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Ayisha Malik: Ausgerechnet du und ich, Heyne Verlag

Ayisha Malik im Interview zu »Ausgerechnet du und ich«

»So anders sind wir gar nicht«

Mit Sofia Khan hat Ayisha Malik eine Romanheldin erschaffen, die Modernität mit starkem Glauben vereint. Ein Gespräch mit der Autorin über die muslimische Datingszene und die Entstehung ihres Romans »Ausgerechnet du und ich«

Malik, Ayisha
© Privat

Ayisha, Ihre Protagonistin ist, wie Sie selbst, Anfang 30 und arbeitet in der Londoner Verlagsbranche. Wie viel von Ihnen steckt in Sofia Khan?

Ayisha Malik: Sofia und ich teilen viele Charaktereigenschaften, und natürlich ähneln sich auch unsere Lebensumstände, sodass es mir während des Schreibens manchmal schwergefallen ist, Sofia ernsthaft von mir abzugrenzen. Ich bin mir sicher, dass auch Menschen, die mich gut kennen, viel von mir in Sofia wiederentdecken. Aber ehrlicherweise glaube ich auch, dass jeder Autor, der eine Figur erfindet, irgendwas von sich überträgt. Mal mehr, mal weniger.

Was hat Sie dazu inspiriert, dieses Buch zu schreiben?

Ayisha Malik: Ich wollte schon immer Autorin werden, aber es dauerte einfach eine Weile, um zu erkennen, welche Geschichte ich erzählen will. Ich liebe Bridget Jones und egal, wann ich meinen Arbeitskollegen von der muslimischen Dating-Szene erzählt habe, waren alle immer begeistert. Irgendwann hat sich daraus die Idee zu diesem Buch entwickelt. Gerade, weil Muslime viel Negativpresse bekommen, wollte ich eine Titelheldin erschaffen, die beides vereint: Modernität und starken Glauben. Aber erst während des Schreibens und aufgrund verschiedener Gespräche habe ich verstanden, dass es auch wirklich eine Menge Leute gibt, die diese Seite des muslimischen Lebens kennenlernen wollen.

Können Sie die größten Dating-Schwierigkeiten für junge Muslime kurz umreißen?

Ayisha Malik: Ich würde sagen, Dating bei Muslimen ist ein wenig so wie die Partnersuche im 18. Jahrhundert, wenngleich wir uns natürlich im 21. Jahrhundert befinden und der Vergleich hinkt. Es gibt nach wie vor viele kulturelle Traditionen und Erwartungen. Diese mit den eigenen Wünschen in Einklang zu bringen, birgt für die meisten die größte Herausforderung. Und, Sie wären überrascht, wie viele scheinbar »moderne« Männer und Frauen heute noch sehr traditionelle Vorstellungen vom Leben haben.

Was sind für Sie die gravierendsten Unterschiede zwischen Muslimen und Menschen anderer bzw. gar keiner Religion beim Daten?

Ayisha Malik: Mit einem Wort: Sex. Das Verbot der körperlichen Nähe in der muslimischen Welt verzerrt vor allem die zeitlichen Abläufe. Stellen Sie sich doch nur mal vor, Sie sind seit einem Jahr in einer Beziehung und haben nicht den Hauch von Körperlichkeit. Das beschleunigt den Prozess hin zur Ehe enorm. Andere können das anders sehen. Und vielleicht setze ich den Fokus auch falsch, aber letztlich ist Sex der ganz offensichtliche Unterschied.

Sofia nutzt Online-Dating als Recherche-Tool für ihr Buch. Was halten Sie von Portalen und Apps wie minder.com oder muslimlife.eu?

Ayisha Malik: Ich denke, wir alle sollten mit der Zeit gehen. Und es ist nur die logische Konsequenz, dass auch solche Apps und Portale dazugehören. Ich habe zwar noch nie Apps wie Tinder oder Minder benutzt (Online Dating dagegen schon), aber ich denke, die daraus resultierende »Wegwisch-Kultur« hat die Wichtigkeit, jemanden ernsthaft kennenlernen zu wollen, völlig abgewertet. Denn dieser »Jemand« ist dadurch ganz oft ersetzbar.

Möchten Sie mit Ihrem Buch nicht muslimischen Leserinnen und Leser auch ein bisschen die Augen öffnen? Frei nach dem Motto: »So anders sind wir gar nicht!«?

Ayisha Malik: Naja, ob es Menschen wirklich die Augen öffnen kann oder soll, weiß ich nicht. Aber ich wollte, dass alle Leser einen Bezug dazu herstellen können. Egal, ob Moslem oder nicht. Es ging mir vielmehr darum, das zu normalisieren, was gerne mal dämonisiert wird. Und ja, auch um zu zeigen: »So anders sind wir gar nicht.«

Dennoch: Vielen jungen Muslimen, die traditionell erzogen werden, ist Dating untersagt. Kein Ausgehen, kein Flirten. Die Ehen werden arrangiert. Was raten Sie jungen Leuten, die den islamischen Werten treu bleiben wollen, aber dennoch nicht auf eine selbstbestimmte Partnerwahl verzichten wollen?

Ayisha Malik: Eine Patentlösung habe ich dafür nicht. Das ist viel zu individuell. Jeder steckt da in seinem ganz eigenen Dilemma und rangiert zwischen den Werten, die die eigene Familie aufstellt. Da kann der Rahmen, in dem man sich bewegen darf, sehr unterschiedlich sein. Aber ich bin davon überzeugt, dass man Balance erzeugen kann. Zumal die »echten« Zwangsehen viel seltener werden. Heutzutage werden Mann und Frau über deren Familien einander vorgestellt. Und – meist – liegt es dann an den beiden, zu entscheiden, ob sie das Arrangement weiterverfolgen wollen oder nicht. Wenn du gezwungen wirst und unglücklich bist, musst du dich fragen: Wer soll mit dir deine Zukunft gestalten, dein Leben und dein Schlafzimmer teilen? Ist es das Risiko wert? Und bist es wirklich du, die den Erwartungen nicht gerecht wird, oder sind es deine Eltern, die dich schlecht beraten, indem sie eine veraltete Vorgehensweise unterstützen? Manchmal ist es auch genau andersrum, aber darum geht’s hier nicht. Die Wahl – ob richtig oder falsch – sollte unsere sein. Manche Frauen müssen dafür nur ein bisschen stärker werden. Ich vermute mal, das wäre dann meine Antwort an alle: Seid stark!

Wenn Sie »Ausgerechnet du und ich« in drei Worten beschreiben müssten, welche wären das?

Ayisha Malik: Lustig, lebhaft und lang. (Eine Autorin wird nie aufhören ihr Buch verändern zu wollen.)

Ausgerechnet du und ich Blick ins Buch

Ayisha Malik

Ausgerechnet du und ich

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