Sengendes Licht, die Sonne und alles andere

Die Geschichte von Joy Division

(2)

Bestseller Platz 42
Spiegel Hardcover Sachbücher

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Joy Division gelten bis heute als einflussreichste Protagonisten des Post-Punk und Bezugspunkt für nachfolgende Entwicklungen wie Gothic Rock, Dark Wave oder Indie-Rock. Obwohl die Band nur zwei offizielle Studioalben aufnahm, sorgten diese und einige legendenumwitterte Liveauftritte dafür, dass Joy Division zur aufregendsten Undergroundband ihrer Zeit aufstiegen. Doch kurz vor der ersten großen Amerika-Tour nahm sich Sänger Ian Curtis das Leben.

Der Musikjournalist Jon Savage hat zahlreiche Interviews mit zentralen Figuren der Joy-Division-Geschichte zu einer umfassenden Oral History zusammengestellt. Entstanden ist die beeindruckende Geschichte einer Band, die eine ganze Generation bewegte und das Bild der Stadt Manchester entscheidend prägte. Und es ist auch der niederschmetternde Bericht über Krankheit und innere Dämonen, die einen charismatischen Sänger und visionären Texter dazu brachten, der Welt zu entfliehen.»

»Vielmehr kuratiert er die Stimmen von Dabeigewesenen; er lässt Musikjournalisten, alte Freunde, Bandkollegen sprechen, die sich mit ihren Erzählungen aufs Angenehmste ergänzen, wiederholen, widersprechen.«

DIE ZEIT, Martin Eimermacher (23. April 2020)

Aus dem Englischen von Conny Lösch
Originaltitel: The Searing Light, the Sun and Everything Else: Joy Division
Originalverlag: Faber and Faber
Hardcover, Pappband, 384 Seiten, 13,5 x 21,5 cm, 20 s/w Abbildungen
ISBN: 978-3-453-27251-4
Erschienen am  27. April 2020
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Jon Savage: “Sengendes Licht, die Sonne und alles andere – Die Geschichte von Joy Division“ (Heyne Hardcore)

