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SPECIAL zu Ciara Geraghty "Und plötzlich ist es Glück"

Scarlett, die Protagonistin von “Und plötzlich ist es Glück”, ist eine erfolgreiche, junge Frau, die am liebsten alles in ihrem Leben kontrolliert und für die Überraschungen nicht zur Lebensplanung gehören. Ist ihr Charakter an jemanden angelehnt, den Sie kennen?
Ciara Geraghty: Nun, ein bisschen, schätze ich. Um genau zu sein, an zwei Frauen, mit denen ich in der Vergangenheit zusammengearbeitet habe. Sie waren sehr sorgfältig, konzentriert, ehrgeizig und beherrscht. Aber natürlich habe ich das nie einer von ihnen gesagt, weil man einfach nicht weiß, wie Leute auf so eine Aussage reagieren würden. Um die Frage zu beantworten, würde ich sagen, dass die Idee der Protagonistin Scarlett sich einerseits an einigen bewundernswerten Frauen, die ich kenne, orientiert, ich mir aber gleichzeitig große Freiheiten bei der Charaktergestaltung herausgenommen habe, sodass das Endergebnis niemand ist, den irgendwer aus meinem echten Leben wiedererkennen würde (das glaube ich zumindest…).

Was war die schönste Überraschung in Ihrem Leben?
Ciara Geraghty: Als meine Kurzgeschichte „Waiting“ veröffentlicht wurde. Es handelte sich um einen Wettbewerb in einer TV Sendung hier in Irland vor ein paar Jahren. Man schickte eine Kurzgeschichte ein, die – wenn sie ausgewählt wurde – in einem echten Buch veröffentlicht wurde. Meine Geschichte war eine von vierzehn Gewinnern, und ich erinnere mich noch immer ganz genau an den morgendlichen Anruf des Produzenten der Fernsehshow an dem Tag, an dem die Gewinner bekannt gegeben wurden, um mir zu sagen, dass sie meine Geschichte in die engere Auswahl gezogen hatten. Das war die größte Überraschung überhaupt.
Aber mich hat es genauso umgehauen, als mir gesagt wurde, dass „Der Tag vor einem Jahr“ auf der Bestseller Liste stand – das hab ich nicht erwartet.

Sie befassen sich mit der Thematik „leibliche und nicht-leibliche Vaterschaft“ auf höchst unterhaltsame Weise. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen Frauenroman über dieses fesselnde Thema zu schreiben?
Ciara Geraghty: Ich war gerade schwanger, als ich über die Ideen für mein zweites Buch nachdachte. Und wenn ich schwanger bin, fällt es mir schwer, mich auf irgendetwas anderes als das zu konzentrieren. Also erschien es mir nur naturgemäß, über Schwangerschaft zu schreiben. In dieser Zeit habe ich ein paar Filme gesehen („Juno“, „Jennas Kuchen“, „Beim ersten Mal“), die alle auf irgendeine Weise von Schwangerschaftskrisen handeln. Ich dachte mir, aus Scarletts Schwangerschaft eine Schwangerschaftskrise zu machen, würde der Geschichte eine gewisse Spannung verleihen. Alles andere wuchs nach und nach ganz organisch aus dieser Idee.

Sie haben stets ein substantielles oder eher ernsteres Thema im Zentrum Ihrer Romane und schaffen es dennoch, ein hochgradig unterhaltsames Buch zu schreiben. Wie machen Sie das? Was ist Ihr Geheimnis?
Ciara Geraghty: Ich würde sagen, dass mir Humor im „echten Leben“ enorm hilft, mit verschiedensten Angelegenheiten und Problemen fertig zu werden. Manchmal klappt es, manchmal nicht, aber es ist ein sehr bedeutender Teil von dem, was ich bin. Ich glaube, diese Seite von mir sickert ein bisschen in meine Bücher durch.

