Geteilte Leben – zwei Schwestern im Berlin des Kalten Krieges

Die Zwillinge Emma und Alice werden 1945 auf der Flucht aus Ostpreußen getrennt. Beide glauben, die andere hätte nicht überlebt. Emma wächst in Westberlin auf, Alice in einem Heim in der DDR. Erst zwölf Jahre später finden sie sich überraschend wieder. Durch Alice lernt Emma den Ost-Berliner Physiker Julius Laakmann kennen. Als Julius Zeuge einer Entführung wird, gerät er zwischen die Fronten der Geheimdienste.
Dann verschwindet Alice spurlos. Zu spät erkennt Emma, welcher drohenden Gefahr sie und ihre Schwester gegenüberstehen. Währenddessen erreicht der Kalte Krieg einen neuen Höhepunkt – Berlin soll für immer geteilt werden ...

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Fragen an die SPIEGEL-Bestseller-Autorin Claire Winter zu ihrem neuen Roman »Kinder ihrer Zeit«



Was hat Sie inspiriert, diesen Roman zu schreiben?

Claire Winter: Mich hat die Ära des Kalten Krieges schon immer sehr fasziniert, vor allem die 1950er-Jahre. Spontan fallen einem vielleicht typische Begriffe wie Wirtschaftswunder, Petticoat und Rock ’n’ Roll ein, aber es war auch eine Zeit, in der noch die Nachwehen des Dritten Reichs zu spüren waren und sich endgültig eine neue politische Weltordnung manifestiert hat. Und das war nirgends so sichtbar wie in Berlin, wo man sich bis zum Mauerbau noch frei zwischen dem West- und dem Ostteil hin- und herbewegen konnte. Diese Situation fand ich für einen Roman ungeheuer spannend: Dass es in einer Stadt zwei unterschiedliche und dazu noch so verfeindete Systeme gegeben hat, Berlin aber gleichzeitig innerhalb seiner Grenzen durch die wirtschaftlichen und menschlichen Verflechtungen trotzdem so untrennbar verwoben war. Die Menschen haben in dem einen Teil gewohnt und in dem anderen gearbeitet, sie haben in West-Berlin eingekauft und sind in Ost-Berlin zum Friseur gegangen und haben ihre Freunde und Familie über die Sektorengrenzen hinweg besucht. Mit dem Mauerbau 1961 fanden diese Verbindungen dann ein jähes und dramatische Ende. Es sind die menschlichen Geschichten und Schicksale dieser Zeit, die mich vor allem zu »Kinder ihrer Zeit« inspiriert haben.

DDR - Berliner Stalinallee 1953
DDR - Berliner Stalinallee 1953 (© akg-images / Sammlung Berliner Verlag / Archiv)

Welche Rolle spielt die Situation Berlins in den 1950er-Jahren für die beiden Zwillingsschwestern Emma und Alice?

Claire Winter: Ihr Leben wird in entscheidender Weise von der politischen Situation damals beeinflusst. Als Kinder werden Emma und Alice bei Kriegsende auf der Flucht aus Ostpreußen getrennt und glauben, die jeweils andere hätte nicht überlebt. Emma wächst in West-Berlin auf, Alice in einem Heim in der DDR, bis sie sich zwölf Jahre später überraschend in Berlin wiederfinden. Dabei sind sie sich fremd und vertraut zugleich. Es gibt zwar nach wie vor einen Teil der früheren Verbindung zwischen ihnen, aber sie sind doch von unterschiedlichen Systemen geprägt. Das führt nicht nur zu Auseinandersetzungen zwischen ihnen, sondern bringt sie am Ende auch beide in Gefahr …

Berlin, Warnschild, Bahnhof Lichterf.–Ost
Warnschild vor dem Bahnhof: 1957 werden Reisende vor dem unbeabsichtigten Überschreiten der Grenze gewarnt (© akg-images).
Berlin, Ku’damm / Foto 1954
Straßenbild um 1954 mit Kreuzung Joachimsthaler Straße und Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche (© akg-images)

West-Berlin war damals eine Hochburg der Spionage? Wie kam es dazu?

Claire Winter: Nachdem die DDR 1952 die Grenze zur BRD geschlossen hatte, war West-Berlin der einzige Ort, über den man ohne größere Kontrollen nach Ost-Berlin und in die DDR, aber auch weiter in andere kommunistische Staaten gelangen konnte. West-Berlin wurde deshalb die Hauptbasis für alle geheimdienstlichen Operationen, die in die Ostblockstaaten führten. Es wird geschätzt, dass Ende der 1950er-Jahre allein die Westalliierten und die BRD um die achtzig Geheimdiensteinheiten und Gruppierungen in West-Berlin im Einsatz hatten. Gleichzeitig flohen Tausende Ostdeutsche über West-Berlin in die BRD. Oft versuchten die Geheimdienste einige von ihnen direkt im Notaufnahmelager als Spione zu rekrutieren, denn jeder Flüchtling musste dort bei seiner Ankunft bei den sogenannten Alliierten Sichtungsstellen vorstellig werden, hinter denen sich die alliierten Geheimdienste verbargen.

Im Roman spielt auch ein Entführungsfall aus West-Berlin eine Rolle ...

Claire Winter: Ja, ohne hier zu viel zu verraten – diese Entführung bringt bestimmte Ereignisse ins Rollen und hat am Ende gefährliche Konsequenzen für die Protagonisten des Romans ....
Diese Entführungsfälle aus West-Berlin hinter den eisernen Vorhang hat es damals übrigens wirklich gegeben. Bei meinen Recherchen war ich überrascht, wie viele Menschen von der Stasi und auch vom KGB verschleppt wurden. Die Staatsanwaltschaft des Landes Berlin ermittelte in den 1950er-Jahren allein in über vierhundert Fällen. Es war wirklich eine unglaubliche Zeit.

Westberliner winken 1961 über die Mauer nach Ostberlin
Westberliner winken am 10.09.1961 über die Mauer hinweg ihren Freunden und Verwandten in Ostberlin zu (© akg-images).

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