Von: Christian Funke

27.04.2020

Joy Division war eine Post-Punk-Band aus Manchester, die von 1976 bis 1980 aktiv war. Sie gilt als Wegbereiter des New Wave und Gothic Rock und schufen sich mit lediglich zwei Studioalben (Unknown Pleasures und Closer) einen dauerhaften Platz in der Musikgeschichte und beeinflussten viele heute populäre Bands. Für mich, auch wenn ich aufgrund der späten Geburt die Band nie live sehen konnte (bei Auflösung der Band war ich gerade mal 8 Jahre alt und an jeglicher Musik noch völlig desinteressiert), kann ich Joy Division als einen kulturellen Befreiungsschlag betrachten. In Zeiten der damals populären Neuen Deutschen Welle schlug Joy Division bei mir eine Seite an, die nicht nur lange nachklingen sollte, sondern den Blick auf einen gänzlich anderen musikalischen Stil, der gleichzeitig ein aussagekräftiges Bild des persönlichen Innenlebens darstellen sollte, lenkte. Aus einer gutbürgerlichen und eher konservativen Familie stammend, gab die Musik der Band, aber speziell auch die Texte eine innere Haltung wider, die sich gegen das Korsett der Normen auflehnte. Roh, ungeschliffen und in ihrer Brachialität gleichzeitig filigran und zerbrechlich fassten sie einen diffusen Zustand perfekt ein und öffneten den Blick auf ein unglaublich breites und komplexes Spektrum, welches sich nicht nur auf die Musik konzentrierte, sondern auch Literatur, Comic und Film homogen mit einbezog. Es sollte für mich die Entdeckung einer Subkultur werden, die mich in ihren Facetten noch heute fasziniert und begeistert. Damals jedoch gab es dank Joy Division plötzlich so unglaublich viel zu entdecken, welches sich vorher im Verborgenen befand. Auch heute, vierzig Jahre nach Auflösung der Band, ist die Kraft ihrer Musik und der Einfluss ungebrochen. Das damalige Lebensgefühl, welches in ihrer Musik Ausdruck fand, herrscht immer noch vor, weshalb ihre Platten zeitlos und frisch klingen und entsprechend nichts von ihrer Bedeutung verloren haben. Der britische Musikjournalist Jon Savage, ein sachkundiger Publizist, der sich intensiv mit der Musikgeschichte der späten 1970er bis 2000er auseinandersetzt, veröffentlicht hier sein unglaublich spannendes, von Conny Lösch aus dem Englischen übersetztes Buch über die Band. Sengendes Licht, die Sonne und alles andere – Die Geschichte von Joy Division (Originaltitel: The Searing Light, the Sun and Everything Else: Joy Division, Großbritannien 2019) zeichnet ein Bild der Entstehung der Band, ihrer Entwicklung, aber auch ihrer persönlichen Umgebung und die Prägung, die das Leben im Manchester der 1950er Jahre auf junge Leute ausübte. Dazu sprach er mit knapp vierzig Personen aus dem direkten Umfeld der Band, aber auch mit den Bandmitgliedern selbst und ergänzte deren Aussagen mit Aussagen des verstorbenen Ian Curtis, welche er in früheren Interviews fand. Es ist ein sehr persönliches, unglaublich intensives und intimes Bild, welches hier gezeichnet wird. Heyne Hardcore veröffentlicht Sengendes Licht, die Sonne und alles andere – Die Geschichte von Joy Division als wunderschön gestaltetes Hardcover mit Pappband (384 Seiten, €20), welches zudem zwanzig markante schwarz-weiß-Abbildungen enthält. Sengendes Licht, die Sonne und alles andere ist eine Schatztruhe voller Anekdoten, eine Fundgrube bekannter und unbekannter Informationen und dabei so unglaublich interessant und spannend zu lesen, dass es eine wahre Freude ist. Ein Buch speziell für all diejenigen, die sich für die Musik der Band und ihren kulturellen Einfluss interessieren, die mehr über die Hintergründe dieser Zeit erfahren wollen, aber auch für Menschen, die sich schon immer damit beschäftigen wollten, um einen detaillierten Einblick zu erhalten. Ich habe das Buch regelrecht verschlungen und kann es entsprechend von ganzem Herzen empfehlen!

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Sehr intime, aus Zitaten von Zeitzeugen und Band-Mitgliedern/Involvierten zusammengestellte Joy-Division-Biografie

