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Lucinda Riley

Bestseller-Autorin Lucinda Riley und ihre Romane

Interview mit Lucinda Riley zur Veröffentlichung von "Der Lavendelgarten"


1. 2011 erschien Ihr Roman „Das Orchideenhaus“ auf Deutsch – und wurde auf Anhieb zum Bestseller. Hat dieser Erfolg Ihr Leben verändert?

Meine Inspiration zu "Der Lavendelgarten"

Lucinda Riley erzählt:

Vor zwei Jahren war ich mit meiner Familie auf dem Rückweg von unserem Haus an der Côte d’Azur nach England, als wir beschlossen, eine Nacht in der Provence zu verbringen. Im Rhônetal kamen wir an Weinbergen und alten Dörfern mit ruhigen Plätzen vorbei, wo Cafés wunderbare charcuterie und noch besseren Wein anboten.

Lucinda Riley
© Isabelle Grubert

Lucinda Riley wurde in Irland geboren und verbrachte als Kind mehrere Jahre in Fernost. Sie liebt es zu reisen und ist nach wie vor den Orten ihrer Kindheit sehr verbunden. Nach einer Karriere als Theater- und Fernsehschauspielerin konzentriert sich Lucinda Riley heute ganz auf das Schreiben – und das mit sensationellem Erfolg: Seit ihrem gefeierten Roman »Das Orchideenhaus« stürmte jedes ihrer Bücher die internationalen Bestsellerlisten. Lucinda Riley lebt mit ihrer Familie in Norfolk im Osten Englands und in ihrem Haus in der Provence.

Lucinda Riley
© Isabelle Grubert

Überhaupt nicht, denn ich versuche nach wie vor, das alles zu begreifen und kann es immer noch nicht ganz glauben. Ich schrieb „Das Orchideenhaus“ in erster Linie für mich und war erstaunt, als der Penguin Verlag das Manuskript erwarb und das Buch einen Siegeszug um die ganze Welt antrat, bei dem es sich millionenfach verkaufte. Um ehrlich zu sein, kommt es mir immer noch vor wie ein Traum.

2. “Das Orchideenhaus” war Ihr erstes Buch nach einer längeren Schreibpause. Ihren Debütroman hatten Sie bereits mit 24 Jahren verfasst, damals noch unter dem Namen Lucinda Edmonds. Es folgten sieben weitere Romane, bevor Sie Kinder bekamen und Ihre Arbeit als Autorin mehrere Jahre ruhen ließen. Wie unterscheiden sich Ihre drei neuen Romane, „Das Orchideenhaus“, „Das Mädchen auf den Klippen“ und „Der Lavendelgarten“, von Ihren früheren?

Was den Schreibstil und die Handlungsführung betrifft, gleichen sie sich im Grunde, aber natürlich sind sie aus einer reiferen Sicht heraus verfasst worden.

3. Neue Geschichten entstehen bei Ihnen intuitiv. Sie setzen sich nicht an den Schreibtisch, sondern sprechen den ersten Entwurf eines Romans in ein Aufnahmegerät. Wie sind Sie auf diese Methode gekommen und welche Vorteile bietet sie Ihnen?

Nachdem ich meine ersten Romane geschrieben hatte, litt ich unter einem schlimmen RSI-Syndrom. (Anmerkung: Dabei handelt es sich um ein Belastungssyndrom, das durch wiederholtes Ausüben monotoner Bewegungen ausgelöst wird und Lucinda Riley die Arbeit am Computer unmöglich machte.) Es blieb mir nichts anderes übrig, als mich an das Arbeiten mit einem Diktiergerät zu gewöhnen. Obwohl mir das zuerst schwer fiel, mag ich es jetzt sehr, weil ich dadurch ungebunden bin und sowohl drinnen als auch draußen (je nach Wetterlage!) arbeiten und dabei herumlaufen kann. Weil ich eine ausgebildete Tänzerin bin und nur schwer stillsitzen kann, kommen mir die besten Ideen wenn ich in Bewegung bin. Außerdem habe ich so die Möglichkeit, alle Personen durchzuspielen.

4. Ihre Romane spielen stets auf zwei Zeitebenen. Wie gelingt es Ihnen, den Überblick über die unterschiedlichen Handlungsstränge zu behalten und sie am Ende virtuos zusammenzuführen?

