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Daniel Wolf »Das Salz der Erde«

Interview mit Daniel Wolf zum Mittelalter-Roman »Das Salz der Erde« (Goldmann)

»Ohne Kaffee geht bei mir gar nichts«

Interview mit Daniel Wolf zu seinem historischen Roman »Das Salz der Erde«


Was fasziniert Sie am Genre des Historischen Romans?

Unsere Vergangenheit ist das ideale Material für Geschichten, die man in anderen literarischen Genres so nicht erzählen kann. Im Mittelalter war das Leben ganz anders als heute, alles war rauer, unsicherer, gefährlicher. Das Christentum war allgegenwärtig, die Gesellschaft funktionierte nach vollkommen anderen Regeln, Traditionen und sittliche Vorstellungen hatten einen viel höheren Stellenwert. Das sorgte für Konflikte; die deutschen Kaiser rangen mit den Päpsten um die Macht im Heiligen Römischen Reich, in den Städten begehrten Bürger und Kaufleute gegen die Kirche auf. So etwas fasziniert mich, es regt meine Fantasie an, bis mein Unterbewusstsein schreit: Mach einen Roman daraus! Was natürlich nicht heißt, dass ich gerne im Mittelalter gelebt hätte. Tatsächlich weiß ich die Annehmlichkeiten des 21. Jahrhunderts sehr zu schätzen.


Wie kamen Sie auf die Idee einen Roman zu schreiben, der im 12. bis 13. Jahrhundert spielt?

Der Übergang vom 12. zum 13. Jahrhundert war eine Zeit großer politischer Umbrüche. Im Nahen Osten tobten die Kreuzzüge, die staufischen Kaiser mussten sich gegen diverse Rivalen durchsetzen, die Kirche festigte ihre weltliche Macht – alles hochinteressante Themen, die sich gut für einen historischen Roman eignen. Außerdem war das die große Zeit der Bürgerkämpfe in den Städten. Da das das zentrale Thema von "Das Salz der Erde" ist, musste ich den Roman um das Jahr 1200 herum ansiedeln.


Wie lange haben Sie an Ihrem aktuellen Roman „Das Salz der Erde“ geschrieben?

Alles in allem rund 20 Monate, wobei ich nur etwa die Hälfte dieser Zeit tatsächlich geschrieben habe. Der Rest entfiel auf Recherche, Plotarbeit, Überarbeitung – und noch mehr Recherche.


Wann haben Sie erstmals mit dem Gedanken gespielt, ein Buch zu schreiben? Und was fällt Ihnen spontan ein, wenn ich Sie nach Ihren ersten Schreib-„geh“-versuchen frage?

Mein erstes Buch – damals muss ich zwölf, dreizehn gewesen sein. Ich schrieb es zusammen mit einem Freund, wir hatten beide gerade "Die Augen des Drachen" von King gelesen, waren völlig begeistert von dem Roman und wollten etwas Ähnliches zu Papier bringen. Leider kamen wir nie über die erste Seite hinaus, weil uns keine guten Fantasynamen für die Charaktere einfielen, unsere klangen alle wie verschreibungspflichtige Medikamente, "Ranilin" oder so ähnlich. Danach war erst einmal für ein paar Jahre Ruhe, bevor ich mich an Kurzgeschichten versuchte, anfangs fantastische, später satirische. Mit Mitte zwanzig dann begann ich meinen ersten „richtigen“ Roman: eine wilde Fantasy-Parodie über Vampire, Dämonen und einen sprechenden Hund namens Tolstoi, die in einer deutschen Kleinstadt ihr Unwesen treiben. Wer weiß, vielleicht verwende ich das Material irgendwann noch einmal, einiges davon war schon recht lustig ...


Wie kann man sich Ihren Schreib-Alltag vorstellen? Haben Sie bestimmte Rituale, schreiben Sie zu bestimmten Uhrzeiten, an bestimmten Orten?

Ist der Morgenkaffee ein Ritual? In meinem Fall wahrscheinlich eher eine Sucht, denn ohne Kaffee geht bei mir gar nichts. Während ich meine zwei, drei Tassen trinke, surfe ich im Internet und beantworte E-Mails; zwischen halb zehn und zehn fange ich meistens mit dem Schreiben an und arbeite dann den restlichen Tag am Manuskript. Dabei schreibe ich zwischen null und fünfzehn Seiten, je nachdem, wie simpel oder komplex die jeweilige Passage ist. Abends gegen sechs ist meistens Feierabend, wobei ich auch mal länger arbeite, etwa wenn der Abgabetermin drängt oder es gerade gut läuft.

