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SPECIAL zu Moritz Stetter: Dietrich Bonhoeffer

Bonhoeffer als Comic: Geht das?

Kann man das Leben und Sterben des deutschen Theologen und Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer als Comic darstellen? Moritz Stetter hat es gewagt.

Zugegeben, ich war skeptisch, als ich die Verlagsankündigung auf meinem Schreibtisch hatte. Das Leben des bekannten Theologen und Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer als Comic? Wie soll das denn funktionieren? Kann man sich, darf man sich an ein solch ernstes Thema überhaupt in dieser Form heranwagen? Der Illustrator Moritz Stetter hat es gewagt. Dabei ist ein herausforderndes und ungewöhnliches Werk über Dietrich Bonhoeffers Leben entstanden.

Auf 112 Seiten zeichnet der freiberufliche Illustrator das Leben des am 9. April 1945 im KZ Flossenbürg hingerichteten Kirchenmanns nach. Dabei bringt er die entscheidenden Momente und Begegnungen in Bonhoeffers Biographie einfühlsam und kenntnisreich zu Papier. Er verknüpft großflächig und collagenartig den historischen Rahmen mit einzelnen Begegnungen und Aussagen Bonhoeffers. Dadurch erschließen sich Taten und Worte Bonhoeffers in ihrer historischen Relevanz besonders eindrücklich.

Zwei Tage nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler hält Bonhoeffer eine Radioandacht. Er spricht über Autorität und Verantwortung und warnt davor, dass aus dem Führer ein Verführer werden könne. Stetter setzt dies grafisch so um, dass einem übergroßen Hitlerkopf die Deutschen Christen zufliegen und der Diktator diese gleichsam verschlingt. Bonhoeffers Warnungen erscheinen dadurch als klare Worte eines wachen Propheten und Mahners.

Die Darstellung Hitlers war dabei für den Comiczeichner eine besondere Herausforderung.

Der Hamburger Zeichner schreibt in seinem Blog: „Ich zerbrech mir immer noch den Kopf darüber, ob und wie ich Hitler darstelle. Es gibt dabei so viele Gefahren: Dass man ihn überzeichnet und ins Lächerliche zieht, dass er auf eine Fratze, etwas Unmenschliches reduziert wird“.

Ein weiteres, sehr schwieriges Thema hat der Hamburger Illustrator sehr einfühlsam gelöst:

Wie stellt man die Verbrechen der Nationalsozialisten in einem Comic dar? Stetter zeichnet das ganze Ausmaß dieser Gräueltaten durch Bonhoeffers Wahrnehmung sehr eindrücklich nach: Als Bonhoeffer durch seinen Freund Hans von Dohnanyi zum ersten Mal mit Unterlagen konfrontiert wird, die die Verbrechen des Naziregimes dokumentieren, ist er tief erschüttert. Stetter visualisiert das Leid und den Schrecken durch die Schreie der geschundenen und ermordeten Seelen der Opfer des NS-Regimes. Sie sind dadurch Warnung und Anklage zugleich.

Fazit: Neuer Zugang und neue Möglichkeiten

Moritz Stetters „Bonhoeffer - Graphic Novel“ vermittelt Menschen, die sich neu mit dem Leben und Wirken Bonhoeffers auseinandersetzen wollen, eine bereichernde und vielleicht sogar ganz neue Perspektive. Aber auch für Leser, die einen ersten Zugang zur Biographie Bonhoeffers suchen, ist es sehr empfehlenswert. Und zwar nicht zuletzt, weil es deutlich macht, wie sehr persönlicher Glaube und gesellschaftliches Engagement zusammenhängen. Mitten im Gefängnis ist es die persönliche Beziehung zu Gott, die Bonhoeffer trägt. Das illustriert Stetter gegen Ende des Comics. Er veranschaulicht Bonhoeffers Seelenleben in der Haft durch eindrückliche Zeichnungen, die das bekannte Gedicht „Wer bin ich?“ illustrieren. In dessen letzter Strophe heißt es:


„Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott. Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!“

Michael Gerster
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