Katja Scholtz: »Mein Buch«

Wenn Ihr Kühlschrank sprechen könnte – was hätte er zu erzählen? Oder Ihre Katze? Was denkt der Bäcker, wenn er Ihnen schlecht gelaunt sein letztes Kastenbrot verkauft? Wer schreiben möchte, braucht Mut und Ideen. Doch wo und wie anfangen? Dieses Buch versammelt 100 kleine Aufgaben, die die Fantasie ins Rollen und die Tinte zum Fließen bringen sollen. Ein geistiger Sportplatz zum Warmmachen und Dehnen für Anfänger und Fortgeschrittene.

Ein Buch zum Ausfüllen mit viel Platz zum Selberschreiben und mit zahlreichen liebevollen Originalzeichnungen, die inspirieren. Das tintensichere, FSC®-zertifizierte Offsetpapier mit zartblau gepunkteten Linien lädt ein, gleich loszuschreiben, in der Falttasche im Einband ist Platz für Notizen, Fotos, Postkarten u.v.m. Das blaue Verschlussgummi hält alles zusammen, und Lesezeichen sowie Buchblock mit Fadenheftung veredeln dieses besondere Buch.

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Katja Scholtz, Autorin von »Mein Buch«, erschienen im Diana Verlag.
Katja Scholtz, Autorin von »Mein Buch«, erschienen im Diana Verlag.

Schreibwettbewerb Diana Verlag & TWENTYSIX

Gemeinsam mit Katja Scholtz, Autorin von »Mein Buch«, und dem Self-Publishing-Verlag TWENTYSIX suchte der Diana Verlag Schreibtalente. Teilnahmeschluss war der 6. Januar 2018.

Zu gewinnen gab es ein PREMIUM-Paket von TWENTYSIX (E-Book + gedrucktes Buch) im Wert von 199,- € als Hauptpreis sowie je fünfmal ein PLUS-Paket von TWENTYSIX (E-Book + gedrucktes Buch) im Wert von 39,-€.

Die Teilnehmer konnten zwischen diesen beiden kreativen Schreibaufgaben wählen (beide aus »Mein Buch« von Katja Scholtz):

1. Erkläre einem Alien, was Liebe ist
2. Beschreibe ein Weihnachtsfest aus Sicht einer Katze

Nach Ablauf des Teilnahmeschlusses wählte Diana-Verlagsleiterin Britta Hansen aus allen Einsendungen die besten sechs Texte aus. Gewonnen hat Simone Bauer. Herzlichen Glückwunsch! Sie hat sich für Schreibaufgabe Nr. 2. entschieden. Lesen Sie hier Ihren Text: »Kyoto, Irene und der Typ feiern Weihnachten«:

Kyoto, Irene und der Typ feiern Weihnachten

Ein Text von Simone Bauer, Gewinnerin des Schreibwettbewerbs



Ich hasse die Nordmanntanne. Ja, das ist der Name dieses Ungetüms. Godzilla, King Kong, Nordmanntanne. Also, zumindest nennt die Rothaarige den Baum so. Die muss es ja wissen, sie ist ja sonst so klug. Sie sagt mir stets, dass ich die schönste Katze der Welt bin (korrekt) und dass das Land Amerika derzeit von einer Orange regiert wird (ich glaube ihr das mal so).

Jedenfalls steht dieses elendig große Ding mitten im Weg. Und zwar so, dass ich nicht mehr an die Regalwand rankomme. Und da ist mein Lieblingsplatz. Direkt neben diesen sieben dicken Kinderbüchern (zumindest ist ein Kind draufgezeichnet), die die Rothaarige so gerne liest.

Die Rothaarige kommt übrigens auch nicht mehr an die Regalwand. Vielleicht ist sie doch nicht so schlau, wie ihre durchsichtige Plastikbrille vermuten lässt. Dann streitet sie immer mit dem Typen. Der Typ sagt, dass der Baum keinen anderen Platz im Wohnzimmer findet, und die Rothaarige nimmt sich dann jedes Jahr vor, vor dem Aufstellen der Monstertanne den Ordner mit der Steuererklärung (was auch immer das ist) aus dem Regalbrett unter meinem Lieblingsplatz zu nehmen.

Das geht jetzt schon drei Jahre so. Zuvor gab es keinen Typen und ebenso keine Nordmanntanne.

Zugegeben, diese bunten Kugeln, die die beiden an den Ästen verteilen, sind schon ganz interessant. Sie funkeln. Ich kann mich darin spiegeln! Aber kaum will ich damit spielen, scheucht mich der Typ davon – das gefällt mir gar nicht. Na ja, immerhin verschwinden die beiden dafür fast täglich für mehrere Stunden. Da tatze ich dann sowieso dagegen!

Natürlich habe ich schon einmal versucht, das grüne Ungeheuer hochzuklettern, um an meinen Lieblingsplatz zu kommen. Dann hat sich das Ding ganz furchtbar gebogen und ich kam wieder nicht ran. Ich hasse die Nordmanntanne! Generell mag ich diese Zeit des Jahres sowieso nicht, in der es komisch aus den dampfenden Tassen der beiden riecht.

