Caren Benedikt im Interview zu ihrem Buch »Das Grand Hotel«

Caren Benedikt im Interview zu ihrem Buch »Das Grand Hotel«

Intrigen, Freundschaft und Rivalität, Liebe und Verlangen im glamourösen Setting eines Luxushotels der Zwanziger Jahre

Bitte stellen Sie sich uns mit einer kurzen Vita vor:
Caren Benedikt ist das Pseudonym der Autorin Petra Mattfeldt. Sie liebt den Norden, eine steife Brise und das Reisen an die Orte, über die sie schreibt. Nach einer eher nüchternen Ausbildung zur Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten arbeitete sie als freie Journalistin. Inzwischen ist die Schriftstellerei ihr Hauptberuf und sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in einem kleinen Ort in der Nähe von Bremen.

Würden Sie uns ein wenig von sich persönlich erzählen – von Ihren Hobbys, Ihrer aktuellen Lebenssituation, Ihrem Traum vom Glück …?
Es mag albern klingen, aber ich fühle mich wie der glücklichste Mensch auf Erden. Ich führe genau das Leben, das ich führen möchte, habe eine unglaublich tolle Familie und wunderbare Freunde und ganz nebenher noch das Glück, dass ich meine Liebe zum Schreiben zum Beruf machen konnte. Wer kann schon von sich behaupten, genau das zu tun, was ihn glücklich macht und hierfür Geld zu bekommen?! Früher dachte ich immer, dass Schriftsteller eigentlich kein richtiger Beruf ist. Es war mir irgendwie nicht greifbar genug. Heute bin ich sehr froh, völlig falsch gelegen zu haben.

Womit kann man Sie wütend machen und richtig auf die Palme bringen?
Tatsächlich wüsste ich jetzt gar nichts, was mich wirklich so richtig wütend macht. Na klar schüttle ich auch den Kopf über viele Dinge. Aber es ist dann bei mir eher Unverständnis. Was ich tatsächlich nicht leiden kann, ist Faulheit und Inkompetenz. Es gibt ja Menschen, denen ein „Das kann ich auch nicht“ so wahnsinnig leicht über die Lippen geht. Ich hingegen halte mich da an einen Leitspruch meiner Oma: „Geht nicht heißt ich hab keine Lust.“

Haben Sie ein Lebensmotto?
Da halte ich es mit einem Spruch von Henry Ford:
Ob du denkst, du kannst es, oder du kannst es nicht: Du wirst auf jeden Fall recht behalten.

Wofür engagieren Sie sich? Welche Organisation oder welches Projekt würden Sie gerne unterstützen – oder tun dies bereits?
Mein Mann und ich unterstützen seit Jahrzehnten das SOS Kinderdorf. So durften wir miterleben, wie aus ganz kleinen Kindern tolle Erwachsene wurden. Hierfür bin ich sehr dankbar und betrachte es als Geschenk. Tatsächlich würde ich gern irgendwann mit meinen Einnahmen eine Stiftung gründen, die sich um wirklich wirkungsvolle Projekte kümmert. Hierbei wäre mir das Fördern von Bildung besonders wichtig. Ich würde gern fördern, dass Kinder gleich welcher Herkunft Zugang zu Bildung bekommen und absolute Chancengleichheit besteht.

