Württemberg 1605. Elisabeth lebt mit ihren Eltern in einem kleinen Dorf, harte Arbeit bestimmt ihr Leben. Als sie 17 Jahre alt ist, begegnet sie dem charismatischen Frédéric und lässt sich auf ihn ein. Doch Frédéric ist nicht, wer er vorgibt zu sein. Als Elisabeth unerwartet schwanger wird, will er nur noch eins: sie um jeden Preis loswerden. Und so findet Elisabeth sich plötzlich als Gefangene in einem Freudenhaus wieder. Erst als sie den Alchemisten Johannes Keilholz kennenlernt, scheint es Hoffnung zu geben. Denn durch ihn trifft sie jemanden, dem sie mehr wert ist als alles Gold der Welt …

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Stuttgart 1606
Als der Morgen dämmerte, flammten Rottöne am Horizont auf. Es schien, als ob der Himmel brannte. Ein Hahn krähte. Vogelgezwitscher antwortete. Je heller es wurde, desto kräf-tiger erklangen die Stimmen in den Gassen, die zuvor geflüs-tert hatten. Als die Sonne aufstieg, brach sich ihr Licht in den Fensterscheiben der Häuser und brachte sie zum Leuchten. Ein neuer Tag war angebrochen. »Es hätte einer dieser schönen Tage werden können! Doch nun wird er zu einem verdammten Tag«, murmelte Johannes Keilholz, der mit hängenden Schultern durch die Gitterstäbe starrte. »Der Tag kann nichts für sein Schicksal«, erwiderte Frédéric Thiery und trat neben ihn ans Fenster. Beide sahen hinüber zum Schlossplatz von Stuttgart, in dessen Mitte ein Eisengalgen zu erkennen war, den man mit Blattgold verklei-det hatte. Im Glanz des Goldes brach sich das Sonnenlicht. Daneben stand ein zweiter Galgen, an dem ein mit Flitter-gold überzogener Strick angebracht war. Auf einer Tafel da-vor stand geschrieben:
Ich war zwar, wie Merkur wird fix gemacht, bedacht, doch hat sich’s umgekehrt, und ich bin fix gemacht.
Das war die Botschaft für die Zuschauer, dass ein Alche-mist versagt hatte und gehängt werden sollte.
Als Thiery sich zu Keilholz umdrehte, erkannte er die Verbitterung im Blick des Mannes. »Ihr könnt es nicht ändern«, meinte er leise und fragte: »Seid Ihr bereit, Herr Keil-holz?« »Kann man dafür jemals bereit sein?«, erwiderte der Alchemist niedergeschlagen.

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»Die Farbe des Goldes«

5 Fragen an Deana Zinßmeister zu ihrem neuen Roman

In Ihren historischen Romanen entführen Sie die Leserinnen und Leser regelmäßig in ferne Zeiten. Wohin nehmen Sie uns in Ihrem neuen Roman, »Die Farbe des Goldes«, mit?
Ich entführe die Leserinnen und Leser in die Jahre 1605 und 1606. Mein Roman spielt größtenteils in Stuttgart und in dem Ort Montbéliard (deutsch Mömpelgard), der wegen seiner Vergangenheit zwar französisch geprägt war, aber wie Stuttgart zum damaligen Herzogtum Württemberg gehörte.

Wie haben Sie für den Roman recherchiert? Wo findet man Quellen aus den Anfängen des 17. Jahrhundert, auf die man sich beziehen kann? Gibt es Historiker, mit denen Sie sich beraten?
Herr Professor Dr. Johannes Dillinger mit Lehrstuhl in Oxford berät mich seit meinem Roman Das Hexenmal über die jeweiligen historischen Ereignisse, die in meinen Geschichten Bedeutung haben. So auch bei Die Farbe des Goldes, dessen großes historisches Thema die Alchemie ist, der Friedrich I von Württemberg verfallen war. Dank Dillinger konnte ich das Leben und Wirken des Herzogs so detailliert wie möglich beschreiben. Um die Alchemie in ihrer Bedeutung der damaligen Zeit darzustellen, habe ich Fachleute interviewt und zahlreiche Fachbücher gelesen.
Damit ich mich mental in die Epoche meiner Romane versetzen kann, ist es für mich wichtig die Städte, die Gebäude, die Dörfer und die Landschaft zu besichtigen, in denen sich meine Romanfiguren bewegen. Für Die Farbe des Goldes bin ich nach Stuttgart und Montbéliard gereist, um die Städte näher kennenzulernen. Ich bin durch die Straßen gegangen und habe die umliegende Landschaft erkundet – genauso wie es Elisabeth und Frédéric in meinem Roman getan haben. Durch das Selbsterleben entsteht dieses Schmecken, Fühlen und Sehen, was mir kein Gemälde, keine Fotografie vermittelt, was nur vor Ort so intensiv ist, dass ich es den Leserinnen und Lesern bildhaft beschreiben kann.

Auch wenn der Roman in der frühen Neuzeit spielt, ist die Rolle der Frau in der Gesellschaft durchaus ein wichtiges Thema in »Die Farbe des Goldes«. Was waren die besonderen Herausforderungen für Frauen in dieser Zeit?
Meine Romane handeln vom einfachen Volk, das meist ungebildet und nur selten über die Dorfgrenze hinausgekommen ist. Frauen hatten Pflichten, aber keine Rechte. Ihre Aufgabe war es Kinder zu gebären, sich um die Familie, Haushalt und um die Arbeit auf dem Hof zu kümmern. Diese Zeit war geprägt von Hunger, Elend, Armut und Krankheiten. Meine Protagonistin Elisabeth will ihrem Schicksal entfliehen – erst recht als sie von den Plänen ihres Vaters erfährt. Deshalb vertraut sie einem Fremden, der ihr Zuneigung vorgaukelt, um das von ihr zu bekommen, was er will. Doch statt ein sorgenfreies Leben zu führen, landet sie in der Hölle. Elisabeths Naivität ist ihrem Unwissen und dem Wunsch nach einer besseren Zukunft geschuldet.

Alchemie ist ebenfalls ein ganz zentrales Thema in »Die Farbe des Goldes«. Was hat es mit den Alchimisten auf sich?
Über Jahrhunderte hinweg versuchten Alchemisten, den Stein der Weisen zu finden, da man mit seiner Hilfe angeblich aus unedlen Metallen Gold herstellen konnte. Manche Landesfürsten unterhielten sogar mehrere Laboratorien in denen zahlreiche Wissenschaftler nach seinem Geheimnis forschten. Allerdings gab es unter den ihnen auch einige Scharlatane, die die Gier der Fürsten zu ihren Zwecken ausnutzten. Auch davon handelt mein Roman, denn ihr Schicksal war besonders, wenn die Herrscher hinter ihren Betrug kamen.

Im Roman begegnen wir dem Alchimisten Johannes Keilholz. Gibt es für diese Figur ein historisches Vorbild?
Die Figur und somit das Leben von Johannes Keilholz sind frei erfunden. Jedoch habe ich sein Wirken, sein Wissen, und seine Fähigkeiten dem Schaffen historisch überlieferter Alchemisten nachempfunden.

Deana Zinßmeister
© M.Jungen

Deana Zinßmeister

Deana Zinßmeister widmet sich seit einigen Jahren ganz dem Schreiben historischer Romane. Bei ihren Recherchen wird sie von führenden Fachleuten unterstützt, und für ihren Bestseller »Das Hexenmal« ist sie sogar den Fluchtweg ihrer Protagonisten selbst abgewandert. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern im Saarland.

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