doch Garys Vater ist damit alles andere als einverstanden. Bald kommt es zur Konfrontation.

Mit einem exklusivem Nachwort von Marcus Müntefering


Aus dem Amerikanischen von Thomas Gunkel
Originaltitel: Joe
Originalverlag: Algonquin
Hardcover mit Schutzumschlag, 352 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-453-27176-0
Erschienen am  29. Oktober 2018
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Mitten ins Herz

Von: Elke Heid-Paulus

30.11.2018

Oxford, Mississippi scheint ein gutes Pflaster für Autoren zu sein, die sich mit dem Leben im Armenhaus der Vereinigten Staaten literarisch auseinandersetzen. Denn von dort kommen William Faulkner, Richard Ford, John Grisham und nicht zuletzt der geniale Tom Franklin, der hierzulande nach dem Erfolg seines Rural Noir „Krumme Type, krumme Type“ hoffentlich endlich die Aufmerksamkeit erhält, die ihm gebührt. Und natürlich darf in dieser Aufzählung auch Larry Brown nicht vergessen werden, der schreibende Feuerwehrmann, der leider 2004 im Alter von 53 Jahren viel zu früh verstarb. In der Übersetzung war bisher nur „Fay“ (Original aus dem Jahr 2000) verfügbar, aber glücklicherweise scheint Heyne nun die Lücken zu füllen und hat mit „Joe“ (erstmals 1991 erschienen) nachgelegt. Aber wer ist nun dieser Joe? Ex-Häftling, Spieler, Gelegenheitstrinker mit einer gescheiterten Ehe, Vorarbeiter einer schwarzen Crew, die unrentable Bäume töten, damit auf den entstandenen Freiflächen im darauffolgenden Jahr gutes Holz gepflanzt werden kann. Ein Mann mit Moral, der sein Leben in den Griff bekommen will. Für den fünfzehnjährigen Gary ist er ein Vorbild. Einer, der ihm einen Job gibt und eine Perspektive zeigt, um dem trostlosen Leben seiner Landstreicher-Familie zu entkommen und sich aus den Fängen seines nichtsnutzigen Vaters Wade zu befreien. Wade ist erbärmlich, ein heruntergekommener Säufer, der seine Frau schlägt, seinen Sohn bestiehlt und seine kleine Tochter für die nächste Flasche Schnaps an schmierige Typen verkauft (die älteste Tochter ist übrigens Fay, und sie ist die einzige, die aus eigenem Antrieb und ohne fremde Hilfe der Familie den Rücken kehrt und sich mutterseelenallein auf den Weg in ein neues Leben macht). Anfangs hält Joe sich aus diesen interfamiliären Problemen heraus, aber schließlich gibt es da den berühmten Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, und es kommt zur finalen Konfrontation. Die Schicksale von Larry Browns Figuren treffen den Leser mitten ins Herz, was mit Sicherheit auch dem schlichten, authentischen Stil geschuldet ist. Er beschönigt nichts, zaubert keinen Gutmenschen aus dem Hut, der den armen Jugendlichen adoptiert und ihm ein sorgenfreies Leben garantiert. Bei ihm kämpft jeder jeden Tag ums Überleben. Muss sich seinen Dämonen stellen und immer wieder aufs Neue entscheiden, welchen Weg er gehen will. Und manchmal müssen auch gute Menschen schlimme Dinge tun um diejenigen, die ihnen etwas bedeuten, zu beschützen, und ihnen so die Hoffnung auf ein besseres Leben zu geben und zu erhalten.

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Ein großartiger Südstaaten-Roman