Beschreiben Sie bitte in wenigen Sätzen, wie ein normaler Tag, an dem Sie an Ihrem Buch schreiben, bei Ihnen aussieht? Haben Sie z.B. bestimmte Rituale, Angewohnheiten, Regeln etc.?
Ich schreibe am liebsten entweder in meinem Büro, ein hell gestalteter Raum mit genau dem Spruch von Henry Ford, der mich immer wieder motiviert. Dabei höre ich gerne entspannende Musik, die sich mit dem Schnarchen meines Hundes verbindet und trinke dazu einen Kaffee. Mehr braucht es bei mir gar nicht. Wenn es das Wetter zulässt (immerhin lebe ich in Norddeutschland), setze ich mich auch gerne nach draußen auf meine Terrasse und arbeite dort.
Wo machen Sie es sich am liebsten mit einem Buch gemütlich? Stellen Sie uns kurz Ihren Lieblings-Leseort vor.
Das dürfte wieder draußen auf meiner Terrasse sein.
Was sind Sie für ein Büchermensch? Verraten Sie uns, nach welchen Kriterien Sie Ihr Bücherregal sortieren (nach Farben, Genres, Autoren, oder gar nicht)?
Ich bin ein Vielleser und auch was Genres angeht, nicht sehr wählerisch, das hängt ganz von meiner Stimmung ab. Hauptsache, das Buch zieht mich in irgendeiner Weise in seinen Bann. Ich lese besonders gerne historische Romane, Krimis, aber lache auch gerne und lasse mich leicht unterhalten und einen Stephen King würde ich niemals verschmähen.
Meine Bücher sind nach Autoren sortiert und über die Jahre hat sich ein ziemlich großes Sortiment angehäuft, wobei ich sagen muss, dass einige Bücher fehlen, weil diese gerade auf meinem Nachttisch liegen.

Was ist Ihr liebstes Reiseziel?
Einer meiner absoluten Lieblingsorte ist Sylt. Auch hier habe ich schon einige Bücher geschrieben und Sylt hat jedes Mal eine ganz besondere Wirkung auf mich. Ich liebe es, wenn ich nach einigen Stunden des Schreibens an den Strand gehen kann, den Wind im Gesicht, das Meeresrauschen in den Ohren und den Geruch des Salzwassers in der Nase. Wenn ich dann noch meinen Hund den Möwen hinterherjagen sehe, dann glaube ich nicht, dass ich noch irgendetwas brauche.
Haben Sie ein Haustier, das Ihnen beim Schreiben, im Alltag und auf Reisen Gesellschaft leistet? Falls ja, wie heißt es?
Wie bereits mehrfach erwähnt habe ich einen Hund: Henry, ein wunderschöner Cavalier King Charles Spaniel, der mich überall hin begleitet und immer unterstützt.
Wie kamen Sie zum Schreiben?
Das kam durch meine Großmutter, die mir viel vorgelesen hat. Allgemein haben wir sehr viel über Geschichten gesprochen, sie gab mir immer großen Raum für meine Phantasie. Irgendwann kam der Punkt, an dem mir die Geschichten, die sie mir vorlas, nicht mehr so gefielen wie früher. Ich hatte ein Problem mit manchen Enden und glaubte, bessere Ideen für den Schluss zu haben. Also schrieb ich eigene Enden. So fing ich das erste Mal an.
Jahrzehnte später, nachdem ich bereits meine Ausbildung zur Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten lange abgeschlossen und somit etwas „Richtiges“ gelernt hatte, bereits verheiratet und Mutter war, kam ich durch meine Kinder darauf, wieder mit dem Schreiben zu beginnen. Ich schrieb für meine Kinder Gute-Nacht-Geschichten, da ich auch hier nicht mit der Länge zufrieden war. Ich weiß nicht, ob ich die Einzige bin, aber meine Kinder waren oft unzufrieden, wenn wir eine Geschichte anfingen und diese sich Seite um Seite zog und wir so nicht an einem Abend zu Ende kam. Immerhin wollten sie ja wissen, wie es ausging. Also schrieb ich kurze Geschichten für meine Kinder, in denen sie selbst die Helden waren, was mir letztendlich die Lust am Schreiben zurückbrachte. Meine erste große Idee war dann ein Jugendroman, den ich auf Druck meines Mannes und meiner Kinder – wofür ich ihnen bis heute dankbar für bin – bei einem Wettbewerb einreichte. Ich habe „nur“ den zweiten Platz belegt. Aber hey – das war der Anfang und mein Ehrgeiz geweckt!

