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Interview mit Andreas Gruber und Marten S. Sneijder

Das folgende Interview hat sich in der Cafeteria des Random House Verlagshauses in der Neumarkter Straße in München zugetragen. Der Autor Andreas Gruber ist dafür extra aus Wien angereist, und nach einer Stunde Wartezeit ist schließlich auch der niederländische Profiler Maarten S. Sneijder vom Bundeskriminalamt Wiesbaden eingetroffen. Das Interview wurde exklusiv für Random House geführt. Hier ist der Live-Mitschnitt:


Goldmann Verlag: Guten Tag meine Herren, ich freue mich …

Sneijder: Können Sie zum Punkt kommen? Meine Zeit ist knapp, mein Taxi wartet vor der Tür, und ich muss in fünfzehn Minuten wieder weg.

Goldmann Verlag: Natürlich, ich …

Sneijder: Haben Sie auch Vanilletee in dieser Cafeteria oder nur dieses wässrige Kaffeegeschlabber?

Goldmann Verlag: Wie wäre es mit einem Kaffee mit Vanillegeschmack?

Sneijder (setzt sein Leichenhallenlächeln auf): Wollen Sie, dass ich eine Cluster-Kopfschmerz-Attacke bekomme?

Goldmann Verlag: Nein, das tut mir leid … äh …

Sneijder (schüttelt einen Joint aus der Packung): Geschenkt! Haben Sie Feuer?

Goldmann Verlag: Es tut mir leid, aber hier darf nicht geraucht werden.

Sneijder (sieht sich um): Vervloekt!

Goldmann Verlag: Herr Gruber, neben der Todes-Reihe mit bisher vier Büchern mit dem Profiler Maarten Sneijder und …

Sneijder (sieht genervt auf): Maarten S. Sneijder!

Goldmann Verlag: Entschuldigung, ja, danke. Also neben Sneijders Todes-Reihe und der Reihe um den Detektiv Peter Hogart mit bisher zwei Bänden gibt es auch noch eine dritte Thriller-Reihe. In der so genannten Rache-Reihe erscheint im September 2018 der dritte Band „Rachewinter“. Warum arbeiten Sie an drei Reihen gleichzeitig?

Sneijder (dreht sich zu Gruber): Ja, warum eigentlich? Warum nicht nur an Büchern über mich?

Gruber: Nun, das ist so. Ein Fall mit Maarten Sneijder … äh, Entschuldigung … Maarten S. Sneijder ist ziemlich anstrengend, kostet viel Zeit und Mühe, um gute Ideen zu sammeln – schließlich soll es kein Schnellschuss werden, sondern Hand und Fuß haben.

Sneijder: Richtig, die Sneijder-Reihe soll verdommt und vervloekt gut werden!

Gruber: Ja, und deshalb schreibe ich dazwischen andere Bücher.

Goldmann Verlag: Ihre anderen Bücher sind aber auch nicht gerade einfallslos.

Gruber:
Danke, ich gebe mir Mühe.

Goldmann Verlag: In einem anderen Interview haben Sie einmal gesagt, Sie bräuchten die Abwechslung.

Gruber: Ja, das stimmt. Nur an Sneijder-Romanen zu schreiben würde mich auslaugen und wahnsinnig machen.

Sneijder (sieht seufzend auf die Uhr): Noch zehn Minuten!

Goldmann Verlag: Herr Sneijder, ich nehme an, Sie kennen den „Rachewinter“-Fall bereits?

Sneijder: Ein Ausdruck des Manuskripts liegt seit April 2018 im BKA-Archiv in Wiesbaden. Ja, ich kenne den Fall. Gruber hat mich außerdem zu Recherchezwecken hinzugezogen.

Goldmann Verlag: Worum geht es in „Rachewinter“? Wer von Ihnen möchte die Frage beantworten?

Gruber (deutet zu Sneijder): Bitte!

Sneijder: Es ist ein Fall, den wir so im BKA noch nicht hatten. Ein junger, zu einer Frau umoperierter Mann – eine so genannte Transfrau – wird des Mordes an ihrem schwulen Liebhaber verdächtigt.

Goldmann Verlag: Eine umoperierte Frau hat einen schwulen Liebhaber?

