VERLAGSGRUPPE RANDOM HOUSE - BERTELSMANN
Menü
  • facebook
  • google+
  • whatsapp
  • twitter
  • add this

Von Edelfedern, Phrasendreschern und Schmierfinken Die schrägen Typen der Journaille

Bestellen Sie mit einem Klick

oder kaufen Sie direkt vor Ort bei Ihrem Buchhändler.

€ 19,95 [D] inkl. MwSt.
€ 20,60 [A] | CHF 28,90*
(* empf. VK-Preis)

Gebundenes Buch ISBN: 978-3-7175-2382-6

Erschienen:  26.09.2016
Dieser Titel ist lieferbar.

Weitere Ausgaben: eBook (epub)

Nichts verpassen und zum kostenlosen Buchentdecker-Service anmelden!

Anmeldung

  • Info

  • Vita

  • Pressestimmen

  • Links

  • Service

  • Biblio

Journalisten? Hohle Schwätzer und vorlaute Kläffer! Zeitungsmacher? Elende Opportunisten! Kritiker? Perfide Ignoranten! Für Balzac waren Presseleute so ziemlich das Letzte. In seinem Bestiarium der Pariser Journaille, hier erstmals ins Deutsche übersetzt, wagt der Autor einen satirischen Rundumschlag – respektlos, böse und herrlich einseitig.

Die Herren von der schreibenden Zunft haben in Balzacs Augen samt und sonders etwas maliziös Wankelmütiges, sind offen korrupt oder von eherner Prinzipienlosigkeit. Angelehnt an die zoologische Artenbestimmung knöpft er sich in seiner Typenlehre nun sämtliche Gestalten der Pressewelt vor: den Leitartikler, den Vulgarisator, das Faktotum, den Lobhudler, den Monothematiker, den Sektierer, den Mann fürs Grobe und was sonst alles über die Flure von Zeitungsredaktionen kreucht und fleucht. Die kritische Inventur des modernen Journalismus ist ein origineller Sidekick in der aktuellen Debatte um die Rolle der Medien. Ergänzt wird die heitere Philippika durch Balzacs Appell an Schriftsteller, ihr Urheberrecht zu verteidigen.

"Bittere Bonmots" - deutschlandradiokultur.de

«Weil der Platz fehlt, sei Balzacs Artenlehre hier einfach umstandslos empfohlen. … Ein Stück Karikatur der Vergangenheit, mit dem man die Gegenwart etwas lässiger sieht.»

DIE WELT, Literarische Welt, Marc Reichwein (08.10.2016)

Honoré de Balzac (Autor)

Honore de Balzac (1799-1850), eigentlich der Generation der Romantiker angehörend, bildet zusammen mit Stendhal und Flaubert das große Dreigestirn der französischen Realisten. Ruinöse Unternehmungen als Verleger und Spekulant sowie sein hemmungslos verschwenderischer Lebensstil stürzten Balzac schon in jungen Jahren in gewaltige Schulden und zwangen ihn zeitlebens zu rastloser literarischer Arbeit. Seine fast hundert Titel umfassende, als universelles Sittengemälde seiner Zeit angelegte „Comédie humaine“, ist Geniestreich der Selbstvermarktung und virtuoses Monumentalwerk der Weltliteratur in einem.

«Weil der Platz fehlt, sei Balzacs Artenlehre hier einfach umstandslos empfohlen. … Ein Stück Karikatur der Vergangenheit, mit dem man die Gegenwart etwas lässiger sieht.»

DIE WELT, Literarische Welt, Marc Reichwein (08.10.2016)

«Der Schriftsteller Honoré de Balzac kritisiert mit Witz und Verve die Presse.»

Cicero (Magazin für politische Kultur), Michael Stallknecht (01.11.2016)

«Balzacs Typenlehre, nach 173 Jahren erstmals von Rudolf von Bitter auf Deutsch herausgegeben, ist eine famos garstige Philippika über die ‹Edelfedern, Phrasendrescher und Schmierfinken›.»

Bayern 2 Radio, Sdg. radiotexte (15.11.2016)

«Wer sich ein Bild davon machen will, dass der Vorwurf der ‹Lügenpresse› lange vor den Nazis im Umlauf war, der soll das hübsche Bändchen aufschlagen.»

Neue Zürcher Zeitung, Franziska Meier (21.12.2016)

«Ein zeitloser Band, der in jede Redaktionsstube & neben den Rechner der Blogger wie Netzaktivsten jeglicher Coleur gehört.»

