Millenium-Saga

Die Millennium-Romane um Mikael Blomkvist und Lisbeth Salander

Alle Hörbücher zur Millennium-Reihe

Ob als Hörspiel oder als Lesung - Stieg Larssons Millennium-Romane sind der perfekte Stoff für gute Hörbücher.

Hier finden sie alle Hörbücher und Hörspiele, ein Interview mit Hörbuch- und Synchronsprecher Dietmar Wunder und einen Bericht von den Hörbuchaufnahmen mit Dietmar Bär zu "Verblendung".

Hörbücher zu Millennium 1 - 6

Die Romane von Stieg Larsson und David Lagercrantz - gelesen von Dietmar Bär (1-4) und Dietmar Wunder (5-6)

Hörspiel zu Bd. 1-3

Eine Produktion des WDR mit Ulrich Matthes, Sylvester Groth, Corinna Kirchhof, Felix Manteuffel, Anna Thalbach u.a.

Interview mit Dietmar Wunder

Das Gespräch wurde bei den Hörbuch-Aufnahmen zu Stieg Larssons „Verfolgung“ geführt.

Dietmar Wunder leiht seit Jahren Hollywoodstars seine Stimme, u.a. Daniel Craig als Mikael Blomkvist in David Finchers Neuverfilmung von Verblendung (2012). Wunder ist außerdem als Dialogregisseur tätig und ein sehr gefragter Hörbuchsprecher, für seine Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet.
Herr Wunder, Sie lesen sehr viele Thriller. Was ist denn das Besondere an der Larsson-Lagercrantz-Saga für Sie?

Dass es nicht nur ein Thriller ist, sondern dass es eine Geschichte ist, bei der man ganz, ganz viel mitdenken muss und dabei trotzdem nie die Spannung und die Faszination verliert, weil man wissen will, wie es weiter geht - und das Ganze verbunden mit ganz vielen unterschiedlichen Charakteren. Die eigentliche Linie, der Thriller an sich, bleibt erhalten und es wird nie langweilig.
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Sie haben in David Finchers Neuverfilmung von Verblendung Mikael Blomkvist synchronisiert. Wie fühlt es sich an, jetzt allen Figuren eine Stimme zu geben?

Interessant ist, dass ich seit der Verfilmung von Verblendung mit Daniel Craig wirklich immer die Figuren vor Augen habe, die in dem Film vorgekommen sind. Wenn sie jetzt in dem Buch wiederkehren, habe ich dann wirklich Daniel Craig vor Augen und spreche ihn so, wie ich ihn synchronisiert habe.
Und auch Lisbeth und die anderen Charaktere, die in dem Film aufgetaucht sind. Dass ich wirklich die Filmcharaktere aus dem Film vor Augen habe und dann versuche, mit meiner Stimme der Stimme dieser jeweiligen Schauspieler nahe zu kommen. Das macht natürlich irre viel Spaß, weil es dann schon eine visuelle Adaption von meiner Seite gibt.
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Haben Sie auch eine Lieblingsfigur?

Mikael Blomkvist – aber nicht ganz, auch Lisbeth Salander … Ich würde sagen, Lisbeth ist die wohl faszinierendste und mysteriöseste Figur im Buch. Aber ich bin trotzdem ein großer Fan von Mikael Blomkvist.
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Wie lange bereiten Sie denn so eine Lesung vor?

Wenn ich ein Hörbuch vorbereite, ist es so, dass ich das komplette Buch durchlese und schon während ich das durcharbeite meine Vision habe, meine Bilder aufbaue und meine Charaktere anzeichne - wer hat welche Stimme und so was. Ich rechne eigentlich nie aus, wie viel ich bei der ganzen Vorarbeit da an Stunden sitze. Auf jeden Fall ist es so, dass ich die ganze Geschichte schon einmal durcherlebe, bevor wir ins Studio gehen.
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Möchten Sie denn unseren Hörern noch irgendwas mitteilen, Herr Wunder?

