Kill 'em all

Roman

(4)
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2017 – die Ära von Trump, Brexit und Fake-News. Zwanzig Jahre sind seit Steven Stelfoxs mörderischem Rundumschlag in Kill Your Friends vergangen. In Gott bewahre trat er noch einmal als unerbittlicher Juror der größten amerikanischen Casting-Show in Erscheinung.

Nun, mit siebenundvierzig Jahren genießt er ein geruhsames Jetset-Leben. Wenn er Langeweile hat, verdingt er sich als Berater in der Musikindustrie. Und löst Probleme.

Und sein alter Freund James Trellick, mittlerweile CEO der größten amerikanischen Plattenfirma, hat ein massives Problem: Sein Künstler Lucius Du Pre ist der erfolgreichste Popstar auf Erden. Nun ja, er war der erfolgreichste Popstar auf Erden. Inzwischen ist er ein hoffnungsloser Junkie und unberechenbares Sexmonster. Um die irrsinnigen Vorschüsse wieder einzuspielen, ist eine weltweite Comeback-Tour geplant. Doch dafür müsste er erst wieder in Form kommen. Und es gilt einen Erpressungsversuch abzuwenden - ein Video mit kompromittierenden Szenen, das nie an die Öffentlichkeit gelangen darf.

Welcome back, Steven Stelfox. Er kennt keine moralischen Bedenken und geht bekanntlich über Leichen. Und das Klima des »amerikanischen Gemetzels« - des Populismus, der puren Gier und der großen Lügen - spielt ihm zu. Aber in dieser Zeit der Unsicherheit weiß man natürlich nie, was als Nächstes geschieht.

»Keiner verbindet maximale Derbheit so smart mit politischer Haltung wie John Niven.«

Berliner Zeitung

Aus dem Englischen von Stephan Glietsch
Originaltitel: Kill em all
Originalverlag: Heineman
Hardcover, Pappband, 384 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-453-27157-9
Erschienen am  21. Januar 2019
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Bitterböser, politisch absolut inkorrekter und zynischer Blick auf die Welt im Zeichen von billig produzierter Pop-Musik, Trump und #MeToo

