Endlich wieder Elena Ferrante hören: Erleben Sie mit Eva Mattes das Hörbuch zum neuen Roman

»Das lügenhafte Leben der Erwachsenen«

Neues von der italienischen Bestsellerautorin der »Neapolitanischen Saga«: Elena Ferrante erzählt kraftvoll die Geschichte einer jungen Frau zwischen Familiengeheimnissen und dem Erwachsenwerden.

Neapel in den Neunzigerjahren: Die dreizehnjährige Giovanna ist Vorzeigetochter kultivierter Mittelschichtseltern und eine strebsame Schülerin. Doch plötzlich verändert sich alles, ihr Körper, ihre Stimmung, ihre schulische Leistung und ihr Verhältnis zu den Eltern. Zufällig stößt Giovanna auf ein großes Tabu: die Vergangenheit ihres Vaters, der aus einem ganz anderen Neapel stammt, einem leidenschaftlichen, vulgären Neapel. Die Geheimnisse, denen sie auf die Spur kommt, verstören Giovanna. Wem kann sie überhaupt noch trauen? Was soll ihr Halt geben? Oder ist sie selbst bereits unrettbar verwoben in dieses lügenhafte Leben der Erwachsenen?

Hören Sie rein in die mitreißende Lesung von Schauspielerin Eva Mattes – der Stimme Elena Ferrantes:

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Hier in das neue Buch von Elena Ferrante reinlesen

Eva Mattes
(c) Anita Back

»Wenn ein Buch wirklich stark ist, dann lebe ich mit den Figuren« – Eva Mattes

Live im Studio mit Eva Mattes

Eva Mattes gibt Elena Ferrante eine unverkennbare Stimme und zieht durch ihre Interpretation Ferrante-Fans mit jedem Hörbuch in ihren Bann.
Mit Roman Neumann, dem Regisseur der Hörbuch-Produktion, spricht sie im Studio-Interview unter anderem über das Besondere an »Das lügenhafte Leben der Erwachsenen«.



Roman Neumann
: Wir waren gerade zusammen im Ton-Studio, und Du hast den neuen Roman Das lügenhafte Leben der Erwachsenen von Elena Ferrante eingelesen. Woran hast Du Elena Ferrante wiedererkannt?

Eva Mattes: Eigentlich in ganz vielem. Alleine schon die Art, wie sie schreibt, ist gleich beziehungsweise sehr ähnlich geblieben wie in den anderen Büchern. Wie sehr sie in ihren Figuren lebt, und wie lebendig diese Figuren sind. Der neue Roman »Das lügenhafte Leben der Erwachsenen« spielt in Neapel. Es geht also wieder um Neapel, das sie – wie ich finde – sehr genau beschreibt. Selbst einzelne Straßenzüge, die Wege, die Giovanna, die Hauptfigur, das Mädchen, 13 Jahre alt, gehen soll. Wir lernen Neapel richtig kennen und könnten die Wege nachgehen, wenn wir dort wären. Und auch die unterschiedlichen sozialen Schichten in den verschiedenen Vierteln schildert sie wieder so detailliert wie in der Tetralogie. Die Temperamente der einzelnen Figuren sind wieder sehr konkret, sehr kräftig, zum Teil sehr ordinär – wirklich verschiedenartigste Figuren, bei denen man sich manchmal denkt: Um Gottes Willen, was sind das denn für Charaktere? Aber die kann man dann auch sehr »saftig« sprechen.

Du hast es schon angesprochen: Die Protagonistin ist, wenn wir sie kennenlernen, 13 Jahre jung. Wir erleben drei Jahre ihres Lebens mit. Wenn Du Dich an deine eigene Lebenszeit erinnerst: Erkennst Du Parallelen zwischen der Hauptfigur und Dir und, wenn ja, welche? Gibt es zeitlose Themen in diesem Buch?

