Dieses Buch begeistert:

Regt zum Nachdenken an

Von: Becca1
27.10.2020

Spannend macht das Buch vor allem die Erzählungen und persönlichen Gedanken der beiden Autoren bei der Recherche des Buches.

Interessante Gedankengänge über die man sich im Alltag meist zu wenig auseinandersetzt, welche Richtung die Menschheit gerade einschlägt. Auf der einen Seite verliert der Glaube an Bedeutung, auf der anderen Seite gewinnt die künstlerische Intelligenz.

Was macht das zukünftig aus uns, wenn man Tote immer digital um sich hat? Wenn die Grenze zwischen digitalem und menschlichem immer mehr verschwindet?

Spannende Fragen die durch dieses Buch angeregt werden. Jeder sollte sich mehr damit auseinandersetzen was er persönlich für digitale Fussabdruck hinterlässt. Wie weit wir eigentlich schon bei der Entwicklung von KI sind und wo man die Grenze ziehen sollte wenn nicht sogar muss.

Auf jeden Fall lesenswert!

Lesen Sie weiter

Die digitale Seele - Eine neue Erfahrung

Von: Das Lesekamel
25.10.2020

Das Buch 'Die digitale Seele' war meine erste richtige Auseinandersetzung mit dem Thema Digitalisierung. Ich war gespannt, was es mit der Unsterblichkeit der Seele auf sich hat. Das Buch hat mich sehr nachdenklich gestimmt und mir die tiefgreifende Veränderung der Welt - wie ich sie aus der Kindheit mit Schreibmaschine und handschriftlichen Briefen kannte - bewusst gemacht. Und kurzzeitig in eine Schockstarre versetzt, dass ich das Buch sogar eine gute Woche beiseite legen musste und tatsächlich überlegt habe, das Smartphone abzuschaffen. Wie wird die Zukunft sein, gibt es digitale Klone jedes Einzelnen, die den Menschen irgendwann mit einer Superintelligenz überrennen? Warum hauptsächlich Männer von der Unsterblichkeit träumen? Kann tatsächlich eine App einen verstorbenen Menschen ersetzen und wie gehen die Überlebenden damit um? Ein eigenes Netzwerk a la Facebook nur für tote Menschen? Einfach eine gruselige Vorstellung! Ein Algorithmus, der fühlen kann? Ist Science-Fiction schon Realität? Und wie verhält es sich mit dem Datenschutz?

Das Buch zeichnet sich durch einen flüssigen Schreibstil aus. Die Autoren haben sich intensiv mit den bisherigen Möglichkeiten für eine künstliche Intelligenz (KI) auseinandergesetzt. Eine eigene Lösung, ob sie Daten von sich selbst in ein künstliches Netz einspeisen würden, fehlt am Ende des Buches. Interessant war in diesem Zusammenhang, dass es für die Schaffung der KI nicht nur der Programmiersprache bedarf, sondern unbedingt die Psychologie des Menschen zu berücksichtigen ist, insbesondere zu den Themen Wahrnehmung, Trauer, Bewusstsein, kulturelle Codes, Gedächtnis und Erinnern. Ein großes Themenfeld im Buch. Eine Zeitreise durch die Geschichte von der Antike bis in die Neuzeit mit berühmten Philosophen und Künstlern zeigt, dass vor der Schaffung eines digitalen Klon zunächst zu klären, ob es denn eine menschliche Seele gibt.

Die Autoren haben idR Fremdwörter erläutert. Der zweite Teil des Buches ist meiner Meinung nach zu lang gefasst. Wirklich nervig war das durchgehende gendern (erstmalig gelesen: Erfinder*innen-Geist), hier hätte im Vorwort ein Sternchen genügt, dass die männliche Form die weibliche umfasst. Im übrigen zeigt sich, dass das gendern nicht durchgängig in der o.g. Form umgesetzt wurde, bspw. auf S. 53 'der oder die Tester*in statt 'die/der...' oder auf S. 110 'des toten Vaters oder der toten Mutter' statt umgekehrt. Auch wurden verschiedene Rechtschreibungen von vor 1996 und ab 2004/2006 verwendet (S. 325 Aufschluß statt Aufschluss; zuteilwird, Seite ist mir entfallen). Hierfür ziehe ich einen Stern ab. Was es mit der computer-neurowissenschaftlichen Bibliothek auf sich hat, in der Modelle der Nervenzellen und synaptischen Kontakte hinterlegt sind, bleibt ungeklärt.