Perlentaucher.de - Das Kulturmagazin (16.09.2016)

mehr anzeigen

Aus dem Französischen von Rudolf von Bitter

Gebundenes Buch, 320 Seiten, 9,0 x 15,0 cm

ISBN: 978-3-7175-2382-6

€ 19,95 [D] | € 20,60 [A] | CHF 28,90* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: Manesse

Erschienen:  26.09.2016

  • Leserstimmen

  • Rezension verfassen

Rotzig, unsachlich, ergötzlich

Von: Alexander Weber – Ketâbkhâné|Sekandar Datum: 18.12.2017

ketabkhane.de

Honoré de Balzac – ein wahrer Meister der Polemik – wetzt in dieser kleinen Typologie der Pariser Presse seinen Schnabel an den schrägen Typen der Journaille und schimpft dabei wie ein Rohrspatz. Auf knapp 150 Seiten dieser Ausgabe versucht er, die Typen der Journaille – gemäß der binären Nomenklatur von Carl von Linné – aufzulisten, zu kategorisieren und zu beschreiben. Dabei erläutert er nicht nur die verschiedenen Charaktere der Presse, sondern auch die Aufmachungen der Zeitungen seiner Zeit. Doch auch die Abonnenten bekommen ihr Fett weg – schließlich sind sie es, von denen die Zeitungen leben. Balzac nimmt in seiner Typologie jeden einzelnen auseinander. In manischer Sorgfalt versucht er dabei jeden in Klasse, Ordnung, Gattung und Art einzuordnen.

Indes war Balzac kein Wissenschaftler oder Psychologe. Er verfügte aber über eine gute Beobachtungsgabe. Schließlich gilt seine Comédie humaine als ein äußerst gelungenes literarisches Abbild der französischen Gesellschaft seiner Zeit.

Aber: Ein Literat, der Opfer vernichtender Kritiken war, versucht sich an einer Beschreibung und Klassifizierung seiner Kritiker. Dass man das nicht als neutral, vor allem aber als unwissenschaftlich, einzustufen hat, liegt auf der Hand. Man sollte sich daher hüten, diese Typologie als der Wahrheit letzter Schluss zu sehen. Die Bezeichnungen Fake News oder Lügenpresse, die sich heute im gesellschaftlichen Sprachschatz herumtummeln, eins zu eins in Balzacs Pamphlet hineinzudichten, ist dann doch zu einfach. Balzac beschreibt nicht objektiv – er bleibt ein gekränkter Autor.

Ich mag Polemik. Sogar sehr. Und als solche ist »Von Edelfedern, Phrasendreschern und Schmierfinken« auch zu lesen. Ein Kritiker kritisiert seine Kritiker. Er ist rotzig, er ist unsachlich, aber dabei äußerst ergötzlich. Dass Balzac sich die Schriftsteller aussuchte, liegt wohl daran, dass er kein anderes Feld so genau kannte. Und auch er wird einer oder mehrerer seiner beschriebenen Gattungen und Arten angehört haben. Und auch innerhalb seines polemischen Vernichtungsschlages beweist er, dass er sein literarisches Handwerk beherrscht. Seine erfundenen Beispieltexte zu den schrägen Typen der Journaille sind nicht nur gelungen, sondern zeigen vielmehr, dass er selbst zu den Edelfedern, Phrasendreschern und Schmierfinken gehörte.

»Von Edelfedern, Phrasendreschern und Schmierfinken. Die schrägen Typen der Pariser Journaille« von Honoré de Balzac

Von: Shaakai Datum: 10.06.2017

https://bibliophiline.wordpress.com/

»Es sind Besessene, deren harmloser Wahn den gläubigen Abonnenten einlullt und den selbstdenkenden Abonnenten belustigt.« (S. 10)

Wo Honoré de Balzac hinschlägt, da wächst selten noch Gras. Sein diesmaliger Hieb geht vorallem gegen die Pariser Journalisten und Zeitungen, die gerade im 19. Jahrhundert eine wahre Blütezeit durchlebten. Zahlreiche neue Tageszeitungen schossen wie Pilze aus dem Boden, Journalisten, Kritiker und Feuilletonisten tummelten sich zuhauf auf dem Parkett der Presse und beglückten ihre Abonnenten mit Wahrheiten und weniger wahren Absonderlichkeiten. In diesem lebhaften Biotop machte auch der noch junge Honoré de Balzac seine ersten journalistischen Versuche und Jules Janin stellt es richtig dar, wenn er sagt, daß Balzac durchaus von der zeitgenössischen Kritik profitierte (S. 199). Doch man könnte meinen, die Dankbarkeit währte nicht lang und er setzte an zum Hieb gegen seine Gönner und auch Gegner. Eine Typologie der Pariser Journalistenszene ist es geworden, eine Schrift gegen all die Edelfedern, Ohrasendrescher und Schmierfinken, die den guten Ruf der Presse drohen zu zerstören.

