„Elena hatte in einem fremden Land Zuflucht gesucht und nur ein nasses Grab gefunden. Und niemanden kümmerte es. Hulda wusste, wenn sie diese letzte Gelegenheit, dem Rätsel auf den Grund zu gehen, nicht ergriff, würde sich nie wieder jemand die Mühe machen, und Elenas Geschichte geriete in Vergessenheit. Sie würde einfach das Mädchen bleiben, das nach Island gekommen und gestorben war.“

Band 1: DUNKEL von Ragnar Jónasson

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Hulda Hermannsdóttir, Kommissarin bei der Polizei Reykjavík, soll frühzeitig in Ruhestand gehen, um Platz für einen jüngeren Kollegen zu machen. Sie darf sich einen letzten Fall, einen cold case, aussuchen – und sie weiß sofort, für welchen sie sich entscheidet. Der Tod einer jungen Frau wirft während der Ermittlungen düstere Rätsel auf, und die Zeit, um endlich die Wahrheit ans Licht zu bringen, rennt. Eine Wahrheit, für die Hulda ihr eigenes Leben riskiert …

»Dieses Buch hat mir wirklich den Atem geraubt. Hulda ist eine fantastische, komplexe Figur, und ich möchte mehr von ihr lesen!« - Ian Rankin

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Düstere Spannung im Hörbuch mit mit Katja Bürkle:

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Leserstimmen

Spannung bis zum Schluss

Von: Tatjana
07.07.2020

Ich habe mich sehr darüber gefreut Testleser sein zu dürfen. Eine Hauptdarstellerin, Kommissarin Hulda, die mal ganz anders ist, eine Frau die ihr Päckchen zu tragen hat, kurz vor der Pensionierung . Mit den Sorgen und Problemen wenn man ausgemustert wird. Ihr letzter Fall hat es aber in Sicht Selbstmord oder Mord?
Sie selbst wirkt manchmal schusselig, rein gar nicht wie eine erfahrene Kommissarin. Ihre Person steht im Vordergrund der Geschichte, was sie sehr nahbar macht. Der eigentliche Kriminalfall, der Tot einer jungen Frau, wird aber nie aus den Augen verloren. Die erste Hälfte des Buches ist etwas langatmig, aber das schadet der Geschichte nicht, es liest sich trotzdem sehr flüssig. Es ist sicher ganz anders als erwartet, was ich persönlich sehr erfrischend finde, wenn man viele Krimis und Thriller liest, hat man irgendwann einfach "alles" gelesen. Das trifft nicht auf dieses Buch zu. Für mich ganz klar das ich die beiden anderen auch lesen muss.
Fazit:Spannend, realistisch,unterhaltsam sympathisch... Mehr davon!

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Kommissarin kämpft mit ihrer Vergangenheit

Von: Peterin
06.07.2020

Leider habe ich mir von dem Buch mehr versprochen - es hat mich einfach nicht gepackt, was ich sehr schade finde. Das lag nicht so sehr an dem Kriminalfall an sich, sondern daran, dass ich mit der Hauptcharaktere Hulda überhaupt nicht warm geworden bin und ihre Vergangenheit mehr das Hauptthema des Buches war als der Kriminalfall an sich.
Zudem hat es mich gestört, dass der eine Handlungsstrang, bei dem es um eine Mutter und ihre Tochter geht, nie von vorne herein offensichtlich war. Warum hat man der Mutter nicht einen Namen gegeben und über den Absatz dieses Handlungsstrangs geschrieben? Der dritte Handlungsstrang war dann, ein Glück, kursiv geschrieben, so dass dies offensichtlich war.
Das Ende hat dann aber doch sehr überrascht - damit hätte ich wirklich nicht gerechnet. Allerdings frägt man sich dann, warum man das Ende als Teil 1 der Triologie festgelegt hat und es in Teil 2 und 3 die Jahre davor in Angriff nimmt. Ob dafür die Neugier der Leser ausreicht?
Bezüglich des Schreibstils muss ich sagen, dass dieser angenehm und flüssig zu lesen war. Dafür Daumen hoch.

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Lernen Sie Islands einsamste Kommissarin Hulda kennen...