Trotz des Stern-Abzug kann ich das Buch jedem nur empfehlen zu lesen. Es ist gleichzeitig eine gute Gelegenheit, um über den Umgang mit den persönlichen Daten im Netz nachzudenken. Danke an die Autoren für das Buch.

Lesen Sie weiter
Alle anzeigen Rezension schreiben

Unsterblich werden im Zeitalter Künstlicher Intelligenz

Die digitale Seele

Werden wir bald Teil einer Realität sein, in der das Zusammenleben mit virtuellen (Un-)Toten ganz normal ist?

Dank der atemberaubenden Fortschritte maschinellen Lernens scheint die Überwindung des Todes zum Greifen nah zu sein. Weltweit arbeiten Unternehmen daran, aus einer Fülle von Nutzerdaten digitale Doppelgänger*innen entstehen zu lassen. Während sich mehr und mehr Menschen von den Religionen abwenden und die Neurowissenschaften die Idee der Seele für erledigt erklären, erfährt der Glaube an ein Leben nach dem Tod im Digitalzeitalter eine überraschende Renaissance. In ihrem ersten gemeinsamen Buch begeben sich die preisgekrönten Filmemacher Moritz Riesewieck und Hans Block auf eine hochspannende Reise ins digitale Jenseits. Was sie dort vorfinden, ist mal berührend, mal verstörend und oft auch überraschend witzig. Immer aber schwingt die eine große Frage mit: Was passiert mit dem Menschen, wenn ihm seine letzte große Gewissheit genommen wird – die der eigenen Sterblichkeit?

»Vielleicht ist das alles nur der Anfang: der Anfang vom Ende unserer Endlichkeit.«
Moritz Riesewieck und Hans Block

Jetzt direkt kaufen:

Hardcover
eBook
€ 20,00 [D] inkl. MwSt. | € 20,60 [A] | CHF 28,90* (* empf. VK-Preis)
€ 14,99 [D] inkl. MwSt. | € 14,99 [A] | CHF 18,00* (* empf. VK-Preis)

Reinlesen & faszinieren lassen:

DER ANFANG VOM ENDE UNSERER ENDLICHKEIT

DIGITALE UNSTERBLICHKEIT


Es ist eine der ältesten Fragen der Menschheit: Was geschieht mit uns nach dem Tod? Jahrhundertelang war die Antwort auf diese Frage für die meisten Menschen im Abendland klar.
Die Seelen fahren zu Gott in den Himmel auf oder schmoren in der Hölle. Doch wie aktuelle Studien zeigen, glauben immer weniger Menschen in Westeuropa an Gott und das ewige Leben im Jenseits, nur noch eine Minderheit betrachtet sich selbst als religiös. Andererseits glaubt nur ein kleiner Teil der Bevölkerung: »Es gibt KEIN Leben nach dem Tod.«
Offenbar können nur wenige Menschen ohne Aussicht auf ein Weiterleben der Seele nach dem Tod auskommen. Noch fehlt eine neue (weltliche) Heilserzählung. Noch ist es nicht gelungen, den Sinn-Verlust auszugleichen, der für Milliarden von Menschen mit der Abwendung von der Religion entstanden ist. Es klafft eine gewaltige Lücke, was auch den Technologie-Unternehmen nicht entgangen ist, die die Leerstelle als Chance für die nächste große Geschäftsidee begreifen.
In Aussicht stehen Milliarden potenzieller Kund*innen, die offen sind für eine neue zeitgemäße Botschaft, die sie von der Unausweichlichkeit des Todes erlöst. Im Windschatten der digitalen Revolution treten Start-ups aus der ganzen Welt in einen Wettlauf um einen gewaltigen Markt – den Markt der digitalen Unsterblichkeit.

