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So unergründlich wie das Meer Roman

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Gebundenes Buch mit Schutzumschlag ISBN: 978-3-442-75653-7

Erschienen: 15.08.2016
Dieser Titel ist lieferbar.

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Frederico hat einen großartigen Sommer vor sich, in wenigen Tagen wird er zu einem Studienaufenthalt nach England aufbrechen. Die Welt steht ihm offen. Doch kommt es zu einer Begegnung, die Fredericos Leben umwirft: Don Pino zeigt ihm das Viertel Brancaccio, das fest in der Hand der Cosa Nostra liegt und von rücksichtsloser Gewalt und bitterer Armut geprägt ist. Dem Jungen wird klar, wie wenig er seine eigene Stadt kennt, ihm eröffnet sich durch Don Pinos Augen und dessen Einsatz für die Menschen des Viertels eine neue Welt. Er beschließt in Palermo zu bleiben und zu helfen. Auch die Mafia, die ihn brutal zusammengeschlagen hat und massiv bedroht, kann ihn nicht abhalten, denn er hat sich in die schöne Lucia verliebt, ein Mädchen des Viertels, deren Liebe unerreichbar scheint …

Alessandro D'Avenia (Autor)

Alessandro D'Avenia, geboren 1977, stammt aus Palermo. Seit einigen Jahren lebt er in Mailand, wo er am Gymnasium San Carlo Italienisch und Latein unterrichtet. Seine Romane stehen in Italien regelmäßig auf den Bestsellerlisten. Alessandro D'Avenia war Schüler des Geistlichen Padre Pino Puglisi.

DEUTSCHE ERSTAUSGABE

Aus dem Italienischen von Verena v. Koskull
Originaltitel: Ciò che inferno non è
Originalverlag: Mondadori

Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 352 Seiten, 13,5 x 21,5 cm

ISBN: 978-3-442-75653-7

€ 21,99 [D] | € 22,70 [A] | CHF 29,90* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: btb

Erschienen: 15.08.2016

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„Die Mafia ist mächtig, aber Gott ist allmächtig.“

Von: letteratura Datum: 11.11.2016

https://letteraturablog.wordpress.com/

Die Mafia hat den Stadtteil Brancaccio in Palermo fest im Griff. Die Menschen sind arm, haben keine Perspektive, die Kinder gehen nicht regelmäßig zur Schule, lernen das Gesetz der Straße kennen und rutschen früh ab in die Kriminalität. Wer sich gegen die mafiösen Strukturen zu wehren versucht, wird eingeschüchtert, bedroht, zusammengeschlagen und – wenn all dies denjenigen nicht bricht und zum Aufgeben zwingt, auch getötet. Don Pino Puglisi ist katholischer Priester, unterrichtet Religion und hat sein Leben vornehmlich den Kindern und ihrer möglichst besseren Zukunft gewidmet, möchte Alternativen schaffen, damit sie sich nicht Gewalt und Drogen zuwenden, damit sie später einen Beruf erlernen. Diesen Don Pino hat es wirklich gegeben. An seinem 56. Geburtstag wurde er von der Mafia vor seinem Haus erschossen. Im Jahr 2005 wurde der Film „Alla luce del sole“ (Am helllichten Tag) von Roberto Faenza über das Leben Don Pinos uraufgeführt, der gute Kritiken bekam.

Alessandro D’Avenia hat in seinem dritten Roman „So unergründlich wie das Meer“ diesem Don Pino ein weiteres Denkmal gesetzt und er tut das als jemand, der ihn kannte, denn D’Avenia stammt selbst aus Palermo und war Schüler Don Pinos. Der Pater hat ihn sehr geprägt. Mit diesem Wissen im Hinterkopf kann man beim Lesen nicht umhin, den jungen Federico, neben Don Pino die zweite tragende Figur im Roman, als Alter Ego von D’Avenia zu betrachten, auch wenn die Geschichte als Roman erzählt wird und also unklar ist, wie viel Fiktion ist und was davon sich vielleicht wirklich so zugetragen hat.

Federico ist 17, kommt aus dem „besseren“, dem behüteteren Teil von Palermo, seine Eltern haben Geld. Er liebt Bücher, Literatur, Wörter und Gedichte, ja, er ist eher ein Mann des Wortes als der Taten. Oder er war es. In den Ferien, die bevorstehen, soll Federico einen Sprachkurs in England absolvieren, auf den er schon hinfiebert. Don Pino aber nimmt ihn eines Tages mit nach Brancaccio, wo Federico sieht, wie andere ganz in seiner Nähe von seinen Möglichkeiten ausgeschlossen sind. Und er trifft auf Lucia, ein junges Mädchen, das Träume hat wie er, das aber weit mehr Tragisches, mehr Gewalt gesehen hat, und in ihm zunächst einen verwöhnten Jungen sieht, der von der Welt und ihren schlechten, harten Seiten keine Ahnung hat. Diese Begegnung mit Lucia, aber auch die Führung Don Pinos sind es, die Federico seine Entscheidung, den Sommer in England zu verbringen, überdenken lassen. Er beschließt, in Palermo zu bleiben und Don Pino zu helfen, ganz praktisch, mit anzupacken.