Ja, das kann ich schon, denke ich. Es geht um die Pubertät, und das ist ein zeitloses Thema, das jeden Menschen, der so lange lebt, betrifft. Wir alle pubertieren. Giovanna tut das sehr stark oder so, wie auch ich es ein bisschen erlebt habe. Du stellst in der Pubertät das Leben deiner Eltern in Frage. Giovanna macht das sehr intensiv und sie hat auch allen Grund dazu. Weil sie, wie der Titel schon sagt, immer mehr merkt, wie sehr ihre Eltern lügen. Sie leben ihr etwas vor, was nicht wahr ist, weil dahinter ganz viel Lüge steckt. Das findet sie allmählich heraus – unter Schmerzen natürlich. Es ist immer ein schmerzhafter Vorgang, wenn man eine Wahrheit entdeckt und eine Illusion zerstört wird. Das ist meiner Meinung nach das Hauptthema dieses Buchs. Und der Katholizismus spielt eine große Rolle, also von wegen Moral. Da gibt es die Figuren, die diesen Katholizismus vertreten oder zumindest die Ansicht, dass man als Mädchen Jungfrau bleiben soll bis man verheiratet ist. Das ist ein ganz starkes Motiv. Die Eltern, die sich ganz anders verhalten, die ihr ein Leben vorspielen, das sie in Wirklichkeit nicht leben, sondern dahinter ein heimliches, verlogen und geheim. Elena Ferrante ist ja nicht moralisierend, aber es geht natürlich um Moral. Die Eltern sagen: Du darfst nicht lügen, und selbst lügen sie. Das ist ein Vergehen und das ist unmoralisch.

Warum gelingt es Dir so gut, einer jungen literarischen Figur wie Giovanna eine derart tolle Stimme zu verleihen? Wie baust Du eine so starke Beziehung zu dieser Figur auf?


Ich lasse mich einfach darauf ein. Ich lebe dann da darin. Lebe mit den Figuren. Wenn ein Buch wirklich stark ist, dann lebe ich mit den Figuren. Selbst wenn ich es nicht als Hörbuch spreche. Selbst wenn ich die Figuren sprachlich nicht so entwickle, sondern nur für mich lese. Das ist schwer zu beschreiben. Ich lese für mich ja nicht laut, sondern das erste Mal im Studio. Ich lese die Bücher dreimal vorher, um genau da in diesen Emotionen zu sein, in den Gefühlen, die die Hauptfigur vor allem hat, aber auch die anderen Charaktere. In ihrer Wut, in ihrem ordinären Sprachgebrauch, in ihrer Zartheit, die Mutter in ihrer komischen Langsamkeit. Einerseits ist alles genau erarbeitet, andererseits intuitiv.

Wenn Du deiner Tochter das Buch zum Lesen empfehlen würdest, mit welchen Worten würdest Du es tun?


Es gibt Stellen in diesem Buch, da denkt Giovanna so intensiv nach und reflektiert ihre Situation und die ihrer Eltern so genau, so differenziert, so wahrhaftig. Das sind Stellen, die mich einfach besonders beeindruckt haben, weil ich ihr Nachdenken so gerne mochte. Das hat mich berührt. Da denkt sie nach wie nur für sich, wie in Stille. Und das ist wunderschön. Da ist sie wahnsinnig klug, da kann ich von ihr lernen und das ist das, was ich schön finde an dem Roman oder was für mich am schönsten ist. Ich finde, es ist ein tolles Buch. Aber diese Stellen, das sind Perlen.

Was immer ein ganz starkes Thema ist bei Elena Ferrante im ganzen Werk, ist die Frage der körperlichen Wahrnehmung bei Frauen. Wie sehen sie sich in ihrer Weiblichkeit, sowohl im Denken in Abgrenzung zu Männern als auch im körperlichen Sein? Fragen, die auch Giovanna sehr stark umtreiben.

