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SPECIAL zu Detlef Tiegel »Achtung Abzocke!«

"Der Verbraucher wird weiterhin der sein, der die Zeche zahlen muss."

Inteview mit Detlef Tiegel

FRAGE: Herr Tiegel, was macht ein Call-Center-Agent? Ist es richtig, dass Sie Kunden, ohne dass diese vorher darum gebeten hätten, Produkte oder Dienstleistungen verkaufen? Mögen Sie Ihren Job?
Detlef Tiegel: Ein Call-Center-Agent verkauft Kunden jedes Produkt, das der Auftraggeber anbietet. In der Regel sind es Kunden, die man auch anrufen darf, da diese Kunden eine entsprechende Einwilligung gegeben haben. Menschen anzurufen, ohne dass diese vorher eine Einwilligung gegeben haben, ist nicht erlaubt, und das würde ich auch so nicht machen. Ich selbst mag diesen Job als Call-Center-Agent, auch wenn ich gerade nicht für ein Call-Center tätig bin, doch würde ich, wenn die Voraussetzungen stimmen, auch direkt wieder einsteigen.

Sie haben mit der Aufdeckung eines Datenskandals in einem Lübecker Call-Center für Furore in den Medien gesorgt. Was waren das für Daten – und was war an diesem Missbrauch so besonders schlimm, bzw. unseriös?
Detlef Tiegel: Normale Daten beinhalten nur die Anrede, Name, Adresse und Telefonnummer. Bei den Daten, die ich dem Verbraucherschutz zukommen ließ, waren auch die Bankdaten komplett dabei. Bankdaten haben jedoch im Call-Center nichts zu suchen, außer das Call-Center arbeitet direkt für eine Bank. Wenn man die Bankdaten besitzt, kann man jedem Kunden einfach einen Vertrag unterjubeln und so illegal Geld vom Konto abbuchen.

Ist die Firma, deren unsaubere Praktiken Sie offen gelegt haben, eigentlich bestraft worden?
Detlef Tiegel: Gegen die Firma wurde oder wird noch ermittelt, den genauen Stand kenne ich nicht.

Sie waren eine Zeit arbeitslos, weil die Zeitarbeitsfirma Sie gekündigt hatte. Heute haben Sie wieder Arbeit – immer noch im Call-Center? Was machen Sie dort? Hat sich durch den Datenskandal Ihre Einstellung zu Ihrem Job geändert?
Detlef Tiegel: Jetzt arbeite ich wieder, ich war nur drei Monate arbeitslos und habe dann auch gleich wieder eine Einstellung im Call-Center bekommen, das Unternehmen wusste auch, wen sie einstellen und hatten damit auch keine Probleme. Nach ca. fünf Monaten habe ich gekündigt, da ich ein anderes Angebot bekommen habe, wo ich auch heute noch bin. Mittlerweile auch als Shopleiter in Vollzeit für ein Telekommunikationsunternehmen.

Wie viele Daten sind denn von einem Durchschnittsbürger in Umlauf, wo hinterlassen wir Spuren, ohne es zu wissen?
Detlef Tiegel: Wie viele Daten genau im Umlauf sind, kann wohl leider keiner sagen, doch denke ich mal, dass es sich um einen mehrstelligen Millionenbereich handelt. Jeder Bürger hinterlässt
überall seine Daten, im Internet bei der Anmeldung auf einer Seite, beim Bezahlen mit der Kreditkarte, Online-Banking usw. Besonders fatal ist es, sich Kontoauszüge zu holen und diese dann arglos in den Müll zu schmeißen. Auch das einfache Surfen auf Internetseiten (Google und Co.) hinterlässt Spuren, dies kann man daran erkennen, dass meistens Werbung eingeblendet wird, die aus der Region kommt.

Heute liest man fast täglich von Datenmissbrauch. Sollten wir das Online-Banking sein lassen, Kundenkarten grundsätzlich ablehnen, auf die Kreditkarte als Zahlungsmittel verzichten – und nicht mehr ans Telefon gehen, weil ein Call-Center-Agent dran sein könnte? Welche Daten sind besonders sensibel – und wie kann man sich vor Missbrauch schützen?
Detlef Tiegel: NEIN , man sollte nur etwas sorgsamer mit seinen Daten umgehen und sich nicht gleich auf jeder Seite anmelden und/oder bei jedem Gewinnspiel teilnehmen. Bei jedem Telefonat, in dem man um persönliche Daten gebeten wird, sollte man fragen, ob diese Daten tatsächlich benötigt werden – und dann auch wirklich nur das an Informationen rausgeben, was man für sich verantworten kann. Nur so kann man sich selber schützen und es den Datensammlern schwer machen.

Seit Mai 2009 gelten neue, verschärfte Gesetze zum Thema Verbraucher-Telefonwerbung. Ist damit den unseriösen und unlauteren Geschäftspraktiken der Call Center ein Riegel vorgeschoben? Ist der Verbraucher jetzt geschützt – und Ihre Mission erfüllt?
Detlef Tiegel: Leider helfen die neuen Gesetze nicht wirklich, da die schwarzen Schafe nicht mehr aus Deutschland, sondern aus dem Ausland agieren, dort gelten unsere Gesetze nicht und somit bleibt fast alles beim Alten. Der Verbraucher wird weiterhin der sein, der die Zeche am Ende zahlen muss. Ich selber hatte nie eine Mission gehabt, denn es hat sich alles so ergeben, doch werde ich weiter aktiv helfen, den Bürger aufzuklären.

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