Morgengrauen

Storys

(6)
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Geschrieben im Hochsicherheitsgefängnis von Edirne - »ein Zeichen des Widerstands gegen Erdogan« FAS

Wenn eine Frau Opfer staatlicher Willkür wird, nur weil sie zur falschen Zeit auf dem Weg zur Arbeit ist. Wenn ein Vater sich gezwungen sieht, über seine Tochter zu richten, um die Ehre der Familie zu retten. Wenn einem Mädchen nur die Flucht von zu Hause bleibt, um selbst über sein Leben zu bestimmen.

Jede einzelne der Schicksalsgeschichten lässt einem den Atem stocken, weil nichts so erschütternd ist wie die Realität, aus der Selahattin Demirtaş schöpft. Nur selten kommt man dem Alltag in der islamischen Welt so nahe wie in diesen Erzählungen. Konkret und ungeschönt schildern sie das Leben in der Türkei, das gespalten ist zwischen Tradition und Moderne, Ignoranz und ohnmächtiger Wut. Storys von politischer Wucht – die in der Türkei von Hunderttausenden gelesen werden.

»Demirtaş‘ Storys sind ein kunstvoll verschlüsseltes, subtil erzähltes Dokument der Menschenliebe und der Moral, ein Plädoyer für die Zukurzgekommenen.«


Aus dem Türkischen von Gerhard Meier
Originaltitel: Seher
Originalverlag: Dipnot Yayinlari
Hardcover, Pappband, 144 Seiten, 12,5 x 20,0 cm
mit Banderole
ISBN: 978-3-328-60061-9
Erschienen am  15. Oktober 2018
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Wer gerne eindringliche Geschichten liest, die einen nicht mehr loslassen, ist hier sehr gut beraten.

Von: Daniela Vödisch

04.01.2019

Ich mag schicksalsträchtige Geschichten sehr und wenn sie aus anderen Kulturen kommen, umso besser. Deswegen war für mich klar, dass ich das Buch lesen möchte, als ich es bei Amazon entdeckt habe. Der Autor Selahattin Demirtas ist ein türkischer Politiker und ehemaliger Vorsitzender einer Partei, die Minderheitenrechte befürwortet. 2014 ist er als einer von drei Kandidaten gegen Erdogan bei der Wahl angetreten. Seit November 2016 sitzt er in einem Hochsicherheitsgefängnis in Edirne. Ihm wird auf Initiative von Erdogan Terrorpropaganda und Mitgliedschaft in einer bewaffneten Terrororganisation (PKK) vorgeworfen. Dafür findet sich kein einziger Beweis in der Anklageschrift und doch wurde er am 4.12.2018 in zweiter Instanz verurteilt. Seitdem gilt er in der Türkei als ein verurteilter Gefangener. Im Gefängnis begann er, Erzählungen nieder zu schreiben, diese wurden nach einer Prüfung durch die Gefänfnisdirektion an einen Verlag gefaxt. Dieser gab die Sammlung 2017 heraus und Morgengrauen wurde zum Beststeller. In der Türkei hat sich das Buch bereits über 200.000 Mal verkauft. Die Erzählungen beginnen mit den Schilderungen der Haftbedingungen, was mir bereits die Tränen in die Augen getrieben hat. Und doch versuchen er und der Parlamentsabgeordnete Abdullah und er das beste draus zu machen. Man merkt dem Autoren die Ironie und auf der anderen Seite das Gefühl deutlich an, mit der er die Geschichten erzählt. Was mir aufgefallen ist, ist das die Atmosphäre der Erzählungen stark schwanken wie wahrscheinlich auch seine Stimmung. "Morgengrauen" sollte man aber nicht nur dem Hintergrund des Autors wegen lesen, denn die Geschichten sind so gut geschrieben, dass sie auch für sich alleine stehen können. Politische Gründe stehen in den Geschichten eher hinten an, vielmehr geht es um die türkische Gesellschaft. Die problematische Situationen der türkischen Frauen kommt zur Sprache, ebenso wie die "Ehre" der türkischen Männer und die nicht vorhandene Meinungs- und Pressefreiheit. Auch die Doppelmoral und die ursprünglichen Verhaltensweisen der Türken wird behandelt, und auch vor Vergewaltigung macht der Autor nicht halt. Die Geschichte fand ich persönlich am krassesten, besonders das Ende hat mich umgehauen. "Morgengrauen" ist ein sehr intensives Buch, eines der wenigen, die man liest und nie wieder vergisst. Von einem Lesevergnügen kann man hier nicht sprechen, aber ich denke, dessen ist man sich bewusst, wenn man so etwas liest. Ich finde dieses Buch sehr sehr wichtig, da die Geschichten verschlüsselt von den Figuren erzählen, die in der Türkei zu kurz kommen. Fazit: Wer gerne eindringliche Geschichten liest, die einen nicht mehr loslassen, ist hier sehr gut beraten.

