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Constanze Wilken über ihre Recherchereise nach Wales

»Es gibt unzählige abenteuerliche Geschichten um gefährliche Machenschaften von Küstenbewohnern und internationalen Schmugglern.«

Warum ist die Hauptfigur ausgerechnet eine Glaskünstlerin?

Auf meinen vielen Touren durch Wales, das ich inzwischen von Nord nach Süd und Ost nach West durchstreift habe, bin ich immer wieder auf bemerkenswerte Künstler gestoßen. In abgelegenen Dörfern fand ich hervorragende Töpfer von Weltrang, wie etwa Phil Rogers in Rhayader. Rogers Arbeiten sind stark von japanischen Einflüssen geprägt und werden unter anderen im Victoria & Albert Museum in London, im Museum of Fine Arts in Boston, der Pinakothek der Moderne in München und in Torontos Royal Ontairo Museum gezeigt. Als Kunsthistorikerin bin ich begeistert von der Vielfalt der kreativen Kunstlandschaft in Wales.

Während ich für Carreg Cottage auf der Halbinsel Llyn, im Norden von Wales recherchierte, entdeckte ich das neugotische Herrenhaus Plas Glyn-y-Weddw bei Llanbedrog. Dort fand gerade eine Ausstellung internationaler und walisischer Glaskünstler statt. Ich gewann Einblicke in verschiedenste Glastechniken und war fasziniert von dieser Kunstform. Besonders beeindruckt haben mich die Werke der beiden walisischen Künstlerinnen Verity Pulford und Ruth Shelley. Viele der bekannten Glaskünstler erwähnten die Pilchuck Glass School in Stanwood, Washington, und deren Begründer Dale Chihuly.

Zurück in Deutschland fand ich einen Glaskünstler in Flensburg, Dieter Schneider. Und meine Überraschung hätte nicht größer sein können als er mir erzählte, dass er einige Monate bei Dale Chihuly in der Pilchuck Glass School gelernt und gearbeitet hatte. Im Schneiders Studio durfte ich selbst eine Glaskugel blasen und erfuhr aus erster Hand viel Wissenswertes über die Faszination des Werkstoffes Glas.

Was man alles mit Glas machen kann, erfährt der Leser, wenn er Caron bei ihrer Arbeit über die Schulter sieht/liest ;-) Und jetzt verwundert es sicher nicht mehr, dass Caron ausgerechnet in den USA ihre künstlerische Heimat gefunden hat. Aber wer weiß, was sich für ihr Leben ergibt, während sie sich auf Spurensuche in Plas-Gelli-Wen begibt.

Gibt es das Herrenhaus Plas-Gelli-Wen tatsächlich?

Llanbedrog und Plas Glyn-y-Weddw haben mich sofort begeistert. In „Das Erbe von Carreg Cottage“ lernen wir den kleinen Küstenort durch den Anwalt, Stanley Edwards, kennen. In „Die Klippen von Tregaron“ wird Llanbedrog zum Hauptschauplatz. Und der zauberhafte kleine Ort in der Cardigan Bay hat diesen großen Auftritt mehr als verdient.

Die Geschichte des Herrenhauses gibt eine großartige Vorlage zur dramatischen Familiengeschichte der Bowens. Die Schienen gab es tatsächlich, genau wie die Steinbrüche, das neugotische Herrenhaus wurde liebevoll restauriert und auch das Café im Wintergarten und der Shop sind zu besuchen. Auch die Schmugglerhöhlen in der Bucht existieren. Es gibt unzählige abenteuerliche Geschichten um gefährliche Machenschaften von Küstenbewohnern und internationalen Schmugglern.

Wer nach Plas Glyn-y-Weddw auf die Llyn fährt, kann auf Carons Spuren wandeln. Und nicht nur auf denen der jungen Glaskünstlerin. Die Vergangenheit und damit das Leben von Lloyd Pierce und seiner Selma werden an vielen Orten ringsum das Herrenhaus lebendig. Einmal bin ich von der Galerie durch den Wald die Klippen hinauf gewandert und habe mir vorgestellt, wo genau das kleine Cottage, Tregaron House, gestanden haben könnte. Unten segelte ein Boot vorbei und die Wellen brachen sich an den Felsen, die ins Meer hinaus ragten.

Gibt es Figuren aus „Das Erbe von Carreg Cottage“, die wieder auftauchen und hast du Lieblingsfiguren?

Wir treffen Lilian Gray, die Erbin des Pilger Cottages wieder. Sie gehört zu meinen absoluten Lieblingsfiguren. Ich mag ihre sperrige Art und auch ihr Gegenstück aus der Vergangenheit, die Druidentochter Meara, habe ich sehr ins Herz geschlossen.

Ioan, der Landschaftsgärtner, hatte ebenfalls schon einen kleinen Auftritt in Carreg Cottage. Ihn und Caron habe ich sehr gern begleitet. Zwei eigenwillige Künstlerseelen, die den hoffnungsvollen Gegenpol zu Lloyd und Selma darstellen.

Und natürlich übernimmt Brynmore Bowen wieder einen wichtigen Part, in dem er Caron zur Erbin bestimmt und sie mit seinen Aufgaben herausfordert. Brynmore ist ein vielschichtiger Charakter, mit großen Schwächen aber auch Stärken, dem ich gern persönlich begegnet wäre. Nun ja, Ioan wäre wir mir vielleicht eine Spur lieber ... 

Wird es weitere Walesromane geben oder gibt es andere Pläne?

Mit den Klippen von Tregaron hat die fünfteilige Reihe vorerst ihren Abschluss gefunden. Ich habe die letzte Zeile etwas wehmütig geschrieben, denn ich liebe Wales sehr!

Allerdings freue ich mich schon auf die nächsten Projekte, in denen ich den Leser mit in die Toskana nehme. Vor einigen Jahren habe ich einige Monate in der Toskana gelebt und für meine Historienromane recherchiert. Seitdem war ich oft in Italien und bei meinem letzten Besuch auf einem Weingut bei Florenz entstand die Idee zu einer dramatischen Familiensaga um die Familie Massinelli. Aber bevor ich von einer alten Villa, Bruderzwist und tragischen Geheimnissen berichte, die drei Töchter beinahe ihr Glück kosten – kehren wir noch einmal zurück in die grünen Hügel von Wales.

Die Klippen von Tregaron

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