Wie man einen Bären kocht

Roman

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Hardcover
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Ein Dorf in Nordschweden 1852. Jussi entflieht seinem Elternhaus, wo Gewalt, Hunger und Alkohol regieren, und wird von dem protestantische Geistlichen Laestadius unter seine Fittiche genommen. Der vielseitig gebildete Erweckungsprediger lehrt den völlig vernachlässigten samischen Jungen nicht nur lesen und schreiben, er teilt mit ihm auch seine Begeisterung für die heimische Flora und Fauna. Als ein Mädchen tot im Wald gefunden wird - allem Anschein nach das Opfer eines Bären – geraten die Dorfbewohner in Aufruhr. Angestachelt von der Belohnung, die der Gendarm ausgelobt hat, locken sie das Tier in eine Falle und töten es. Nur Laestadius und Jussi glauben nicht, dass der Bär der Schuldige ist, denn die vermeintlichen Bärenspuren waren gefälscht. Als ein weiteres Mädchen verschwindet, ahnen die beiden nicht, in welcher Gefahr sie selbst schweben: Jemand sucht einen Sündenbock, und Laestadius hat sich mit seiner aufklärerischen Arbeit viele Feinde gemacht.

»Atmosphärisch dichter Niemi-Roman«

Augsburger Allgemeine (03. Juni 2020)

DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Aus dem Schwedischen von Christel Hildebrandt
Originaltitel: Koka björn
Originalverlag: Piratförlaget
Hardcover mit Schutzumschlag, 512 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-442-75800-5
Erschienen am  16. März 2020
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

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Leserstimmen

Starker historischer Krimi in Nordschweden: „Wie man einem Bären kocht“ von Mikael Niemi

Von: Sören

10.06.2020

Von Mikael Niemi habe ich seit dessen Überraschungshit Populärmusik aus Vittula nichts mehr gelesen. Das ist ein Buch, das ich noch heute gern weiter empfehle. Es ist einfach und mit einigem Witz geschrieben, und vermittelt dabei doch ein glaubhaftes Bild der äußersten nordschwedischen Provinz zu der Zeit, als die Beat Musik erstmals diese entlegenen Regionen erreicht. Eine Coming-of-Age-Geschichte, die mehr ist als einfach nur das Buch einer Jugend, die interessante Figuren und Situationen bereithält und gleichzeitig überzeugend das Bild einer ländlichen Gesellschaft zeichnet. Seitdem scheint es in Deutschland relativ ruhig um den Autor geworden zu sein. Die deutschsprachige Wikipedia wirkt ziemlich verwaist, in der englischen sieht es allerdings nicht besser aus. Nun hatte ich die Chance, mir die neueste Übersetzung (Original 2018) als Rezensionsexemplar zu bestellen: Wie man einem Bären kocht. Also: Warum nicht? Zwar bin ich beim Lesen anfangs ein wenig genervt, dass es sich schon wieder um eine Bearbeitung des klassischen Sherlock Holmes/Watson Duos handelt, was in letzter Zeit wieder in Mode gekommen zu sein scheint. Diesmal ermitteln ein Propst der Erweckungsbewegung im schwedischen mittleren 19. Jahrhundert und dessen Ziehsohn, ein ehemaliger junger Landstreicher. Aber was soll’s, Niemi nutzt das klassische Schema, um eine ganz interessante Geschichte rund um wahrscheinliche Lustmorde zu erzählen, die die lokale Bevölkerung und das Gesetz allerdings lieber einem wildernden Bären in die Schuhe schiebt. Dabei gelingt es dem Autor wieder, glaubhaft die Beziehungsgeflechte eines Dorfes, die Besonderheiten eines Lebens, das noch stark von der Natur und besonders den Jahreszeiten bestimmt ist, vor Augen zu stellen, sowie die Bedeutung von Religion aber auch des Ausbruchswillens etwa durch wilde Tänze und nicht sanktionierte Liebschaften nachvollziehbar zu vermietteln. Unaufdringlich, aber doch unbezwingbar schieben sich auch Aufklärung und industrielle Revolution immer wieder ins Blickfeld. Ich sage „glaubhaft“ und „nachvollziehbar“, nicht „realistisch“, denn die Aufgabe eines Romanes ist es nicht, Soziologie zu ersetzen. Niemi legt heute, scheint mir, einen stärkeren Fokus auf Landschaftsbeschreibungen und versucht auch seine Charaktere feiner zu zeichnen als in seinem Superhit, der mittlerweile immerhin X Jahre alt ist. So trifft der Leser auf mehr starke Bilder, und bekommt insgesamt die Welt ausführlicher vor Augen gestellt. Das ist nicht nur positiv. Populärmusik aus Vittula lebte gerade von der direkten, unmittelbaren Konfrontation mit grobem Pinsel und knalligen Farben gemalter Figuren und einer schroffen Dorfszenerie. Wie man einen Bären kocht beschreibt dagegen ausladender und theoretisiert auch deutlich mehr. Welcher Niemi am Ende besser gefällt, dürfte Geschmackssache sein, und auch ein wenig davon abhängen, ob man Lust hat noch eine weitere Detektivgeschichte zu lesen, die in diesem Bereich zwar ordentlich ausgeführt ist, aber darin eben auch nichts besonderes. Wie gesagt: als Detektivgeschichte. Das Drumherum macht aus Wie man einen Bären kocht durchaus ein überdurchschnittliches Werk.

