VERLAGSGRUPPE RANDOM HOUSE - BERTELSMANN
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Goldmann Verlag

Verlegen heißt, offen sein für das neue, für das, was in keine Schublade passt.

Aufgeräumt: Verleger Georg Reuchlein in seinem Büro

Für mich ist es auch nach 26 Jahren im Verlag immer noch ein ganz besonderer Augenblick, das erste druckfrische Exemplar eines neuen Buches in der Hand zu halten. Man hat so lange an dem Buch gearbeitet, sich mit Autoren, Agenten, Verlagskollegen über den Text und darüber, was ihn so besonders macht und warum man von ihm so begeistert ist, die Köpfe heiß geredet. Man hat über Cover und Marketing- und PR-Konzepte leidenschaftlich diskutiert und gestritten und hat sich mit der Herstellung über das Format, die Typographie, das Satzbild und die Einbandgestaltung verständigt. Man hat das Buch den Kollegen im Innen- und Außendienst ans Herz gelegt und ebenso ungeduldig wie unruhig auf die ersten Reaktionen im Buchhandel und in den Medien gewartet.

Und dann hält man nach schier endlos langer Zeit endlich ein erstes Exemplar aus der Auflage in der Hand. Schlägt es auf, blättert durch, liest sich fest, blättert weiter, nimmt den Schutzumschlag ab und prüft den Einband, legt den Schutzumschlag wieder um, blättert das Buch erneut durch, würde es am liebsten fast noch einmal ganz von vorne lesen. Wenn man zuweilen von der besonderen Erotik des Buches spricht: Hier spürt man sie, jedes Mal von neuem, Buch für Buch. Deshalb mag ich mich auch nur ganz schwer von unseren Büchern trennen. Deshalb stapeln sie sich auf meinem Schreibtisch, in meinen Regalen, auf dem Fensterbrett und auf dem Boden – und manchmal ziehe ich eines von ganz unten wieder heraus, blase das bisschen Staub, das sich in der Zwischenzeit darauf abgelegt hat, vom Buchschnitt und fange von neuem an zu lesen.

Vielleicht wirkt mein Büro deshalb nicht besonders aufgeräumt, aber das ist für mich auch nicht wichtig. Kreativität kann in einem klinisch reinen Ambiente nicht gedeihen, für mich jedenfalls nicht. Kreativität ist das denken außerhalb geordneter Bahnen, ist das Abschweifen, die Inspiration durch die Verschiedenheit und Unordnung der Dinge, die uns umgeben. Und mit dem Verlegen ist es nicht viel anders. Verlegen heißt: offen sein für das Neue, neugierig sein auf das Ungewohnte, auf das, was in keine Schublade, in kein Schema, in keine vorgegebene Ordnung passt.
Georg Reuchlein

Für mich ist jeder Autor etwas ganz Besonderes.

Bei ihren Autoren immer am Ball: Hardcover-Cheflektorin Claudia Negele

So vielfältig die Bücher sind, die bei Goldmann erscheinen, so vielfältig sind die Autoren, die ich, oft schon seit vielen Jahren, betreue. Da gibt es Autoren, die Ruhe und Abstand brauchen und die den Kontakt zum Verlag nur zu bestimmten Zeiten suchen. Andere wollen eng begleitet werden, und man ist mit ihnen in einem fortwährenden Gespräch. Da gibt es Autoren, die eher ein Verhältnis diskreter Distinguiertheit zu ihrem Verlag pflegen, und solche, die freundschaftlichen Anschluss suchen und mit denen man öfter auch einmal ein Bier trinken oder eine Runde kickern geht. Manche Autoren suchen den engen Gedankenaustausch, während andere fürchten, dadurch aus dem Konzept gebracht zu werden. Und da gibt es schließlich Autoren, die unweigerlich eine Schreibblockade bekommen, wenn man ihnen Termine setzt, und andere, die überhaupt erst schreiben können, wenn sie einen festen Abgabetermin im Nacken haben.
Ihnen allen individuell gerecht zu werden und dabei eine Atmosphäre zu schaffen, in der man sich kreativ und kritisch auseinander setzen kann: das ist für mich die Herausforderung und die Kunst in der Arbeit mit Autoren. Die entscheidende Voraussetzung hierfür ist Vertrauen, denn nur in einer vertrauensvollen Beziehung kann man Autoren nicht nur den notwendigen Rückhalt geben, sondern sie auch fordern, ihr Bestes zu geben, an ihre Grenzen und über Grenzen zu gehen. Wo dies alles gelingt, wird man unschätzbar belohnt und mit einem der stärksten Glücksgefühle beschenkt, die man in diesem Beruf erleben kann.
Claudia Negele

Presse und Werbung – alles eine Frage guter Kommunikation.