Jetzt das Buch online bei Ihrer Buchhandlung vor Ort bestellen oder direkt online kaufen:

Hardcover
eBook
€ 20,00 [D] inkl. MwSt. | € 20,60 [A] | CHF 28,90* (* empf. VK-Preis)
€ 14,99 [D] inkl. MwSt. | € 14,99 [A] | CHF 18,00* (* empf. VK-Preis)

Mitmachen & gewinnen

Für alle Buchentdecker und Neuanmelder des Buchentdecker-Service:
Beantworten Sie unsere Gewinnspielfrage mit Hilfe der Leseprobe und mit etwas Glück gewinnen Sie einen 500,00€- Einkaufsgutschein für einen Elektronikmarkt.

Platz 1: Ein Gutschein im Wert von 500,00 € für einen Elektronikmarkt
Platz 2-5: Je ein Exemplar von "Die digitale Seele"

Einsendeschluss ist der 31.10.2020

Und so geht’s:
Beantworten Sie unsere Gewinnspielfrage und melden Sie sich beim Buchentdecker-Service an und nehmen Sie regelmäßig und kostenlos unsere Leistungen in Anspruch. Wenn Sie bereits Buchentdecker sind, erhalten Sie die Leistungen des Buchentdecker-Service wie bisher und können einfach durch die nochmalige Eingabe Ihrer Daten unten am Buchentdecker-Gewinnspiel teilnehmen.
Ja, ich möchte mich zu meinem persönlichen und kostenlosen Buchentdecker-Service anmelden und folgende Leistungen der Penguin Random House Verlagsgruppe erhalten:

  • Newsletter der Penguin Random House Verlagsgruppe mit persönlich auf meine Interessen zugeschnittenen
    • Buch- und Hörbuchtipps
    • limitierten und exklusiven Angeboten
    • Informationen zu Veranstaltungen der Autoren
    • Einladungen zur Teilnahme an Gewinnspielen und Aktionen
  • Zu mir passende Webseiteninformationen einschließlich Aktionen, Angeboten und Gewinnspieleinladungen; hinsichtlich der Webseiteninformationen beachten Sie bitte die diesbezüglichen Bestimmungen in der Datenschutzerklärung.
  • Möglichkeit, jederzeit anzupassen, welchen oder welche Newsletter ich erhalten möchte

Wann wurde das Mädchen Nayeon geboren?

Meine Daten:

Die Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH als Verantwortlicher verarbeitet Ihre angegebenen personenbezogenen Daten ausschließlich zur Erfüllung der Vereinbarung über den Buchentdecker-Service. Alle weiteren Informationen zum Datenschutz und Ihren diesbezüglichen Rechten finden Sie in der Datenschutzerklärung.

Ich bin mit den Vertragsbestimmungen des Buchentdecker-Services sowie den für alle Gewinnspiele der Penguin Random House Verlagsgruppe geltenden Gewinnspielteilnahmebedingungen einverstanden und möchte mich für den Buchentdecker-Service anmelden.

Ihre Teilnahme an unserem Gewinnspiel war erfolgreich.

Sollten Sie bislang noch nicht beim Buchentdecker-Service angemeldet gewesen sein, danken wir für Ihre Anmeldung.
Wir bestätigen Ihnen hiermit zugleich den Abschluss der Vereinbarung zum Buchentdecker-Service.

Als Neuanmelder erhalten Sie in wenigen Minuten eine E-Mail von uns mit einem Bestätigungslink. Bitte klicken Sie in dieser E-Mail auf den darin enthaltenen Link, um den Buchentdecker-Service zu aktivieren. Außerdem nehmen Sie automatisch an dem Buchentdecker-Gewinnspiel teil.

Viel Vergnügen mit unserem Buchentdecker-Service wünscht
Ihr Team von randomhouse.de

Moritz Riesewieck
© Peter von Felbert

Moritz Riesewieck & Hans Block

Moritz Riesewieck (*1985) ist Theater- und Filmregisseur und Autor. Studium der Wirtschaftswissenschaften und dann Regie an der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« in Berlin.