Von: Bücherserien.de

26.11.2018

Ex-Sträfling Joe verdient sein Geld mit Baumarbeiten, trinkt und spielt etwas zu gern und gerät häufiger in Schwierigkeiten. Für den jungen Gary ist der Mann trotzdem vor allem eins: Die Hoffnung auf ein besseres Leben. Denn Garys Vater Wade ist ein gewalttätiger, wahrhaft bösartiger und durch und durch verkommener Kerl, der auf der Suche nach einer Einnahmequelle sogar seine 12-jährige Tochter verkauft. Joe, der regelmäßig Tagelöhner beschäftigt, gibt beiden einen Job. Wade ist allerdings nicht wirklich an ehrlicher Arbeit interessiert und kann überdies nicht mit dem Arbeitstempo mithalten. Joe feuert beide, hat jedoch Mitleid mit Gary. Der Junge, der nicht einmal weiß, wie alt er wirklich ist, bekommt eine neue Chance auf ein anständiges Leben. Und Joe, der viel in seinem Leben falsch gemacht hat, will Gary wirklich helfen. Das gefällt dessen Vater allerdings gar nicht … Die Werke des 2004 verstorbenen Larry Brown werden nun ,hoffentlich, nach und nach ins Deutsche übersetzt und somit auch dem hiesigen Markt zugänglich gemacht. Endlich, möchte man ausrufen. Denn der Schriftsteller verfasste große Südstaatenromane, die in den USA Kultstatus haben und auch hierzulande größere Rezeption verdienen. Das liegt nicht nur an dem hervorragenden Stil von Brown, der zwar schlicht, aber eindrücklich, verständlich und vor allem authentisch schreiben konnte. In seinen Geschichten überzeugen stets die Charaktere. War es in „Fay“ das naive Landei, dessen große Träume sich meist nicht mit dem vertrugen, was ihre Männer vom Leben erwarteten, so sind es hier Joe und Gary. Die beiden haben mehr gemeinsam, als es auf den ersten Blick scheint. Denn der harte Kerl und der Junge, der verzweifelt versucht seinem aussichtslosen Leben zu entfliehen, sind im Kern gute Menschen mit Moral und Werten. Das unterscheidet sie von ihrer trüben Umgebung, das unterscheidet beide auch deutlich von Garys grässlichem Vater, und das ist genau der Grund, warum es zum Konflikt kommen muss. Trotz des eher unprätentiösen Stils berührt das Buch sehr. Wer den Roman liest, muss Garys Vater hassen, muss aber auch den Kopf schütteln über Joes (der unter Alkoholeinfluss auch nicht mehr er selbst ist) Fehltritte, muss Gary bemitleiden. Wenn ein Buch das schafft, ist es ein gutes Buch, und „Joe“ hat dieses Prädikat mehr als verdient. Es ist harter Stoff, eine Story voller Drama, Armut und Dreck. Aber eben auch eine Geschichte, in der es zumindest Aussicht auf Hoffnung gibt. Und wer aufpasst, erkennt: Die bereits erwähnte Fay ist eine von Garys Schwestern. Beide Romane sind aber voneinander absolut unabhängig. Mein Fazit: „Joe“ ist nicht schwer zu lesen, aber sicher schwer zu verdauen. Doch es lohnt sich, den im Grunde unschuldigen Jungen und den fast gefühllosen älteren Mann kennenzulernen. Beide haben sich trotz niederschmetternder Erfahrungen einen guten Kern bewahrt, der sie über Figuren wie Wade erhebt. Bei allen grausamen Ereignissen gibt es die Aussicht, dass sich irgendwann, irgendwie etwas verbessern könnte. Es ist eine schmale Aussicht auf Hoffnung, aber sie ist da. Ob die Charaktere ihre Chance nutzen, bleibt offen – ein Happy End hätte zu diesem düsteren Südstaaten-Epos auch kaum gepasst. Wer hier einen rasanten Thriller erwartet, wird enttäuscht werden. Wer aber ein Buch über die Menschen und das Leben in den ärmeren Regionen des amerikanischen Südens lesen möchte, sollte unbedingt zugreifen. Der Roman wurde übrigens 2013 mit Nicholas Cage in der Hauptrolle unter dem gleichnamigen Titel (deutsch: Joe – Die Rache ist sein) verfilmt.

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Vita

Larry Brown, geboren 1951 in Oxford, Mississippi, begann seine Schriftstellerkarriere als schreibender Feuerwehrmann. Nachdem er jahrelang erfolglos versucht hatte, seine Kurzgeschichten und Romane veröffentlicht zu bekommen, erschien 1988 unter dem Titel Facing The Music seine erste Kurzgeschichtensammlung. Weitere Short Storys und fünf Romane komplettieren das Werk des Mannes aus Mississippi, der auch außerhalb der Südstaaten Kultstatus besaß und vielfach ausgezeichnet wurde. Mit seinem Werk beeinflusste er viele Songwriter, von denen einige ihm nach seinem Tod infolge eines Herzinfarkts im November 2004 mit dem Tribute-Album Just One More die Ehre erwiesen. Fay war 2017 der erste ins Deutsche übersetzte Roman.

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Thomas Gunkel

Thomas Gunkel, 1956 in Treysa geboren, arbeitete mehrere Jahre als Erzieher. Nach seinem Studium der Germanistik und Geografie in Marburg/Lahn wurde er 1991 Literaturübersetzer. Zu den von ihm übersetzten Autoren gehören u.a. Larry Brown, John Cheever, Stewart O'Nan, William Trevor und Richard Yates.

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