Von: Dirk Hoffmann

03.02.2019

Seit Steven Stelfox 1994 seine Karriere als A&R-Scout bei Unigram begonnen hat und als ausführender Produzent der Talent-Show „American Pop Star“ seinen Reichtum vervielfachen konnte, genießt der 47-Jährige den beruhigenden Wohlstand, der mit einem 300-Millionen-Dollar-Vermögen einhergeht und stellt sich nur noch sporadisch für fürstliche Honorare als Berater zur Verfügung. Gerade als Unigrams Aktien weiter zu fallen drohen, muss Stelfox seinem alten Freund James Trellick, mittlerweile CEO bei Unigram, aus der Patsche helfen. Sein erfolgreichster Künstler Lucius Du Pre, der gerade einen Marathon von zwanzig Konzerten im New Yorker Madison Square Garden und ebenso vielen in der Londoner O2-Arena vorbereitet, um seine immensen Schulden wieder einzuspielen, hat eine Vorliebe für kleine Jungs. Mit denen tobt er nicht nur in seinem Vergnügungspark herum und guckt mit ihnen seine Lieblings-DVD „Fantasia“, sondern stellt mit ihnen Sachen an, die besser nicht an die Öffentlichkeit gelangen. Das denken sich auch die Eltern von Connor, als sie eine blutbefleckte Unterhose unter dem Bett ihres Sohnes finden, denn statt mit ihrem Verdacht zur Polizei zu gehen verstecken sie eine Kamera in Connors Mütze und filmen so den nächsten sexuellen Übergriff des drogenverseuchten und abgehalfterten Pop-Stars. Natürlich denken Stelfox und die Leute bei Unigram nicht daran, auf die absurd hohen Forderungen von Connors Eltern und ihrem Anwalt einzugehen. Stattdessen entwickelt Stelfox einen teuflischen Plan, bei dem zumindest er selbst am Ende als der große Gewinner dastehen wird. Aber da droht ihm ausgerechnet Du Prez einen Strich durch die Rechnung zu machen … „Bis jetzt hatte ich nie wirklich verstanden, was es heißt, ,die Medikamente abgesetzt‘ zu haben. Fraglos erfüllten die atemberaubenden Mengen pharmazeutischer Aufputsch- und Beruhigungsmittel, die Lucius über Jahre genommen hat, die Funktion einer Art Sicherungsschraube … oder von einem Sperrkreis zur Unterdrückung störender Frequenzen. Von ihnen befreit, ist der Wichser durchgeknallter geworden als ein Plattenbau voller Scheißhausratten.“ (S. 311f.) Nach „Kill Your Friends“ und „Gott bewahre“ hält uns der schottische Schriftsteller John Niven einmal mehr in Gestalt des großkotzigen Selfmade-Arschlochs Steven Stelfox der Welt das ungetrübte Spiegelbild vor Augen, in dem Donald Trump wie eine Karikatur die Geschicke des mächtigsten Landes der Welt lenkt und junge Frauen, die sich für ihren Traum von einer Karriere in Hollywood als menschliche Toilette missbrauchen lassen, wie ein Hohn auf die #MeToo-Debatte wirken. Wer in diesem Roman eine sympathische Identifikationsfigur sucht, wird bitterlich enttäuscht, denn der Großteil von „Kill ´em all“ ist aus der Perspektive von Steven Stelfox geschrieben, der von Beginn keinen Hehl daraus macht, was er von den „Losern“ hält, die es in ihrem Leben zu nichts bringen. Aus der gesicherten Position seines Reichtums heraus hält es Stelfox wie Präsident Trump: Er versucht gar nicht erst, bei den Minderheiten zu punkten, sondern nur seine ureigenen Interessen durchzusetzen – weil er es kann, ohne für seine Rücksichtslosigkeit belangt werden zu können. Wer sich auf den sehr zynischen Blick auf eine Welt, in der Musikfans selbst den billigst produzierten Scheiß zu Hits machen, einlassen kann, wird auf höchst unterhaltsame Weise auch mit den Schattenseiten des Reichtums vertraut, wenn es immer nur noch darum geht, mehr Geld zu scheffeln, größere Yachten zu besitzen als David Geffen und seinen Fuhrpark um imposantere Luxus-Karossen zu erweitern. Das wirkt auf der einen Seite extrem oberflächlich und klischeebeladen, aber hinter den großkotzigen Sprüchen und Gedanken, die Stelfox hier reihenweise vom Stapel lässt, liegt immer mehr als nur ein Körnchen Wahrheit.

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John Niven: “Kill 'em all” (Heyne Hardcore)

