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SPECIAL zu Dennis Bartz »Flankengott«

Entscheidungsspiel

Buchempfehlung von Carsten Hansen

Dies ist kein Fußballroman, wie der Untertitel aufklärt, und schon gar nicht nur etwas für Männer. Um ein Entscheidungsspiel geht es trotzdem: Eines, in dem mehr entschieden wird, als auf jedem Bolzplatz.

Paul
Nur die Liga ist eine ganz andere. Zwar ist der Roman strukturiert wie ein Fußballspiel und in zwei Halbzeiten und 90 Spielminuten unterteilt. Doch das Spiel findet nicht auf weichem Rasen statt, geschweige denn nach klaren Regeln, sondern im richtigen Leben – und das ist weitaus verwirrender, als jede Kicker-Partie. Der Ich-Erzähler in diesem Chaos ist Paul, ein 29-jähriger Kaufhausdetektiv in Braunschweig. Im bisher folgenschwersten Spiel seines Lebens steht er plötzlich ratlos da und läuft unverhofft Gefahr, als Verlierer vom Platz zu gehen.

Tina
Zunächst scheint alles noch in Ordnung zu sein. Seit sieben Jahren führt Paul eine glückliche Beziehung mit Tina. Tina ist Krankenschwester, die beiden wohnen zusammen und genießen ein Leben, in dem nichts fehlt. Findet Paul zumindest. Sie sind jung, sie haben tolle Freunde, und sie lieben einander – braucht der Mensch denn noch mehr? Eine interessante Frage, die Tina neuerdings mit einem klaren JA beantwortet. Es ist die große Frage in einer Beziehung, vielleicht die Frage aller Fragen. Und wie so oft, ist es die Frau, die sie zuerst stellt, wenn auch in Form einer Aufforderung beim Sex: „Paul, mach mir ein Kind“. Ein Wunsch, der jedem logisch erscheint. Jedem außer Paul.

Das Ultimatum
Wie amüsant so eine Zwickmühle sein kann, wenn man nicht selbst drin steckt und nur den witzigen Schreibstil zu genießen braucht! Aber egal, wie sehr sie sich über Pauls mitunter fast alberne Ängstlichkeit amüsieren werden, tief in sich drinnen dürften sämtliche männliche Leser Mitgefühl für ihn verspüren. Weil sie ihn irgendwie verstehen werden. Das übrigens ist ein Grund, warum dieser Roman ausdrücklich Frauen ans Herz gelegt sei. Hier steht geschrieben, wie Männer ticken, wenn es plötzlich mal ans Eingemachte geht. Man muss halt damit umzugehen wissen. Bei Tina geht das so: Sie zieht sich enttäuscht zurück und campiert erst einmal bei ihrer besten Freundin Danni. Halbzeit des Romans und Ballverlust für Paul. Für die spielentscheidende nächste Runde muss er gewappnet sein. Er begreift das recht schnell, denn ein von Tina gestelltes Ultimatum erleichtert seinen Erkenntnisprozess ungemein. In ein paar Tagen hat sie Geburtstag, und bis dahin muss er sich entschieden haben: Sie und ein Kind – oder keines von beiden.

Guter Rat ist männlich
Vielleicht brauchen Männer so etwas? Die Pistole auf der Brust, ein dramatisches Besäufnis und ein paar Freunde, die einem bei einer lebenswichtigen Entscheidung beistehen? Im Kreise seiner treuen Kumpelrunde, den Pimmelpiraten, kann Paul sich jedenfalls ausweinen, erden lassen und seine Aufgeregtheit bezwingen. Allein die Lektüre solcher Szenen gibt Frauen, die sich häufiger schon einmal gefragt haben, was eigentlich in ihren „Typen“ so vorgeht, mehr Antworten, als jedes gequälte Beziehungsgespräch – derlei Analysen stellen Männern nämlich viel lieber unter sich an. Auch Frank, Arnold, Mike und Manfred werden nicht jünger, Kinder sind schon unterwegs oder geplant, und schließlich liebt Paul Tina doch und vermisst sie furchtbar. Und hat er es nicht ziemlich genossen mit seinem Neffen Dominik unterwegs zu sein und von wildfremden Menschen für den vermeintlichen Sohn gelobt zu werden? Ja, genau so ist es und so geht es ins lesevergnügte Finale. Doch obwohl minutiös vorbereitet, wird der entscheidende Spielzug Paul unvorhergesehen viel Einsatz abverlangen …

Carsten Hansen
Literaturtest
Berlin, September 2011
© Verlagsgruppe Random House GmbH, München

Dennis Bartz

Flankengott

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