Balzac ist diesmal aber nicht nur der filigrane Feingeist, der mit übermäßigen Witz und Charme in unnachahmlicher Weise dem Leser den Sinn und Unsinn eines Claqueurs aufzeigt oder mit scharfem Auge das Wesen der Menschen analysiert, er ist auch ein bißchen bissiger als man ihn üblicherweise kennt. Sein Seziermesser ist gewetzt und angesetzt, es gleitet durch die Journalistenmasse wie durch Butter: Zeilenangler gibt’s da, und Nihilisten und politisch anhängliche Exemplare, die wahlweise als Publizisten oder Kritiker aufzutreten vermögen.
Dabei läßt Balzac an so gut wie keinem seiner selbstaufgestellten Typen ein gutes Haar; der eine ist zu weich, der andere zu käuflich, der nächste zu starrsinnig.

»Auf wen ist Monsieur de Balzac denn so böse? So geladen war er noch nie, und so rot, und so zornig; niemals war sein Blick erzürnter.«
(»Sancte Balzac, ora pro nobis!«. Jules Janins Entgegnung auf Honoré de Balzacs Typenlehre der Pariser Presse, S. 196)

Ob Balzac auch die moderne Presselandschaft mit hochrotem Kopf anschauen und mit wütender Feder darüber schreiben würde? Gerade in Anbetracht der aktuellsten Debatte über Fake News und die Freiheiten der Presse haben Sätze wie »Man richtet die Presse zugrunde, wie man eine Gesellschaft zugrunde richtet: indem man ihr alle Freiheiten läßt.« (S. 9) bitter, ist denn nicht gerade die Presse- und Meinungsfreiheit eine der großen Errungenschaften der Neuzeit? Und im Wissen um Balzacs verdienstvollen und erfolgreichen Kampf für das Urheberrecht, das Autoren und ihr geistiges Eigentum in einer Zeit der Raubdrucke schützen sollte (sein Plädoyer wurde in das Buch aufgenommen), wirken diese Worte geradezu surreal. Doch kann man Balzac auch nie seine gute Beobachtungsgabe absprechen. Gerade die Arten der Kritiker, die er mit beißendem Spott auseinandernimmt, lassen doch viele Parallelen zum heutigen Kritikerwesen erkennen. Oder, so kann man sich auch fragen, hat sich bis heute nichts verändert, außer das Medium? Da gibt es immer noch den scharfrichtenden Kritiker, der mit Vorliebe alles zerreißt, was ihm unter die Feder kommt und da gibt es den Schönschreiber und den Lobhudler, der für alles, unabhängig von der Qualität, ein gutes Wort übrig hat. Wenn man dieses Buch liest, dann ist man immer wieder ob seiner Aktualität erstaunt und kann, wenn da nicht zahlreiche Anspielungen auf Gegebenheiten der Zeit Balzacs wären, sich des Eindrucks nicht erwehren, ein aktuelles Pamphlet in der Hand zu halten.

Rudolf von Bitter ist es zu verdanken, daß hier eine sehr gute und durchdachte Übersetzung vorliegt, die zum einen den Ton Balzacs in einem passenden Sinne trifft, ohne gestelzt zu wirken oder unlesbar zu werden. Desweiteren wurde das Buch mit einem umfangreichen Glossar angereichert, das ein Namens- und Zeitschriftenverzeichnis aufweist, das dem Leser eine Verständnishilfe an die Hand gibt, Kontexte, die dem Leser des Frankreichs des 19. Jahrhunderts ohne weiteres bekannt sein dürften, nachzuvollziehen.

Sicherlich ist die Lektüre Balzacs heutzutage nicht mehr für jedermann etwas, womit er seine lauen Abendstunden zubringen möchte, wer sich aber darauf einläßt oder gar wie ich ein Liebhaber seiner Literatur ist, dem sei dieses kleine Bändchen mit seinem auffälligen blaumetallenen Druck nur empfohlen, denn es wird ihm einige lustige Lesestunden verschaffen – Balzac kann sehr amüsant und unterhaltend sein, wenn man sich darauf einläßt.

Voransicht

  • Weitere Bücher des Autors