VERLAGSGRUPPE RANDOM HOUSE - BERTELSMANN
Menü
  • facebook
  • google+
  • whatsapp
  • twitter
  • add this

Russensommer Meine Erinnerungen an die Befreiung vom NS-Regime

Bestellen Sie mit einem Klick

oder kaufen Sie direkt vor Ort bei Ihrem Buchhändler.

€ 19,99 [D] inkl. MwSt.
€ 20,60 [A] | CHF 26,90*
(* empf. VK-Preis)

Gebundenes Buch mit Schutzumschlag ISBN: 978-3-570-10311-1

Erschienen: 17.10.2016
Dieser Titel ist lieferbar.

Weitere Ausgaben: Taschenbuch, eBook (epub)

Abonnieren Sie unseren Newsletter

Anmeldung

  • Info

  • Vita

  • Pressestimmen

  • Service

  • Biblio

Die Kindheitserinnerungen der bekannten Politikerin an das Kriegsende

Der Sommer 1945 hat sich Cornelia Schmalz-Jacobsen tief ins Gedächtnis gebrannt. Sie erlebte das Kriegsende als zehnjähriges Mädchen bei Verwandten an der Ostsee. Den Anmarsch der Russen empfand sie als Befreiung: Endlich war der Krieg mit seinen Berliner Bombennächten vorbei, es bestand keine Gefahr mehr durch SS oder Gestapo. Die Last des jahrelangen Schweigens über die Gesinnung ihrer Eltern – sie waren aktive Nazi-Gegner – fiel von ihr ab. Vor allem aber ihre Freundschaft zu drei jungen Rotarmisten machte diesen Jahrhundertsommer für sie unvergesslich. Auch wenn die Erinnerungen an diese Zeit überwiegend glücklich waren – die dunklen Momente blieben ihr nicht verborgen: So berichtet sie von der diffusen Angst der Frauen vor den Soldaten, von Kriegsgefangenen, von versteckten SS-Leuten und ganzen Familien, die sich nach Ende des NS-Regimes das Leben nahmen. Einfühlsam und berührend schildert Cornelia Schmalz-Jacobsen den Sommer nach dem Ende des Krieges und eröffnet einen überraschenden Blick auf ihre Kindheit in jener dramatischen Zeit.

"'Russensommer' enthält bewegende Erinnerungen, aber auch eine politische Botschaft."

Der Spiegel (17.12.2016)

Cornelia Schmalz-Jacobsen (Autorin)

Cornelia Schmalz-Jacobsen, geb. 1934, hat ein Sprachstudium absolviert und arbeitet seit 1962 als Journalistin. Sie trat 1968 in die FDP ein und hat zahlreich politische Ämter innegehabt: u.a. Stadträtin in München, Senatorin für Jugend und Familie in Berlin, FDP-Generalsekretärin, stellvertretende Bundesvorsitzende der FDP, Bundestagsabgeordnete sowie Beauftragte der Bundesregierung für die Belange der Ausländer. Außerdem ist sie stellvertretende Vorsitzende der Vereinigung "Gegen Vergessen – Für Demokratie". Cornelia Schmalz-Jacobsen hat über ihre Eltern ein Buch veröffentlicht: "Zwei Bäume in Jerusalem", in dem sie über den Widerstand ihrer Eltern gegen das Nazi-Regime und ihre Rettungsaktionen für Verfolgte schreibt. (In der "Allee der Gerechten" in Yad Vashem erinnern zwei Bäume an sie.)

"'Russensommer' enthält bewegende Erinnerungen, aber auch eine politische Botschaft."

Der Spiegel (17.12.2016)

"Cornelia Schmalz-Jacobsens Erinnerungen geben Einblicke in ein Leben, aus dem man lernen kann, was Mut & Zivilcourage heißt."

rbb "Stilbruch" (20.10.2016)

ORIGINALAUSGABE

Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 224 Seiten, 13,5 x 21,5 cm

ISBN: 978-3-570-10311-1

€ 19,99 [D] | € 20,60 [A] | CHF 26,90* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: C. Bertelsmann

Erschienen: 17.10.2016

  • Leserstimmen

  • Rezension verfassen

Von: Christine Immenkötter Datum: 15.01.2017

Noch nie hat mich ein Buch so tief bewegt wie "Russensommer". Die Autorin hat unserer vergessenen Generation der Kriegs- und Nachkriegskinder eine Stimme gegeben. Die unzähligen Parallelen zu meiner eigenen Lebensgeschichte bis hin zu kleinsten Details wie "Flöheknacken" haben mich den Atem anhalten lassen.

