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Shylock Roman

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Gebundenes Buch mit Schutzumschlag ISBN: 978-3-8135-0674-7

Erschienen:  11.04.2016
Dieser Titel ist lieferbar.

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Von rebellischen Töchtern und verblendeten Vätern

Der reiche Kunstsammler Simon Strulovitch aus Manchester hat Sorgen: Seine aufmüpfige Tochter Beatrice ist in die Kreise der leichtlebigen Erbin Plurabelle und ihres persönlichen Assistenten D’Anton geraten. Nicht der richtige Umgang für ein jüdisches Mädchen, klagt Strulovitch seinem Zufallsbekannten Shylock. Dieser rät zur Zurückhaltung. Doch als Beatrice sich auch noch mit dem Fußball-Beau und Unterwäsche-Modell Howsome einlässt, sieht ihr Vater rot. Er verlangt, dass der junge Mann zum Judentum konvertiert. Mit Hilfe einer kleinen Operation ließe sich heute manches arrangieren. Aber das Leben hält nicht nur für Strulovitch ein paar Lektionen bereit.

Howard Jacobson fragt in diesem tiefsinnigen, gleichzeitig amüsanten und stellenweise irrwitzigen Roman: Was macht einen Mensch zum Juden? Und was heißt es, Jude zu sein in einer säkularen Welt? – Ein höchst burlesker Umgang mit dem vermeintlichen Antisemitismus des umstrittensten Dramas von Shakespeare.

"Jacobson macht aus einer Tragödie einen heiteren Roman, in dem er danach fragt, was einen Juden zum Juden macht und was das bedeutet."

Salzburger Nachrichten, Anton Thuswaldner (23.04.2016)

Howard Jacobson (Autor)

Howard Jacobson, Jahrgang 1942, hat bereits mehrere Romane und Sachbücher geschrieben. 2010 erhielt er für "Die Finkler-Frage" den Man Booker Prize, den wichtigsten Literaturpreis der angelsächsischen Welt. Shakespeare hat ihn sein Leben lang begleitet; bereits in seiner allerersten Veröffentlichung beschäftigte er sich mit dem englischen Nationaldichter. Nun kehrt er mit einer Neuerzählung des "Kaufmanns von Venedig" zu ihm zurück – für Jacobson „das verstörendste Schauspiel aus der Feder des Dramatikers, aber für einen britischen Romancier, der zufällig noch Jude ist, auch die größte Herausforderung“.


Werner Löcher-Lawrence (Übersetzer)

Werner Löcher-Lawrence, geb. 1956, studierte Journalismus, Literatur und Philosophie, arbeitete als wissenschaftlicher Assistent an der Universität München und als Lektor in verschiedenen Verlagen. Er ist der Übersetzer von u.a. Ethan Canin, Patricia Duncker, Michael Ignatieff, Jane Urquhart.

"Jacobson macht aus einer Tragödie einen heiteren Roman, in dem er danach fragt, was einen Juden zum Juden macht und was das bedeutet."

Salzburger Nachrichten, Anton Thuswaldner (23.04.2016)

"Die langen, oftmals witzigen, manchmal aberwitzigen, aber auch tiefgründigen Gespräche dieser beiden alten Männer sind das starke Zentrum des Romans."

F.A.Z., Tobias Döring (07.04.2016)

"Einen philosophischen und zugleich resolut fantastischen Ansatz hat der Booker-Preisträger Howard Jacobson für seine Verarbeitung eines der schwierigsten Shakespeare-Dramen gewählt."

Süddeutsche Zeitung, Alexander Menden (03.11.2016)

"Jacobson gelingt es in seinem Buch fabelhaft, den im England des Jahres 1594 uraufgeführten Stoff in die Gegenwart zu transportieren."

Berner Zeitung, Peter Henning (21.04.2016)

"Howard Jacobsons Roman ist ein konzentrierter Dialog, der Shakespeares Themen in die Gegenwart transponiert."