„Manche meinen, die Gewalt der Mafia bestehe in Schutzgelderpressung, Mord und Bomben. Doch Don Pino weiß, dass die eigentliche Gewalt im Fehlen einer Mittelschule in einem fast zehntausend Seelen großen Viertel besteht.“ Kapitel 5, 1. Teil

„So unergründlich wie das Meer“ – der Titel bewegt sich nah am Kitsch und genauso ist es auch mit der Sprache. Manchen Lesern ist D’Avenias Sprache womöglich zu bildreich, zu poetisch, zu bedeutungsschwer, vielleicht ganz einfach zu überladen. Ich aber mochte die lyrischen Wendungen, die kurzen Weisheiten, wenn es auch Altbekanntes ist, das uns vermittelt wird. Der Erzähler hält sich denn auch nicht allzu lang an diesen Stellen auf, kehrt zu seiner Geschichte zurück, erzählt in teilweise kurzen, prägnanten Kapiteln weiter, so dass er und damit auch wir uns nicht in einer übertriebenen Bedeutungsschwere verlieren. Es tummeln sich noch einige Protagonisten mehr, denen man in diesem Roman ein Stück ihres Weges folgt, und D’Avenia erzählt aus verschiedenen Perspektiven, in teils kurzen Kapiteln und sehr lebendig, so dass die Geschichte nur so an einem vorbeifliegt.

„Von oben sieht Palermo so schön aus, so strahlend. Doch in ihrem Leib trägt diese Stadt Schatten und Trauer.“ Kapitel 20, 1. Teil

„So unergründlich wie das Meer“ ist die Geschichte von einem, der für andere einsteht, der sein Leben in den Dienst anderer gestellt hat, der sich nicht einschüchtern lässt. Und es ist die Geschichte eines anderen, der in einer Phase, in der sich viele Weichen für das weitere Leben stellen, einer Phase, in der sich alles etwas echter und intensiver anfühlt, als es später der Fall sein wird, lernt, dass es mehr gibt als das, was er zuvor kannte. Und natürlich ist es auch eine Liebesgeschichte, wenn diese auch nicht nur im Zentrum steht.

Der echte Don Pino wurde inzwischen selig gesprochen. Und Palermo in den 1990er Jahren ist ein Ort, an dem der Glaube eine große Rolle spielt – oder vielleicht zumindest eine größere, als wir das im Hier und Heute kennen. Dies schlägt sich auch im Roman nieder, religiöse, christliche Vorstellungen schwingen stets mit.

„So unergründlich wie das Meer“ ist ein Buch der Trauer und der Gewalt, der Verzweiflung, aber nicht nur: Trotz allem ist es eine Geschichte voller Hoffnung und ein Appell, nicht aufzugeben.

Liebeserklärung an das Leben und an Palermo

Von: Lettersalad Datum: 28.08.2016

lettersalad.de

So, wie der Autor zu Beginn des Buches eine Liebeserklärung an seine Geburtsstadt und dem hier als Schauplatz dienenden Palermo schreibt, habe ich nach passenden Worten für eine Liebeserklärung an dieses Buch gesucht. Er schreibt keinen schönenden Text für einen Reiseführer, sondern er zeichnet ein ehrliches, durchaus kritisches Bild der sizilianischen Hauptstadt, so, wie man sie als Tourist niemals kennenlernen und nur als Einheimischer wirklich verstehen kann.
Protagonist dieses Buches ist Palermo selbst, mit jeden Satz spürt man d'Avenias Heimatverbundenheit. Der Leser begleitet gleich mehrere Bewohner und lernt dabei die wunderschönen als auch die rabenschwarzen Seiten der Stadt kennen, ebenjene Seiten, die fest in der Hand der Mafia sind.

Was mich zusätzlich zum Klappentext so sehnsüchtig auf dieses Buch hat warten lassen, ist Alessandro d'Avenias Schreibstil. Seine Werke lassen sich nicht ganz einfach lesen und manche Sätze musste oder wollte ich mehrfach wiederholen, damit sie ihre volle Wirkung entfachen. Der Autor versteht es, sich so auszudrücken, dass ich mich als Leser in Situationen, Denkweisen und Handlungen der Figuren wiederkennen kann. Ganz so, als ob einem gerade ein gutgehütetes Geheimnis entlockt wurde.
Inhaltlich werden Dinge angesprochen, die es schwer machen, dieses Buch einfach als “wunderbar” zu betiteln, da sie alles andere als das sind, aber dem Leser durch ihre schonungslose Ehrlichkeit auch das Gefühl geben, eine Stadt und deren Mentalität besser verstehen zu können.

Mit einigen Aussagen, insbesondere von Don Pino war ich nicht ganz einverstanden, da sie in meinen Augen stark heruntergebrochen oder widersprüchlich waren und mir oftmals nicht weniger manipulativ erschienen, als die der Mafia. Dies mag jedoch auch daran liegen, dass ich persönlich der Kirche und der Religion sehr kritisch gegenüberstehe und der Autor hier ebendiese in scharfen Kontrast zu Staat und Mafia stellt.
Dennoch, dieses Buch macht glücklich, da man beim Lesen die sizilianische Sonne auf der Haut und das Salzwasser in der Nase kitzeln spürt. Und das Buch macht nachdenklich, darüber, wie sehr kleine, feine Dinge ein ganzes Leben beeinflussen können.

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