Wie unter Schock taumelte Hulda zurück in ihr eigenes Büro. Sie fühlte sich, als wäre sie gefeuert worden, hochkant rausgeworfen, als ob all ihre Jahre im Polizeidienst nichts zählten. Das war eine vollkommen neue Erfahrung für sie. Und obwohl sie wusste, dass sie übertrieben reagierte, dass sie es nicht so auffassen sollte, konnte sie die Übelkeit, die in ihr hochstieg, nicht mehr hinunterschlucken.
Sie setzte sich an ihren Schreibtisch und starrte mit leerem Blick auf den Bildschirm, ohne auch nur die Energie aufzubringen, den Computer einzuschalten. Ihr Büro, das bis jetzt ihr zweites Zuhause gewesen war, kam ihr mit einem Mal fremd vor, als hätte der Neue es bereits in Beschlag genommen. Ihr alter Schreibtischstuhl fühlte sich unbequem an, der braune Schreibtisch sah antiquiert und abgenutzt aus, die Akten bedeuteten ihr nichts mehr. Die Vorstellung, auch nur einen Moment länger hierzubleiben, war unerträglich.
Sie brauchte etwas, um sich abzulenken. Und was könnte besser sein, als Magnús beim Wort zu nehmen und in ungelösten Fällen zu wühlen? Dabei musste Hulda in Wahrheit nicht mal überlegen: Es gab einen unaufgeklärten Todesfall, der förmlich danach schrie, ihn sich wieder vorzunehmen. Die damalige Ermittlung war von einem ihrer Kollegen durchgeführt worden – sie hatte den Verlauf nur aus der Ferne verfolgt –, doch das könnte sich nun als Vorteil erweisen, weil es sie in die Lage versetzte, die Indizien unvoreingenommen zu betrachten.
Der besagte Todesfall würde fast sicher ein Rätsel bleiben, sofern keine neuen Beweise auftauchten. Aber vielleicht erwies er sich auch als verkappter Segen, als unverhoffte Gelegenheit. Die Tote hatte niemanden gehabt, der für sie eingestanden war, doch für kurze Zeit – wie kurz auch immer – würde Hulda die Rolle ihrer Advokatin übernehmen. In zwei Wochen ließe sich eine Menge erreichen. Zwar machte sie sich keine echten Hoffnungen, den Fall zu lösen, aber sie hätte zumindest ein Ziel vor Augen. Sie war wild entschlossen, jeden einzelnen Tag im Büro zu erscheinen, bis dieser »junge Mann« kam, um sie zu vertreiben. Sie hätte sich natürlich auch beim Personalrat darüber beschweren können, wie mit ihr umgesprungen wurde, und darauf beharren, bis Ende des Jahres ihrem Dienst nachzugehen; doch um darüber nachzudenken, blieb ihr immer noch reichlich Zeit. Im Moment wollte sie ihre Energie auf etwas Positives richten.
Als Erstes rief sie die elektronischen Akten zu dem alten Fall auf, um sich die Details in Erinnerung zu rufen. Man hatte die Leiche der jungen Frau an einem dunklen Wintermorgen in einer felsigen Bucht am Vatnsleysuströnd gefunden, einem dünn besiedelten Küstenstreifen im Norden der Halbinsel Reykjanes etwa dreißig Kilometer südlich von Reykjavík. Hulda war nie in der Bucht gewesen, hatte nie einen Grund gehabt, dorthin zu fahren, kannte die Gegend jedoch, weil man auf dem Weg zum Flughafen dort vorbeikam. Es war ein öder, windgepeitschter Landstrich, die kargen Lavafelder boten kaum Schutz vor den Stürmen, die regelmäßig in südwestlicher Richtung vom Atlantik hereinfegten.
In den gut zwölf Monaten, die seit dem Leichenfund vergangen waren, war die öffentliche Erinnerung daran verblasst. Nicht dass er damals große mediale Beachtung gefunden hätte. Nach den üblichen Kurzmeldungen war der weiteren Entwicklung wenig Aufmerksamkeit geschenkt und der Fokus auf neuere Nachrichten gerichtet worden. Obwohl Island mit durchschnittlich zwei Morden pro Jahr, mitunter auch weniger, als eins der sichersten Länder der Welt galt, waren Unfalltode durchaus an der Tagesordnung; doch hiesige Journalisten sahen wenig Nutzen darin, darüber zu berichten.
Es war auch nicht die Gleichgültigkeit der Medien, die Hulda damals schon gestört hatte, es war vielmehr der Verdacht, dass der Kollege von der Kriminalpolizei, der in dem Fall ermittelt hatte, nachlässig gearbeitet hatte. Alexander. Sie hatte nie viel Vertrauen in seine Fähigkeiten gehabt. Ihrer Meinung nach war er weder besonders sorgfältig noch besonders intelligent und hielt sich nur durch eine Mischung aus Hartnäckigkeit und guten Beziehungen auf seinem Posten. In einer gerechteren Welt wäre sie in den höheren Rang befördert worden – sie wusste, dass sie klüger, gewissenhafter und erfahrener war als er –, trotzdem war sie auf ihrem Karriereweg stecken geblieben. In solchen Momenten hatte sie sich nicht gegen das nagende Gefühl der Verbitterung wehren können. Sie hätte alles dafür gegeben, über die Macht zu verfügen, einem Ermittler, der seinem Job offensichtlich nicht gewachsen war, den Fall zu entziehen.
Alexanders mangelndes Engagement bei der Ermittlung war bei den Teamsitzungen deutlich zutage getreten. In gelangweiltem Ton hatte er bemüht jedes Indiz präsentiert, das auf einen Unfalltod hindeutete. Auch sein Abschlussbericht war schlampig, wie Hulda jetzt feststellte. Er enthielt eine unbefriedigend kurze Zusammenfassung des Obduktionsberichts und schloss mit dem üblichen Vorbehalt, dass man bei einer aus dem Meer angespülten Leiche unmöglich feststellen könne, ob es eine Fremdeinwirkung gegeben habe. Kaum überraschend hatte die Ermittlung nie etwas Konkretes ergeben, und irgendwann war der Fall zugunsten anderer, »dringenderer« Fälle eingemottet worden. Hulda fragte sich unwillkürlich, ob man anders reagiert hätte, wenn die junge Frau Isländerin gewesen wäre. Jede Wette, dass man den Fall einem kompetenteren Kommissar übertragen hätte, weil von der Öffentlichkeit lautstark Ergebnisse verlangt worden wären.
Die Frau war zum Zeitpunkt ihres Todes siebenundzwanzig Jahre alt gewesen, so alt wie Hulda bei der Geburt ihrer Tochter. Erst siebenundzwanzig, in der Blüte des Lebens: viel zu jung, um Gegenstand einer Polizeiermittlung zu sein, geschweige denn zu einem ungelösten Fall zu werden, dessen Wiederaufnahme niemanden auch nur im Geringsten zu interessieren schien – außer Hulda.
Laut Obduktionsbericht war sie in Salzwasser ertrunken. Ihre Verletzungen deuteten auf eine vorangegangene Körperverletzung hin, aber die Frau konnte ebenso gut gestolpert, gefallen und bewusstlos ins Meer gestürzt sein.
Der Name des Opfers war Elena. Sie war Russin gewesen, hatte erst seit vier Monaten in Island gelebt und hier Asyl beantragt. Vielleicht lag es an der Schnelligkeit, mit der die meisten Elena vergessen hatten, warum es Hulda so schwerfiel, die Sache auf sich beruhen zu lassen. Elena hatte in einem fremden Land Zuflucht gesucht und nur ein nasses Grab gefunden. Und niemanden kümmerte es. Hulda wusste, wenn sie diese letzte Gelegenheit, dem Rätsel auf den Grund zu gehen, nicht ergriff, würde sich nie wieder jemand die Mühe machen, und Elenas Geschichte geriete in Vergessenheit. Sie würde einfach das Mädchen bleiben, das nach Island gekommen und gestorben war.