Gutes Team: Werbeleiterin Katja Hein (rechts) und Pressechefin Claudia Hanssen

Im deutschsprachigen Raum erscheinen Jahr für Jahr Zehntausende von Büchern. Aufgabe von Presse und Werbung ist es, dafür zu sorgen, dass sie wahrgenommen werden, dass Autoren und Themen von Journalisten, Buchhändlern und natürlich Lesern entdeckt werden.

Hanssen: Stimmt. Unsere Aufgabe ist es, das Besondere an jedem einzelnen Titel zu suchen und zu finden. Wir "verkaufen" nicht, sondern wir bemühen uns, Neugier zu wecken, für Themen zu begeistern und Autoren und Journalisten zusammenzubringen. Ich versuche einfach jeden Tag, meine eigene Faszination weiterzugeben.

Hein: Die Frage ist doch, was Goldmann-Bücher für die Leser begehrenswert, attraktiv und interessant macht. Lust auf unsere Bücher zu wecken, dieser Aufgabe stellen wir uns jeden Tag neu.

Hanssen: Und das macht richtig Spaß, weil es ein gemeinsamer Arbeitsprozess ist, der mit der Programmvorstellung des Lektorats beginnt …

Hein: …bei der erste Werbeideen sofort im Kopf entstehen, und dann gleich in mein Moleskine wandern.

Hanssen: Das geht mir auch so. Man sieht vor dem geistigen Auge sofort, zu welcher Zeitung welches Buch passen könnte und welcher Journalist genau auf dieses Thema gewartet hat. In diesen Runden, in denen intensiv diskutiert wird über Inhalte und Autoren, entstehen die besten Konzepte. Die heute sehr viel mehr Aspekte berücksichtigen, als noch vor zehn Jahren. Stichwort Internet.

Hein: O ja. Werbeplanung ist für mich ohne die neuen Werbeformen wie Social Media nicht mehr vorstellbar. Die Möglichkeiten, Bücher zu bewerben, sind unglaublich vielfältig, limitiert oft nur durch das Werbebudget. Ungeachtet von Mobile-, Guerilla-Marketing & Co. bleibt allerdings immer noch die Herausforderung, alle Marketingmaßnahmen intelligent zu verzahnen und die Taktung von Branchenwerbung, Publikumswerbung und Pressearbeit optimal auszusteuern.

Hanssen: Und ein gemeinsamer Erfolg ist am Ende das Schönste an unserer Arbeit. Unser Anspruch ist es, täglich neu für unsere Autoren, für Journalisten, Literaturagenten und den Buchhändler ein verlässlicher und kompetenter Partner zu sein. Dazu gehört gegenseitiges Vertrauen. Das übrigens vor allem dann wächst, wenn man sich persönlich begegnet. Ich habe im Laufe der Zeit viele Autoren auf ihren Presse- und Lesereisen kennengelernt. Jede dieser Begegnungen war besonders, und ich möchte keine einzige davon missen.

Von hundert Manuskripten, die ich erhalte, wähle ich vielleicht fünf für das Goldmann-Programm aus. Aber welche sind das?

Verlagsleiterin Andrea Best diskutiert mit Cheflektorin Almuth Andreae über neue Manuskripte

