Neujahr

Roman

Bestseller Platz 8
Spiegel Hardcover Belletristik

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Lanzarote, am Neujahrsmorgen: Henning sitzt auf dem Fahrrad und will den Steilaufstieg nach Femés bezwingen. Seine Ausrüstung ist miserabel, das Rad zu schwer, Proviant nicht vorhanden. Während er gegen Wind und Steigung kämpft, lässt er seine Lebenssituation Revue passsieren. Eigentlich ist alles in bester Ordnung. Er hat zwei gesunde Kinder und einen passablen Job. Mit seiner Frau Theresa praktiziert er ein modernes, aufgeklärtes Familienmodell, bei dem sich die Eheleute in gleichem Maße um die Familie kümmern. Aber Henning geht es schlecht. Er lebt in einem Zustand permanenter Überforderung. Familienernährer, Ehemann, Vater – in keiner Rolle findet er sich wieder. Seit Geburt seiner Tochter leidet er unter Angstzuständen und Panikattacken, die ihn regelmäßig heimsuchen wie ein Dämon. Als Henning schließlich völlig erschöpft den Pass erreicht, trifft ihn die Erkenntnis wie ein Schlag: Er war als Kind schon einmal hier in Femés. Damals hatte sich etwas Schreckliches zugetragen - etwas so Schreckliches, dass er es bis heute verdrängt hat, weggesperrt irgendwo in den Tiefen seines Wesens. Jetzt aber stürzen die Erinnerungen auf ihn ein, und er begreift: Was seinerzeit geschah, verfolgt ihn bis heute.

»Mit leichter Feder kombiniert Juli Zeh eine kluge Meditation über moderne Männerrollen mit einem düsteren Buch über ein Kindheitstrauma zum Psychothriller.«

Denis Scheck / Der Tagesspiegel (28. Oktober 2018)

ORIGINALAUSGABE
Hardcover mit Schutzumschlag, 192 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-630-87572-9
Erschienen am  10. September 2018
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.
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Leserstimmen

Urlaub im Scheibenhaus

Von: femundo

15.01.2019

Henning hatte von großen weißen Villen geträumt, gereicht hat es nur für einen Urlaub in einer schmalen Ferienwohnung, dem 'Scheibenhaus'. An Silvester hofft er auf einen romantischen Abend, aber seine Frau Theresa flirtet heftig mit einem anderen. Mit einer Fahrradtour auf den Berg von Fémes muss Henning sich am nächsten Morgen Luft verschaffen. Untrainiert bricht er am Gipfel zusammen, gleitet er in einen Dämmerzustand zwischen Traum und Realität und erinnert sich an die große Tragödie, die er als Kind hier erlebt hat. An dieser Stelle zerfällt auch das Buch in zwei Teile. Henning erinnert sich an ein frühkindliches Drama, die Eltern waren wie vom Erdboden verschwunden und er kämpfte verzweifelt um das Leben seiner Schwester. Der Roman ist spannend erzählt, aber die Verbindung der beiden Erzählstränge ist ausgesprochen holprig. Das Dé­jà-vu wirkt bemüht, das kindliche Trauma als Erklärung für spätere Panikattacken ein wenig zu simpel.

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Wer ein intensives Leseerlebnis sucht und den psychische Krankheiten oder eine krasse Kindheit nicht triggern, ist hier absolut gut beraten.