Das ist, glaube ich, ganz typisch für Frauen, die ja ihren Körper immer sehr, sehr kritisch betrachten. Selbst die objektiv schöne Frau hat immer noch etwas an sich herumzumäkeln. Ich bemerke oft, dass Frauen, die – sagen wir mal objektiv – nicht so schön sind oder vielleicht eher ins Hässliche gehend, was auch immer das sein soll, dass die selbstbewusster sind, weil sie schon früh lernen: Ich muss irgendeinen anderen Weg finden, attraktiv zu sein oder attraktiv zu wirken. Das heißt, sie werden entweder sehr schlau, sehr witzig oder am besten alles zusammen, und dadurch sind sie so lebendig, dass sie wahnsinnig schön sind. Aber dieses Rummäkeln am eigenen Körper und am eigenen Aussehen, das hat, glaube ich, jede Frau. Und das beschreibt Elena Ferrante ganz toll, finde ich. Da ist sie sehr offen und sehr rüde. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund, wie die Frauen sich selber beschreiben in ihren Büchern. In einem ihrer Romane ertrinkt doch die Mutter, und wie sie beschreibt: ich glaube, sie hatte nur ihren BH an, als sie aus dem Wasser gezogen wird. Das ist schon ein krasses Bild. Und wie sie überhaupt den Körper der Mutter schildert in diesem ganzen Buch. Es hat immer mit Wäsche zu tun. Bei Ferrante ist es immer auch ein bisschen dreckig, ordinär, schlüpfrig. Manchmal denke ich, vielleicht hat auch ihre Art zu schreiben damit zu tun, dass sie eben gerne unbekannt bleiben und nicht darin wiedererkannt werden möchte. Weil sie so vielleicht freier schreiben kann in all dieser »Schmutzigkeit«. Man kann auch Tiefe sagen, Abgründe. Die lässt sie ja zu und vielleicht möchte sie da einfach nicht behelligt werden. Sicher nicht aus Verklemmung, sondern weil sie ihre Ruhe haben will und lustvoll schreiben will. Ich könnte mir vorstellen, dass das ein Grund ist.

Sie schreibt sehr leicht, sehr zugänglich, aber die Themen, die sie verarbeitet, sind alles andere als leicht. Wie würdest Du dieses Geheimrezept für Dich beschreiben, auch als Interpretin? Also diese literarische Mischung, was ist daran das Besondere für Dich beim Lesen und beim Einsprechen?

Ich glaube, es ist wirklich die Lebendigkeit der Figuren, und dass sie so genau in diese Figuren hineingeht und sie so intensiv leben lässt. Sie lässt ihre Figuren ihr Leben leben. Und das macht sie sehr direkt. Und ich glaube, da interessiert sie sich nicht für große Literatur, sie schreibt einfach. Sie schreibt, wie es ihr aus ihrer Haut fließt, aus ihrem Blut, aus ihren Gedärmen, aus allem heraus wahrscheinlich. Wir merken es ja auch, wenn wir Elena Ferrante aufnehmen im Studio, wie wir uns in den Pausen unterhalten. Das ist anders als sonst. Das kenne ich so nicht von anderen Büchern. Wir sprechen dann auch durchaus über uns. Wir kommen uns auf eine Weise näher über dieses Buch, weil wir uns über dieses Buch verständigen. Über dieses Buch verständigen wir uns miteinander. Das finde ich echt bemerkenswert.

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Elena Ferrante ist ein Phänomen. Mit ihrem Epos über die Freundschaft zwischen den ungleichen Frauen Elena und Lila hat sie Literaturgeschichte geschrieben. Schon der Auftakt »Meine geniale Freundin« hat Suchtpotenzial. In den Fortsetzungen »Die Geschichte eines neuen Namens« und »Die Geschichte der getrennten Wege« entwirft sie ein Universum voller lebendiger Figuren, berührender Emotionen und unerwarteter Wendungen. Und wer nicht spätestens beim Finale »Die Geschichte des verlorenen Kindes« vom Ferrante-Fieber gepackt ist, hat kein Herz.

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