NDR Kultur "Neue Bücher", Jochanan Shelliem (22.04.2016)

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Aus dem Englischen von Werner Löcher-Lawrence
Originaltitel: Shylock is my name
Originalverlag: Hogarth

Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 288 Seiten, 13,5 x 21,5 cm

ISBN: 978-3-8135-0674-7

€ 19,99 [D] | € 20,60 [A] | CHF 27,90* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: Knaus

Erschienen:  11.04.2016

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Väter und Töchter

Von: Frau Lehmann Datum: 17.02.2018

fraulehmannliest.com

"Shylock" ist ein Band des Hogarth Shakespeare Projects, innerhalb dessen namhafte Autoren Shakespeare-Stücke neu interpretieren.
"Der Kaufmann von Venedig" - keines von Shakespeares leicht zu fassenden Werken. Zu schablonenhaft allen Vorurteilen entsprechend ist die Figur des Shylock, des Geldverleihers und Zinsschacherers, zu hart geht er mit ihm ins Gericht. Und was treibt den jüdischen Schriftsteller Jacobson um, ausgerechnet dieses Stück zu wählen, wo es doch sicherlich einige andere Möglichkeiten gegeben hätte?

Wenn man alle Neben- und sonstigen Stränge beiseite lässt, geht es in Jacobsons Roman um Simon Strulovitch, der verhindern möchte, dass seine Tochter Beatrice einen Nicht-Juden heiratet. Unerwarteten Beistand erhält er von Shylock, dem er auf einem Friedhof begegnet.

Ein Buch über die jüdische Kultur und Weltsicht, zur Abwechslung mal von einem Juden geschrieben. Es geht um die Sicht der Christen auf das Judentum, um jüdischen Humor, um Traditionen und ihren Wert in der heutigen Zeit und um Selbstpositionierung zwischen alter und neuer Welt. Shylock ist dabei der zu Fleisch gewordene Geist des alten Judentums, im ständigen Zwiegespräch mit seiner verstorbenen Frau Leah; Shylock, der den Verlust seiner Tochter betrauert, ihren Verrat, und den kurzen Moment bereut, in dem er einmal ebenbürtig war, einmal Macht über die hatte, die ihn wegen seines Jüdisch Seins verachteten.
Strulovitch dagegen ist reicher und unabhängiger Kunsthändler, der nicht im Jüdisch Sein verhaftet sein möchte, aber zunehmend feststellt, dass es trotzdem so ist. Der darunter gelitten hat, dass sein Vater ihn verstoßen hat wegen der Heirat mit einer Nichtjüdin und trotzdem in Erwägung zieht, dasselbe seiner Tochter anzutun.

Jacobson zeigt uns den "Kaufmann von Venedig" aus jüdischer Sicht, gibt dem Handeln Shylocks einen Sinn, gibt der Schablone einen Charakter. Und er beweist anhand von Strulovitch, wie sehr diese Schablonen auch heute noch greifen, wie die eigene Herkunft die Sicht der Anderen beeinflusst.

Für mich ist dieser Band der Hogarth Shakespeare Reihe der bisher anspruchvollste, aber auch der anstrengendste. Ein Band, in den man sich einlesen muss, dessen Inhalt dem Leser nicht einfach zufliegt. Ein Roman, der nachhallt und die eigenen Ansichten überdenken lässt, so man sich ihm denn öffnet. Das Buch eines offensichtlich sehr klugen und weltoffenen Menschen, der sich seiner Wurzeln sehr bewusst zu sein scheint und sich daran auch abarbeitet. Und eines Menschen, der versteht, dass Heimat da ist, wo man dieselbe Sorte Humor teilt...

Ich danke dem Knaus Verlag sehr herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar.

