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Christopher Lück im Interview über seinen Roman "Emma, der Kaktus und ich"

Den größten Karrieretraum Ihres Protagonisten Gerd haben Sie sich mit „Emma, der Kaktus und ich“ erfüllt – nämlich Schriftsteller zu werden. Wie viel Gerd steckt sonst noch in Ihnen?
Ui, die Henne-und-Ei-Frage. Nein, ich bin nicht Gerd. Es ist keine Autobiografie. Dennoch stecken in etlichen Szenen natürlich Gedanken, Beobachtungen oder Gefühle von mir persönlich drin. Die Orte, die Gerd beschreibt, sind mir nah. Auch Gerds liebevoll-kauzige Oma folgt einem Vorbild in der Realität. Ich liebe die Band Metallica. Und Liebeskummer hatte ich zwischen 15 und 25 auch heftig. Als Autor übertreibt man, verändert, schmückt aus, wandelt ab. Also Gerd ist eine gesunde Mischung aus Phantasie und Fiktion, denke ich.

„Emma, der Kaktus und ich“ ist Ihr erster Roman. Was hat Sie zu der Geschichte inspiriert?
Also inspiriert hat mich vor allem, die vielen kleinen Bruchstücke, die auf meiner Festplatte lagen, zu einem Gesamtwerk zusammenzufassen. Zu einem Roman. Ich hatte ein Haufen Gedichte und vor allem lustige Kurzgeschichten. Die Basis war ein Liebesgedicht, „Dein Zimmer“, das Gerd für Emma schreibt. Das war als allererstes da – den Rest habe ich drum herum geschrieben. Mein Wunsch war, irgendwie schon mit Tiefgang, Tragik und Message zu schreiben, aber eben auch kauzig und lustig, nicht zu ernst.

Bisher haben Sie vor allem Kurzgeschichten verfasst. Was war die größte Herausforderung dabei, ein ganzes Buch zu schreiben?
Ich lese gerade einen Krimi von James Lee Burke, einem ziemlich bekannten US-Krimiautor. In einem Interview am Ende dieses 600-Seiten-Wälzers sagt er: „Die wahren Helden unter den Schriftstellern sind diejenigen, die acht Stunden täglich im Büro […] arbeiten und danach, wenn sie hundemüde sind, noch an ihren Romanen, Gedichten oder Kurzgeschichten schreiben.“ Ich musste sehr an mich denken, als ich das las. Und ich fühlte mich gelobt. Ja, die größte Herausforderung war für mich die Konsequenz. Ich habe morgens um 5 vor der Arbeit geschrieben, ich habe am Wochenende in der Nacht geschrieben, während mich Kumpels nervten, warum ich nicht mit Ihnen Party machen gehe. Die Antwort steht jetzt im Buchladen. Die zweite Herausforderung war für mich der rote Faden. Eine Geschichte von Anfang bis Ende zu erzählen. Dafür habe ich all inclusive ein paar Jahre gebraucht. Roman ist da schon etwas anderes als Kurzgeschichte.

Liebesgeschichten werden meist aus Frauensicht geschrieben. Warum haben Sie sich für dieses Genre entschieden?
Weil ich die männliche Hera Lind werden möchte. Scherz. Ist das überhaupt so, dass Liebesgeschichten meist aus Frauensicht geschrieben werden? Sicherlich nicht von Männern. Also ich lege jetzt erstmal ein altkluges Veto ein. Ich habe mich auch nicht bewusst für ein Genre entschieden, um jetzt zu sagen; Hey, Marketing – hier kommt der Männerroman. All das Material, aus dem ich den Roman zusammengepuzzelt habe, ging halt in Richtung Liebeskomödie. Eifersucht, Fremdgehen, Herzschmerz, Affäre, Sex, Suche nach Liebe. Liebe – das ist doch eine wunderbare Spielwiese für Autoren. Ich denke, die relevanteste, die es auf der Welt gibt.

Gerd ist bereit, für die Liebe alles zu riskieren. Ist das auch Ihr Credo?
Ja, aber… Selbstmordversuche im Tropenhaus würde ich nicht empfehlen. Genauso wenig, wie um Frauen zu würfeln oder seine Angebetete zu stalken. All das, was Gerd tut, verspricht Ärger. Wobei ich Gerd verteidigen will. Er macht das nicht, weil er böse ist, sondern verzweifelt und einsam. Und es ist eine Komödie – also Augenzwinkern liegt über allem.

Warum spielt ausgerechnet ein Kaktus eine so gewichtige Rolle?
Eine typische Männerreaktion: Pflanze – klar, Kaktus. Braucht kein Wasser, keine Pflege, macht den Raum aber grün, wenn Besuch kommt. Eine Luxuspflanze für jeden antriebslahmen Faulpelz eben. Auf den ersten Blick. Aber nach und nach beschäftigt sich Gerd tiefer mit Kakteen. Und er bemerkt Ihre Genialität, Ihre Komplexität, ja, im Grunde Ihre Empfindlichkeit hinter dem harten Kern bzw. den spitzen Stacheln. Der Kaktus ist schon enorm wichtig für die Story, denn er spiegelt Gerd und Gerds Situation wieder. Und erst durch seine Liebe für den Kaktus beginnt sich seine Situation zu bessern. Der Kaktus wird zu seinem Glücksbringer.

Gerd lernt Emma nur dank seines schwarzen Daumens kennen. Erkennen Sie sich darin wieder?
Nein, ich erkenne mich nicht wieder. Der ganze Pflanzenkrams im Roman ist in der Tat reine Fiktion. Zu Pflanzen habe ich als Autor etwa ein solch distanziertes oder fernes Verhältnis wie zum Pferdesport oder zur Astrophysik. Aber als Symbol, als roter Faden, für Emma als Gärtnerin und für den Ort brauchte ich halt den kleinen Kaktus. Und Nopsi klingt doch auch ganz süß.

Einen Kaktus umzubringen, ist gar nicht mal so einfach. Ist Ihnen tatsächlich schon mal einer eingegangen?
Ne, an einen Kaktus kann ich mich nicht erinnern. Aber diese nahezu unzerstörbaren Ikea-Studenten-Palmen. Ist das Yukka? Die wirken immer so gesund, grün und unzerstörbar wie Plastikblumen. Die kriegt man aber tot, wenn man sie auf dem Balkon überwintern lässt.


Die Fragen stellte Marion Lenke

Emma, der Kaktus und ich Blick ins Buch

Christopher Lück

Emma, der Kaktus und ich

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