David Lagercrantz ist es außerordentlich gut und wirklich faszinierend gelungen, die Saga von Lisbeth Salander und Mikael Blomkvist fortzusetzen, indem jetzt schon fünften Buch in der Reihe. Und es ist von Anfang an wirklich so, dass man als Leser, und ich hoffe dann auch als Zuhörer, so reingezogen wird in die Geschichte, dass man sich sowohl an die ganzen ersten Geschichten erinnert - an die ganz fürchterlichen Tragödien - aber auf der anderen Seite auch wissen will, wie diese Geschichte weitergeht und was da nachher das große Geheimnis dahinter ist. Also von daher würde ich sagen, es lohnt sich auf jeden Fall!
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Szenen einer Hörbuchaufnahme

Regisseur Thomas Krüger über die Aufnahmen zu Stieg Larssons „Verblendung“ mit Dietmar Bär

© Martin Fröhlich, Neue Westfälische
Für seine Rolle als „Tatort“-Ermittler Freddy Schenk erhielt Dietmar Bär den Deutschen Fernsehpreis, als Hörbuchsprecher hat er Håkan Nesser und Mo Hayder gelesen - hier berichtet Regissuer Thomas Krüger von den Aufnahmen zu "Verblendung":

„In der Nacht zum 26. [Dezember] hatte es heftig geschneit, doch als er am Bahnhof ausstieg, war es ganz klar und die Luft eiskalt. Mikael begriff, dass er für das Winterwetter in Norrland völlig falsch angezogen war…“

Ungefähr an dieser Stelle beginnt die Haupthandlung des Romans „Verblendung“: des ersten Teils der Millennium-Trilogie von Stieg Larsson. Der Wirtschaftsjournalist Mikael Blomqvist erreicht das winterliche Hedestad, wohin er nach einem mysteriösen Anruf des Industriellen Henrik Vanger reist. Blomqvist soll herausfinden, wer Vangers Nichte Harriet ermordete, die 1966 spurlos verschwand. Nach anfänglichem Zögern nimmt Mikael Blomqvist die Aufgabe an – und setzt den Auftakt zu einer Trilogie, die auf 3 x 800 Seiten die Genres Wirtschaftskrimi, Familiendrama, Gesellschaftsanalyse, Polit-Thriller und das Psychogramm der interessantesten Ermittlerin seit Emma Peel miteinander kombiniert. Stieg Larsson, der nach Abschluss der Millennium-Trilogie überraschend verstarb, hinterließ einen Welterfolg, der ohne allzu blutige Schockeffekte größte Wirkung erzielte. Die Bücher sind zu einem internationalen Phänomen geworden.

Die Winterszene aus „Verblendung“ kommt mir am Morgen des 5. Januar in den Sinn, als die Aufnahmen mit Dietmar Bär in Köln beginnen sollen. Am Tag zuvor und in der Nacht hat es heftig geschneit. Dietmar Bär reist aus Berlin an – und schickt früh um 5 eine SMS mit der Botschaft, dass er nach 10 Stunden Fahrt auf der A2 endlich angekommen sei. Wir verschieben den Beginn der Lesung auf den frühen Nachmittag.

Morgens gehe ich in aller Ruhe Tee kaufen und ziehe am Nachmittag mit einem Darjeeling Risheehat Second Flush und einem Gyokuro ins Studio. Dietmar Bär ist Teetrinker aus Passion. Irgendwann im vergangenen Jahr hat er mich bei einer gemeinsamen Aufnahme mit seiner Leidenschaft angesteckt, und so gibt es manche Tasse Tee in den nächsten Tagen – obwohl die Protagonisten in Stieg Larssons Büchern literweise Kaffee trinken. Jeder Jeck ist anders.
© Martin Fröhlich, Neue Westfälische
Wir beginnen. Während es draussen knackig kalt ist, liest Dietmar Bär das Intro und eröffnet den Wennerström-Fall, der die Haupthandlung des Buches umrahmt. Zwei Stunden wird konzentriert gearbeitet. In der ersten Aufnahmepause widmen wir uns dann der Frage, was das Besondere an Stieg Larsson ist. Ergebnis nach zwei Tassen Darjeeling: Das Prinzip Hoffnung. In einer Welt von Krimis, die das Düstere verabsolutieren, wirkt Larsson wie ein Leuchtturm. Die Botschaft seiner Bücher: es liegt Vieles im Argen, dennoch lässt sich viel bewegen. Das mag ein Ansatz sein, der nicht jedem Kritiker gefällt. Doch zum Glück ist das Publikum an Problemlösungen interessiert und nicht allein an literarischen Absonderlichkeiten.