Was inspiriert Sie und wie finden Sie Ihre Themen?
So klischeehaft das klingen mag, mich inspiriert so ziemlich alles. Meine Ideen kommen in jeder gelegenen oder ungelegenen Situation, das kann alles sein, zum Beispiel die Art, wie sich jemand eine Zigarette anmacht oder der Gang einer Person oder ein Wort, das jemand sagt, es ist völlig egal. Auf einmal habe ich eine Idee zu einer Figur oder ich habe die Idee zu einem Plot und muss die Figuren erst später entstehen lassen.
Gleichzeitig kann ich natürlich auch nach den Themen suchen, die mich interessieren. Da ich geschichtlich sehr begeistert bin und ich hier ohnehin viel lese, kann es immer passieren, dass mir ein geschichtliches Ereignis ins Auge springt und ich mich frage, wie die Menschen das wohl erlebt haben, wer für etwas verantwortlich sein könnte und mit welchen Ängsten und Wünschen die Leute an die Herausforderungen ihrer Zeit herangegangen sind. Gerade Menschen, die durch Geschehnisse gezwungen sind, ihre Komfortzone zu verlassen, sind für mich immer sehr interessant, einfach weil jeder schon einmal an einem Scheideweg stand und ich dieses Abwägen und Abschätzen gut nachvollziehen kann.

Bitte fassen Sie in wenigen Sätzen Ihr aktuelles Buch zusammen:
Die spannende Geschichte um Aufstieg und Fall, Intrigen und Verstrickungen, Geschäft, Familie, Freundschaft und Rivalität, Liebe, Lust und Verlangen rund um das Grand Hotel in den goldenen Zwanzigern.
Was bzw. welche Szene darin war am schwierigsten zu schreiben?
Ich weiß nie genau, durch welche Szenen ich mich mehr quäle: Die, in denen etwas Furchtbares passiert oder diejenigen, in denen eigentlich alles gut ist, sich aber über meinen Figuren schon ein Unheil zusammenbraut, von dem sie noch nichts ahnen. Ich persönlich hatte Schwierigkeiten, Bernadette von Plesow so leiden zu lassen. Sie ist eine tolle Figur, stolz, aber zu einer Kälte erzogen, die alles abhalten soll, was ihr Schaden zufügen könnte. Sie ist meine tragische Heldin und ich habe es sowohl geliebt als auch gehasst zuzusehen, wie sie sich all den Steinen, die das Schicksal ihr in den Weg legt, stellt und am Ende daran wächst oder innerlich zerbricht.

Haben Sie eine Lieblingsszene?
Ja – erst ganz am Schluss. Ich lasse meine Bernadette und ihre Lieben über 560 Seiten leiden, lachen, kämpfen, lieben und verzeihen. Und dann, als Bernadette ganz am Ende zu dem Akkordeonspieler geht und ihn das allererste Mal in ihrem Leben anspricht, obwohl sie ihn tagein, tagaus dort an der Promenade sitzen sieht und seine Lieder spielen hört, da habe ich wirklich mit den Tränen gekämpft. Sie bittet ihn, obwohl er eigentlich schon nach Hause will, noch für sie zu spielen. Nur für sie und nur so lange, bis sie die 581 Schritte gemacht und das Ende des Steges erreicht hat. Ach, seufz – ist das schön! Ja, ich liebe diese Szene.

Haben Sie eine Lieblingsfigur?
Ja, Bernadette von Plesow. Ich finde sie einfach faszinierend.

Gibt es bestimmte geografische Orte, zu denen Sie und Ihr Buch einen besonderen Bezug haben?
Das Buch spielt in Binz, wo das Grand Hotel steht und in Berlin, wo das Astoria beheimatet ist. Beides Luxushotels, beide in Händen der von Plesows. Binz und Berlin, zwei Orte, die gerade zu der Zeit (1924), in der das Buch spielt, unterschiedlicher nicht sein konnten. Binz mit der Beschaulichkeit der See, der Promenade, des leichten Lebens, der Ruhe und Erholung und dann Berlin: Laut, schrill, schnell, mit Drogen, Abstürzen und unbändiger Lust auf Leben. Ich liebe diesen Gegensatz.