Sneijder: Genau das ist das Kuriose an dem Fall! Die Wiener Anwältin Evelyn Meyers übernimmt die Verteidigung der Transfrau. Nach und nach ergeben sich jedoch Zweifel an ihrer Unschuld. Zur gleichen Zeit passiert in Deutschland eine Reihe schrecklicher Morde – und der Leipziger Ermittler Walter Pulaski ist einer jungen brünetten Frau auf den Fersen. Pulaski und Meyers versuchen dann, die Fäden zusammenzuführen und die Fälle gemeinsam zu lösen.

Goldmann Verlag: Wäre das kein Fall für das BKA Wiesbaden gewesen?

Sneijder: Doch, aber ich war zu dieser Zeit gerade im Urlaub.

Goldmann Verlag: Wo, wenn ich fragen darf? Oder darf ich nicht?

Sneijder: Absolut richtig, Sie dürfen nicht!

Goldmann Verlag: Im Süden und in der Sonne kann es jedenfalls nicht gewesen sein, wenn ich so Ihre blasse Haut betrachte.

Sneijder: Überlassen Sie solche kombinatorischen Meisterleistungen anderen, die ihr Handwerk besser verstehen. Nächste Frage!

Goldmann Verlag: Also gut, welche Schauplätze haben Sie diesmal für Ihr Buch ausgesucht, Herr Gruber?

Gruber: Wie immer Leipzig und Wien, da Pulaski und Meyers ja von dort kommen. Und darüber hinaus geht es diesmal nach Dresden, Berlin, Halle an der Saale, Stettin in Polen und Laxenburg in Österreich.

Goldmann Verlag: Wie recherchieren Sie?

Gruber: Immer möglichst nah an der Realität. Für den Vorgängerroman „Racheherbst“ musste ich beispielsweise ein Wiener Bordell besuchen – diesmal musste ich für den „Rachewinter“ die Gepflogenheiten eines Swingerclubs vor Ort recherchieren, da einige Kapitel in dieser Szene spielen.

Goldmann Verlag:
Was hielt Ihre Frau davon?

Gruber: Sie weiß es bis heute nicht. Sneijder hat mich übrigens begleitet. Außerdem stellten wir – als verdeckte Ermittler – Nachforschungen in der Wiener Transgender-Szene an, um die Hintergründe für den Roman herauszuarbeiten.

Goldmann Verlag (an Sneijder gewandt): Kennen Sie Walter Pulaski persönlich? Falls ja, wie ist er? In drei kurzen prägnanten und präzisen Sätzen bitte.

Sneijder: Ha, ha, verdommt witzig!

Goldmann Verlag: Nein, im Ernst. Kennen Sie Pulaski?

Sneijder: Natürlich, ich kenne alle Figuren in Grubers Büchern.

Goldmann Verlag: Was halten Sie von Pulaski? Was ist er für ein Typ?

Sneijder: Dafür, dass er 56 Jahre alt ist und Asthma hat, ist er ein wirklich zäher Hund, der viel einstecken kann.

Gruber: Und in diesem Fall auch einstecken muss.

Goldmann Verlag:
Wie ist seine Vorgehensweise?

Sneijder: Pulaski ist ein Fuchs. Er hat ein enorm gutes Bauchgefühl und wittert, wenn etwas nicht stimmt. Er sagt, was er denkt, und hat Rückgrat genug, um gegen die Anweisungen seiner Vorgesetzten auf eigene Faust zu ermitteln.

Goldmann Verlag: Hat Pulaski als ehemaliger LKA-Ermittler, der sich freiwillig in den Kriminaldauerdienst versetzen ließ, um als Alleinerzieher mehr Zeit für seine Tochter zu haben, vielleicht noch alte Kontakte zum LKA?

Gruber: Ja, das hat er. Allerdings hat er sich dort durch sein nicht immer charmantes Wesen nicht nur Freunde gemacht. Und in diesem Fall kommt noch erschwerend hinzu, dass er auch noch Ärger mit seiner Tochter Jasmin hat. Die ist mittlerweile schon siebzehn Jahre alt und ermittelt – wie ihr Vater – auf eigene Faust. Dadurch kommt sie ihm ein paar Mal in die Quere, was zu Komplikationen führt.

Sneijder: Komplikationen nenne Sie das? Die Kleine wäre fast draufgegangen!

