Wie man einen Bären kocht

Roman

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Ein Dorf in Nordschweden 1852. Jussi entflieht seinem Elternhaus, wo Gewalt, Hunger und Alkohol regieren, und wird von dem protestantische Geistlichen Laestadius unter seine Fittiche genommen. Der vielseitig gebildete Erweckungsprediger lehrt den völlig vernachlässigten samischen Jungen nicht nur lesen und schreiben, er teilt mit ihm auch seine Begeisterung für die heimische Flora und Fauna. Als ein Mädchen tot im Wald gefunden wird - allem Anschein nach das Opfer eines Bären – geraten die Dorfbewohner in Aufruhr. Angestachelt von der Belohnung, die der Gendarm ausgelobt hat, locken sie das Tier in eine Falle und töten es. Nur Laestadius und Jussi glauben nicht, dass der Bär der Schuldige ist, denn die vermeintlichen Bärenspuren waren gefälscht. Als ein weiteres Mädchen verschwindet, ahnen die beiden nicht, in welcher Gefahr sie selbst schweben: Jemand sucht einen Sündenbock, und Laestadius hat sich mit seiner aufklärerischen Arbeit viele Feinde gemacht.

»Atmosphärisch dichter Niemi-Roman«

Augsburger Allgemeine (03. Juni 2020)

DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Aus dem Schwedischen von Christel Hildebrandt
Originaltitel: Koka björn
Originalverlag: Piratförlaget
Hardcover mit Schutzumschlag, 512 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-442-75800-5
Erschienen am  16. März 2020
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

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Leserstimmen

Mikael Niemi: Wie man einen Bären kocht

Von: Esthers Bücher

28.03.2020

1852, Nordschweden. In diesem Teil des Landes sprechen nicht viele Einwohner Schwedisch, dafür aber Finnisch und Samisch. Hier wird der samische Junge Jussi, der seinem schrecklichen Elternhaus (bzw. -jurte) entflohen ist, von einem Pfarrer aufgenommen. Es ist der Propst Lars Levi Laestadius, der ein Prediger der protestantischen Erweckungsbewegung war. Jussi lernt nicht nur lesen und schreiben mit seiner Hilfe, der Propst führt ihn auch in die Wissenschaft der Botanik ein. Das klingt nach einem positiven Ausgang für Jussi, aber das Leben ist auf der Seite von Laestadius nicht einfach, denn der Propst predigt gegen den Alkoholkonsum. Er kann zwar einige in seiner Dorfgemeinde dafür begeistern, aber für diejenigen, die sich am Alkoholismus des gemeinen Volkes bereichern, ist er ein Dorn im Auge. Eines Tages verschwindet eine junge Frau. Der Propst wird gerufen und bald findet er Anzeichen dafür, dass ein Bär das Mädchen angegriffen haben konnte. Doch Laestadius ist ein echter CSI und stellt wenig später fest, dass es doch ein Mensch gewesen sein muss, der dem Mädchen was angetan hat. Als dann die Leiche der Frau gefunden wird, kann er jedoch weder die Dorfbewohner, noch für die Ermittlungen zuständigen Landjäger davon überzeugen, dass der Täter nicht ein Bär gewesen ist. Ein Bär wird schnell gestellt und umgebracht, doch bald wird eine weitere junge Frau angegriffen. Wer ist der Täter? Und was hat Jussi mit der Geschichte zu tun, der nach der schönen Maria schmachtet? Was sich bis jetzt wie eine spannende Mördergeschichte anhört, ist eigentlich sehr viel mehr. Denn Laestadius hat es tatsächlich gegeben und die Geschichte der Erweckungsbewegung wird von Niemi sehr gekonnt in den Roman mit eingeflochten. Während der Leser langsam überall, wie der fortschrittliche Propst, nach einer Lösung für die sich häufenden Mordfälle sucht, lernt er auch immer mehr über eine außerhalb Schwedens wohl weniger bekannte Persönlichkeit und diesen besonderen Abschnitt der Geschichte. Neben Laestadius ist auch Jussi eine sehr plastisch dargestellte, interessante Figur in diesem Buch, der durch seine Person auch zu einem Entwicklungsroman wird. Der Junge, der kaum ein Wort sprechen wagt, ist der Erzähler der Geschichte. Er erwacht immer mehr zu einem Bewusstsein. Man leidet mit ihm, man freut sich mit ihm… und man wird währenddessen das Gefühl nicht los, dass man einem Mörder zuhört. Oder ist er unschuldig? Wie gesagt, das ist keine einfache Krimigeschichte, wer das Buch also nur wegen dem Whodunnit lesen möchte, dem kann ich es nur bedingt empfehlen. Wer aber offen dafür ist, oder sogar interessiert daran, mehr über die Geschichte Schwedens, über Laestadius und die Erweckungsbewegung zu erfahren, der sollte zugreifen. Der Krimi ist aber auch sehr spannend, nicht dass mich hier jemand missversteht. Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich werde sicherlich noch weitere Werke des Autors lesen.