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Sehr kurz, aber sehr interessantes Buch

Von: little_book_worm91

10.12.2018

Ich finde sehr interessant, dass Demirtas aus dem Hochsicherheitsgefängnis von Edirne geschrieben hat und seine Geschichten sind alles andere als frei erfunden. In den 12 kurzen und doch sehr intensiven Geschichten erfährt man mehr, als man auf den ersten Blick meinen könnte. Die Botschaft, die dabei vermittelt wird, erschüttert einen bis auf die Knochen. Erster Satz: „Unser Gefängnishof ist so gross wie ein rechteckiger Betonbrunnen.“ Jede Geschichte verbirgt auf ihre Art eine Botschaft, dessen Grausamkeit einem nur allzu exakt beschrieben wird.

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Vita

Selahattin Demirtaş, Jahrgang 1973, war bis Februar 2018 Co-Vorsitzender der Oppositionspartei HDP, der Demokratischen Partei der Völker, die sich für eine pluralistische Türkei einsetzt. Der kurdische Politiker ist Erdoğans wichtigster Gegenspieler und wird seit November 2016 festgehalten. Im Hochsicherheitsgefängnis von Edirne hat Demirtaş angefangen, Erzählungen zu schreiben. »Morgengrauen« wurde zum Bestseller und hat sich 200.000 Mal in der Türkei verkauft. Das Buch war für den renommierten französischen Prix Médicis étranger nominiert und wurde mit dem PEN Translates Preis ausgezeichnet.

Zur AUTORENSEITE

Gerhard Meier

Gerhard Meier, geboren 1957, lebt seit 1986 in Lyon und übersetzt literarische Werke aus dem Türkischen und Französischen, unter anderem von Orhan Pamuk, Zülfü Livaneli, Amin Maalouf, Henri Troyat und Sait Faik. 2014 erhielt er für sein Gesamtwerk den Paul-Celan-Preis.

zum Übersetzer

Events

27. Feb. 2019

Solidaritätsveranstaltung mit Deniz Yücel und Özlem Topcu (ZEIT)

19:00 Uhr | Nürnberg | Lesungen & Events
Morgengrauen

28. Feb. 2019

Solidaritätsveranstaltung mit Deniz Yücel und Cem Özdemir

18:30 Uhr | München | Lesungen & Events
Morgengrauen

Pressestimmen

»Dieses Buch ist keine Politprosa. Es ist hohe Erzählkunst.«

DIE ZEIT, Günter Wallraff (19. Dezember 2018)

»Ein Zeichen des Widerstands gegen Erdoğan.«

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

»Sehr eindrücklich skizziert Selahattin Demirtaş in seinen Geschichten die wunden Punkte der Gesellschaft in der Türkei. Geprägt von einem zutiefst demokratischen und emanzipatorischen Grundverständnis, zwingt er seine Leserinnen und Leser zur Auseinandersetzung mit blinden Flecken wie den stillen Schicksalen von Frauen und Mädchen. Damit stellt Demirtaş erneut unter Beweis, dass er einer der wichtigsten politischen Denker der Türkei ist.«

Cem Özdemir

»Man kann ›Morgengrauen‹ als Fortsetzung eines humanitären Kampfes mit literarischen Mitteln deuten. Doch hat es als Kunst über diese Intention hinweg Bestand.«

»Zwölf leise, aber eindringliche Geschichten, die mit ihrer menschlichen Tiefe und literarischen Kraft das Buch zu einem Leseerlebnis machen, frei von aller politischen Propaganda.«

»Demirtaş erweist sich als höchst talentierter und sprachgewandter Erzähler, der den Leser mit wenigen Sätzen tief hineinführt ins Seelenleben seiner Figuren.«

»Diese Erzählungen sind politisch, aber kein Agitprop. Demirtas erzählt von realen Begebenheiten, sehr konkret, atmosphärisch, voller Humor.«

Hurriyet

»Demirtaş schreibt über Themen, die sich vom Politischen keineswegs trennen lassen: über Frauenfragen, Arbeiterrechte, den Krieg ... Wir lesen die Widmung, ›Allen misshandelten und ermordeten Frauen‹, und dann drängen so wahre Geschichten auf uns ein, dass wir uns Zeile um Zeile an Erlebtes und Gehörtes erinnern.«

BirGün Kitap

»Ins Dramatische webt Selahattin Demirtaş mit viel Intelligenz und Humor auch Hoffnung hinein. Solange wir leben, gibt es auch Hoffnung, sagt er uns. Nur etwas Mut brauchen wir, und die Einsicht, dass jegliche Lösung im Menschen liegt. Meisterhaft verknüpft Demirtaş seine Erzählungen über das Leben mit dem Politischen.«

T24

»Das schnörkellose, auf einen Sitz zu lesende Buch zeigt nicht nur auf, mit welcher Meisterschaft eine der stärksten politischen Figuren der Türkei ihre Gefängnismauern überwunden hat, sondern es weist auch jungen Literaten, die sich in eine Art Opfersprache einsperren, einen ganz neuen Weg.«

Duvar

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