Arbeiten kann ich übrigens nur in meinem Büro am Schreibtisch, woanders fehlt mir die Ruhe. Schreiben im Zug oder im Café funktioniert bei mir nicht, zu viel Ablenkung.


Welchen Ausgleich schaffen Sie sich zum Schreiben?

Ich habe vor ein paar Jahren die Freuden des Kochens für mich entdeckt und stelle mich mehrmals in der Woche in die Küche, um meiner Frau und mir das Mittag- oder Abendessen zu kochen oder ein neues Rezept auszuprobieren. Daneben versuche ich, zweimal in der Woche schwimmen zu gehen, was mir mal besser, mal schlechter gelingt. Oft brauche ich aber gar keinen Ausgleich zum Schreiben, weil ich es meistens nicht als Arbeit empfinde.


Was lesen Sie selbst gerne – und welches Buch liegt gerade auf Ihrem Nachttisch?

Momentan lese ich die "Revelation Space"-Reihe von Alastair Reynolds – großartige Science Fiction! Ansonsten lese ich so ziemlich alles, Fantasy, Thriller, Sachbücher – und natürlich historische Romane.


In Ihrem Roman treten jede Menge starke Persönlichkeiten auf. Insbesondere die Protagonistin Isabelle ist, wie ich finde, eine sehr interessante Frau – vor allem für die damalige Zeit. Würden Sie uns verraten, was Sie an ihr fasziniert?

Mich faszinieren Menschen, die gegen den Strom schwimmen und gegen die herrschenden Verhältnisse aufbegehren. Im Mittelalter waren Frauen de facto Menschen zweiter Klasse, sie waren gesellschaftlich benachteiligt, konnten kaum rechtskräftige Entscheidungen treffen und wurden von der Kirche als Ursprung aller Sünden diffamiert. Natürlich gab es immer wieder Frauen, die sich gegen diese Diskriminierung zur Wehr setzten und zu Macht und Ansehen gelangten, etwa Theophanu, Eleonore von Aquitanien oder Hildegard von Bingen, um nur drei zu nennen. Auch Frauen des städtischen Bürgertums konnten aufsteigen und Karriere machen, wenn sie hartnäckig genug waren und sich Nischen suchten, in denen sie sich entfalten konnten. Über eine solche Frau wollte ich schreiben: So entstand Isabelle. Sie denkt recht fortschrittlich für die damalige Zeit, möchte ein selbstbestimmtes Leben führen und lässt sich nicht von der männlichen Dominanz einschüchtern – alles Eigenschaften, die sie für mich zu einem spannenden Charakter machen, da ein solches Verhalten im Mittelalter natürlich Widerstand provozierte.


Welche Eigenschaften schätzen Sie im „wahren“ Leben an einem Menschen?

In erster Linie ganz klassische Tugenden wie Ehrlichkeit, Verlässlichkeit, Empathie und Humor. Daneben schätze ich es sehr, wenn Menschen die Fähigkeit zur Reflexion haben und imstande sind, sich selbst zu hinterfragen. Leute, die sich weigern zu denken, obwohl sie es könnten, bringen mich auf die Palme.


Wann werden Sie selbst „schwach“?

Bei Kaffee – siehe oben. Über meine anderen Schwächen betten wir an dieser Stelle gnädig den Mantel des Schweigens.

© Goldmann Verlag

Daniel Wolf, geboren 1977, arbeitete u.a. als Musiklehrer, in einer Chemiefabrik und im Öffentlichen Dienst, bevor er freier Schriftsteller wurde. Schon als Kind begeisterte er sich für alte Ruinen, Sagen und Ritterrüstungen; seine Leidenschaft für Geschichte und das Mittelalter führte ihn schließlich zum historischen Roman. Er lebt mit seiner Frau und zwei Katzen in einer der ältesten Städte Deutschlands.

Website: » www.autor-daniel-wolf.de

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Daniel Wolf

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