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Franzi von Kempis – Anleitung zum Widerspruch

Klare Antworten auf populistische Parolen, Vorurteile und Verschwörungstheorien

Antisemitische Anfeindungen auf der Straße, Menschen, die gegen die Seenotrettung wettern oder den Klimawandel leugnen – es gibt viele Situationen, in denen man heutzutage mit Vorurteilen, Halbwahrheiten oder einem problematischen Weltbild konfrontiert wird. Doch was entgegnet man konkret, wenn einem im Gespräch rassistische Äußerungen, frauenfeindliche Halbwahrheiten oder der angebliche Bevölkerungsaustausch um die Ohren fliegen?
Franzi von Kempis liefert in ihrem Buch „Anleitung zum Widerspruch“ konkrete Antworten, kompaktes Wissen und Argumente für Diskussionen mit Menschen die,…

…den Klimawandel leugnen
…Antisemitismus verbreiten
…Verschwörungstheorien glauben
…sich islamfeindlich äußern
…sich frauenfeindlich äußern und/oder Gender-Kritik üben
…gegen Flüchtlinge hetzen

Beispiele aus dem Buch:

„Man darf Israel nicht kritisieren, sonst ist man gleich Antisemit“

Nein. Kritik an Israel ist nicht automatisch antisemitisch. Tatsächlich verbietet niemand Kritik am Staat Israel. Wer sich die deutsche und natürlich auch die internationale Medienlandschaft ansieht, weiß, dass Israel immer wieder Thema ist und kontrovers diskutiert wird. Kritik an Israel kann aber auch dazu genutzt werden, um Kritik an Jüdinnen und Juden zu üben. Man nennt das „versteckten Antisemitismus“ oder „antisemitische Umwegkommunikation“. Die Journalistin und Autorin Esther Schapira umschreibt das so: „Es ist heute viel üblicher, sich in Form von Israelkritik zu äußern. Dann sage ich ja nichts gegen Juden, sondern nur gegen den jüdischen Staat. Ich meine Juden, sage aber „Israel“. Das geht leichter über die Lippen, denn es bricht kein Tabu, ist nicht schuldbeladen und dadurch salonfähig“. Man muss sich also sehr genau anschauen, wie Leute im Einzelnen argumentieren. Man kann dazu auch den 3D-Test von Natan Sharansky anwenden. Dabei gilt es, folgende drei Punkte zu hinterfragen, wenn es um Kritik an Israel geht: Dämonisierung, Doppelte Standards und Delegitimierung. Wird Israel dämonisiert, werden im Zusammenhang mit Israel doppelte Standards angewandt, oder wird Israel das Existenzrecht aberkannt? Kritik, auch harte Kritik am Staat Israel, die ohne antisemitischen Ressentiments auskommt, ist kein Antisemitismus.

„Die Sonne verursacht den Klimawandel“

Nein, das tut sie nicht, auch wenn das noch so viele Politiker in Talkshows behaupten. Was an der Aussage stimmt: Die Sonne ist die größte Energiequelle, die wir haben und zweifellos ein wichtiger Treiber des Klimasystems. Schließlich wird unser gesamtes Klima weltweit durch ihre Sonnenstrahlen beeinflusst. Was ebenfalls richtig ist: Die Sonnenaktivität verändert sich, sie strahlt mal stärker, mal schwächer. Wird sie stärker, erwärmt sich die Erde. Aber: Die Energie der Sonne, die auf der Erde ankommt, hat in den letzten Jahrzehnten abgenommen. Während die Sonnenenergie aber nicht zunimmt, erhitzt sich die Erde trotzdem zunehmend. Die Sonne kann also nicht der treibende Faktor bei der Erderwärmung sein. Was aber ein bekannter Faktor der Erderwärmung ist: Treibhausgase. Die verhindern durch ihre Existenz in der Atmosphäre, dass die Erderwärmung ins All abstrahlt. Wie eine dicke Daunenjacke, die die Wärme am Körper hält, sorgen Treibhausgase als „Schutzschicht“ dafür, dass Rückstrahlungswärme (also indirekte Sonnenwärme), in der Atmosphäre bleibt.

„Flüchtlinge in Seenot müssen zurück nach Afrika gebracht werden”

Es ist illegal, Schiffsbrüchige generell (zum Beispiel nach Libyen) zurückzubringen. Warum? Staatliche Schiffe unterliegen der Europäischen Menschrechtskonvention und dem „Non-refoulment-Prinzip”, das ihnen diese Zurückweisung verbietet. Private Schiffe unterliegen dem völkerrechtlichen Seerecht. Und das besagt: Schiffbrüchige müssen an einen „sicheren Ort”, nicht zwingend den nächsten sicheren Hafen gebracht werden. Und Libyen ist aus europäischer Sicht kein sicherer Ort. Aus diesem Grund können Seenotretter nicht dafür bestraft werden, dass sie die geretteten Menschen nicht nach Libyen zurückbringen.
Als Hintergrund für die Diskussion: Das Seerecht ist nicht für die aktuelle Migrationsfrage ausgelegt. Die Regulierungen zur Seenotrettung wurden nicht geschaffen, um Migrationsbewegungen auf dem Mittelmeer zu kontrollieren. Aber: Egal ob man zu den Menschen gehört, die glauben, dass niemand seine Familie in ein seeuntüchtiges Boot setzen würde, wenn das Land hinter einem nicht viel zu gefährlich wäre, oder nicht: Niemand sollte auf der Suche nach einem neuen Leben ertrinken müssen.

„Männer und Frauen sind von Natur aus verschieden“

Männer und Frauen sind verschieden. Ich und mein Diskussionsgegenüber sind es auch. Darauf, dass sich Menschen und Geschlechter voneinander unterscheiden, kann man sich grundsätzlich immer einigen. Wer aber argumentiert, dass die Unterschiede zwischen den Geschlechtern rein biologisch begründet sind, offenbart ein historisch erworbenes Verhalten, wie die Kultur- und Genderforscherin Christina von Braun erklärt: „Wir haben unsere Definitionen von Männlichkeit und Weiblichkeit kulturell, über Jahrtausende hinweg, gelernt, uns antrainiert. Das Problem dabei ist: Viele dieser Definitionen werden gleichgesetzt mit einer angeblichen Natur der Geschlechter. Aber: Eine Natur, die sich in wenigen Jahrzehnten über den Haufen werfen ließ – da kann etwas an dem Argument nicht stimmen.“ Die Frage, die man sich und seinem Gegenüber also stellen könnte: Wenn die Unterschiede zwischen Mann und Frau so tief in der Natur verwurzelt sind, wie erklärt man dann die letzten 100 Jahre (inklusive Wahlrecht)? Während man Frauen um 1900 herum weder eine akademische Bildung noch politische Entscheidungen zutraute, sind Frauen inzwischen auf allen Entscheidungsebenen vertreten, sie gewinnen Nobelpreise, sie machen Fotos von Schwarzen Löchern, sie fliegen zum Mond, sind Kanzlerin und Präsidentin. Was man sich also für eine Diskussion merken kann: Wer sich auf die Natur beruft, muss sich der Gegenfrage stellen, wieso in dieser Natur innerhalb von wenigen Jahrzehnten so radikale Änderungen möglich waren und wie sich das ohne kulturelle Zuschreibungen erklären lässt.

Anleitung zum Widerspruch

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