Goldmann Verlag: Erzählen Sie uns doch etwas über die zweite Hauptfigur dieser Reihe, die junge Wiener Anwältin Evelyn Meyers.

Gruber: In „Rachesommer“ hat sie noch für eine große Wiener Kanzlei gearbeitet, sich in „Racheherbst“ selbständig gemacht und jetzt – zweieinhalb Jahre später – ihre Kanzlei erweitert und den ziemlich cleveren Assistenten Flo aufgenommen, einen ehemaligen Polizeischüler und Jura-Studenten, der ihr bei heiklen Recherchen hilft. Sie hat zwei Katzen – Bonnie und Clyde –, hält sich mit Joggen fit und kracht beruflich immer wieder mit ihrem ehemaligen Mentor und Ausbilder an der Uni zusammen, den Oberstaatsanwalt Ostrovsky. Allerdings ist der „Rachewinter“-Fall so komplex, dass sie dieses Mal sogar zusammenarbeiten müssen.

Sneijder:
Ich kenne Ostrovsky, ein zynischer, zäher und harter Kotzbrocken.

Goldmann Verlag: So wie …?

Sneijder: Bitte?

Goldmann Verlag:
Ach, nichts. Herr Sneijder, hätten Sie diesen Fall auch so gelöst wie Walter Pulaski und Evelyn Meyers?

Sneijder (hebt die Hand): Nun, wie gesagt, ich war im Urlaub. Sonst wäre das alles nicht so eskaliert. Und natürlich viel schneller gegangen. Allerdings muss ich gestehen – und das tue ich äußerst selten –, dass Pulaski und Meyers in ihren Ermittlungen schon ein paar geniale Schachzüge gelungen sind.

Goldmann Verlag: Tatsächlich? Das heißt, Sie bewundern Evelyn Meyers?

Sneijder:
Nein, soweit würde ich nicht gehen! Sagen wir so: Meyers, ihr knackiger Assistent Flo und der Kollege Pulaski haben bei der Lösung des Falls eine interessante und effektive Ermittlungstechnik an den Tag gelegt.

Goldmann Verlag: Wird es eine Fortsetzung geben, Herr Gruber? Einen vierten Fall für das Team Pulaski und Meyers?

Gruber:
Möglicherweise. Zumindest liegt eine ausgearbeitete Idee in meiner Schreibtischschublade.

Sneijder (dreht sich skeptisch zu Gruber): Was soll das dann werden? Rachefrühling? Ich bitte Sie! Wie klingt denn das?

Goldmann Verlag: Herr Sneijder, könnten Sie sich vorstellen, in einem eventuellen vierten Fall von Walter Pulaski als Gastperson aufzutreten?

Sneijder: Ist nicht Ihr Ernst, oder? Wenn schon, dann müsste Pulaski als Gastperson in einem meiner Fälle auftreten, nicht wahr?

Gruber (seufzt): Vermutlich.

Goldmann Verlag: Wie geht es mit Ihnen nächstes Jahr schriftstellerisch weiter, Herr Gruber?

Sneijder: Ich nehme wohl zu Recht an, dass dann erst mal wieder ein richtiges Buch erscheint, also eine Fortsetzung meiner Reihe?

Gruber: Würde ich vielleicht etwas anders formulieren, aber ja, richtig. Ich stecke gerade mitten in den Arbeiten zu Sneijder 5.

Goldmann Verlag: Worum wird es da gehen?

Sneijder (rückt nach vorne und hebt die Hand): Also, diesmal geht es um …

Gruber (unterbricht ihn): Das wird noch nicht verraten.

Sneijder (entrüstet): Wirklich nicht?

Gruber (blickt zur Tür): Sicher. Ich glaube, das ist Ihr Taxifahrer dort, der bereits ungeduldig auf Sie wartet.

Sneijder (springt auf): Verdomme, ja, ich muss weg.

Goldmann Verlag: Gut, dann bedanke ich mich für das Gespräch, meine Herren.

Gruber: Ich habe zu danken.

Sneijder: Und das nächste Mal bitte in der Raucherzone und mit Vanilletee!


PS: Der Kaffee im Random House Verlagsgebäude ist in Wirklichkeit kein Geschlabber, sondern echt gut (Anmkg. Andreas Gruber)

Andreas Gruber

Rachewinter

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