"Eingedeutscht"

Die schräge Geschichte unserer Integration

Mehr als 100.000 Follower auf Facebook und Millionen Views ihrer Youtube-Videos: Abdul Abbasi und Allaa Faham sind Stars der digitalen Netzwerke. Mit ihrem Kanal German LifeStyle wollten sie zunächst syrischen Landsleuten die Herausforderungen des deutschen Alltags näherzubringen: Wie vereinbart man korrekt einen Termin? Wer bezahlt nach dem gemeinsamen Essen die Rechnung? Wie spricht man die Katze in der WG richtig an? Doch schnell stellten sie fest, dass ihre Mission eine ganz andere ist und dass wahre Integration nur dann gelingen kann, wenn sich beide Seiten einbringen. Wie also kriegt man Syrer und Deutsche zusammen? Ganz einfach: Indem wir mit dem gemeinsamen Lachen eine Brücke bauen. Amüsieren wir uns über unsere kulturellen Unterschiede, statt Angst vor ihnen zu haben – denn nur so werden wir aufeinander zugehen und uns verstehen können!

"Ihre wichtige Botschaft: Wir brauchen keine Angst vor kulturellen Unterschieden zu haben – gemeinsam lachen hilft!"

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Neugierig?

Abdul. Habe mir kürzlich mal Gedanken gemacht über diverse Nationalfarben. Klar sollen die Flaggen den Charakter einer Nation symbolisieren, und ich bin sicher, die gewählten Farben kommen nicht von ungefähr. Frankreich als berühmtestes Beispiel: blau = Pastis-Etiketten, weiß = Sahne, rot = Wein. Auch Italien als Salami- und Tomatennation trägt rot im Wappen, dazu grün = Basilikum/Oregano und weiß = Mozzarella. Belgien: gelb = Pommes mit Mayo, schwarz = Kohletagebau, rot = Papa Schlumpf.

Warum aber ausgerechnet diese Farben auch in Deutschland gewählt wurden, versteht kein Mensch. Vor allem das Gelb? Ja, ich weiß, es heißt komischerweise »gold«, aber was außer dem heiligen Kartoffulus sollte das verbildlichen? Ich bin ratlos. Schwarz und rot sollten auch mal einer gründlichen Renovierung unterzogen werden – falls einer meinen Vorschlag hören will: grau, gelb und weiß. Asphalt, Schotter und der Himmel (zumindest siebzig Prozent der Zeit) sind grau. Weiß sind die Formulare, die man ständig ausfüllen und verschicken muss. Aneinandergelegt würden diese DIN-A4-Blätter eine Strecke von Garmisch-Partenkirchen bis zum Mond zurücklegen – pro Bürger und einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 77 Jahren. In Syrien wäre die Strecke vielleicht so lang wie von der Kreuzung Bab Antakya/Omar Bin Abdel Aziz bis zum Saadallah-Al-Jabri-Platz, das schafft man in zwölf Minuten zu Fuß – oder in zehn mit dem Bus. Man telefoniert in Syrien einfach viel öfter oder schaut mit einem Bündel Scheinen direkt beim Sachbearbeiter vorbei, trinkt Tee, und die Angelegenheit ist erledigt. Viele Worte braucht es nicht. Nun aber war ich in Deutschland – und viele Worte hatte ich nicht. Die Kommunikation mit den Behörden war eher einseitig. Die wollten was, und ich gab es ihnen: ein »Ja« oder meine Unterschrift. Wollten sie mehr, musste ich lediglich verstehen, was.


