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Nicht einmal das Schweigen gehört uns noch Essays

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Gebundenes Buch mit Schutzumschlag ISBN: 978-3-8135-0780-5

Erschienen: 20.03.2017
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Eine der wichtigsten Stimmen der türkischen Opposition – Aslı Erdoğans politische Essays erstmals auf Deutsch

"Wir müssen den Mördern die Stirn bieten und die Opfer zu Wort kommen lassen." Aslı Erdoğan, die große türkische Romanautorin und Oppositionelle, ist zur Symbolfigur für die Meinungsfreiheit und das Ausmaß der türkischen Willkürherrschaft geworden. Für ihre Publikationen wurde sie viereinhalb Monate inhaftiert und ist momentan unter Auflagen für die Dauer des Gerichtsprozesses frei. Erstmals liegt nun eine Auswahl ihrer politischen Essays, die derzeit nicht in der Türkei erscheinen können, auf Deutsch vor. „Ihr Buch macht deutlich, wie unverzichtbar die Stimme und das Engagement einer Frau in jedwedem Freiheitskampf ist […] Seite für Seite wird man aufgerüttelt und Zeuge ihres unermüdlichen Widerstands.“ Libération

»Ein wichtiges, erhellendes Buch in einer sich verdunkelnden Zeit.«

Salzburger Nachrichten, Martin Behr (20.03.2017)

Aslı Erdoğan (Autorin)

Aslı Erdoğan, geboren 1967 in Istanbul, studierte Informatik und Physik und arbeitete einige Jahre als Physikerin am CERN bei Genf, ehe sie sich auf das Schreiben konzentrierte. 2010 wurde sie mit dem bedeutendsten Literaturpreis der Türkei ausgezeichnet. Als Kolumnistin schrieb sie zunächst für die Zeitung „Radikal“, ab 2011 für die kurdisch-türkische Zeitung „Özgür Gündem“. Im August 2016 wurde Aslı Erdoğan nach dem gescheiterten Militärputsch in der Türkei zusammen mit 22 anderen Journalisten der Zeitung verhaftet und Ende Dezember 2016 für die Dauer des laufenden Prozesses unter Auflagen entlassen.

»Ein wichtiges, erhellendes Buch in einer sich verdunkelnden Zeit.«

Salzburger Nachrichten, Martin Behr (20.03.2017)

»Aslı Erdoğan ist eine Schriftstellerin, die sich mit Haut und Haaren ausliefert. Sie schreibt um ihr Leben, gibt sich preis, setzt ihr Leben aufs Spiel und schafft existentialistische Literatur.«

Bayerischer Rundfunk, BR2 „Diwan“ (18.03.2017)

»In ihren Texten präsentiert sich Erdoğan als empfindsame und genau beobachtende Zeitgenossin, die sich um die politischen Verhältnisse ihres Landes sorgt.«

Berliner Zeitung, Harry Nutt (22.03.2017)

»(...) die Texte fangen die momentane Stimmung in der Türkei, die gespalten ist zwischen Ignoranz und ohnmächtiger Wut, besser ein als hunderte von Nachrichtenmeldungen dies vermögen.«

Deutschlandfunk "Andruck", Kristina Karasu (24.04.2017)

»Ihre Essays gehören zum erhellendsten, das über die Lage in der Türkei geschrieben wird.«

Berliner Zeitung, Arno Widmann (15.07.2017)

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Originaltitel: Artık Sessizlik bile Senin Değil
Originalverlag: Everest

Mit Beiträgen von Cem Özdemir

Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 192 Seiten, 12,5 x 20,0 cm

ISBN: 978-3-8135-0780-5

€ 17,99 [D] | € 18,50 [A] | CHF 24,50* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: Knaus

Erschienen: 20.03.2017

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Nicht einmal das Schweigen gehört uns noch – ein wenig ferne Heimat

