Interview mit Cheryl Strayed zu »Der große Trip«

Unterwegs mit Cheryl Strayed auf dem Pacific Crest Trail

1995 machte sich Cheryl Strayed auf den Weg über den Pacific Crest Trail um ihr Leben nach einem schweren Schicksalsschlag wieder in den Griff zu bekommen. Dieses sehr persönliche Abenteuer beschreibt sie in »Der große Trip« (Lesen Sie zu den Hintergründen auch das Interview mit Cheryl Strayed)

Startpunkt: Mojave-Wüste

»Ich befand mich auf 1160 Meter Höhe, umringt von beigefarbenen, kargen Bergen, die mit Salbeisträuchern, Joshuabäumen und hüfthohem Chaparral gesprenkelt waren. Ich stand am Westrand der Mojave-Wüste und am südlichen Fuß der Sierra Nevada […]. Diese beiden Gebirgszüge sollten in den nächsten drei Monaten meine Welt sein, ihre Kämme mein Zuhause. […] Ich war da. Endlich konnte es losgehen.«

Doch schon bald muss Cheryl Strayed feststellen, dass es äußerst qualvoll ist, einen Rucksack zu tragen, der deutlich mehr als die Hälfte ihres eigenen Körpergewichts auf die Waage bringt. Sie gibt dem riesigen Rucksack, der ihr zu Beginn fast sämtliche Kräfte raubt, den Spitznamen »Monster«. Der »Marsch durch die Hölle« fordert ihr das Äußerste ab – und doch gibt sie nicht auf:

»Als ich an diesem Morgen an der Quelle loswanderte, wieder voll beladen mit zusätzlich zwölf Kilo Wasser, kam mir zu Bewusstsein, dass ich auf eine seltsam abstrakte, rückblickende Art sehr wohl meinen Spaß hatte. Wenn ich einmal nicht von meinen diversen Blessuren gepeinigt wurde, bemerkte ich durchaus die Schönheit, die mich umgab, wunderbare Dinge, große wie kleine: die Farbe einer Wüstenblume, an der ich im Gehen vorbeistrich, oder den herrlichen Himmelsbogen über den Bergen, wenn die Sonne versank. […]
Das Gras und die leidlich hohen Bäume waren mir ein Trost. Sie standen für Wasser und Leben. Sie gaben mir zu verstehen, dass ich es schaffen konnte.«


Und die junge Frau schafft es tatsächlich: Drei Monate lang und 1800 km weit wandert Cheryl Strayed auf dem Pacific Crest Trail – von der Mojave-Wüste bis zum Mount Whitney, und dann von Sierra City bis hinauf zur „Brücke der Götter“ im Bundesstaat Washington:

Am Ziel: Die Brücke der Götter

»Ich blickte zum Himmel, der übersät war mit Sternen, die herrlich in der Dunkelheit funkelten. Ich erschauerte, denn ich erkannte, dass ich mich glücklich schätzen konnte, jetzt hier zu sein, und dass der Himmel zu schön war, um mich gleich wieder im Zelt zu verkriechen.«


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