Hat Ihr aktuelles Buch autobiografische Züge bzw. lassen Sie persönliche Erfahrungen in die Geschichte einfließen? Beruht Ihr Buch auf wahren Begebenheiten?
Ich denke, dass jeder Autor mehr oder weniger bewusst eigene Erfahrungen in die Handlung einfließen lässt. Ich tue das sicherlich auch immer, aber ich möchte nicht über mich schreiben, sondern über meine Figuren. Ich denke, dass nur solche Autoren wirklich gut sind, die sich in den Hintergrund begeben, um ihren Figuren den Platz vor dem Vorhang zu lassen. Aber natürlich hatte auch ich schon Enttäuschungen im Leben, mit denen ich fertig werden musste und diese lasse ich auch meine Figuren in unterschiedlichen Formen erleben.
Vor allem aber habe ich viele Geschichten meiner Großmutter einfließen lassen, die 1904 geboren war und dementsprechend gerademal zwanzig Jahre und damit eine junge Frau zu der Zeit, in der dieser Roman spielt. Meine Oma ging damals tatsächlich nach Berlin. Aber mehr verrate ich zu ihrer Geschichte nicht. Das wäre zu persönlich.

Wie haben Sie für ihr aktuelles Buch recherchiert?
Mein Mann und ich waren vor einigen Jahren mit unseren Kindern in Binz und sahen dort dieses zauberhafte, wunderschöne Hotel (Kurhaus Binz), das eine unglaubliche Anziehung auf mich hatte. Ich wusste, ich wollte mehr über dieses Hotel erfahren, das so stolz an der Promenade heraufragte und den Anschein hatte, als wäre dort die Zeit ein bisschen stehengeblieben. Außerdem hatte ich eine Idee im Kopf. Sie hatte damals den Arbeitstitel „Den Fluss bergauf“ und hatte tatsächlich sehr viele autobiografische Bezüge zu meiner Großmutter. Und dann geschah etwas eigenartiges: Eine Weile nach diesem Binz Besuch unterhielt ich mich mit meiner Agentin Lianne Kolf und erzählte ihr von einem möglichen Roman und die Geschichte hierzu. Einige Zeit später telefonierten wir wieder. Ich war wahnsinnig überrascht, als Lianne mir sagte, dass sie einen Film-Produzenten kennen würde, der nach genau solch einer Geschichte suchte. Mit diesem verabredete ich mich dann und lernte so den Filmproduzenten Andreas Bareiss kennen, mit dem mich heute sowohl Freundschaft als auch weitere gemeinsame Projekte verbinden. Wir tauschten uns aus, redeten, redeten, redeten. Ich fuhr nochmals mit meinem Mann nach Binz und recherchierte danach auch in Berlin. Tja – und so entstand dann dieser Roman.

Möchten Sie Ihren Lesern mit Ihrem aktuellen Buch eine bestimmte Botschaft mitgeben?
Auch hier halte ich mich immer sehr zurück, das geht für mich schnell in die Richtung des erhobenen Zeigefingers. Ich möchte, dass meine Leser sich von dem Buch mitnehmen lassen und jede Botschaft, die sie nach dem Lesen aus dem Text ziehen, kann nur die richtige sein.
Wenn ich eines immer möchte, ist es motivieren. Zu Fallen ist völlig in Ordnung – nur liegenbleiben darf man nicht. So sind meine Figuren und ehrlich gesagt, so bin auch ich.

Möchten Sie Ihren Leserinnen und Lesern noch etwas mitteilen?

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
mit diesem Roman über das Grandhotel habe ich mir einen langgehegten Wunsch erfüllt. Das Ambiente dieses ehrwürdigen Hotels fasziniert mich. Ich wollte in »Grandhotel – Die nach den Sternen greifen« diese Stimmung einfangen und euch, meine Leserinnen und Leser, an die Hand nehmen und gemeinsam nach Binz und Berlin reisen, die Seeluft einatmen, die Melodien hören und auch die rauchgeschwängerte Luft in den Berliner Clubs inhalieren. Mit euch wollte ich meine Protagonisten lieben und leiden lassen und all das überstehen, was das Buch an Herausforderungen bereit hält. Es ist alles dabei und ja – es ist einfach wunderbar!
Ich wünsche euch eine wundervolle Lesezeit.

Ihre
Caren Benedikt

Das Grand Hotel - Die nach den Sternen greifen

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