Das GlaubMalBuch. Ein Glaubenskurs für Kinder

KU 3: Das GlaubMalBuch

Seit einigen Jahren schon lädt die Bergisch Gladbacher Andreasgemeinde Kinder zu Glaubenskursen ein, die mit der gemeinsamen Teilnahme am Abendmahl schließen. Die Kinder treffen sich über 12 Wochen in Kleingruppen, die von Eltern, meist Müttern, geleitet werden. Die überschaubare kleine Gruppe ermöglicht vertraute und persönliche Begegnungen und Gespräche. Die Kinder fühlen sich schnell zuhause. Oft zum ersten Mal erleben sie, dass außerhalb von Schule und Gemeindehaus über Gott und den Glauben gesprochen wird.
Die folgenden Berichte erzählen von den Erfahrungen, die Kinder, Eltern und die Gemeinde im Laufe der Jahre mit diesem Angebot gesammelt haben.

Aus der Sicht der Kinder

Lisa freut sich. Sie hat eine Einladung bekommen. Eine Einladung vom Pfarrer. Ganz persönlich hat er die Kinder des 3. und 4. Schuljahres eingeladen. Mit einem Brief. Und zuhause besucht.

„Hmm, ein Glaubenskurs in der Kirche? Ist das wie Schule? Wo muss ich denn da hin? Und wer kommt denn da noch?“ Lisas Freude sinkt. Teresa und Saskia, mit denen Lisa sonst alles zusammen macht, haben nämlich keine Einladung bekommen. „Die sind vielleicht nicht evangelisch“, sagt Mutter. „Muss ich dahin?“, fragt Lisa jetzt. „Warte mal ab. Morgen Nachmittag lädt der Pfarrer alle Kinder und ihre Eltern ein. Da siehst du, wer noch so kommt. Dann werden wir mehr wissen und du kannst dich entscheiden.“
Am nächsten Nachmittag tummeln sich über 30 Kinder, viele Mütter und einige wenige Väter im Gemeindehaus. Lisa kennt nicht alle. Aber viele. In der Schule hat sie sich schon mit Anna, Valentina und Julia verabredet. Julia erzählt, dass der Pfarrer ihre Mutter gefragt hat, ob sie wohl eine Gruppe leiten könnte. „Und“, fragt Lisa, „was hat sie gesagt?“ – „Sie hat ja gesagt“, sagt Julia, „sie will’s machen. Aber nicht alleine. Sie hat noch Patricks Mutter gefragt.“ „Treffen wir uns dann bei euch zu Hause?“ „Mama sagt, wenn es nicht zu viele Kinder sind, dann ginge auch das.“
Der größte Teil des Nachmittags vergeht, indem sich die Kinder in Gruppen aufteilen. In jeder Gruppe sind sechs bis acht Kinder – und jeweils zwei Mütter, die die Gruppe leiten.
Am darauffolgenden Dienstag treffen sich Anna, Valentina, Lisa, Julia, Patrick, Tim und Mike bei Julia im Wohnzimmer. Lisa hat sich auf den Nachmittag gefreut. Bis auf Mike kennt sie alle Kinder. Auch Sabine und Claudia, Patricks und Julias Mama – das sind nämlich Freundinnen ihrer Mutter. Sabine und Claudia erzählen ihnen von Jesus. Sie singen, spielen und basteln. Zum Schluss wird gebetet.

„Wie war’s denn?“, fragt Mama, als Lisa nach Hause kommt. „Es war toll“, sagt Lisa. „Ich dachte immer“, sagt Julia, „singen und beten, das macht man nur in der Kirche oder abends im Bett. Aber wir haben auch gemalt und gespielt. Sabine hat erzählt, dass Gott immer bei ihr ist und dass sie das beim Abendmahl besonders spürt. Sonst sagt das immer nur der Pfarrer oder Frau Meyer in der Schule. Aber die müssen das ja auch.“