Meine deutschen Mitbewohner hatten mich schon mit einer Vielzahl an Vokabeln ausgestattet: Jede Menge Schimpfwörter und Liebesbekundungen konnte ich reihenweise aussprechen. Alle anderen Wortkategorien:
noch Mangelware. Mit einem Bündel Blätter unter dem Arm trat ich aus dem Amt auf den Bürgersteig. Rund zwei Wochen war ich jetzt in Deutschland und »Krchwscvhw« schien mir das Wort, das im Alltag am häufigsten verwendet wird und »Uachuach« am zweithäufigsten. Eines Tages würde auch ich sie richtig verwenden können. Jedes deutsche Wort wollte ich sprechen können, ich hörte zu, nahm auf und beobachtete gut. In diesem Moment bemerkte ich eine weiße Linie auf dem Asphalt. Warum nicht hüpfen, hin und wieder zurück, einfach so, und wieder, hopp!, über die Linie? Dabei ging ich ganz langsam und wollte alles aufsaugen, ein paar Gesprächsfetzen aufschnappen. Typen auf dem Fahrrad schossen megaknapp an mir vorbei, und fast alle trugen einen Rucksack. Whooshhhhh – und manche redeten auch beim Fahren!

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Die beiden YouTube-Stars über ihr Buch

3 Fragen an die Autoren

Über Missverständnisse, Gemeinsamkeiten und die verbindende Kraft des Lachens



Seit 2015 betreibt ihr gemeinsam die YouTube-Plattform GLS German LifeStyle. Sie wurde aus der Idee geboren, in kurzen, humorvollen Filmen die Eigenheiten der deutschen Kultur und Sprache zu erklären und dadurch Brücken zwischen den Kulturen der Syrer und Deutschen zu bauen. Wie seid ihr darauf gekommen, nun über die Geschichte Eurer Integration ein Buch zu schreiben?

Abdul: Wir waren ziemlich überwältigt von den Reaktionen auf unsere Videos und das gesamte Projekt. Im Laufe der Zeit haben wir auch sehr viele Zuschauer und Fans persönlich kennengelernt, haben mit Politikern diskutiert und viele Fragen und Meinungen gehört. Insgesamt kam uns die Zeit seit Veröffentlichung unseres ersten Videos wie eine Reise vor, auf der so viel in so kurzer Zeit passierte.
Allaa: Und gleichzeitig waren wir ja auch Neuankömmlinge und haben wirklich fast jeden Tag etwas Neues erfahren über das Land und die Leute. Irgendwann war klar: Das müssen wir aufschreiben.

An wen richtet sich euer Buch?

Abdul: Ja, eigentlich an alle Menschen. An Deutsche, an Migrantinnen und Migranten, an Alt und Jung... Und vor allem an diejenigen, die vielleicht Angst vor dem Unbekannten haben und uns durch das Buch besser kennenlernen können. Wir möchten das Thema Integration humorvoll in die Gesellschaft tragen und enttabuisieren. Und natürlich auch mit den Lesern ins Gespräch kommen. Viele haben ja eine eigene Integrationsgeschichte.

Gab es für euch besondere Herausforderungen beim Schreiben – im Unterschied zum Drehen der Videos für GLS?

Abdul: Die deutsche Sprache (lacht).... Das ist was anderes, wenn man plötzlich alles schreibt, statt einfach redet. Aber da hatten wir natürlich tolle Unterstützung.
Allaa: Ja, und natürlich funktioniert Humor geschrieben anders. Wir haben plötzlich keine Kameraschnitte, Mimik oder Gestik als Instrumente. Keine Musik oder Blenden. Wir haben jedenfalls das Geschriebene viel öfter Freunden gezeigt und gefragt, ob es auch immer noch lustig ist oder ob man gut versteht, was wir sagen wollen.

© Goldmann Verlag
Interview: Elke Kreil


Hier gibt es das ganze Interview

Über die Autoren

Abdul Abbasi und Allaa Faham

Allaa Faham und Abdul Abbasi kommen aus Syrien und lernten sich vor ein paar Jahren in Deutschland über das Internet kennen. Die beiden taten sich zusammen, German Lifestyle war geboren. Gemeinsam drehten sie Videos, in denen sie die Unterschiede der Kulturen aufs Korn nahmen. Die Brücke ist das gemeinsame Lachen: Lachen wir also über unsere kulturellen Unterschiede, statt Angst vor ihnen zu haben.

Abdul Abbasi, geboren 1994 in den Vereinigten Arabischen Emiraten, kommt aus Aleppo/Syrien und studiert Zahnmedizin in Göttingen.
Allaa Faham, geboren 1997 in Idlib/Syrien, studiert Regenerative Energien in Hamburg.


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