Von: Dirk Hoffmann

26.04.2020

Die 1976 von Peter Hook, Bernard Sumner und Terry Mason gegründete und dann von Sänger Ian Curtis vervollständigte Band Joy Division nahm bis zu Ian Curtis‘ tragischen Selbstmord am 18. Mai 1980 zwar nur zwei Alben auf, doch avancierte sie nicht zuletzt durch die energiegeladenen Konzerte zum Aushängeschild eines Genres, das die Attitüde und Wildheit des Punk Rock zu den melodischeren Gefilden des Dark Wave und Gothic Rock überführte. Bekanntermaßen führten Bernard Sumner, der Ian Curtis als Sänger ersetzte, Bassist Peter Hook, Drummer Stephen Morris und Keyboarder Gillian Gilbert als New Order erfolgreich das Erbe von Joy Division fort, doch war die Geschichte von Joy Division seither immer wieder Thema für ausführliche Artikel, ganze Bücher und sogar Filme. So sind nicht nur die Songtexte und Notizen von Ian Curtis („So This Is Permanence. Joy Division Lyrics and Notebooks“) und Erinnerungen seiner Frau Deborah Curtis („Touching From a Distance – Ian Curtis & Joy Division“), sondern auch verschiedene Bücher der Band-Mitglieder und -Involvierten Peter Hook („Unknown Pleasures: Inside Joy Division“), Paul Morley (Joy Division: Piece by Piece“) und Bernard Sumner („Chapter and Verse: New Order, Joy Division and Me“) veröffentlicht worden. Der bekannte britische Publizist Jon Savage, der bereits Bücher über The Kinks, die Sex Pistols und den Punk Rock geschrieben hat und zuletzt „Teenage: The Creation of Youth Culture“ (2007) veröffentlichte, wählte für sein neues Buch über Joy Division einen besonders interessanten Ansatz und lässt in „Sengendes Licht, die Sonne und alles andere“ vor allem Zeitzeugen die Geschichte von Joy Division in chronologisch strukturierten Zitaten erzählen. Als Grundlage dienten dem Autor vor allem die Interviews, die Grant Gee und er selbst für den 2016 entstandenen Dokumentarfilm „Joy Division“ führten, ergänzt durch Gespräche, die u.a. für einen Artikel im „Mojo“ (1994) und zu Savages Buch „England’s Dreaming“ aufgenommen wurden. Dabei beschreiben die Protagonisten und Zeitzeugen zunächst das besondere Lebensgefühl im Manchester Mitte der 1970er Jahre, wo der soziale Wohnungsbau seinen Anfang nahm, wo dank der Hafenanlagen unterschiedlichste Einflüsse und Stile die Stadt überschwemmten und die Manchester Free Trade Hall zu einem Epizentrum der psychogeografischen Energie wurde, in dem Gewerkschaftsveranstaltungen ebenso abgehalten wurden wie Konzerte von Louis Armstrong, Bob Dylan und die Sex Pistols stattfanden. Das Spannungsverhältnis zwischen Arm und Reich prägte die zunehmend von Zerfall geprägte Industrielandschaft, die Sehnsucht nach dem Schönen hinter all der Hässlichkeit. Diese postindustrielle Atmosphäre voller leerstehender Lagerhallen- und Fabrikruinen, in denen sich neue Slums bildeten, war der ideale Nährboden für eine bunt schillernde Club-Szene in den 1960er Jahren, als sich Terry Mason, Bernard Sumner und Peter Hook kennenlernten und sich alles Mögliche an Konzerten ansahen, AC/DC, Dr. Feelgood, Iggy Pop, David Bowie und schließlich die Sex Pistols. In den nachfolgend aneinandergereihten sehr persönlicher Erinnerungen wird anschaulich geschildert, wie Joy Division ihre ersten Songs einspielten, Martin Hannett als Produzenten gewannen und schließlich mit Tony Wilson zusammentrafen, der eine eigene Musiksendung bei Granada TV hatte und schließlich mit Pete Saville das legendäre Factory Label gründete, auf dem Joy Division zunächst die beiden Songs „Digital“ und „Glass“ auf der Doppel-EP „A Factory Sample“ veröffentlichten, dann die beiden Alben „Unknown Pleasures“ (1979) und „Closer“ (1980). Je mehr Live-Auftritte Joy Division allerdings absolvierten, je mehr Ian Curtis hin- und hergerissen war zwischen seiner Frau Deborah, mit der er ein gemeinsames Kind hatte, und der gut situierten und gebildeten Belgierin Annik Honoré, desto stärker machten sich seine epileptischen Anfälle und die durch die starken Medikamente verursachten Stimmungsschwankungen bemerkbar. Bei all diesen Schilderungen wird deutlich, wie unsicher und unreif die damals noch Anfang Zwanzigjährigen mit der Situation umgegangen sind, wie sehr sie sich auf Ians Beteuerungen verließen, dass alles gut sei. Jon Savage gelingt es, in der abwechslungsreichen wie intimen Zusammenstellung der Eindrücke und Erinnerungen ein sehr authentisch wirkendes Portrait der Zeit und der besonderen Umstände zu zeichnen, in der Joy Division gewirkt haben. Die „No City Fun“-Autorin Liz Naylor fasst schließlich zusammen: „Joy Division kamen aus einer bestimmten Zeit und von einem bestimmten Ort, und sobald man sie dort herausnimmt, verändert sich ihre Bedeutung. Als hätten sie kollektiv die damalige Aura von Manchester transportiert. Sie waren so, wie Manchester war. Folglich wurde diese Aura auch Ian als Einzelperson zugeschrieben, aber ich denke, das ist ein Missverständnis. Als Band waren sie sehr viel wichtiger denn als Individuen oder als seine Vision, weil ich nämlich nicht glaube, dass es seine Vision war. Ich glaube, es war die Atmosphäre von Manchester.“ (S. 202) Angereichert mit einigen schönen Schwarz-Weiß-Illustrationen von Plakaten, Logos und Fotos bietet „Sengendes Licht, die Sonne und alles andere“ einen faszinierenden Einblick in das Entstehen und Wirken einer ungewöhnlichen wie einflussreichen Band, die aus dem Geist des Post-Punk in intellektueller Hinsicht eine Ausnahmeerscheinung darstellte und musikalisch gerade von deutschen Acts wie Kraftwerk, Neu! und Can zu ihrem einzigartigen Sound inspiriert wurde. Die Vielfalt der eingefangenen Stimmen machen das Portrait von Joy Division ebenso persönlich wie vielschichtig.

