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Cathleen Schine »Die drei Frauen von Westport«

Cathleen Schine »Die drei Frauen von Westport«

nterview mit Cathleen Schine zu »Die drei Frauen von Westport«

© James Hamilton

Interview mit Cathleen Schine zu »Die drei Frauen von Westport«

Sie sind eine erfolgreiche Schriftstellerin und Journalistin, schreiben unter anderem für The New Yorker, The New York Times Sunday Magazine und The New York Times Book Review. Gerade ist ihr neuer Roman, „Die drei Frauen von Westport“, erschienen. Doch ursprünglich hatten Sie etwas ganz anderes im Sinn. Wie sind Sie Autorin geworden?

Eigentlich wollte ich schon als kleines Kind Schriftstellerin werden, aber das kam mir damals ziemlich unrealistisch vor. Ich habe in der High School schreckliche Gedichte geschrieben und habe mich danach für ein College mit einem guten Creative Writing Kurs entschieden. Aber sobald ich dieses College besuchte, bekam ich kalte Füße und gab es auf. Ich interessierte mich damals sehr für die Geschichte des Mittelalters, was dann auch mein Studienfach wurde. Ich bin eigentlich nur wieder zum Schreiben zurückgekehrt, weil ich so eine lausige Historikerin war. Man kann einfach nicht Historikerin werden, wenn man, wie ich, unfähig ist, sich Namen, Jahreszahlen oder abstrakte Theorien zu merken. Also brach ich mein Studium ab, zog nach New York und versuchte einen Job im Einzelhandel zu finden, weil ich mir so gerne Schuhe kaufte. Kein Wunder, dass mich niemand einstellte. Also habe ich es wieder mit dem Schreiben versucht, weil ich in allem anderen einfach zu schlecht bin. Gott sei Dank!

Zu ihrem neuen Roman „Die drei Frauen von Westport“ hat Sie ein Buch von Jane Austen angeregt: „Verstand und Gefühl“. Die Hauptfiguren in Ihrem Roman sind Betty Weissmann und ihre Töchter Annie und Miranda. Können Sie uns etwas über die Parallelen zwischen Ihren drei Protagonistinnen und den entsprechenden Charakteren bei Jane Austen erzählen?

Annie ist eine sehr vernünftige Person. Miranda hingegen findet Vernunft total langweilig, sie will Drama in ihrem Leben. Sie ist zwar unvernünftig, aber trotzdem irgendwie auch unwiderstehlich. Natürlich sind die beiden von den wundervollen Dashwood-Schwestern, Elinor und Marianne, inspiriert. In „Verstand und Gefühl“ spielt ihre Mutter eine eher untergeordnete Rolle. Aber bei mir war es anders: Je mehr ich schrieb, desto mehr rückte Betty in den Vordergrund. In vielerlei Hinsicht ist sie die eigentliche Heldin der drei Frauen von Westport.

Jane Austen schildert in ihren Romanen die Situation junger Frauen aus der gehobenen bürgerlichen Gesellschaftsschicht im frühen 19. Jahrhundert. Diese Frauen hatten keine andere Möglichkeit, als durch Heirat gesellschaftlich anerkannt zu werden. Wie lässt sich eine solche Situation auf die heutige Zeit übertragen?

Ich sehe Parallelen im Fall einer Scheidung. Frauen, vor allem ältere, die mit dem Gedanken aufgewachsen sind, eines Tages zu heiraten anstatt arbeiten zu gehen, dass ihre Ehemänner immer für sie sorgen würden, können nach einer Scheidung in ein tiefes, finanzielles Loch fallen. Etwa so, wie die Frauen im 19. Jahrhundert von einen Tag auf den anderen verarmen konnten, wenn ihr Mann starb.

Als Betty von ihrem Ehemann Joseph aus der gemeinsamen Wohnung geworfen wird und er alle Zahlungen an sie einstellt, bietet Cousin Lou ihr in Westport ein kostenloses Domizil an. Die Weissmann-Frauen verlassen Manhattan und ziehen gemeinsam in das marode Cottage am Long Island Sound, wo sie das Leben ganz neu entdecken. Auch sie selbst haben als Kind zehn Jahre in Westport verbracht, bevor Sie nach New York gezogen sind. Welche Rolle spielt Westport für Sie, und halten Sie sich gelegentlich noch dort auf?

Für mich ist Westport ein Bindeglied. Westport kommt mehr oder weniger in allen Büchern vor, die ich geschrieben habe. Die Atmosphäre dieser Stadt - das Summen der Insekten im Sommer, das Licht im Winter, die kurvigen Straßen - ist ein ganz wichtiger Teil von mir. Wenn ich an den Frühling denke, dann denke ich an den Frühling in Westport.

Ihr Roman dreht sich, anders als bei Jane Austen, nicht um Frauen, die das Leben noch vor sich haben, sondern um Frauen, die in fortgeschrittenem Alter an einem Wendepunkt stehen. Betty ist 75, Annie 51 und Miranda 49 Jahre alt. Was hat es mit dem Alter Ihrer Hauptfiguren auf sich?

Wie ältere Menschen sich verlieben finde ich viel interessanter als die Liebesgeschichten von Jüngeren. Ältere Menschen haben so viele Geschichten, so viel Vergangenheit, die sie in ihre Beziehungen einbringen. Für mich ist das ein sehr faszinierendes Thema.

Annie arbeitet als Bibliothekarin, Miranda als Literaturagentin. Hat es einen besonderen Grund, dass beide einen Beruf in der Buchbranche gewählt haben?

„Die drei Frauen von Westport“ ist ein Buch über die Liebe, aber auch ein Buch über die Liebe zu einem Buch - „Verstand und Gefühl“. Das konnte ich ausdrücken, indem ich Annie und Miranda zwei sehr unterschiedliche Beziehungen zu Büchern gegeben habe.

Neben den drei Weissmann-Frauen beleben eine Reihe schillernder Persönlichkeiten mit ausgeprägten Charakterzügen Ihren Roman. Was inspiriert Sie beim Schreiben zu Ihren Romanfiguren?

In Büchern, die ich lese und die ich schreibe, mag ich immer die Nebenfiguren ganz besonders. Nebenfiguren tragen oft zum Komischen bei, und im Komischen liegt die Wahrheit.

„Die drei Frauen von Westport“ ist gerade in den USA erschienen und auf Anhieb auf der Bestsellerliste eingestiegen. Beschäftigen Sie sich gegenwärtig schon wieder mit einem neuen Projekt, und können Sie uns etwas darüber erzählen?

Ich habe bereits mit einem neuen Roman begonnen. Er ist ganz anders als „Die drei Frauen von Westport“, aber mehr sage ich im Moment lieber noch nicht. Wenn er erst einmal fertig ist, ist er nämlich wahrscheinlich schon wieder ganz anders als jetzt!

Interview von Elke Kreil

Cathleen Schine

Die drei Frauen von Westport

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