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Der Bär, der keiner ist

Von: bootedKat

16.03.2020

In Kengis in Nordschweden geht es 1852 auf Bärenjagd. Die reißende Bestie, so glaubt man, habe eine junge Frau angegriffen und getötet. Kurz darauf wird eine weitere junge Frau angegriffen und weist die gleichen Verletzungen auf. Unter anderem Würgemale am Hals. Noch bevor sie bestätigen kann, dass dies kein Bär, sondern ein Mann getan hat, sind der vielseitig gebildete protestantische Geistliche Laestadius und sein samischer Ziehsohn Jussi auf der richtigen Spur und haben sogar bereits einen Verdacht. Laestadius wird im Dorf jedoch kritisch, mitunter auch misstrauisch, beäugt und hat es alles andere als einfach, seinen Verdacht zu Gehör zu bringen. Mit „Wie man einen Bären kocht“ hat Mikael Niemi einen unglaublich vielschichtigen Roman geschrieben, der die damalige Zeit in vielen verschiedenen Nuancen abbildet. Sowohl die Konflikte zwischen den Schweden, den Finnen und den Samen werden deutlich, als auch die Skepsis gegenüber dem Protestantismus. Hinzu kommt die Autoritätsgläubigkeit der einfachen Landbevölkerung gegenüber dem Landjäger Brahe, die aus Unsicherheit und auch aus Unwissen heraus entsteht. Während Brahe allerdings nur sieht, was er sehen will und es sich damit einfach macht, geht Laestadius deutlich offener an seine Ermittlungen. Die Geschichte bewegt sich zwischen Erzählung, historischem Roman und Krimi und wird aus der Sicht des samischen jungen Manns Jussi erzählt. Jussi ist als Kind aus einem Elternhaus geflohen, in dem Alkohol, Vernachlässigung und Gewalt an der Tagesordnung waren. Da seine Herkunft für die Dorfbewohner unklar ist und er zudem den Samen angehört, ist er innerhalb der Dorfgemeinschaft eher ein Außenseiter. Für die Geschichte selbst, ist dies jedoch von Vorteil, da er außer zu Laestadius zu niemandem gehört. Das Auftreten der beiden erinnert an einen Kommissar und seinen Assistenten, obwohl beide keine Polizisten sind. Dennoch bemühen sie sich um Aufklärung, des Falls und geistige. Zusammen mit den Konflikten innerhalb des Dorfes spinnt Mikael Niemi so eine Geschichte, die auch über die Haupthandlung hinaus einiges zu bieten hat.

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Vita

Mikael Niemi, Jahrgang 1959, wuchs im hohen Norden Schwedens in Pajala auf, wo er heute noch lebt. Im Jahr 2000 erschien sein erster Roman "Populärmusik aus Vittula", für den er den renommiertesten Literaturpreis seines Landes, den Augustpreis, bekam. Es war das spektakulärste Debüt, das Schweden je erlebt hatte. Das Buch stand monatelang auf Platz 1 der Bestsellerliste, verkaufte sich über eine Million mal, wurde in 24 Sprachen übersetzt und ebenso erfolgreich verfilmt.

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