Mit dem Wind

Wanderungen vom Atlantik bis zum Mittelmeer

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Hardcover
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Den Wind sehen wir nicht, aber wir spüren ihn. Der britische Journalist und Reiseschriftsteller Nick Hunt macht sich auf den Weg, den Wind zu erwandern. Von den Höhenzügen im Nordwesten Englands bis zu den Alpen, von den Ufern der Rhone bis zur Adriaküste führen ihn seine Wanderungen. Es sind Reisen zu wilden Winden und wilden Landschaften - und zu den Menschen, die sie bewohnen: Meteorologen und Sturmjäger, Schäfer und Segler, Exzentriker und Enthusiasten. Dabei erlebt er nicht nur hautnah jene Kräfte, denen er auf der Spur ist, er taucht auch ein in Mythen und Legenden, Geschichte und Geschichten, Wissenschaft und Aberglauben. Ein faszinierender und unkonventioneller Reisebericht.


Aus dem Englischen von Leon Mengden
Originaltitel: Where the wild winds are. Walking Europe's winds from Pennines to Provence
Originalverlag: Nicholas Brealey Publishing
Hardcover mit Schutzumschlag, 416 Seiten, 12,5 x 20,0 cm, 6 s/w Abbildungen
ISBN: 978-3-442-75844-9
Erschienen am  11. November 2019
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Mit dem Wind - Reiseliteratur und Sachbuch

Von: Eva Krafczyk

05.02.2020

Es gibt Menschen, für die sind Namen wie Buchara und Samarkand, Timbuktu oder Sansibar magisch, wecken Fernweh und Neugier. Für Nick Hunt, britischer Journalist und Reiseschriftsteller, wecken Namen wie Scirocco oder Mistral, Passat oder Hamsin ähnliche Sehnsüchte. Sein Buch "Mit dem Wind" ist literarische Reisebeschreibung, Sachbuch zu naturwissenschaftlichen Phänomenen und Betrachtung über Geschichte und Gegenwart, Geografie und Menschen entlang seines Wegs gleichermaßen. Ein Buch, das neugierig macht und fasziniert durch die Neugier und Offenheit des Autors. Eine Karte habe einst seine Neugier geweckt, berichtet Hunt. Dort waren nicht nur die Länder Europas eingezeichnet, sondern auch seine Winde, ihre Richtungen und typischen Stärken und schon die Tatsache, dass sie Namen trugen, verlieh ihnen aus seiner Sicht etwas Erhabenes: "Sie klangen für mich wie jemand, dem man unterwegs begegnen könnte. Diese ungestüm vom Himmel gerabschießenden Pfeile zeichneten Routen auf, denen ich folgen könnte, Pfade, die noch nicht beschritten waren." Genau das tut Hunt, und wählt exemplarisch vier Winde, denen er sich zu Fuß annähert, immer in der Hoffnung, tatsächlich den gesuchten Wind und nicht irgendeine andere Brise zu erleben: Den Helm in den britischen Pennines, die Bora zwischen Triest und Balkan, den Föhn in den Alpen und den Mistral in Südwestfrankreich. Schon allein dieses Projekt klingt spannend und ungewöhnlich. Wer es weniger windumtost mag, kann sich vom heimischen Sofa oder Lieblingssessel ganz ohne Blasen an den Füßen den Wanderungen Hunts anschließen, Zeuge seiner Begegnungen und Eindrücke werde. "Mit dem Wind" ist lehrreich, ohne besserwisserisch oder langweilig zu wirken,. Hunt lässt seine Erkenntnisse wie Anekdoten einfließen,in Unterhaltungen mit Experten oder enthusiastischen Hobbyforschern, Manche seiner Winderlebnisse klingen ebenso dramatisch wie poetische. Zum Beispiel hier, auf der Suche nach der Bora im ehemaligen Jugoslawien: "Der ganze Berg rauschte wie das Meer,; auch die Wipfel gerieten rauschend in Bewegung, wurden geschüttelt und gedroschen, dass ihre obersten Zweige kreischten, als die Bäume sich gegenseitig die Borke vom Stamm rissen. Die Luft war warm, durchtränkt von Feuchtigkeit, und ich hatte das Gefühl, der Wind käme nicht von Norden, sondern vielmehr von über mir, von hinten, von unten, aus allen Richtungen gleichzeitig, entfesselt von einer außer Kontrolle geratenen Thermik und der Topgrafie dieser Berge." Auch wenn Hunt nicht immer den gewünschten Wind auf seinen Wanderungen antrifft, wird in diesem Buch auch der Weg zum Ziel, mit vielen neuen Erkenntnissen und Begegnungen, voll mit Landschaftsbeschreibungen und Rückblicken auf das, was die Menschen an den Orten, die Hunt nun durchwandert, geprägt hat. Das macht "mit dem Wind" auch zu einer entschleunigten Entdeckungsreise durch den europäischen Kontinent, bildhaft und anschaulich geschrieben und voller Einladungen, selbst mal wieder mit offenem Blick loszuziehen, ob unter dem grauen Himmel im englisch-schottischen Grenzland oder im goldenen Licht Südfrankreichs.

