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SPECIAL zu Carl Aderhold »Fische kennen keinen Ehebruch«

Ein Buch wie ein warmer Frühlingstag

Buchempfehlung von Carsten Hansen

Wie wäre es, sein Leben einfach zu ändern?
Wie wäre es, hinter seinem alten, grauen Dasein einfach die Türe zu schließen – und eine neue Türe zu öffnen. Eine Tür in eine unbekannte, aufregende Zukunft, eine Tür in ein neues Leben? Wie viele Menschen stellen sich das vor, und wie viele tun es wirklich? Genau! Sehr wenige machen das. Doch Valérie, die Heldin in Carl Aderholds Roman „Fische kennen keinen Ehebruch“, wagt den Schritt. Alles fängt mit einem Geburtstagsgeschenk ihrer Freundinnen an: eine Typberatung. Als sie, frisch gestylt und (wieder)belebt, nach Hause kommt, hätte ihr cholerischer Mann lieber die graue Maus zurück, die sie vorher war, nicht diese attraktive Frau im roten Kleid, nach der sich die Männer umdrehen.

Als ob sie ihr altes Leben in diesem Bus wegfahren lässt…
Diese Enttäuschung sitzt tief bei Valérie – ihres Daseins als Supermarkt-Kassiererin und Hausfrau an der Seite von Djamel, ihrem dumpfen Ehemann, schon lange überdrüssig. Das Gefühl, „in diesem täglichen Sumpf aus schmutziger Wäsche“ zu ersticken, und die Sehnsucht, sich den Luxus eines Parfums zu gönnen, sind mächtig. Als sie am nächsten Morgen auf dem Weg zur Arbeit den Bus verpasst, ist es so, als ob sie ihr altes Leben darin wegfahren lässt. Sie trägt immer noch ihr rotes Kleid und die High Heels – und sie strahlt… „So ist sie noch nie gegangen, mit erhobenem Kopf, schön aufrecht…“ Diese Worte klingen wie eine Verheißung in Aderholds Buch. Und sie werden noch oft zu lesen sein.

Dinge tun, die man noch nie vorher getan hat
Als Valérie sich entscheidet, einfach in einen Zug zu steigen, um aus ihrem Pariser Dasein zu verschwinden, beginnt eine Fahrt, die nicht nur ihr Leben verändern wird. Das Ziel Toulouse ist nebensächlich; viel wichtiger ist, dass aus Valérie Julia wird. Wie Julia Roberts, deren Lächeln sie ein wenig hat. Die Selbst-Taufe mit einem anderen Namen ist wie eine Neugeburt –die Reise kann beginnen. Der heitere Ton in Aderholds Buch erinnert an einen warmen Frühlingstag. Alles wirkt leicht, spielerisch, duftig – auch wenn sich gerade Leben von Grund auf verändern. Doch genau dieser Ton entfaltet einen besonderen Sog. Und er macht Mut, im Leben neue Türen zu öffnen. Dinge zu tun, die man noch nie vorher getan hat.

Eine Zugfahrt nach Toulouse, die viele Leben verändert
Im Lauf der Reise lernen wir die Paare Vincent und Muriel, Nicolas und Aude und die Rentnerin Colette kennen, die mit Julia im Zugabteil sitzen. Und wir schließen Bekanntschaft mit einem Frauenchor, einem taubstummen Schwarzfahrer oder dem kommunistischen Schaffner Germinal. Wie Aderhold im Zug von Paris nach Toulouse einen Kosmos des Lebens entwirft, ist große Kunst. Zart und scheu, prall und laut, verrückt und schön. Und wir erleben lesend, Seite um Seite, wie sich der zurückhaltende Vincent Julia annähert – zuerst in Gedanken, dann in Gesprächen im Speisewagen. Seine Frau soll schließlich nicht argwöhnisch werden.

Kino zum Lesen – und der Mut zur eigenen Courage
Denn auch bei Vincent entwickelt sich der Mut zur eigenen Courage fast so, als wäre er überrascht davon. Auch er probt, inspiriert durch Julia, ein Ausbrechen aus seiner Ehe und dem ungeliebten Akademiker-Dasein. Aderhold schafft es, das Band zwischen Julia und Vincent beinahe zu visualisieren. Ein Film entsteht im Kopf, Kino zum Lesen – wir sitzen mit im Abteil, gehen mit durch den Zug und können auch noch die Gedanken und Gefühle aller Figuren teilen. Als Julia, die im Laufe der Fahrt die Beklemmungen ihres alten Lebens nach und nach ablegt, Vincent zu einem Kuss ermutigt, haben sich die Lebensentwürfe einiger Reisender schon verändert.

Die Schönheit des Seins wieder neu entdecken
Alte Wunden brechen auf – auch bei dem Paar Nicolas und Aude –, eine Reisende entledigt sich ihres notorisch fremdgehenden Mannes und der bei Abfahrt noch gestrenge Schaffner Germinal entdeckt seine barmherzige Seite. Am Ende gibt er muntere Durchsagen, wer auf wen in welchem Abteil wartet – Vincent auf Julia vielleicht, mit einem richtigen Happy End? Natürlich wird das hier nicht verraten. Eines aber sei gesagt: Die Möglichkeit, unser Leben zu verändern, haben wir an jedem einzelnen Tag. Aderholds Buch ermutigt dazu, es banalisiert nicht, es vereinfacht nicht. Es weckt einfach den Sinn dafür, die Schönheit des Seins wieder neu zu entdecken. In uns, in unserem Leben – vielleicht bei einer Zugfahrt nach Toulouse.

Carsten Hansen
Literaturtest

Berlin, März 2011

Fische kennen keinen Ehebruch Blick ins Buch

Carl Aderhold

Fische kennen keinen Ehebruch

Kundenrezensionen (19)

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