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C.E. Bernard im Interview

Wussten Sie, dass C.E. Bernard nicht nur mit Worten sondern auch mit dem Degen umgehen kann?

Bitte geben Sie uns eine kurze Biografie von sich:
Geboren und aufgewachsen im Ruhrgebiet; Studium der Anglistik und Politikwissenschaft. Nach Stationen bei der Zeitung, im Hörspielverlag und der Fernsehproduktion lebe, schreibe und lehre ich nach den USA, Kanada, Australien und Paris jetzt in Bonn.

Würden Sie uns ein wenig über sich erzählen – Ihre Hobbies, Lebenssituation, Ihren Traum vom Glück, was Sie ärgert, welche Gabe Sie gerne besäßen …?
In meiner Freizeit bin ich bei einer englischsprachigen Theatergruppe aktiv, auf und hinter der Bühne. Wir inszenieren pro Jahr zwei Theaterstücke, zuletzt führte ich bei William Shakespeares ALL’S WELL THAT ENDS WELL Regie (busc.de). Ich wünsche, ich hätte eine Katze, wohne aber mitten in der Stadt und im zweiten Stock. Und bin allergisch. Dafür wohnt mein Zwillingsbruder nach fünf Jahren in verschiedenen Städten endlich wieder nebenan. Wenn ich nur einen Wunsch hätte, wäre das keine Gabe, sondern ein Zeitumkehrer.

Wie kamen Sie zum Schreiben?
Mir waren im Herr der Ringe zu wenige Frauenfiguren, deshalb erfand ich mit 8 Jahren einfach eine hinzu (natürlich eine Bogenschützin). Obwohl ich Muttersprachlerin bin, schreibe ich meine Bücher auf Englisch.

Was inspiriert Sie/Wie finden Sie Ihre Themen?
Das kann vieles sein: ein Lied, ein aufgeschnappter Gesprächsfetzen in der Bahn … Aber eigentlich greife ich zum Stift, wenn ich das Gefühl habe, dass etwas falsch läuft.

An welchem Buch arbeiten Sie gerade?
Am dritten Band der obengenannten Trilogie. Im ersten Band schlägt Rea Emris sich in einem London der nahen Zukunft als Straßenkämpferin durch. Das ist lebensgefährlich, denn die Berührung nackter Haut ist strengstens verboten – wegen Menschen wie Rea. Wenn sie jemanden berührt, kann sie dessen Gedanken lesen und verändern. Sie ist eine Magdalena. Im ersten Band wird sie zur geheimen Leibwächterin des Prinzen, im zweiten flieht sie nach Paris, und im dritten kehrt sie über Berlin nach London zurück, um für ihre Rechte zu kämpfen.

Was/Welche Szene daraus war bisher am schwierigsten zu schreiben?
Die Szenen, in denen Rea Gedanken liest, sind immer eine besondere Herausforderung. Ich habe mich viel mit Neurologie beschäftigt und wollte ein grundsätzlich realistisches Bild davon vermitteln, wie Menschen denken. Eben nicht nur durch Worte, sondern auch durch Bilder, Visionen, Geräusche … Das hat mich dazu gebracht, sehr plastisch zu schreiben.

Haben Sie eine Lieblingsszene?
Alles in Paris! Spaß beiseite: die Szene im ersten Band, die in einem Untergrundtheater in London spielt. In ihr steckt so viel: die Aufregung einer Premiere hinter den Kulissen, Geheimnisse, die ans Tageslicht kommen, eine Liebeserklärung, eine Flucht.

Haben Sie eine Lieblingsfigur?
Ninon, die Gräfin von Orléans. Sie ist mein großes Vorbild: schlagfertig, stichelnd, stilvoll. Trotz ihrer inneren Kämpfe.

