deutsch, nicht dumpf

Ein Leitfaden für aufgeklärte Patrioten

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Heimat, Leitkultur, Nation: Thea Dorn will diese kontroversen Themen nicht den Rechten überlassen

Seit Jahren streiten wir, und der Ton wird rauer: Befördert die Rede von Heimat und Verwurzelung oder gar Patriotismus ein rückwärtsgewandtes, engstirniges Denken, das über kurz oder lang zu neuem Chauvinismus, Rassismus und Nationalismus führen wird? Oder ist das Beharren auf unseren kulturellen, historisch gewachsenenen Besonderheiten in Zeiten von Migration, Globalisierung und Technokratisierung nicht vielmehr Grundbedingung dafür, jene weltoffene Liberalität und Zivilität zu wahren, zu der das heutige Deutschland ja inzwischen längst gefunden hat? Anknüpfend an Themen, die sie bereits in ihrem Bestseller „Die deutsche Seele“ (zusammen mit Richard Wagner) erkundet hat, wendet Thea Dorn sich nun den aktuellen Schicksalsfragen unserer Gesellschaft zu - differenziert, unaufgeregt und dennoch leidenschaftlich.

»Das Buch ist eine kluge, abwägende und doch pathetische Streitschrift für Deutschland, das sich seiner Besonderheiten bewusst ist, ohne dabei auf Sonderwege zu geraten.«

DER SPIEGEL, Sigmar Gabriel (05. Mai 2018)

Hardcover mit Schutzumschlag, 336 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-8135-0810-9
Erschienen am  23. April 2018
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Zu Thea Dorn, Deutsch nicht dumpf

Von: Rolf Reinert aus 53332 Bornheim

27.04.2020

Viele Passagen des Buches habe ich als interessant und anregend aufgenommen. Ermüdend sind allerdings der oft oberlehrinnenhafte Ton, Abschweifungen, Name-Dropping und die vielen Zitate, von denen ich nicht selten den Eindruck hatte, dass sie vor allem die Bildung und Belesenheit der Autorin unter Beweis stellen sollten. Und wenn die Autorin schon so viel fremdes und zum Teil auch wenig zugängliches Gedankengut bringt, hätte sie auch die konkreten Fundstellen anführen sollen. Und wie kommt sie bei ihrer so umfassenden Bildung zu der Erkenntnis, dass Deutschland im 19. Jahrhundert ständig Kriege gegen Frankreich geführt hätte? Eine in ihrer Argumentation wichtige Passage. Aber auf wen sind die genau zwei Kriege im 19. Jahrhundert zwischen zahlreichen deutschen Staaten (nicht „Deutschland“) einerseits, Frankreich andererseits zurückzuführen? Auf den Möchtegern-Welteroberer Napoleon I. der erste (die Auseinandersetzungen mit dem napoleonischen Frankreich als ein Kriegsgeschehen zusammengefasst); und auf die Kriegserklärung Napoleons III. gegen Preußen der zweite. Im ersten Fall standen die deutschen Staaten übrigens an der Seite von Österreich, Großbritannien, Russland und der Niederlande. Und forderte nicht noch Mitte des 19. Jahrhunderts die französische Regierung den Rhein als „natürliche“ Ostgrenze? Widerstand dagegen von deutscher Seite aus Minderwertigkeitsgefühl, und dann noch bösartig? Es wäre wohl auch passender gewesen, nicht von Minderwertigkeitsgefühl, sondern vom Bewusstsein lang andauernder Unterlegenheit zu sprechen – zu massiv hatte Frankreich schon im 17. Jahrhundert politisch und vor allem militärisch in Deutschland eingegriffen. Heute wird das arg beschönigend unter „Réunionen Ludwigs XIV.“ abgehandelt. Das Heidelberger Schloss und die vielen linksrheinischen Burgruinen lassen grüßen. Und vorher war der Rhein in Relation zu Frankreich nun mal „Deutschlands Fluss, nicht Deutschlands Grenze“, und das für 800 Jahre. Beiderseits des Rheins gleiche Menschen, dieselbe Sprache, dieselbe Kultur. Auch ihre Passage über den Völkerhass auf alle nicht-deutschen Menschen im Ersten Weltkrieg ist in dieser Pauschalität unhaltbar. Bemerkenswert, dass die Flut der Zitate hier völlig versiegt ist. „Aufgeklärte Patrioten“ können Frau Dorn weitgehend zustimmen und in ihrem Buch Bestätigung für ihre Haltung finden. Ob die Autorin damit jemanden gewinnen kann, aufgeklärter Patriot zu werden, bezweifle ich. Auch deshalb, weil sie wichtige Aspekte völlig ausgeblendet hat. Zum Beispiel das Versprechen des „Selbstbestimmungsrechts der Völker“ nach dem Ersten Weltkrieg, das gegenüber Deutschland und Österreich sofort eklatant gebrochen wurde – und nach dem zweiten Weltkrieg erneut und in aller Brutalität. Zusammen mit den vorstehenden Beispielen macht dies es jedem Kritiker leicht, der Autorin Einseitigkeit vorzuhalten und ihren Leitfaden deshalb rundum abzulehnen. Bei aller Sympathie für ihre Haltung: Weniger Verve für den aufgeklärten Patriotismus, dafür mehr historische Sachkenntnis, Objektivität und Rationalität wären überzeugender gewesen. Leider muss man wohl auch dem Lektorat vorwerfen, dass es hier nicht warnend eingegriffen hat.