Von: ahukader Datum: 24.06.2017

blog.ahukader.de

Asli Erdogan, geboren 1967 in Istanbul, studierte Informatik und Pyhsik und arbeitete einige Jahre als Physikerin am CERN bei Genf, ehe sie sich auf das Schreiben konzentrierte. 2010 wurde sie mit dem bedeutendsten Literaturpreis der Türkei ausgezeichnet. Als Kolumnistin schrieb sie zunächst für die Zeitung Radikal, ab 2011 für die kurdisch-türkische Zeitung Özgür Gündem. Im August 2016 wurde Asli Erdogan nach dem gescheiterten Militärputsch in der Türkei zusammen mit 22 anderen Journalisten der Zeitung verhaftet und Ende Dezember 2016 für die Dauer des laufenden Prozesses unter Auflagen entlassen.

Inhalt:

Sie sagte, sie sei nicht einmal Kurdin. Genau das machte sie jedoch für die Politik des Präsidenten so gefährlich. Asli Erdogan ist eine „weiße Türkin“. […], war sie von Kindertagen an auf Bildung fokussiert. (Seite 24)

Das Buch beginnt mit einem langen Vorwort von Cem Özdemir. Er beschreibt die Politische Entwicklung der Türkei. Ohne diese Schilderung, wäre es für außenstehende Leser wahrscheinlich schwierig geworden, die Texte von Asli Erdogan zu verstehen.

Danach beginnen die Essays von Asli Erdogan. Sie schreibt sehr gefühlsvoll und poetisch. Sie schreibt über die Samstagsfrauen der Türkei, über die Gezi-Proteste. Über den armenischen Schriftsteller Hrant Dink, der im Jahre 2007 vor seiner Zeitung erschossen wurde. Und darüber, dass sie nicht schweigen möchte.

Ich will nicht Mittäterin sein an der Ermordung von Menschen, und auch nicht an der Ermordung von Worte, an der Ermordung der Wahrheit. (Seite 62)

Sie schreibt über den Krieg an den Grenzen der Türkei. Sie setzt sich mit ihren Texten für die Kurden ein, was in Augen einiger ein Dorn ist.

Genau deshalb wurde sie meiner Meinung nach, nach dem von wegen verhinderten Militärputsch inhaftiert und ist nun auf freiem Fuß und darf die Türkei nicht verlassen.

Sie schreibt über die Gewalt an Frauen und erinnert in einem ihrer Texte an Özgecan Arslan, das junge Mädchen, welches von einem Busfahrer vergewaltigt und danach umgebracht worden ist.

Du denkst, das Leben ist ein unfähiger Schriftsteller, der mit Tragödien nicht zurechtkommt und sich deshalb auf billige Dramen verlegt. (Seite 97)

Meine Meinung:

Als Türkin habe ich dieses Buch mit einem weinenden Auge gelesen. Ich kenne die Ereignisse, die Asli Erdogan in ihren Essays schildert und bin durchaus davon überzeugt, dass dieser Wahnsinn, der sich zur Zeit in meiner fernen Heimat abspielt, nur dann enden kann, wenn die Menschen sich nicht beeinflussen lassen, alles erforschen und sich Fragen zu den Geschehnissen stellen. Wenn sie logisch darüber nachdenken, was sich in den letzten 13 Jahren entwickelt oder doch zurückentwickelt hat und dem ganzen ein Ende setzen, in dem sie das sagen, was sie denken, ohne Angst davor zu haben, Gewalt am eigenen Leibe zu erfahren.