Sind Sie für Ihr Werk bereits mit Preisen ausgezeichnet worden?
• 2015: Preis der Jungen Akademien Europas für die Kurzgeschichte „Zeus/Europa“
• 2015: Literaturpreis der Ruhrfestspiele Recklinghausen

Habens Sie bereits Short Stories geschrieben?
Ja, siehe Preise

Gibt es bestimmte geographische Orte, zu denen Sie oder Ihr Buch einen besonderen Bezug haben?
Geboren & aufgewachsen im Ruhrgebiet, Wahlheimat Bonn, beiden Orten sehr verbunden. Band I spielt in London, Band II in Paris, wo ich 2016 gelebt habe. Band III in Berlin, das ich regelmäßig besuche.

Was lesen Sie selber gerne?
• Dystopien (zuletzt THE POWER von Naomi Alderman)
• Fantasy (zuletzt DARKER SHADE OF MAGIC von V. E. Schwab)
• Kurzgeschichtensammlungen (zuletzt F Scott Fitzgerald, I’D DIE FOR YOU AND OTHER LOST STORIES)
• Sci fi (zuletzt CARVE YOUR MARK von V. Roth)

Wer sind Ihre Lieblingsautoren?
George Orwell, Irmgard Keun, Naomi Alderman, Lauren Oliver

Wer sind Ihre liebsten Romanhelden/-heldinnen?
Gilgi (Irmgard Keun, Gilgi, eine von uns); Hermine Granger; Aragorn; die Brüder Löwenherz

Möchten Sie uns 3 Bücher für die einsame Insel empfehlen?
• Orwells 1984: Spannung, Liebe, kluge Gedanken
• Irmgard Keuns Kind Aller Länder: aktuell und zeitlos über die Grenzen unserer Welt
• Naomi Aldermans The Power: spannend und wichtig über die Macht

Was ist für Sie die größte Versuchung?
Kleider; eigentlich interessiert mich Mode nicht, aber ich kann nicht an einem schönen Kleid vorbeigehen.

Verraten Sie uns Ihr Lieblingsrezept?
Carrot Cake nach Gefühl:
Gehäckselte Möhren, Eier, wenig Mehl, keine Haselnüsse, Mandeln, Zucker und großzügiges Topping (Frischkäse, geschmolzene weiße Schokolade, Butter)

Was ist für Sie die optimale Entspannung?
Zugfahren, Disneyland Paris, Zeitunglesen, Schauspielen

Gibt es eine Person, die Sie persönlich fasziniert?
Judith Kerr – mit über 90 schreibt sie noch, lebt in einer Londoner Wohnung mit steiler Treppe und wechselt mühelos von Deutsch zu Französisch zu Englisch.

Welche menschliche Leistung des letzten Jahrhunderts bewundern Sie am meisten?
Die Erklärung der Universellen Menschenrechte und die Europäische Integration

Welche Organisation oder welches Projekt würden Sie gerne unterstützen – oder tun dies bereits?
Ich arbeite gerade daran, ein Mentoringprojekt auf die Beine zu stellen, das unveröffentlichten Autoren erfahrene Kollegen zur Seite stellen würde. Abgesehen davon engagiere ich mich im YEM, dem Young European Movement (JEF)

Fünf Dinge, die wir noch nicht über Sie wissen
1. Ich kann fechten
2. Ich inszeniere William Shakespeare in der Originalsprache
3. Ich bin ein Videospielfan
4. Ich singe wirklich gern. Leider nicht sehr gut.
5. Und zu den unmöglichsten Zeitpunkten.

Was möchten Sie Ihren Leserinnen und Lesern sonst noch mitteilen?
Ich bedanke mich so herzlich, dass ihr dieses Buch gelesen habt. Oder vielleicht lesen wollt. Denn das Großartige an Büchern ist ja, dass es ihre Geschichten ohne Leser gar nicht gibt. Ihr erweckt mit eurer Vorstellungskraft die Worte erst zum Leben. Aus ein paar schwarzen Buchstaben zwischen zwei Deckeln erschaffen wir zusammen Nimmerland, Mordor, oder ein London, das es so nie gegeben hat. Wir erschaffen Menschen, die echt sind, obwohl sie nie geboren wurden. Wir leben in Welten, mit der sich unsere Realität erst messen muss. Das ist, Buch für Buch, LeserIn für LeserIn, ein Wunder. Tausend Dank!

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