Von: Christian Funke

30.01.2019

„Alle Imperien sind aus Feuer und Blut erbaut.“ Pablo Escobar Der 47 Jahre alte Steven Stelfox genießt sein luxuriöses Leben im Vorruhestand, als ihn der Anruf seines ehemaligen Weggefährten James Trellick zurück an die Front holt. Sein Künstler Lucius Du Pre galt als der erfolgreichste Musiker, der jedoch gleichzeitig einem extravaganten Lebensstil auf seiner Ranch Narnia mit einem eigenen Vergnügungspark frönte. Soweit nicht dramatisch, wäre da nicht die unangenehme Vorliebe des Künstlers für kleine Jungs. Und nun existiert auch noch ein Video, welches die Gerüchte auf widerwärtige Weise unterstreicht. Ein Fall für den skrupellosen Problemlöser Steven Stelfox, der einen perfiden Plan verfolgt… Wer befürchtet hat, dass John Niven seinen Biss verloren hat, der kann sich auf Kill 'em all freuen. Denn hier zeigt Niven, ein Kriegsberichterstatter der modernen Wohlstandsgesellschaft, dass er es wie nur wenige andere Autoren beherrscht, ohne jegliche eigene Wertung ein bissiges, zynisches und immer treffsicheres Bild unserer Gesellschaft zu skizzieren und dies dabei so bitterböse zu formulieren, dass es sich einem durch die Netzhaut ins Hirn frisst. Und wer ist dazu besser geeignet, eine unangenehme Bestandaufnahme der Gegenwart zu liefern? Natürlich Steven Stelfox, der ehemalige A&R-Manager, spätere Produzent und Juror der Fernsehshow American Pop Star und jetzige millionenschwere Lebemann im Vorruhestand, der nur noch punktuell gegen ein fürstliches Honorar als freiberuflicher Berater tätig ist. Zuerst begegnete man ihm in dem 1997 spielenden Roman Kill your friends, später trat er in Gott bewahre in Erscheinung, hier nun erleben wir ihn erneut als Hauptprotagonisten des im Jahr 2017 angesiedelten Kill 'em all. Dabei scheint es, als bekomme jedes Jahrzehnt den Beobachter, den es verdient und so haben wir eben für die Zeit der letzten zwei Jahrzehnte einen menschenverachtenden, geldgeilen Zyniker, der diese in allen Belangen unruhige Zeit bissig kommentiert und jede Gelegenheit nutzt, seinen persönlichen Vorteil daraus zu ziehen. Dabei glänzt John Niven mit einem detaillierten Hintergrundwissen und zeigt uns die schmutzige Seite des Business, die jeder erahnt hat, aber immer hoffte, dass es so nicht sei. Parallelen zu bekannten Größen der Kunstszene sind dabei natürlich völlig unbeabsichtigt. Kill 'em all (Originaltitel: Kill 'em all, Großbritannien 2018) erscheint in einer Übersetzung aus dem Englischen von Stephan Glietsch als Hardcover mit rot eingefärbten Seitenschnitt bei Heyne Hardcore (384 Seiten, €20). Kill 'em all ist ein bissiger, unglaublich zynischer Roman, der einem mit seinen schwarzhumorigen Inhalt oftmals das Lachen im Halse stecken bleiben lässt. Wer meint, der Autor übertreibe in seiner Figurenskizzierung, der schaue nur einmal kurz in die aktuellen Nachrichten und treffe dort auf Menschen, denen jegliche Moral und Ethik fremd sind und die für den höchstmöglichen Gewinn bereit sind, alles zu tun, was nötig ist. Der fiktive Steven Stelfox ist nur ein Abziehbild zahlreicher realer Vorbilder, die ihre Macht tagtäglich auf Kosten anderer ausleben… Wie gesagt, bei der Lektüre von Kill 'em all bleibt einem nicht nur einmal das Lachen im Hals stecken! Christian Funke

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Vita

John Niven, geboren in Ayrshire im Südwesten Schottlands, spielte in den Achtzigern Gitarre bei der Indieband The Wishing Stones, studierte dann Englische Literatur in Glasgow und arbeitete schließlich in den Neunzigern als A&R-Manager einer Plattenfirma, bevor er sich 2002 dem Schreiben zuwandte. 2006 erschien sein erstes Buch, die halbfiktionale Novelle Music from Big Pink über Bob Dylan und The Band in Woodstock; 2008 landete er mit dem Roman Kill Your Friends – einer rabenschwarzen Satire auf die Musikindustrie – einen internationalen Bestseller. Es folgten die Romane Coma, Gott bewahre, Das Gebot der Rache, Straight White Male, Old School und Alte Freunde. John Niven schreibt außerdem Drehbücher. Er lebt derzeit in Buckinghamshire, England.

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Events

21. März 2019

Lesung mit John Niven

20:00 Uhr | Berlin | Lesungen & Events
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23. März 2019

Lesung mit John Niven

20:00 Uhr | Leipzig | Lesungen & Events
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24. März 2019

Lesung mit John Niven

20:00 Uhr | Hamburg | Lesungen & Events
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25. März 2019

Lesung mit John Niven

20:00 Uhr | München | Lesungen & Events
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27. März 2019

Kill ’em all! Mit John Niven und Thorsten Nagelschmidt

18:00 Uhr | Köln | Lesungen & Events
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Pressestimmen

»John Niven versteht unsere Ära besser als fast jeder andere.«

Douglas Coupland

»Ein großartiger Satire-Thriller voller Action. Und gleichzeitig ein Roman über die Trump-Ära, Reality-TV und Fake News. Niven gelingt das rare Kunststück, diese Dinge in Form einer Komödie zu verarbeiten.«

Irvine Welsh

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