Ich weiß übrigens bis heute nicht, wie er heißt. Also, der Typ. Der Name der Rothaarigen ist Irene. Aber zu ihm sagt sie nur »Schatzi«. So nennt sie mich ebenfalls manchmal, aber wenigstens sagt sie zwischendurch »Kyoto« zu mir. Er jedoch ist und bleibt Schatzi, selbst, wenn sie sich streiten.
Zurück zur Nordmanntanne: Gerade starre ich erneut fasziniert auf die leicht schwebenden Kugeln, als der Typ ins Wohnzimmer kommt. Er hat schon wieder eine Bierflasche in der Hand, was ich so präzise weiß, weil die Rothaarige es kommentiert.

»Ach komm, lass uns tanzen!«, entgegnet der Typ. Er dreht die Musik lauter, ein behagliches Lied mit einem altmodischen Rhythmus, und schnappt sich die Hand der Rothaarigen, die eigentlich gar nicht vom Sofa aufstehen will.

»Schatzi, nein, der Braten liegt mir noch im Magen!«

Der Braten, von dem ICH wieder nichts abbekommen habe. Ich grummle.

Doch der Typ brummt den Song mit, wirbelt sie herum, was ihr schönes, rotes Kleid herrlich flattern lässt – und rutscht dann mit seinen Wollsocken, die er vorher aus buntem Papier ausgepackt hat, aus, kracht in die Nordmanntanne … UND ICH KANN ENDLICH AN MEINEN LIEBLINGSPLATZ!

Geschwind springe ich über die vorher von mir so angehimmelten Kugeln, die mit lautem Knall zerbersten, über die Tannenruine hoch zu den sieben dicken Kinderbüchern. Es scheppert noch mehr, als auch die Bierflasche zu Boden fällt durch den ganzen vielen Schwung.

»CHRISTIAN!!! Und das an Heiligabend!«, kreischt Irene. Ich putze schnurrend meine Pfoten, während die Rothaarige den Typen, der jetzt nicht mehr namenlos ist, aus dem Wohnzimmer jagt.

Okay, vielleicht ist die Nordmanntanne gar nicht so übel.


Mit freundlicher Genehmigung von Simone Bauer

Katja Scholtz im Gespräch

Wie kamen Sie auf die Idee, ein Buch zu konzipieren, das die Menschen zum Schreiben ermuntert?

Ich arbeite seit fast 20 Jahren als Lektorin und staune immer noch darüber, wie viele Manuskripte wir täglich im Verlag erhalten. Das heißt, die meisten Menschen müssen nicht unbedingt zum Schreiben ermuntert werden, sie tun es bereits. Allerdings probieren viele den Marathon, bevor sie überhaupt Muskeln aufgebaut haben. Aus diesem Grund wollte ich eine Art Trainingslager schaffen, in dem man sich erst mal ausprobiert und warmläuft. So kann man sich dem Schreiben spielerisch nähern, verschiedene Techniken erproben, Sicherheit gewinnen, ohne dass es gleich um den ganz großen Wurf geht.

Warum möchte der Mensch sich schriftlich ausdrücken?

Es gibt viele Gründe, denke ich. Man möchte über eine Geschichte schreiben, die man für erzählenswert hält. Man hat das romantische Bild eines Schriftstellers im Kopf, der seinen Lebensunterhalt mit dem Erzählen von Geschichten verdient. Man träumt von Ruhm und Anerkennung. Am entscheidendsten scheint mir aber zu sein, dass kreativer Ausdruck schlicht glücklicher macht als Pflichterfüllung. Je nach Neigung und Interesse kann man diesem Bedürfnis natürlich auf sehr unterschiedliche Weise nachkommen – Schreiben ist nur eine Möglichkeit von vielen.

Und warum haben viele von uns Hemmungen anzufangen?

Das hat oft mit einem zu hohen Selbstanspruch zu tun, mit dem Drang nach Perfektion. Für das Schreiben gibt es keine vergleichbare, klassische Ausbildung wie z. B. für das Einsetzen von Zahnimplantaten. Und doch ahnen wir, dass der große Roman auch nicht einfach so geschrieben werden kann. Hinzu kommt die Angst vor dem weißen Blatt Papier – und vor der allerersten zu befüllenden Seite in einem Notizbuch! Daher mein Tipp: das Buch irgendwo in der Mitte aufschlagen und dort beginnen.

Wie kamen Sie auf diese vielfältigen Fragen bzw. Vorschläge?

Manche Ideen sind durch Geschichten entstanden, die ich gehört oder erlebt habe. Manche durch bestimmte Reimformen, für die ich selbst ein Faible habe (Schüttelreime z. B.). Perspektivwechsel haben mich immer schon fasziniert und sind eine wichtige Technik beim literarischen Schreiben. Ach, und im Grunde kann man aus allen Situationen des Lebens, auch aus den scheinbar alltäglichen oder banalen, interessante Gedanken und Fragen ableiten. Man muss nur genau hinsehen.

Haben Sie eine Lieblingsfrage?

Den Scheidungshund! Den Fall – ein Paar will sich trennen, glaubt aber, dass der gemeinsame Hund es nicht verkraften würde – habe ich mir nicht ausgedacht, das ist mir wirklich so erzählt worden. Den Konflikt aus Sicht des Hundes zu beschreiben ist etwas, was meine Fantasie sofort anregt; es gibt so viele Möglichkeiten, diese Geschichte auszugestalten. Es fängt ja schon bei der Frage an, ob der Hund ein Rauhaardackel ist oder ein Bernhardiner.

Und gibt es eine Aufgabe, zu der Ihnen nichts einfällt?

Das mag unglaubwürdig klingen, aber: Mir fällt wirklich nichts ein, was ich noch nie jemandem erzählt habe. Nichts Interessantes jedenfalls.