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Aeolus und Wanderlatschen -Where the wild winds are

Von: Thursdaynext

11.12.2019

Was für eine abgefahrene Idee den Winden hinterherzuhatschen. Natürlich muss da ein Engländer daherkommen, bei all dem Brexitfrust vergisst man allzu leicht, wie viele wunderbar schräge Vögel mit ebensolchen Ideen, Erfindungen und Gedanken dieses herrliche Inselvolk hervorgebracht hat. Nick Hunt, der als Journalist und Reiseschriftsteller unter anderem für den Guardian schreibt, ist einer dieser nicht hoch genug zu schätzenden Inselbewohner. Mit sechs Jahren wäre er beinahe vom Wind – tatsächlich war es ein Orkan – weggepustet worden. „Hätte ich tatsächlich davongeblasen werden können, hinaus auf die mit Schaumkämmen gesprecnkelte Irische See? Ich bin mir da nicht so sicher, aber irgendwo tief in meinem Inneren schlummerte jahrelang insgeheim der Wunsch es wäre so gewesen.“ So ist es wenig verwunderlich, dass er sich Jahre später auf zur Erforschung der wilden Winde Europas macht. Die Bora, den Helm, den Mistral und den Föhn erwandert er sich und nebenbei erzählt er viel Interessantes über die Geschichte der Winde, über ihren Ursprung, den Einfluss, den sie auf Bewohner, Architektur, Landschaft und Psyche haben. Hier erzählt kein „Experte“, Nick Hunt ist lediglich vielseitig interessiert an allem, was irgendwie mit Winden, Wetter und Landschaft zusammenhängt. Er wirft immer einen Blick hinter das Offensichtliche, philosophiert ein wenig, sucht Gründe für Mythen, die durch diese starken, sich wiederholenden Luftströmungen entstanden und vermengt bravourös Poesie mit Alltäglichem, Pragmatismus mit Kunst, Wohlbefinden, Spiritualität und der Neugier auf das Andere, das Neue und Fremde, die ihn wohl hauptsächlich antreibt. „Die äußerst unterschiedlichen Eigenschaften der verschiedenen Winde habe ich mal als sehr aufbauend empfunden, mal haben sie mich in tiefste Verzweiflung gestürzt oder gar in Angst und Schrecken versetzt. Und schließlich wurden daraus – für mich unerwartet – Reisen zu etwas, das ich nur als Animismus beschreiben kann, den Glauben an die Beseeltheit der Natur und der Naturkräfte, von der Welt als lebendem Ganzen.“ Obwohl ich eigentlich ein reines Wanderbuch erwartet hatte bin ich mehr als glücklich und dankbar Nick Hunts großartiges Erzählen und Windwandern so wie es ist erlebt haben zu dürfen. Bei ihm ist das Wandern wohltuend nebensächlich, die Mühsal wird meist ignoriert, statt sie weitschweifig darzulegen. Hunt hat es nicht nötig, sich hervorzutun, sich zu beweisen, er berichtet nicht groß über Vorbereitungen, Gepäcksauswahl und gönnt sich auch gerne ein Hotelzimmer, wenn es finanziell gestemmt werden kann, dafür hat er Lektüre dabei, besucht Museen, befragt Einheimische und lässt die Leserinnen (Männer wie immer herzlich mitgemeint) an seinem breitgefächerten Bildungsschatz teilhaben. Herrlich, wie er beschreibt, wie Vorurteile sich jahrhundertelang durch die Geschichte ziehen: Hippokrates hielt beispielsweise Bergbewohner für groß, stark, beherzt und arbeitsam, Talbewohner, die von warmen Winden umschmeichelt werden dagegen, sollen: klein, stämmig, viel ängstlicher und arbeitsscheu sein. Mediterrane Römer und Griechen waren der Ansicht, die nördlich und südlich vom Mittelmeer hausenden „Barbaren“ seien so brutal aufgrund der extremen Temperaturen ihrer Habitate. Der arabische Gelehrte Ibn Khaldrun glaubte, Zivilistion könne sich nur in einer (der von ihm bewohnten) Klimazone entwickeln, alle anderen klimatischen Bedingungen verdammten ihre Bevölkerung zur Unkultiviertheit. Als sich später die Machtverhältnisse verschoben, waren es Denker wie Robert Burton und John Arbuthnot, beides Briten, die fest davon überzeugt waren, dass „Kälte stimulierend auf den Intellekt wirkte.“ Von erheiternd bis dramatisch; Nick Hunts im Original benanntes „Where the wild winds are“ mit und hinter dem Wind(en) Reisen ist eine wunderbare Reise durch Kultur, Geschichte, und seine Gedanken, die besonders gut in diese trübe, nasse, dunkle Jahreszeit passen und die Gelegenheit bieten, ihr wie auf Windesschwingen zu entschweben. Eine Genussreise ohne Anstrengungen, die hat der Autor auf sich genommen und es hat sich in vielfacher Hinsicht gelohnt. Empfehlenswerte „Wanderlektüre“, die zur Nachahmung verführt. Oder Couchlektüre zum Schwelgen bei Tee und Kaminfeuer. So wunderschön wie das großartig gestaltete Cover.

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Vita

Nick Hunt ist Journalist und Reiseschriftsteller. Er hat einen großen Teil Europas durchwandert und darüber geschrieben, u.a. für den »Ecomnomist« und den »Spectator«. Hunt ist außerdem Autor und Mitherausgeber des »Dark Mountain Project«.

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