Sie haben sich nicht immer schon mit dem Schreiben von Romanen beschäftigt. Schreiben Sie inzwischen hauptberuflich? Wann finden Sie die Zeit zu schreiben, und wie lange brauchen Sie, um einen Roman zu verfassen?
Ciara Geraghty: Mittlerweile schreibe ich hauptberuflich, habe also meinen „echten“ Beruf aufgegeben (in der Versicherungsbranche – ehrlich gesagt war ich nicht wirklich gut darin). Ich schreibe am Morgen wenn zwei meiner Kinder in der Schule sind, während meine Schwester auf das Jüngste aufpasst. Wenn ich mich einer bestimmten Deadline nähere, arbeite ich auch an den Wochenenden. Bezüglich der Zeit, die ich brauche, um einen Roman zu schreiben, scheint es so, als würde ich ein bisschen schneller werden. Es dauerte zwei Jahre, um „Der Tag vor einem Jahr“ zu schreiben und anderthalb Jahre bei „Und plötzlich ist es Glück“. Ich hoffe, dass sich diese Entwicklung fortsetzt.

Was kommt zuerst? Die Entwicklung der Hauptfigur und ihres Charakters oder ist es die Handlung?
Ciara Geraghty: Ganz klar die Protagonistin! Wenn sie steht, kommt es nicht mehr wirklich darauf an, um was es in der Geschichte geht, weil die Leserin/der Leser der Figur glauben wird, sich mit ihr identifizieren und beschäftigen wird und dafür überallhin gehen wird, wohin ihn die Figur entführt. Das ist zumindest meine Erfahrung als Leserin. Deshalb denke ich, dass die Charakterentwicklung Vorrang hat. Alles andere kommt danach…

Sollte “Und plötzlich ist es Glück” einmal verfilmt werden, wer sollte dann Scarlett spielen, wer ihren Freund John und wer den Barkeeper Red, dem es nicht schaden würde, weniger charmant zu sein? Und wer würde Filly, Scarletts beste Freundin, spielen?
Ciara Geraghty: Hm, schwierige Frage. Also, ich würde es mir folgendermaßen vorstellen:

Scarlett: Derbhla Kirwan (eine exzellente, irische Schauspielerin mit traumhaft schwarzen Haaren)
Red Butler: Domhnall Gleeson (Brendan Gleesons Sohn – zu sehen in der Bob Geldof Filmbiografie „When Harvey met Bob“ oder als Bill Weasley in „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“)
John Smith: Definitiv Guy Pearce – er wäre perfekt.
Filly: Schwierig …, wie wäre es mit Juliette Lewis?


Wie hat sich Ihr Leben verändert, seit Sie eine Bestseller Autorin sind? Hat es sich denn überhaupt verändert?
Ciara Geraghty: Die größte Veränderung ist, dass ich gewissermaßen keinen „echten“ Beruf mehr ausübe. Soll heißen, dass ich nicht mehr jeden Tag im Anzug aus dem Haus gehe, den Zug nehme, Make-Up auftrage und mit Leuten in der Büroküche über „Mad Men“, „Der Lehrling“, „X-Faktor“ u.s.w. rede. Stattdessen sitz ich unten am Küchentisch in Jeans und T-Shirt, oft mit ungekämmten Haaren, an meinem Laptop und „denke mir Zeugs aus“, wie es mein Mann nennt. Es dauerte eine Weile, sich daran zu gewöhnen. Am Anfang fühlte es sich wirklich komisch an. Dazu kam die Angst, niemals in der Lage oder kreativ genug sein zu können, morgens um neun Uhr zu schreiben, nachdem ich „Der Tag vor einem Jahr“ hauptsächlich im Schutz der Dunkelheit, wenn meine ahnungslose Familie schon schlief, geschrieben hatte. Aber ich habe mich daran gewöhnt. Und wissen Sie was? Neun Uhr in der Früh ist nicht so schlimm, wie ich ursprünglich einmal befürchtet hatte!