Der Verein der Linkshänder von Håkan Nesser

Die beliebten Ermittler Van Veeteren und Barbarotti feiern ihr Comeback

Kommissar Van Veeteren - mittlerweile im Ruhestand - bereitet sich darauf vor, seinen 75. Geburtstag zu feiern, als ein früherer Kollege auftaucht, um ihn von einem alten Fall zu berichten. Damals waren in Oosterby vier Menschen ums Leben gekommen, die dem "Verein der Linkshänder" angehörten. Da das fünfte Mitglied des Vereins verschwunden war, wurde der Mann schnell als Täter identifiziert, aber niemals gefunden. Nun ist nach Jahren seine Leiche aufgetaucht, offensichtlich zur selben Zeit ermordet wie die anderen. Van Veeteren und seine Kollegen haben damals versagt, der Mörder ist weiter auf freiem Fuß. Bald danach wird eine weitere Männerleiche gefunden - mit den Ermittlungen hier betraut: ein gewisser Inspektor Barbarotti ...

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1957–58. Oosterby und Umgebung

Marten Winckelstroop wuchs mit zwei Makeln auf.
Er hatte keinen Vater, und er war Linkshänder.
Dass er vaterlos war, wurde ihm früh bewusst. Wahrscheinlich im Alter von etwa drei Jahren, denn zu dieser Zeit begann seine
Mutter, Louise Henriette Winckelstroop, dem Schädel ihres
eingeborenen Sohns die Grundvoraussetzungen des Lebens einzubläuen. Zum Beispiel, dass Gestalten, die gern in langer Hose und Hut oder Mütze herumstolzierten – und die sich zuweilen mit Bart und Schnäuzer schmückten, weil sie zu faul waren, sich zu
rasieren –, bei Familie Winckelstroop nicht die geringste Chance hatten.
So viel dazu.
Dass dieser Mangel an Mannsbildern ein Makel sein könnte, kam allerdings keinem der beiden jemals in den Sinn. Nicht einmal
ansatzweise. Männer, alte wie junge, waren – abgesehen natürlich vom kleinen Marten selbst – ein Elend und eine missratene
Erfindung, so idiotisch war die Welt eingerichtet. Sie mochten eventuell für gewisse Arten schwerer körperlicher Arbeit und zur
Säuberung verstopfter Abflüsse taugen – sowie für etwas anderes, aber um darauf einzugehen, war es noch zu früh. Aber das war auch schon alles, buchstäblich alles.
Dass die linke Hand des kleinen Marten sich so viel besser zu allen Arten des Herumfingerns eignete, angefangen beim Rotz und von dort in die Welt hinaus, wusste er auf eine halb unbewusste Weise bereits in sehr jungen Jahren, aber erst, als er sieben Jahre und ein paar Monate alt war, wurde er darauf aufmerksam gemacht, wie widernatürlich es war. An einem sonnigen Herbsttag im Jahre des Herrn 1957, der mit einer sanften Brise vom Meer einherging, wurde er nämlich zusammen mit den übrigen zitternden, aber sorgsam gekämmten Siebenjährigen der Obhut und Aufsicht von Lehrerin Bolster in der Volksschule Oosterby unterstellt. Womit die Kleine Schule gemeint war; es gab auch eine Große Schule, auf demselben großzügig bemesse-nen Grundstück zwischen
Feuerwache und Kirche gelegen, allerdings hinter einer Hecke der
Marke Liguster.
Es war aus Backsteinen, dieses kleine Schulgebäude, beherbergte vier Klassenzimmer und einen Werkraum sowie die Wohnungen von Lehrerin Bolster und Lehrer Klitschke unter dem Dach. Ein paar Jahre zuvor hatte die Kleine Schule den fünfundsiebzigsten Jahrestag ihrer Gründung gefeiert. Die Große Schule war zwei
Jahre jünger, aber wie alt Frau Bolster war,
wusste keiner so genau. Viele meinten, sie sei sicher von Anfang an dabei gewesen.
Vielleicht war auch sie aus Backsteinen gefertigt worden, aus dem, was übrig geblieben war, nachdem die beiden Schulhäuser
errichtet worden waren, der Gedanke erschien einem
nicht abwegig.
Jedenfalls gehörte sie zu einem alten, gestählten Stamm, diese Margarete Bolster. Sie hatte nicht nur alle älteren Geschwister der zitternden Schar erzogen, sondern in den meisten Fällen auch
deren Eltern. Wenn es in dieser veränderlichen Welt etwas gab, was man nicht in Frage stellte, dann war es Lehrerin Bolster.
Und man sollte kein Linkshänder sein.
Auf gar keinen Fall.

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Håkan Nesser
© Caroline Andersson

Ein begnadeter Krimiautor!

Håkan Nesser, geboren 1950, ist einer der beliebtesten Schriftsteller Schwedens – und verfügt mittlerweile auch in Deutschland über eine riesige Fangemeinde.Für seine Kriminalromane um Kommissar Van Veeteren und Inspektor Barbarotti erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, sie sind in über zwanzig Sprachen übersetzt. Daneben schreibt er Psychothriller, die in ihrer Intensität und atmosphärischen Dichte an die besten Bücher von Georges Simenon und Patricia Highsmith erinnern. „Kim Novak badetet nie im See von Genezareth“ oder „Und Piccadilly Circus liegt nicht in Kumla“ gelten inzwischen als Klassiker in Schweden und werden als Schullektüre eingesetzt. Håkan Nesser lebt abwechselnd in Stockholm und auf Gotland.

Dietmar Bär
© Uwe Tölle

"Ich lese Nesser, weil Håkans Geschichten sind wie er: ironisch, warm intelligent."

Dietmar Bär, geboren 1961, entdeckte sein Interesse für die Schauspielerei bereits in der Schule und ging nach dem Abitur zur Ausbildung an die Westfälische Schauspielschule Bochum. Ab Mitte der 80er Jahre war er zunehmend in Fernsehrollen zu sehen, blieb dem Theater jedoch stets treu. Als Partner von Willy Millowitsch stand er in den Klefisch-Krimis des WDR vor der Kamera, von 1990 bis 1992 ermittelte er in der Vorabendserie "Blank Meier Jensen". Als Kommissar Freddy Schenk ist er seit 1997 im Kölner "Tatort" in über 70 Fällen im Einsatz und wurde 2000 gemeinsam mit Klaus J. Behrendt mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet. 2012 wurde Dietmar Bär mit der Goldenen Kamera von HÖRZU als Bester deutscher Schauspieler geehrt. Im Hörbuch gilt Dietmar Bär seit Jahren als die Stimme von Håkan Nesser, so las er u. a. "Am Abend des Mordes" und "Himmel über London".

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