Die heutige Türkei, hautnah

Von: Myriade Datum: 06.06.2017

https://laparoleaetedonneealhomme.wordpress.com/

Endlich habe ich wieder einmal Zeit zum Literaturreisen. Die Türkei ist derzeit ein recht ungemütliches (Reise)land, aber darum geht es in dem Buch ja auch.
Ob Asli Erdogan irgendwie mit dem türkischen Präsidenten verwandt ist, habe ich nicht recherchiert. Es ist im Grunde auch nicht wichtig. Die Autorin ist jedenfalls eine sehr vielseitige Frau. Nach ihrem Physikstudium hat sie eine Zeit in der Schweiz bei CERN gearbeitet, und hat sich dann dem Journalismus zugewandt.
Die Essays in diesem Buch handeln von Ereignissen in der jüngsten Geschichte der Türkei; Ob sie deswegen als „politische Essays“ bezeichnet werden können ? Es sind keine journalistischen Berichte über Geschehnisse und Vorfälle im politischen Leben. Asli Erdogan erzählt von ihrem persönlichen Erleben in einer literarischen Sprache.
„Lang schon ist der Tag angebrochen, aber er scheint am blutroten Horizont hängen zu bleiben wie an einem Haken (Auf der Bosporusbrücke beginnen die Lynchmorde) Er ist eher die Verlängerung der Nacht als ein wirklich neuer Tag. Das Licht kommt von einer ferneren, kälteren Sonne. es wärmt nicht, es tröstet nicht, es verspricht den geretteten oder verlorenen Lebendigen nichts.“ p. 39
Es ist wahrscheinlich den Übersetzern zu verdanken, dass es erklärende Fußnoten gibt für diejenigen, die mit der türkischen Innenpolitik nicht wirklich vertraut sind. Für mich zum Beispiel waren die Fußnoten sehr hilfreich, weil ich keine Ahnung hatte, welche Dimension der Brutalität die Verfolgung der Kurden tatsächlich angenommen hat. Und auch nicht welch ein wichtiges Thema der deutsche Parlamentsbeschluss über den türkischen Genozid an den Armeniern in der Türkei war und ist.
„Ich zitiere aus Reden unserer „Staatsoberhäupter“. „Geschichtslüge“, „null und nichtig“, „unmoralisches Gesetz“, „rassistische Armenierlobby“, „Handlanger deutscher Unrechtstaatlichkeit“, „das türkische Volk hat sich noch nie etwas zuschulden kommen lassen“, „das türkische Volk ist seit jeher ein Vorbild an Barmherzigkeit“, „Verleumdung unserer Ahnen“, „entartete Verräter“ ………(…) Wissen wir tatsächlich nicht, dass im Fundament des Gebäudes, von dessen Balkon herab wir große Reden schwingen, lauter Tote eingemauert sind ?
(…) Wir haben einem Volk den Garaus gemacht, das hier Tausende von Jahren gelebt hatte. Haben so Schreckliches getan, dass die Überlebenden es nur als „Große Katastrophe“ benennen konnten. Vielleicht kann man die Vergangenheit nicht mit jetzigen Maßstäben bewerten, doch wir Heutigen begehen unser eigentliches Verbrechen dadurch, dass wir weghören und schweigen. Nicht nur zu den Ereignissen von 1915 oder 1938, sondern auch zu dem, was heute geschieht, in dieser Stunde … p47ff. „
Der Essay, der dem Band seinen Namen gegeben hat „Nicht einmal das Schweigen gehört uns noch“ wird durch Zitate aus einem Gedicht von Giorgos Seferis strukturiert. Sowohl Seferis Gedicht als auch Erdogans Text sind sehr hart. Asli Erdogan formuliert hier auch eines ihrer wichtigsten Ziele : „Ich will nicht Mittäterin sein“. Dies war (laut Fußnote) auch die wichtigste Aussage eines Manifests von 1128 Wissenschafterinnen und Wissenschaftern aus Universitäten in der ganzen Türkei, im im Jänner 2016. Sie protestierten gegen den Vernichtungskrieg der Sicherheitskräfte in den kurdischen Städten. Viele von ihnen verloren seither ihre Stellen und mussten ins Ausland fliehen. p66,67
Vielleicht ist dieser Essay das Herzstück der Sammlung. Was nicht heißt, das nicht auch die anderen äußerst lesenswert sind. Einerseits wegen ihrer literarischen Qualität und andererseits wegen der Insiderinformationen über Geschehnisse in der Türkei.
Ich danke dem Verlag für die Überlassung des Rezensionsexemplars

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