Wenn man eine neue Vorschau durchblättert, bleibt etwas stets unsichtbar: die vielen, vielen Bücher, die gelesen, diskutiert und schließlich abgelehnt wurden. Von hundert Manuskripten, die ich erhalte, wähle ich im Schnitt fünf für das Goldmann-Programm aus. Aber welche sind das? Ein Autor hat mir einmal gesagt, ein gutes Buch erkenne man schlicht daran, dass man nach dem ersten Satz unbedingt den zweiten lesen möchte, nach der ersten Seite die nächste, nach dem ersten Kapitel das folgende – bis zum Ende. Das stimmt. Aber es kommt noch etwas hinzu, das sich schwer in Worte fassen lässt. Etwas, das meinen Herzschlag beschleunigt und meine Augen zum Leuchten bringt. Dafür gibt es keine Regeln. Es ist eine reine Bauchreaktion, ein Glücksgefühl und die nicht erklärbare Gewissheit, etwas ganz Besonderes in Händen zu halten. Mal ist es eine Handlung, der ich fasziniert folge, mal eine Figur, die ich ins Herz schließe wie einen neuen Freund. Nicht selten vergehen Wochen, ohne dass ein einziges Manuskript bei mir diese Begeisterung auslöst. Aber schon das nächste könnte ein wunderbarer Fund sein. Oder das übernächste, wer weiß? Und genau das treibt mich auch an – eine unstillbare Neugier und die Gewissheit, dass irgendwo da draußen ein Buch auf mich wartet, dem ich hoffnungslos verfallen werde. Und hoffentlich viele andere Leser ebenfalls.
Andrea Best

Programmplanung bedeutet, vorauszudenken, was die Menschen in einem oder zwei Jahren beschäftigen wird.

Gerade im Sachbuch ist es entscheidend, ganz nahe am Puls der Zeit zu sein, zu wissen, was die Menschen heute bewegt und was die wichtigen Themen, Debatten und Trends von morgen sein werden. Je weniger die Menschen sich in unserer globalisierten und sich in immer schnellerem Takt verändernden Moderne zurechtfinden, umso mehr können Bücher Orientierung bieten. Sie können, wie vielleicht kein anderes Medium, den Lesern dabei helfen, herauszufinden, was wirklich zählt – ob es nun um Politik und Gesellschaft geht, um Psychologie und Sexualität oder um Spiritualität und Selbstverwirklichung. Die wichtigsten Voraussetzungen dafür, hier die richtigen Autoren und Themen zu finden, sind Erfahrung, Neugier, Offenheit und, vor allem, das eigene Bauchgefühl. Denn Programmplanung heißt, immer vorauszudenken, was die Gesellschaft in einem oder zwei Jahren beschäftigen wird, und das kann man nicht am Reißbrett vorherbestimmen, das kann man nur erahnen.
Unser Ziel ist es dabei, für unsere Leser die relevanten Themen und die besten Autoren aufzuspüren. Unser Ziel ist es, unseren Autoren das optimale Forum für ihre Bücher zu bieten. Unser Ziel ist es, dem Buchhandel in unseren drei Themenwelten Sachbuch, Modernes Leben und Body, Mind & Spirit rasche Orientierung zu ermöglichen und für ihn die Bücher zu finden, die seine Kunden heute brauchen und morgen suchen werden.
Monika König

Ein gutes Cover macht nicht nur den Autor glücklich.

Verleger Georg Reuchlein mit Kolleginnen bei der Coverpräsentation

Da gilt es zum einen, dem Inhalt des Buches und den Vorstellungen des Autors gerecht zu werden. Aber auch die ästhetischen Maßstäbe jedes einzelnen kommen unweigerlich immer zum Tragen. Darüber hinaus muss zwischen dem Verlangen nach Innovation, nach dem noch nie Gesehenen einerseits und der Sehnsucht nach dem Bewährten, nach der Orientierung an vertrauten Wahrnehmungsgewohnheiten andererseits vermittelt werden. Und vor allem sind natürlich die Erwartungen und Präferenzen der unterschiedlichen Zielgruppen zu berücksichtigen: des Buchhandels ebenso wie der Medien und, vor allem, der Leser. Ein gutes Cover macht den Autor glücklich, weil es das Bild trifft, das er beim Schreiben vor sich hatte. Ein gutes Cover gibt zugleich dem Autor, dem Buch und dem Verlag ein jeweils unverwechselbares Gesicht. und es dient in der Buchhandlung als Blickfang und bietet den Lesern Orientierung. Eine schier unmögliche Quadratur des Kreises, an der Kollegen aus allen Abteilungen des Verlages – aus Lektorat, Vertrieb, Werbung, Presse und Herstellung – gemeinsam arbeiten: Autor für Autor, Buch für Buch, Programm für Programm.