Aus der Sicht der Eltern

Als damals der Pfarrer Sabine fragte, ob sie sich vorstellen könnte, einen Glaubenskurs mit Kindern zu leiten, hatte sie nach einigem Überlegen „Ja“ gesagt. Auch wenn sie bisher eher selten Kontakt zur Gemeinde gehabt hatte. Zusammen mit Claudia konnte sie sich das gut vorstellen. „Ich fände es schön, Sie würden da mitmachen. Was unsere Kinder glauben, was ihnen wert und wichtig im Leben ist, das ist uns doch gerade als Eltern ein besonderes Anliegen. Oft finden wir zum Gespräch darüber im Alltag aber gar keine Zeit.“ „Aber ich weiß doch gar nicht so genau, was ich da sagen soll … und auch nicht, ob ich das alles so richtig glaube.“ „Ich traue Ihnen das zu“, sagte der Pfarrer. „Ich erwarte auch gar nicht von Ihnen, dass Sie wie aus einem kirchlichen Lehrbuch reden. Ich wünsche mir, dass Sie mit den Kindern zusammen nachdenken. Und Sie glauben gar nicht, was Sie selbst dabei alles neu entdecken und lernen werden: von Ihren Kindern, von sich selbst und von Gott. Sie müssen das auch nicht alleine vorbereiten“, sagte der Pfarrer. „Alle zwei Wochen treffen wir uns, um über die zurückliegende Stunde zu sprechen und um uns Tipps zu geben und das nächste Gruppentreffen vorzubereiten. Da bekommen Sie alle Entwürfe und Materialien, die Sie brauchen. Und es ist doch eine schöne und zeitlich auch recht überschaubare Gelegenheit, diese 12 Gruppentreffen bis Pfingsten.“

Aus der Sicht der Gemeinde

Anfänglich bedurfte es eines besonderen persönlichen Aufwandes, um Kinder und Eltern für das neue Angebot eines „Glaubenskurses mit Kindern“ zu gewinnen. Alle Familien wurden persönlich angeschrieben und besucht. Die Konfirmandenzeit wurde zum Ausgleich auf ein Jahr gekürzt. Der Aufwand hat sich gelohnt. Fast alle evangelischen Kinder nehmen an dem Glaubenskurs teil. Auch einige nicht getaufte Kinder sind dabei. Für die beteiligten Eltern ist die Leitung eines solchen Kurses auch ein besonderes Erlebnis. Grundsätzlich werden Eltern des laufenden Jahrgangs etwa ein halbes Jahr zuvor angefragt, ob sie bereit wären, eine Gruppe zu leiten. Nach einiger persönlicher Nachfrage und Gesprächen finden sich zumeist sechs bis acht Mütter, die diese Aufgabe übernehmen. Die vorbereitenden und begleitenden Teamabende stellen für sie selbst eine Wiederannäherung an Glaube und Gemeinde dar: Was glaube ich? Wie kann ich die christliche Botschaft verstehen? Und vor allem: Wie kann und will ich das meinen und den anderen Kindern vermitteln? Gerade diese besondere Verantwortung fordert heraus.
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Nach ersten Unsicherheiten wächst die Freude an der Aufgabe und das Zutrauen. Das Lernen mit Kindern macht einfach Spaß. Die Kinder begeistern. Die Eltern staunen, was sie in diesem anderen Setting an bisher unbekannten Seiten von ihren Kindern und über ihre Kinder erfahren. Und sie wagen es, über ihren Glauben zu sprechen, ja sogar in der „kleinen Öffentlichkeit“ der Lerngruppe zu beten.
Anders als viele andere Aufgaben in der Gemeinde ist dieses Projekt begrenzt. Nach drei bis vier Monaten haben die beteiligten Eltern ihre Zusage erfüllt. Sie haben eine besondere Verantwortung in der Gemeinde wahrgenommen. Was sie sich vorgenommen haben, ist ihnen gelungen. Sie sind zufrieden mit sich selbst und es hat ihnen Spaß gemacht. In ihrem eigenen Glaubensverständnis konnten sie manches klären. Manche sagen: „Wir sind mit unseren Kindern im Glauben gewachsen.“ Für alle gilt, dass man Vertrautheit zur eigenen Gemeinde gewonnen hat, ohne dass man sich zu Weiterem verpflichtet hat. Manche machen später mit im Kinderkirchenteam, in der Familienkirche oder helfen bei einem Jugendprojekt. Andere interessieren sich für weitere Glaubensgesprächsgruppen.

Ob Kinder, Eltern oder Gemeinde, die „Glaubenskurse mit Kindern“ in Kleingruppen und durch Eltern haben bei allen Beteiligten etwas positiv in Bewegung gebracht. Mit dem GlaubMalBuch hoffen wir, andere Gemeinden zur Nachahmung zu motivieren.
Es lohnt sich!

GlaubMalBuch

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