Ich richte mich beim Schreiben nach keinem schriftlichen Plan – ich habe alles im Kopf. Wie bei all meinen Büchern beginne ich für gewöhnlich mit einem Schauplatz, und von dort aus entwickelt sich langsam die Geschichte. Allerdings weiß ich am einen Tag nie, wohin sie mich am nächsten führen wird. Ich lasse mich einfach von den Figuren leiten. Manchmal habe ich wirklich das Gefühl – besonders bei Abschnitten, in denen die Handlung in der Vergangenheit spielt – als würde mir die Geschichte erzählt. Ich hatte bisher noch nie Schwierigkeiten mit einem Handlungsverlauf. Es scheint sich am Ende stets alles zu einem großen Ganzen zu fügen. Gott sei Dank für die himmlische Eingebung!

5. Die Inspiration für ein Buch geht für Sie fast immer von einem Ort aus. Können Sie beschreiben, was in Ihnen vorgeht, wenn Sie auf einen solchen Ort stoßen und spüren, dass dies der Schauplatz Ihres nächsten Romans sein wird?

Dieses Gefühl ist sehr schwer zu beschreiben, aber ich vermute, es kommt bei mir wie bei jedem anderen darauf an, dass mich ein bestimmter Ort in seinen Bann zieht und ich mehr über ihn herausfinden möchte. Wenn erst einmal ein brennendes Interesse an etwas Geheimnisvollem durch einen Ort entfacht wurde und mich die erste Idee gepackt hat, finden sich allmählich auch die Figuren und die Geschichte in meiner Vorstellung ein.

6. “Der Lavendelgarten” spielt überwiegend auf einem traditionsreichen Landsitz in Südfrankreich. Können Sie uns etwas mehr über das Vorbild für diesen Landsitz erzählen? Wo befindet sich das Gebäude und wann waren Sie zum ersten Mal dort?

Den Schauplatz, der im Roman den Landsitz der Familie de la Martinières darstellt, fand ich, als mein Mann und ich auf dem Rückweg von unserem Haus in Südfrankreich nach England waren. Wir hatten ein Zimmer in einem herrlichen Chateau gebucht, und als ich in dem wunderschönen, üppig mit Lavendel bewachsenen Innenhof saß, sagte ich zu meinem Mann, dass mein nächstes Buch hier spielen sollte. Den Standort des Chateaus verlegte ich in meinem Roman nach Gassin. Dieses Dorf liegt ganz in der Nähe unseres Hauses, wo wir den Sommer verbringen.

7. Ein zweiter wichtiger Schauplatz liegt im Norden von Yorkshire: ein düsteres Herrenhaus im gotischen Stil. Gibt es dafür ebenfalls ein Vorbild?

Ja – „Blackmoor Hall“ ist eine Mischung aus all den kalten, trostlosen Häusern, in denen ich mich jemals in Yorkshire aufgehalten habe!

8. “Der Lavendelgarten” bewegt sich auf zwei Zeitebenen: in der Gegenwart – genauer gesagt, an der Wende zum 21. Jahrhundert - und im Zweiten Weltkrieg. Wie sind Sie bei den Recherchen des historischen Hintergrundes vorgegangen? Haben Sie mit Zeitzeugen gesprochen?

Wie bei all meinen Büchern recherchiere ich die Ereignisse der Zeitspanne, in der ich meine Geschichte ansiedeln möchte, sehr gründlich. Dafür lese ich alles, was ich in Büchern an Fakten über den Zeitraum und den Schauplatz finden kann. Allerdings verschaffe ich mir in dieser frühen Phase erst einmal einen breiten Überblick, da ich nie genau weiß, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln wird. Schließlich bin ich zuallererst Erzählerin und keine Historikerin.

Als ich die Geschichte während eines Frankreichaufenthaltes beendet hatte, traf ich zufällig auf einen älteren Herrn – Monsieur Chapelle von der Domaine du Bourriane. Es stellte sich heraus, dass ich in meinem Buch seinen Familiennamen verwendet, sein Schloss und sogar seine geheime Zelle beschrieben hatte, ohne zu wissen, dass eine solche Familie und ihr wunderbares Haus tatsächlich existierten. Ich begegnete meiner eigenen, erdachten Romanwelt, und das war eine magische Erfahrung, die mich demütig werden ließ. Etwas Vergleichbares habe ich schon oft erlebt.