Hans Block (*1985) ist Theater- und Filmregisseur und Autor. Studium des Schlagzeugs an der Universität der Künste und dann Regie an der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« in Berlin.

Moritz Riesewieck und Hans Block sind Shootingstars des internationalen Dokumentarfilm-Kinos. Ihr Film »The Cleaners« über die gigantische Schattenindustrie digitaler Zensur in Manila feierte 2018 auf dem US-amerikanischen Sundance-Filmfestival Premiere. Er sorgte weltweit für Furore, wurde auf mehr als 70 internationalen Filmfestivals und in zahlreichen Ländern im TV gezeigt, war für einen Emmy nominiert und wurde zigfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem »Prix Europa« für den besten europäischen TV-Dokumentarfilm 2018, dem Grimme-Publikumspreis und dem Metropolis-Regiepreis.

Auch ihr TED-Talk zur Meinungsfreiheit in Zeiten sozialer Netzwerke erreichte ein Millionenpublikum. Ihre Wurzeln haben die Autoren im Theater: Beide studierten an der renommierten Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« in Berlin Regie und entwickeln unter dem Label »Laokoon« innovative Theaterformen, aber auch Essays, Lecture Performances und Hörspiele, die sich mit der Frage auseinandersetzen, wie sich unsere Vorstellung von Mensch und Gesellschaft im digitalen Zeitalter verändert. So ungewöhnlich wie ihre Laufbahn ist ihre Annäherung an technologische Themen: Umfangreiche dokumentarische Recherchen und intime persönliche Begegnungen mit Menschen, deren Leben von der Technologie bestimmt werden, fließen in ihre Texte ebenso ein wie große philosophische Ideen, Motive aus der Kunstgeschichte, zeitgenössische Literatur, Filme und Popkultur.

Jetzt begeben sie sich ins Herz einer technologischen Revolution und einer der vielleicht größten Businessideen des 21. Jahrhunderts: der digitalen Unsterblichkeit. Was passiert, wenn dem Menschen seine letzte Gewissheit genommen wird – sein endliches Leben? Es könnte die Welt völlig auf den Kopf stellen.

„Mit Toten zu chatten, mag sich für die meisten von uns noch merkwürdig anhören. Doch vielleicht ist es in ein paar Jahren schon längst Teil unseres alltäglichen Lebens.“

Moritz Riesewieck und Hans Block im Interview:

Unsterblichkeitsfantasien gab es in der Menschheitsgeschichte immer wieder. Warum sollte die Idee der Unsterblichkeit im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz mehr sein als eine Fantasie?

Moritz Riesewieck:
Dem Tod zu entkommen, ist einer der ältesten Träume der Menschheit. Doch während alle Bestrebungen, den Körper eines Menschen vor dem Tod zu bewahren – sei es durch das Konservieren und Einfrieren des Körpers oder durch die Pille gegen das Altern – schon immer zum Scheitern verurteilt sind, scheint das digitale Klonen seines Wesens, seiner Art zu sprechen und zu handeln, ja vielleicht sogar, seiner Art zu denken, in diesen Tagen zum Greifen nah.

Hans Block:
Aus den gewaltigen Datensätzen lässt sich nicht nur auslesen, wie ein Mensch in der Vergangenheit agiert hat, sondern auch, wie er oder sie in der Gegenwart, in vergleichbaren Situationen agieren würde. Algorithmen ermitteln das wahrscheinlichste Verhalten, die wahrscheinlichste Äußerung. Auf diese Weise sollen Tote digital am Leben bleiben. Während sich mehr und mehr Menschen von den Religionen abwenden und die Neurowissenschaften die Idee der Seele für erledigt erklären, erfährt der Glaube an ein Leben nach dem Tod im 21. Jahrhundert also eine überraschende Renaissance.


Es gibt Stimmen im Silicon Valley, die bereits für Mitte dieses Jahrhunderts in Aussicht stellen, dass KI einen Menschen vollständig imitiert. Ist das realistisch?