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Vita

Jon Savage, geboren 1953 in London, ist ein britischer Pop-Musikjournalist und Publizist. Für die Musikzeitschriften Sounds, New Musical Express und Melody Maker war er von 1977 bis in die 1980er hinein tätig. Seither schrieb Savage regelmäßig als Popmusik-Kritiker für die angesehenen britischen Tageszeitungen The Observer und den New Statesman sowie das Magazin Mojo.Bekannt wurde er vor allem durch seine vielbeachteten Bücher England's Dreaming von 1991 (dt. 2001) sowie Teenage von 2007 (dt. 2008).

Zur AUTORENSEITE

Conny Lösch

Conny Lösch hat in Frankfurt am Main Anglistik und Philosophie studiert, lebt seit vielen Jahren in Berlin und hat unter anderem Bücher von Don Winslow, Tracey Thorn und Jon Savage aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.

zum Übersetzer

Pressestimmen

»Der Popexperte verzichtet dabei auf Starkult und Kommentierung sondern lässt die Zeitzeug*innen zu Wort kommen, die damals in Manchester mit dabei waren«

»Die Oral History von Joy Division ... zeichnet die Tragödie und ihre Entstehung nach.«

»Man erhält ganz neue Einblicke in Curtis′ Texte.«

»Trotz des tragischen Endes ist es ein durchaus euphorisches und teils geradezu heiteres Buch, das auf Verklärung und Bedeutungshuberei verzichtet.«

Falter, Gerhard Stöger (13. Mai 2020)

»Stattdessen montiert er Zitate der Protagonisten, sodass sich ein chronologisches Tableau entwickelt, das Widersprüche lebendig einwebt, zugleich fast schon wie Detektivarbeit anmutet.«

Rolling Stone (30. April 2020)

»Was für ein spannendes, gelungenes Buch, welches in edler Optik und mit viel Liebe zum Detail ausgestattet ist . So muss eine Rockbiografie sein.«

kamikaze radio (07. Mai 2020)

»Hervorragend aufgearbeitet«

»Savages berührendes Buch erzählt die Geschichte der Menschen hinter dem unvergesslichen Sound.«

Loud & Quiet (08. April 2019)

»Sengendes Licht, die Sonne und alles andere erzählt davon, wie Ende der Siebziger eine Gruppe unzufriedener Jugendlicher der Schutthalde Manchester neues Leben einhauchte.«

Q (08. April 2019)

»Das knappe, lebendige Portrait einer Gruppe, deren Musik seit 40 Jahren inspiriert, schockiert und begeistert.«

Mojo (08. April 2019)

»Das Buch besitzt eine Wärme und Leichtigkeit, die vielen Porträts dieser Band abgehen. Dass die Geschichte so mit Leben gefüllt wird, macht sie umso schmerzlicher.«

Sunday Times (08. April 2019)