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Mikael Niemi: Wie man einen Bären kocht

Von: Esthers Bücher

28.03.2020

1852, Nordschweden. In diesem Teil des Landes sprechen nicht viele Einwohner Schwedisch, dafür aber Finnisch und Samisch. Hier wird der samische Junge Jussi, der seinem schrecklichen Elternhaus (bzw. -jurte) entflohen ist, von einem Pfarrer aufgenommen. Es ist der Propst Lars Levi Laestadius, der ein Prediger der protestantischen Erweckungsbewegung war. Jussi lernt nicht nur lesen und schreiben mit seiner Hilfe, der Propst führt ihn auch in die Wissenschaft der Botanik ein. Das klingt nach einem positiven Ausgang für Jussi, aber das Leben ist auf der Seite von Laestadius nicht einfach, denn der Propst predigt gegen den Alkoholkonsum. Er kann zwar einige in seiner Dorfgemeinde dafür begeistern, aber für diejenigen, die sich am Alkoholismus des gemeinen Volkes bereichern, ist er ein Dorn im Auge. Eines Tages verschwindet eine junge Frau. Der Propst wird gerufen und bald findet er Anzeichen dafür, dass ein Bär das Mädchen angegriffen haben konnte. Doch Laestadius ist ein echter CSI und stellt wenig später fest, dass es doch ein Mensch gewesen sein muss, der dem Mädchen was angetan hat. Als dann die Leiche der Frau gefunden wird, kann er jedoch weder die Dorfbewohner, noch für die Ermittlungen zuständigen Landjäger davon überzeugen, dass der Täter nicht ein Bär gewesen ist. Ein Bär wird schnell gestellt und umgebracht, doch bald wird eine weitere junge Frau angegriffen. Wer ist der Täter? Und was hat Jussi mit der Geschichte zu tun, der nach der schönen Maria schmachtet? Was sich bis jetzt wie eine spannende Mördergeschichte anhört, ist eigentlich sehr viel mehr. Denn Laestadius hat es tatsächlich gegeben und die Geschichte der Erweckungsbewegung wird von Niemi sehr gekonnt in den Roman mit eingeflochten. Während der Leser langsam überall, wie der fortschrittliche Propst, nach einer Lösung für die sich häufenden Mordfälle sucht, lernt er auch immer mehr über eine außerhalb Schwedens wohl weniger bekannte Persönlichkeit und diesen besonderen Abschnitt der Geschichte. Neben Laestadius ist auch Jussi eine sehr plastisch dargestellte, interessante Figur in diesem Buch, der durch seine Person auch zu einem Entwicklungsroman wird. Der Junge, der kaum ein Wort sprechen wagt, ist der Erzähler der Geschichte. Er erwacht immer mehr zu einem Bewusstsein. Man leidet mit ihm, man freut sich mit ihm… und man wird währenddessen das Gefühl nicht los, dass man einem Mörder zuhört. Oder ist er unschuldig? Wie gesagt, das ist keine einfache Krimigeschichte, wer das Buch also nur wegen dem Whodunnit lesen möchte, dem kann ich es nur bedingt empfehlen. Wer aber offen dafür ist, oder sogar interessiert daran, mehr über die Geschichte Schwedens, über Laestadius und die Erweckungsbewegung zu erfahren, der sollte zugreifen. Der Krimi ist aber auch sehr spannend, nicht dass mich hier jemand missversteht. Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich werde sicherlich noch weitere Werke des Autors lesen.

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Vita

Mikael Niemi, Jahrgang 1959, wuchs im hohen Norden Schwedens in Pajala auf, wo er heute noch lebt. Im Jahr 2000 erschien sein erster Roman "Populärmusik aus Vittula", für den er den renommiertesten Literaturpreis seines Landes, den Augustpreis, bekam. Es war das spektakulärste Debüt, das Schweden je erlebt hatte. Das Buch stand monatelang auf Platz 1 der Bestsellerliste, verkaufte sich über eine Million mal, wurde in 24 Sprachen übersetzt und ebenso erfolgreich verfilmt.

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