Hans Block:
Die Entdeckungen, von denen uns KI-Forscher*innen berichteten, haben uns überrascht. Die Fortschritte bei der Entwicklung Künstlicher Intelligenz verlaufen exponentiell. Wo Big Data, selbstlernende Algorithmen und hochentwickelte Technologien aufeinandertreffen, könnten schon bald die ersten täuschend menschenähnlichen digitalen Wiedergänger*innen von Toten unseren Alltag bevölkern.

Moritz Riesewieck:
Gleichzeit warnen wir in unserem Buch davor, den neusten Technologien zu viel Macht zuzusprechen. Wie soll eine Künstliche Intelligenz den Menschen ›vollständig‹ imitieren, wenn viele Aspekte des menschlichen Lebens noch gar nicht abschließend erforscht sind? Der Traum vom Weiterleben der Seele gründet auf Künstlicher Intelligenz, bereitgestellt durch milliardenschwere Tech-Konzerne. Das sind durchaus gefährliche Narrative, die wir sehr kritisch hinterfragen.


In den meisten Kulturkreisen ist der Umgang mit dem Tod religiös geprägt. Gerade das Abschiednehmen erfolgt nach bestimmten Ritualen, die den Angehörigen die Möglichkeit geben, ihre Trauer zu verarbeiten. Was bedeutet es für die moralische und religiöse Entwicklung einer Gesellschaft, wenn dieser Prozess nicht (mehr) stattfindet?

Hans Block:
Die neuen Entwicklungen bringen neue Gefahren mit sich. Expert*innen für psychische Gesundheit warnen davor, dass durch digitale Klone der Eindruck vermittelt wird, dass ein Toter gar nicht tot ist. Eine pathologische oder unvollständige Trauer kann zu einem ernsten Problem werden. Bots oder andere Formen von personalisierten Künstlichen Intelligenzen, die verstorbene Menschen repräsentieren, können in den wichtigen Prozess des Trauerns eingreifen, indem sie Projektionen von Erinnerungen werden, die es den Hinterbliebenen erschweren, die Erinnerung von der Realität zu trennen. Der Versuch dem unausweichlichen Ende – dem Tod – ein digitales Nachleben zu verschaffen, ist also nicht nur ein leichtfertiges Spiel, sondern kann ernsthafte gesundheitliche Probleme verursachen.


Sehnen sich die Menschen möglicherweise auch so sehr nach digitalen Klonen als Gesprächspartner*innen, da wir zunehmend vereinsamen und, noch viel wichtiger, die Klone uns und unsere Ansichten im Zweifel nicht hinterfragen?

Moritz Riesewieck:
Längst ist bekannt, dass das Offenbaren intimster Gedanken, das Ansprechen persönlicher Probleme oder das Teilen der Gefühlswelten zu einem gesteigerten Wohlbefinden führt. Die zunehmende Vereinsamung von Menschen weltweit schafft somit ein neues Problem. Das haben auch Tech-Firmen erkannt und künstliche Therapeut*innen in Form von digitalen Avataren oder Chatbots entwickelt. Die Bandbreite reicht von virtuellen Seelsorger*innen über soziale Roboter in der Demenzpflege bis hin zu Robotern für sexuelle Störungen.

Hans Block:
Forscher*innen haben sich mit der Frage beschäftigt, ob es einen Unterschied macht, ob ein Mensch gegenüber einer Maschine, in dem Fall einem Chatbot, oder einem physisch anwesenden Menschen persönliche Informationen und Gefühle offenlegt. Anders als die Forscher*innen anfangs angenommen haben, lassen sich bislang keine Nachteile durch die Verwendung von Chatbots nachweisen. Im Gegenteil, in gewissen Teilbereichen schnitt der therapeutische Chatbot sogar besser ab als der physisch anwesende Mensch. Menschen zögern oft, sich vor anderen Menschen zu öffnen, weil sie Angst haben, bewertet oder im schlimmsten Fall für das Gesagte verurteilt zu werden. Deswegen greifen mehr und mehr Menschen auf Angebote wie Replika, Woebot oder LeaVoice zurück. In Zukunft wird es zu unserem Alltag gehören, auch mit digitalen Wesen zu kommunizieren oder gar intime Beziehungen mit ihnen einzugehen


Nachdem Sie mit ausgewiesenen ›Todesgegner*innen‹, aber auch Skeptiker*innen gegenüber den neuen Technologien gesprochen haben: Wie stehen Sie persönlich zum Thema Unsterblichkeit?

