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Miroslav Nemec in seinem ersten Fall - Interview - Hörbuch - Hörverlag

Hörbuch-Sprecher im Interview: Miroslav Nemec


© Katrin Nemec

Miroslav Nemec, 1954 in Zagreb geboren, kam mit zwölf Jahren nach Deutschland und ist Schauspieler und zugleich ausgebildeter Fachlehrer für Musik. Von 1981 bis 1986 war er festes Ensemblemitglied am Münchner Residenztheater. Schon damals arbeitete er immer wieder fürs Fernsehen. Die großen Erfolge kamen allerdings erst mit den Krimiserien Tatort, Derrick und Der Alte. 1997 und 2001 wurden er und sein Kommissarkollege Udo Wachtveitl mit dem Goldenen Löwen und dem Bayerischen Filmpreis als beste Darsteller ausgezeichnet, 2011 erhielt Miroslav Nemec den Adolf-Grimme-Preis sowie den Bayerischen Verdienstorden.
Anlässlich seiner Lesung seines Krimi-Debüts Die Toten von der Falkneralm haben wir Miroslav Nemec im Studio besucht:

Miro Nemec oder Ivo Batic – der Schauspieler (der Privatmann) oder der Tatort-Kommissar … um wen geht es denn eigentlich in Ihrem Debütkrimi?

Es geht eigentlich um mich als Privatperson. Und diese Grundidee war das Ausschlaggebende, es überhaupt zu machen, nämlich: Miroslav Nemec, ich, fahre zu einer Lesung. Diese Lesung ist diesmal etwas glamouröser, in einem Hotel. Es gibt solche Anfragen, wo dann geschlossene Gesellschaft ist; das Hotel macht ein bisschen „in Kultur“ und ein bisschen „in Promi-Einladung“, da kann auch Reinhold Messner mal kommen oder wie bei mir eben ein Koch oder ein Bekannter. Das Hotel macht sozusagen ein Event, ich als Miroslav Nemec komme da hin und da passiert jetzt etwas. Das war genau die Idee, dass ich als Ich sozusagen in eine Situation gerate, in die normalerweise nur der Ivo Batic gerät, nämlich: wo es einen oder zwei oder mehr Tote gibt. Das ist ja nicht mein Metier. Die Leute kennen mich aber häufig als Batic, und die Verwechslung mit dem Beruf passiert auch in diesem Roman.

Eigentlich treibt Ihr Roman diese Verwechslung noch auf die Spitze …

Ja, das ist ja das Schöne daran, dass man sozusagen die zwei Leben vermengt, vermischt. Es passiert oft, dass man mich als „Ah, der Herr Kommissar!“ oder „Herr Batic“ anspricht. Aber auch „Herr Nemec“ natürlich – man kennt mich ja mittlerweile auch mit richtigem Namen. Trotzdem passieren Dinge wie: „Bitte nicht verhaften!“ oder „Ich hab nichts getan!“ oder „Wo ist denn die Leiche?“ Das passiert fast täglich, wenn man unterwegs ist in der Stadt, im Laden, in der Eisenbahn, im Flugzeug, am Flughafen, es passiert einfach. Und genau das nutzen wir für diese Geschichte und für diesen Krimi.

Im Buch schreiben Sie aber auch offen über Ihr Unwohlsein als bekanntes Gesicht in der Öffentlichkeit …

Ja, das ist dann auch sehr schwierig zu lesen, weil man ja sehr nah an sich selbst dran ist. Beim Einlesen ist es doch etwas sehr Persönliches. Andererseits versuche ich ja auch, den Menschen dadurch zu vermitteln, wie meine persönliche Befindlichkeit in diesem Zusammenhang oft ist: Dass ich eben dreimal fünf oder sechs Wochen im Jahr mit dieser Figur zu tun habe, ansonsten aber eine Privatperson bin. – Ich habe ja auch eine Biografie geschrieben, mit der ich auftrete, daraus lese, mit Klavier und Gitarre auch dazu singe, Sachen vertont habe und Geschichten aus meiner Vergangenheit erzähle. Auch da bin ich an mir dran, aber da bin ich die Person, die eben hinter dem Batic steht. Und der Abend heißt dann auch „Der Nemec hinter dem Batic“ – nicht umgekehrt. In dem Roman versuche ich, das auch zu nutzen, und die Leute sollen auch ein bisschen was von mir persönlich und von meiner Befindlichkeit kennenlernen.

Also: „Der Nemec vor dem Batic“. – Andererseits kommen Sie an Ihrer Nettigkeit einfach nicht vorbei. Sie schreiben, Sie persönlich glaubten an das Gute im Menschen – ganz im Gegensatz zu Ihrem misstrauischen Alter-Ego-Kommissar.

Ich denke, der Batic ist ein Gerechtigkeitsfanatiker, ganz sicher. Er ist nicht notwendigerweise ein freundlicher Mensch – er muss es ja auch nicht sein, er muss ja seinen Beruf ausüben. Ich, als Schauspieler, der in der Öffentlichkeit steht, habe eine gewisse Verpflichtung, für die Leute, mit denen ich umgehe, auch angenehm und kompatibel zu sein. Das will ich auch sein. Ich bin auch viel freundlicher als der Batic. Also der Nemec ist ein freundlicher und lebensbejahender Mensch. Und Batic bleibt einfach eine Rolle, das darf ja auch so sein. Aber hier kommt mein Naturell mehr zum Tragen – das wird man sicher im Buch entdecken, und es ist mir auch ein Anliegen, dass man mich als Person vielleicht mal neu entdeckt.