Von: Daniela Vödisch

14.01.2019

Ich bin noch nach der Lektüre völlig begeistert von der Art und Weise, wie die Autorin hier die Bedeutung frühkindlicher Erfahrungen für die Psyche / die Persönlichkeit eines Menschen in die Geschichte eingebaut hat. Ich habe mir des Öfteren während der Lektüre gedacht, dass entweder die Autorin selbst solche Erfahrungen gemacht haben oder zumindest sich mit Betroffenen unterhalten haben muss. Die Schilderungen von Hennings Gefühlswelt kommt so glaubhaft rüber, dass man ihm als Leser alles abnimmt. Die Tiefe der Geschichte, die sie so erzeugt, stellen so manche Psychothriller in den Schatten. Wirklich wahnsinnig gut. Auch das Erlebnis der Bergtour, die Henning absolviert, ist so bildhaft und real beschrieben, dass mir völlig klar war, dass Juli Zeh auch das entweder selbst erlebt oder durch Fachleute tiefgehend recherchiert hat. Auch die Schwierigkeit einer Beziehung mit psychisch kranken/traumatisierten Menschen wird hier gut dargestellt. Hennings Frau Theresa versucht zwar aufrichtig, ihren Mann zu unterstützen, doch es will ihr nicht gelingen und sie schmeißt hin. Das hört sich zwar fies an, aber nachdem ich selbst lange krank war kann ich das heute, wo es mir wieder gut geht, nachvollziehen. Gerade wenn Kinder im Spiel sind, ist es unglaublich schwierig für den Partner, eine solche Störung aufzufangen. Der Schreibstil ist derart gefühlvoll und intensiv, dass er mich stellenweise wirklich umgehauen hat. Ich habe das Buch mit vielen Klebezettelchen markiert, weil ich mir einige der Stellen noch herausschreiben möchte. Der Spannungsbogen während der verschiedenen Stationen der Reise sucht seinesgleichen und zieht den Leser tief in das Leben von Protagonist Henning hinein. Trotz des geringen Umfangs hat es mir bei der Geschichte an nichts gefehlt, denn ich habe Hennings komplettes Leben verfolgen können, von der Kindheit bis in die Gegenwart. Dadurch konnte ich seine persönliche Entwicklung verfolgen, was zwar beklemmend, aber sehr intensiv war. Die Intensität hat mich stellenweise an "Mein Ein und Alles" von Gabriel Tallent erinnert. Fazit: Wer ein intensives Leseerlebnis sucht und den psychische Krankheiten oder eine krasse Kindheit nicht triggern, ist hier absolut gut beraten.

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Vita

Juli Zeh, 1974 in Bonn geboren, studierte Jura in Passau und Leipzig. Schon ihr Debütroman "Adler und Engel" (2001) wurde zu einem Welterfolg, inzwischen sind ihre Romane in 35 Sprachen übersetzt. Ihr Gesellschaftsroman "Unterleuten" (2016) stand über ein Jahr auf der SPIEGEL-Bestsellerliste. Juli Zeh wurde für ihr Werk vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Rauriser Literaturpreis (2002), dem Hölderlin-Förderpreis (2003), dem Ernst-Toller-Preis (2003), dem Carl-Amery-Literaturpreis (2009), dem Thomas-Mann-Preis (2013), dem Hildegard-von-Bingen-Preis (2015) und dem Bruno-Kreisky-Preis (2017) sowie dem Bundesverdienstkreuz (2018). 2018 wurde sie zur ehrenamtlichen Richterin am Verfassungsgericht des Landes Brandenburg gewählt.

www.juli-zeh.de

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Pressestimmen

»Weil beides, der Thriller und die Gesellschaftsanalyse, hier so dicht ineinandergreifen, ist ›Neujahr‹ vielleicht Juli Zehs bislang bestes Buch.«

Karin Janker / Süddeutsche Zeitung (08. September 2018)

»Mit ›Neujahr‹ erbringt Juli Zeh den Beweis, dass sich gute Unterhaltung problemlos mit inhaltlichem Tiefgang und literarischer Qualität verbinden lässt.«

Luzia Stettler / Radio SRF 2 Kultur (10. September 2018)

»Ein beeindruckendes Spiel mit verschiedenen Zeit-, Wahrnehmungs- und Realitätsebenen.«

Jörn Meyer / BuchMarkt (01. Juni 2018)

»Klug analysiert Juli Zehs ›Neujahr‹, wie die Kindheit unser Lebensgefühl prägt.«

Nido (15. August 2018)

»Eine emotionale Tour de Force in die Vergangenheit, ein Ritt, der einen mitreißt und erschöpft, aber bereichert zurücklässt. Kurz - und trotzdem gut.«

Christine Ritzenhoff / emotion (05. September 2018)

»Auf der Hälfte kippt Juli Zehs kunstvoll konstruierter Familienroman in einen Psychothriller.«

Ute Büsing / rbb Inforadio (16. September 2018)

»Eine hochkonzentrierte und kompakte Geschichte mit fesselnder Dynamik und einem Aha-Effekt, der es in sich hat.«

Ulrich Noller / SWR2 (08. September 2018)

»Wenn man die Familie als Keimzelle der Gesellschaft betrachtet, ist auch dieses fesselnde Buch eine Art Gesellschaftsroman.«

Birgit Nüchterlein / Nürnberger Nachrichten (10. September 2018)