Hans Block:
Wie schmerzhaft die Endlichkeit eines nahestehenden Menschen sein kann, habe ich in meinem Leben einige Male erfahren. Mein Vater starb, als ich 6 Jahre alt war. Als Kind ist es kaum begreiflich, wie irreversibel ein solcher Schicksalsschlag ist. Im Laufe unserer Recherche zum Buch habe ich mich oft gefragt, ob mir die Möglichkeit der digitalen Unsterblichkeit meines Vaters als Kind geholfen hätte. Oder ob ich es heute wünschenswert fände, meinen Vater als digitalen Avatar wieder zu beleben. Die Vorstellung ist eine gleichermaßen angsteinflößende wie faszinierende. Ob die Abschaffung des Todes am Ende nicht zu mehr Problemen führt, als die schmerzliche Anerkennung des endlichen Lebens, ist zumindest fraglich.

Moritz Riesewieck:
Für mich ist der Tod eines geliebten Menschen eine Horror-Vorstellung. Da ich mit dem katholischen Glauben an das ewige Leben im Himmel aufgewachsen bin, fühlt sich der Gedanke, dass nach dem irdischen Leben womöglich doch nichts folgen könnte, umso brutaler an. Deshalb ruft die Aussicht auf ein Weiterleben der Seele im Digitalen so viel Hoffnung hervor. Die Seele eines Menschen kann nur im Körper eines Menschen leben? Vielleicht sind wir uns darüber eines nahen Tages nicht mehr so sicher wie heute. Was wir als Leben ansehen, wird sich im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz radikal verändern. Das gilt auch für seinen ›Evil Twin‹, den Tod.


Was hat Sie während Ihrer Nachforschungen zu der digitalen Unsterblichkeit am meisten überrascht? Und gibt es Aspekte, die Sie mittlerweile anders beurteilen als zu Beginn Ihrer Recherche zu dem Buch?

Moritz Riesewieck:
Zu Beginn ahnten wir nicht, wie akut im Corona-Jahr 2020 Milliarden von Menschen überall auf der Welt mit dem Tod konfrontiert sein würden. Die Pandemie hat uns allen schonungslos vor Augen geführt, wie verletzlich jede*r Einzelne von uns ist. Corona bringt uns zum Nachdenken über unseren eigenen Tod und den unserer Liebsten und konfrontiert uns ganz akut mit der Frage: Gibt es ein Leben danach? Diese Frage ist eine der größten und ältesten Menschheitsfragen.

Hans Block:
Die Pandemie hat für viele Menschen weltweit das gewohnte Leben massiv verändert: Durch Kontakt- oder gar Ausgangssperren haben digitale Medien und Kommunikationsmittel Hochkonjunktur. Wir gewöhnen uns daran, anderen Menschen körperlos und virtuell zu begegnen. Tech-Firmen aus aller Welt dringen in die intimsten Bereiche des Lebens ein. Mit Toten zu chatten, mag sich für die meisten von uns noch merkwürdig oder gar extrem zweifelhaft anhören. Doch vielleicht ist es in ein paar Jahren schon längst Teil unseres alltäglichen Lebens.

Der Film:

Diesen Film muss man gesehen haben.

Neugierig geworden? Mehr Informationen zum Film gibt es hier:

>> Mehr zum Film <<


Den vollständigen Film gibt es aktuell bei der Bundeszentrale für politische Bildung:

>> Zum Film <<

Mehr Bücher von Goldmann entdecken

Unser Service-Angebot für Sie:

Jetzt ein Buch Buy local Für das Wort und die Freiheit #FreeWordsTurkey