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Der Video-Trailer zum Buch

Band 2: INSEL von Ragnar Jónasson

Band 2: INSEL (erscheint am 13. Juli 2020)

Vier Freunde auf einer entlegenen Insel, aber nur drei kehren zurück.

Hulda Hermannsdóttir, Kommissarin bei der Polizei Reykjavík, ist auf dem Höhepunkt ihrer Karriere und wird zu einer abgelegenen Insel geschickt. Was ist dort in dem Haus geschehen, das von der Bevölkerung als das isolierteste Haus Islands bezeichnet wird? Huldas Ermittlungen kreuzen Vergangenheit und Gegenwart – und plötzlich ist sie einem Mörder auf der Spur, der möglicherweise nicht nur ein Leben auf dem Gewissen hat …

Ragnar Jónasson, 1976 in Reykjavík geboren, ist Mitglied der britischen Crime Writers‘ Association und Mitbegründer des »Iceland Noir«, dem Reykjavík International Crime Writing Festival.
Seine Bücher werden in 21 Sprachen in über 30 Ländern veröffentlicht und von Zeitungen wie der New York Times und Washington Post gefeiert.
Ragnar Jónasson lebt und arbeitet als Schriftsteller und Investmentbanker in der isländischen Hauptstadt. An der Universität Reykjavík lehrt er außerdem Rechtswissenschaften. Die preisgekrönte Hulda-Trilogie erscheint bei btb erstmals auf Deutsch.

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