Shakespeares Shylock

Von: Niamh O'Connor Datum: 01.10.2017

britlitscout.wordpress.com

Es gibt Bücher, mit denen man ein wenig Geduld haben muss, Shylock von Howard Jacobson war für mich eines davon. Über das erste Drittel des Romans geben sich die beiden Hauptcharaktere, der wohlhabende Kunstsammler Simon Strulovitch und der Witwer Shylock, die einander auf dem jüdischen Friedhof von Manchester begegnet sind, geschliffenen Dialogen hin, sonst passiert allerdings nicht viel. Kurz nach der Begegnung zieht Shylock in Strulovitchs Haus ein und zwischen den beiden Männern entspinnen sich Streitgespräche, deren Hauptthemen die jüdische Identität und der Antisemitismus sind. Was bedeutet es, Jude zu sein? Wer trägt Schuld an Judenverfolgung und Diskriminierung? Wie darauf reagieren? Haben etwa die Juden selbst Anteil daran? Wir erfahren, dass Strulovitch in erster Ehe mit Ophelia-Jane, einer Christin, verheiratet war und daraufhin von seinen Eltern für tot erklärt wurde. Erst die zweite Ehe mit der Jüdin Kay hatte die Eltern wieder versöhnt. Nun dämmert Kay nach einem Schlaganfall in ihrem Bett dahin, und die gemeinsame Tochter Beatrice, kaum 16 geworden, ist mit einem unkultivierten Fußballer durchgebrannt, der eine Vorliebe für jüdische Mädchen hat, für den Frauen im Allgemeinen aber austauschbar sind. Auch Shylock hat eine Tochter verloren, Jessica, und er verbringt viel Zeit im Zwiegespräch mit seiner verstorbenen Frau Leah.

Nach 100 Seiten ist genug herumgeredet. Strulovich beschließt zu handeln, die Geschichte nimmt Fahrt auf und bleibt bis zuletzt unterhaltsam und spannend. Der Autor schießt giftige Satirepfeile auf Vieles, unter anderem auf Koch- und Realityshows mit reichen Erbinnen, auf den modernen Kunstbetrieb sowie auf Paolo Coelho und seine Leser, und das Thema Antisemitismus und wie die Juden selbst damit umgehen wird ebenso satirisch und ins Absurde verzerrt abgehandelt. Die Frage, ob dies zulässig sei, lässt sich möglicherweise mit einem Zitat aus dem ersten Kapitel beantworten: „Juden scherzen, Ophelia-Jane, weil ihnen nicht zum Lachen zumute ist“, sagt Strulovitch darin zu seiner Frau.

My Name is Shylock, so der englische Titel des Romans, ist Teil des Hogarth Shakespeare Projects, und mit Der Kaufmann von Venedig hat er eine Vorlage, die aufgrund der Darstellung des jüdischen Geldverleihers Shylock häufig als Shakespeares kontroversiellstes Stück bezeichnet wird und laut Klappentext auch für Howard Jacobson „das verstörendste Schauspiel aus der Feder des Dramatikers“ ist. Das Stück als Beleg dafür zu betrachten, dass Shakespeare ein überzeugter Antisemit war, wäre jedoch eine grobe Vereinfachung. In seiner detaillierten Shakespeare-Biographie meint Peter Ackroyd, Shylock sei eine Figur jenseits von Gut und Böse, die sich der Interpretation entziehe, und die Art, wie Jacobson diese Figur in seinem Roman verwendet, lässt sich mit Ackroyds Einschätzung in Einklang bringen: Jacobson verpflanzt Shakespeares Shylock ohne viel Federlesen in die moderne Handlung und geht dabei so weit, ihm, wie auch anderen Figuren, gelegentlich Originalzitate aus dem Theaterstück in den Mund zu legen. Gleichzeitig ist Shylock derjenige, der Strulovitch immer wieder zur Mäßigung seiner Rachegelüste auffordert. Strulovitch ist in gewisser Weise ebenfalls Shylock, nur eben die moderne Ausgabe. Diese doppelte Darstellung hat beim Lesen die Frage auftauchen lassen, ob Shylock überhaupt real existiert oder ob es ihn nur in Strulovitchs Fantasie gibt. Die Suche nach einer Antwort und das einfallsreiche Spiel mit anderen Motiven Shakespeares, etwa dem nur angedeuteten homoerotischen Interesse von D’Anton, der die Liaison zwischen Beatrice und ihrem Fußballspieler eingefädelt hat und sich mit pathetischer Hingabe aufopfert, machen das Vergnügen beim Lesen aus.

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