Christine Immenkötter, Jahrgang 1936

"Russensommer" - Das Kriegsende mal aus einer anderen Perspektive

Von: Anne Datum: 20.10.2016

Im Herbst 1943 wird eine Neunjährige aus Berlin zu Verwandten an die Ostsee geschickt. Das Stadtkind bleibt über zwei Jahre auf der idyllischen Halbinsel Darß-Zingst, erlebt dort ein relativ unspektakuläres Kriegsende, lernt in der Ostsee schwimmen, auf den russischen Soldatenpferden reiten und kehrt am Ende zur Familie zurück. Eines von vielen autobiografischen Büchern mit Kindheitserinnerungen an Krieg und Kriegsende? Nein - dieses ist viel mehr:

Das Buch entzieht sich durch die Kinderperspektive der Versuchung der Parteinahme, der Klage und Anklage. Wenn die Stimme der Erzählerin von heute dazukommt, versucht auch diese, nicht zu beurteilen, sondern das Kind zu verstehen, das sie war. (In den besten Passagen erinnert der "Russensommer" auch stilistisch an die mecklenburgischen Kindheitbeschreibungen von Uwe Johnson.)

Das Kind spürt im Russensommer zum ersten Mal, "wie Freiheit sich wirklich anfühlt". Das brave Antinazikind (wie die Autorin sich selbst nennt), hat schon mit sechs Jahren gelernt, dass Deutschland von einem bösen König regiert wird, der alle Gegner einen Kopf kürzer macht. Die Eltern, wie auch die Verwandten an der Ostsee, sind aktive Regimegegner. Das "Antinazigeheimnis" macht das Mädchen frühzeitig erwachsen, aber auch einsam. In der Schule sagt es folgsam auf "Händchen falten. Köpfchen senken, immer an den Führer denken", aber ansonsten hält es die Klappe.

Der Einmarsch der Russen ist deshalb auch die Befreiung von einer alltäglichen Verstellung und Vorsicht. Und dass das Mädchen bereits ab Herbst 1944 mit ihren pragmatischen Verwandten im Selbststudium Russisch gelernt hat, kommt ihr bei der Verständigung mit den echten Russen ein halbes Jahr später sehr zupass. Sie schließt Freundschaft mit einem jungen Russen, der seine Familie ähnlich vermisst wie die Erzählerin die ihre. Für einige Sommerwochen scheinen sich alle, Befreier und Befreite, vor allem von den Schrecken des Krieges erholen und aufatmen zu wollen, wozu die Boddenlandschaft "in der man die Augen ausstrecken konnte" genauso beitrug, wie ein russischer Kommandant, der keine Straftaten duldete, und Einheimische, die keine Heldentaten mehr vollbringen wollten.

Die Autorin gibt der Versuchung nicht nach, sich selektiv an ein Kinderparadies zu erinnern, sondern liefert die schon dem Kinde deutlichen dunklen Flecken mit: Das Verbot gemeinsamer Mahlzeiten mit den polnischen Zwangsarbeitern, die abgemagerten russischen Kriegsgefangenen. Nach Kriegsende ist ihr auch bewusst, dass das als Abwandlung beim Fangenspiel benutzte "Frau komm!" mit etwas Schlimmen zu tun hat, das die Russen tun, wovor sich die Frauen abends verstecken, und worüber die großen Jungs tagsüber lästern ("die ist bestimmt auch vergewohltätigt worden").

Darüber hinaus ist es trotz alledem auch ein schönes Buch, besonders bei den Schilderungen des Alltags auf dem einzigen (und letzten) Bauernhof des vorgelagerten Schwemmlandinselchens Kirr (heute Naturschutzgebiet), der beim Einmarsch der Russen Rückzugsort für Kinder und Frauen wird - denn dorthin gibt es keine Brücke, dorthin kann niemand "einmarschieren".

Wer mehr über die Menschen in diesem Buch, besonders Schmalz-Jacobsens "Antinazieltern" wissen will, dem sei "Zwei Bäume in Jerusalem" derselben Autorin ans Herz gelegt.

Voransicht