9. Die Macht der Vergangenheit spielt in Ihren Romanen eine zentrale Rolle. Die Hauptperson steht unter dem Bann verborgen gehaltener, lange zurückliegender Ereignisse. Sie vermag ihn erst zu brechen, wenn es ihr gelingt, die Vergangenheit offenzulegen. Warum hat das Enthüllen von Familiengeheimnissen eine solch befreiende Wirkung?

Die Moral, die all meinen Geschichten zugrunde liegt, ist wohl, dass wir nur dann im Hier und Jetzt glücklich sein und uns auf Zukünftiges freuen können, wenn wir die Vergangenheit verstehen und uns mit ihr versöhnen. Das trifft besonders auf dieses Buch zu, das von einem der leidvollsten Momente in der Geschichte der Menschheit handelt. Ich glaube, dass Wiedergutmachung und ein gewisses Maß an Vergebung immer eine Möglichkeit zur Versöhnung bieten, wenn nicht sogar eine sehr realistische.

10. Emilie, die Hauptfigur in „Der Lavendelgarten“, steht vor einer doppelten Herausforderung: Für sie geht es nicht nur darum, ihre Familiengeschichte zu erforschen, sondern auch einem gerissenen, allzu gegenwärtigen Betrüger auf die Spur zu kommen. Können Sie Emilie näher beschreiben und etwas über ihre persönliche Entwicklung im Roman erzählen?

Emilie wurde von einer Frau zur Welt gebracht, die nur deshalb Mutter wurde, weil es ihre Aufgabe war, einen Nachkommen zu gebären. Ihre Mutter interessierte sich nie für sie, zumal Emilie ein Mädchen war und nicht der erforderliche Stammhalter. Folglich wuchs sie ohne jegliches Selbstbewusstsein auf und entwickelte eine zurückhaltende Persönlichkeit. Sie gab sich jede erdenkliche Mühe, ein Leben zu führen, das in allem genau dem Gegenteil ihrer Mutter entsprach. Die Geschichte zeichnet nach, wie Emilie lernt, den Ursprung ihres Schmerzes zu verstehen und anzunehmen.

11. Sind auch Ihre Romanfiguren durch die Begegnung mit realen Personen inspiriert?

Nein, nie. Sie sind immer eine Mischung aus vielen Leuten, die ich kenne – mich selbst inbegriffen.

12. Sie haben eine große Familie mit vier Kindern. Wie schaffen Sie sich die Freiräume fürs Schreiben?

Um den ersten Entwurf eines Buchs zu schreiben, muss ich mich für zwei oder drei Wochen zurückziehen, wie ein Einsiedler leben und achtzehn Stunden täglich arbeiten. Wenn diese Phase abgeschlossen ist und ich mich stärker der Überarbeitung des Textes widme als dem kreativen Entwurf, kann ich zu Hause arbeiten. Allerdings bin ich wie jede berufstätige Mutter ständig erschöpft und vollführe den üblichen Balanceakt, den alle Mütter mit Vollzeitjob nur zu gut kennen.

13. Können Sie schon andeuten, worum es in Ihrem nächsten Buch gehen wird?

Ich habe gerade mein viertes Buch abgeschlossen. Es war bei weitem das schwierigste, das ich je geschrieben habe und es ist wieder auf zwei Zeitebenen, in der Gegenwart und der Vergangenheit, angesiedelt. Die Geschichte führt teilweise ins Jahr 1911, nach Britisch-Indien zurück, wo sie der Spur meiner Heldin Anni und ihrer Begleiterin, Prinzessin Indira, folgt. Die Gegenwart spielt sich währenddessen in einem schönen, vornehmen Haus in der Grafschaft Devon, in England, ab, wo meine zweite Hauptfigur Rebecca Bradley einen Film über genau die Epoche dreht, in der sich die Romanvergangenheit zuträgt. Anni ist mir von meinen bisherigen Hauptfiguren wahrscheinlich die liebste, und ich bin ganz begeistert von dem Buch.

Das Mädchen auf den Klippen Blick ins Buch

Lucinda Riley

Das Mädchen auf den Klippen

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