Ganz ehrlich: Haben Sie das Drehbuch zu Ihrem Roman gleich mitgeschrieben oder mitgedacht?

Ja genau, das habe ich natürlich überlegt. Ich werde auf alle Fälle an der Sache dranbleiben, denn das wäre ein schöner Neunzigminüter für mich, in dem ich mich selbst spiele. Das ist ja doppel-moppel, wie soll man sich selbst spielen, man kann ja nicht spielen, man muss es sein! So wie ich jetzt bin zum Beispiel: Auch jetzt erzähle ich ja ein bisschen für die Kamera … Da müsste es dann eigentlich so sein, dass die Kamera ganz weg ist, wenn ich so bin, wie ich bin. Das wäre in diesem Roman, wenn man ihn filmisch umsetzt, möglich. Das würde mich sehr reizen.

Der Roman spiegelt es wider: Sie haben enorm viele Zitate auf Lager, aber auch Erinnerungen aus Ihrer Vergangenheit. Sie scheinen erstens ein gutes Gedächtnis zu haben und zweitens eine unheimlich gute Beobachtungsgabe oder auch Beobachtungslust.

Das mit den Zitaten ist auch etwas, mit dem ich mich selber auf den Arm nehme, weil ich nicht nur andere, auch mich selbst genau beobachte. Ein Schauspieler muss sich selbst auch reflektieren. Das heißt, er muss sich auch unter Kontrolle haben, damit er weiß, wenn er etwas tut, welche Wirkung es erzielt. Das ist ja sozusagen mein Beruf. In dem Fall, im Roman, nehme ich mich aber auch auf den Arm, weil ich weiß, dass ich in Gesellschaft oft an falscher Stelle mal einen Witz mache und die Leute etwas irritiert sind, wenn sie mich nicht kennen, dass ich forsch bin, vorauseilend, manchmal laut, manchmal einfach so der Miro bin, wie andere mich kennen … Die Kopfarbeit ist täglich vorhanden. Die muss ja da sein, man muss immer auswendig lernen. Texte, die von früher noch abzurufen sind, die am Theater stattgefunden haben, sind ja im Langzeitgedächtnis. Dieses Kurzzeitgedächtnis für Dreharbeiten, da gibt es Texte, die werden nur für diese Zeit benutzt, zum Beispiel beim „Tatort“, und dann vergesse ich sie wieder. Aber Zitate von früher, aus der Literatur oder aus Theaterstücken, die bleiben einem haften und ich habe die Tendenz, sie dann auch immer zu zitieren. Das mache ich auch in diesem Buch.

Sie lesen Ihren Erstling selbst. Haben Sie von vornherein gesagt: „Keine Frage, das kann ich!“ oder eher „Puh, eine Herausforderung!“?

Beides habe ich gesagt: „ Ich kann's“ und „Es ist eine Herausforderung“. Ich habe ja schon „Fremdtexte“ eingelesen … Dass ich meinen Roman selbst einlesen muss, ist eigentlich auch klar, zumal es eine Geschichte ist, die von mir selbst, von Miroslav Nemec berichtet und erzählt. Eine Herausforderung bleibt es immer, egal was man liest, weil man sich wirklich sehr gut vorbereiten muss. Hier ist es nochmal zusätzlich eine Herausforderung, weil ich, wie gesagt, ich selbst bin, und ich muss mich selbst sprechen oder die Gedanken, die ich habe, aussprechen. Da ist keine Distanz mehr, hier bin ich direkt involviert. Viele Sätze sind dann sehr nah an mir dran und ich muss aufpassen, wie ich sie spreche, wie ich sie sage: Wenn ich mich auf den Arm nehme, dass ich ein eitler Blödmann bin und dass ich so reagiere, wenn man so etwas sagt über sich selbst, mit sich selbst, muss es zwar eine gewisse Ironie haben, aber es darf keine zu große Distanz haben. Es muss ja mit einem selbst zu tun haben. Das kommt hier häufig vor und ist tatsächlich eine neue Herausforderung gewesen, ja.

Eine schwierige Frage: Welche Stimme gibt man sich selbst?

Gestalten. Man muss es gestalten, das ist klar. Aber das ist eben diese Gratwanderung: Als Schauspieler darf man ja nicht als Schauspieler erkennbar sein. Man muss zwar die Mittel und das handwerkliche Rüstzeug dafür haben, aber man darf es nicht zu sehr ausstellen. Man muss es aber nutzen, es muss vorhanden sein. Und die Gestaltungsmöglichkeit muss auch vorhanden sein, das ist ganz klar. Es gibt ja unterschiedliche Figuren, die man stimmlich ein bisschen absetzt: Da komme ich selbst als Sprecher vor, so wie ich jetzt spreche, und es gibt noch die Erzählform, die dann vielleicht eine gewisse Distanz hat zu dem, was man erzählt. Wie wenn ich etwas erzählen würde über eine Geschichte, und das bin nicht ich, aber ich erzähle eine Geschichte als Ich. Es muss etwas mit mir zu tun haben, andererseits muss es trotzdem ein bisschen eine überhöhte Form haben.

Und wie fühlt sich das an? Gut?

Ganz schön interessant! [Lacht.] Ja, es war diesmal tatsächlich etwas anderes als die anderen Romane, die ich eingelesen habe, von anderen Autoren.

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Miroslav Nemec

Die Toten von der Falkneralm

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