Zweite Theorie: die Wirtschaftskrise. Schon lange gärte es im Land und außerhalb. Die Unzufriedenheit mit Merkwürdigkeiten im Finanzsystem war groß. Das Gefühl der Ohnmacht noch größer. Wenn Stieg Larsson mit Hans-Erik Wennerström einen brutalen Finanzjongleur und Kasino-Kapitalisten an den Pranger stellt und buchstäblich abserviert, hat er frühzeitig die Zeichen der Zeit erkannt. Immerhin ist „Verblendung“ im schwedischen Original bereits 2005 erschienen. Da war Stieg Larsson der (dunklen) Zeit noch weit voraus.

Die Aufnahme wird fortgesetzt. „Rache ist süß, mein Freund“ lautet das Motto für den zweiten Take. Hans Erik Wennerström scheint vorerst zu obsiegen. Mikael Blomqvist wird wegen falscher Anschuldigungen gegen den Milliardär verurteilt und zieht sich aus dem Magazin Millennium zurück. Der Fall Harriet Vanger formiert sich am Horizont. Und eine neue Figur taucht auf. Lisbeth Salander: ein Wesen zwischen Anorexie und Psychiatrie. Ein Computergenie und eine Ausgestoßene, ein schmächtiges Fräulein und eine kickboxende Furie. Was hat Lisbeth Salander zum Erfolg der Bücher beigetragen? Dietmar Bär gibt ihr eine Stimme mit Färbung ins Nüchterne, Kalte, Emotionslose – so wie Lisbeth Salander auf andere wirkt und wohl auch wirken möchte. Weshalb übt sie dennoch solche Anziehungskraft aus?
© Martin Fröhlich, Neue Westfälische
In einer der nächsten Aufnahmepausen dampft der Gyokuro: zartgrün – und voller Kraft. Ein unglaublicher Tee. So unglaublich wie Lisbeth Salander, denken wir. Aber ist der Charakter Lisbeth Salander nicht auch unglaubwürdig? Überzeichnet? Wir stellen die Gegenfrage: Wäre das relevant? Und erinnern uns an Pippi Langstrumpf. Immer wieder spielt Stieg Larsson auf Astrid Lindgren an: Mikael Blomqvist muss mit seinem Spitznamen Kalle Blomqvist leben. Lisbeth Salander kann es nicht leiden, wenn man sie Pippi Langstrumpf nennt. Vielleicht, weil der Vergleich so treffend ist?

Wie Pippi Langstrumpf erscheint Lisbeth zugleich unscheinbar und schwach und lässt dennoch Raum für Allmachtsphantasien – was sie zur klassischen Identifikationsfigur macht. Sie wird massiv bedroht, steckt in den Fängen eines Systems, das ihr vor Jahren die Bürgerrechte entzog. Gegen diesen „informellen“ Gegner wirkt sie machtlos. Der Kampf gegen ihn gibt Stoff für drei Bücher, zieht weite Kreise, befeuert Lisbeth Salanders Fans. Andererseits boxt sich Lisbeth durch, wann immer sie konkreten Gefahren begegnet. Kein Computersystem der Welt ist vor ihr sicher, und ihrem Vergewaltiger, dem Rechtsanwalt Nils Bjurmann, tätowiert sie ein grandioses ICH BIN EIN SADISTISCHES SCHWEIN UND EIN VERGEWALTIGER auf den Bauch. Wir gönnen es ihm, denn, wie gesagt: Rache ist süß – was selbstverständlich auch für den Showdown im Fall Wennerström gilt, mit dem das Buch schließt. In der Hauptrolle wiederum Lisbeth.

Man will mehr davon. Mehr von ihr.
Nach vier Tagen und zahlreichen Theorien sind die Aufnahmen abgeschlossen. Wir verabreden uns für den zweiten Teil: „Verdammnis“. Wieder in Köln. Wieder bei Tee. Und hoffentlich bei besserem Wetter. Die Chancen stehen gut, denn das Buch beginnt in der Karibik.

Thomas Krüger