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Leitfaden für wen?

Von: Markus Gebhard aus Wiesloch (Hesse im badischen Exil)

06.03.2019

Ehrlich? Eigentlich "mag" ich Frau Dorn und ihre Meinung. Aber durch dieses Buch habe ich mich gequält. Vorsicht, Spoiler: Viel über die lange Zeit vor der Gegenwart, wenig über die Gegenwart selbst und hier auch eher auf Basis von Buchwissen und nicht oder wenig durch selbst Erfahrenes. Frau Dorn kommt wie ich aus der Arbeiterstadt Offenbach am Main (Hugenottenstadt! Verschämt nennt sie das "bei Frankfurt am Main"); hier kann man sich als Mikrokosmos alles anschauen, was "deutsch" ausmachen kann und sollte. Auch habe ich in den 1980ern als Wehrdienstleistender meinen Dienst "am Vaterland" geleistet und gelobt als Bürger in Uniform (Bürger!) unsere freiheitlich demokratische Grundordnung auch mit meinem Leben zu verteidigen; "der Al-Wazir" (gleiche Schule wie ich) konnte das damals nicht nachvollziehen, heute ist er stellvertretender Ministerpräsident in einem Bundesland des Landes das übersetzt wohl "Land der vielen Völker" schon immer heißt. Also was ist jetzt genau "deutsch"? Aus dem Buch erschließt sich mir das leider nicht.

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Vita

Thea Dorn, geboren 1970, studierte Philosophie und Theaterwissenschaften in Frankfurt, Wien und Berlin. Sie schrieb preisgekrönte Romane (zuletzt „Die Unglückseligen“), Theaterstücke, Drehbücher und Essays. 2011 veröffentlichte sie (zusammen mit Richard Wagner) „Die deutsche Seele“, eine enzyklopädische Kulturgeschichte des Deutschen von Abendbrot bis Zerrissenheit. Seit März 2017 ist sie festes Mitglied im "Literarischen Quartett". Thea Dorn lebt in Berlin.

Zur AUTORENSEITE

Events

09. Juli 2020

Lesung und Gespräch mit Thea Dorn im Rahmen der internationalen Tagung „Vanitas und Gesellschaft“

20:00 Uhr | Hamburg | Lesungen
Thea Dorn
Die Unglückseligen

21. Okt. 2020

Lesung und Gespräch mit Thea Dorn

Heilbronn | Lesungen
Thea Dorn
Die Unglückseligen

Pressestimmen

»Ein historisch zuverlässig informierendes Vademecum für politisch interessierte und demokratisch orientierte Zeitgenossen, die sich in einer aufgeheizten innenpolitischen Atmosphäre zurechtfinden müssen.«

Frankfurter Allgemeine Zeitung, Stephan Wackwitz (02. Juni 2018)

»Es ist ein streitbares Buch, das Thea Dorn da vorgelegt hat. Ein provokantes, deutsches Manifest, über das sich trefflich streiten lässt. Die Debatte ist eröffnet.«

»Die Schriftstellerin Thea Dorn stellt sich den aktuellen Schicksalsfragen unserer Gesellschaft – differenziert, unaufgeregt und dennoch leidenschaftlich.«

»Ihr kluger ‚Leitfaden für aufgeklärte Patrioten‘ ist ein Glücksfall in der aktuellen Debatte.«

B.Z. am Sonntag (06. Mai 2018)

Weitere Bücher der Autorin