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Autorin Anja Janotta erzählt die Geschichte hinter der Buchgeschichte

Janotta, Anja
© Volker Rebhan

Wenn ich vom Theoretikerclub erzählen will, muss ich mit einem Geständnis beginnen.
Beim Schreiben bin ich Autist. Etwas wirklich Gutes zu Papier zu bringen, das gelingt mir nur an einem einzigen Ort: an unserem Küchentisch! Am Vormittag, wenn ich schreibe, sitzen mit mir an diesem zentralen Platz unseres 4-Personen-Haushalts die Figuren aus meinem neuesten Roman. Das sind zurzeit die Theoretiker Albert, Roman und Linus. Für den kleinen Aushilfstheoretiker Knut ist neben uns vieren kein Sitzplatz mehr frei. Er muss sich auch hier immer wieder aufs Neue behaupten und solange stehen bleiben, bis mal ausnahmsweise jemand einen Stuhl für ihn frei macht.
Jeden Morgen quatschen sie mich voll, meine Romanhelden, die oberschlauen Theoretiker. Reichen sich kreuz und quer die Sprüche über den Tisch. Sie sprechen über Superhelden, Weltherrschaftspläne und entwickeln die wildesten Theorien, wie sie endlich ihren Widersachern Herr werden könnten. Jedes Mal, wenn sie diskutieren, habe ich meine liebe Mühe, all das wirre Zeug, das ich oft selbst nicht ganz verstehe, faktengetreu mitzuschreiben.

Beim Abendessen sitzt mir an genau diesem Tisch mein Sohn Jonas, 13, gegenüber. Beinahe hätten wir ihn Linus getauft, so wie den Obertheoretiker. Gewissermaßen ist Linus tatsächlich so etwas wie ein Alter Ego von Jonas. Denn abends ist es hier nicht viel anders als am Morgen. Auch Jonas quatscht wie Linus jede Menge unverständliches Zeug über krude Geschäftsideen, physikalische Knobeleien oder artgerechte Tierhaltung – quadratischer Minecraft-Schweine, versteht sich.
Manchmal muss ich Google bemühen, um überhaupt mitreden zu können. Jonas besucht eine Hochbegabten-Klasse und programmiert gerade sein erstes kleines Spiel am Rechner: einen Computergegner für "Schiffe versenken". Mein Sohn – und auch seine Freunde – sind Theoretiker wie sie (bald) im Buche stehen. Sogar der Anstoß für den Titel Theoretikerclub kam von ihnen. Vor drei Jahren haben sie ein 8-Mann-Boot aus Pappmaschee für das Papierbootrennen in Starnberg gebaut. Ein bunter, ziemlich schräger Wettbewerb. Bei unserem Bootsbau waren 16 linke Hände am Werk, die schlussendlich alle feststellen mussten, dass sie doch eher "einer von diesen Theoretikerclubs" seien. Das Boot der Schlaumeier hielt nicht wirklich lang durch. Für mich aber waren damit Titel und Idee für ein Buch geboren.

Seit der Arbeit an meinem Buch kann ich abends wieder öfter mitreden, lerne täglich hinzu, lese "Unnützes Wissen", spiele Tyrannenquartett und habe mich auch schon selbst durch Minecraft gehangelt. Natürlich führen meine fiktiven Theoretiker mittlerweile ein unabhängiges, literarisches Eigenleben, auch wenn es immer wieder Dinge aus unserem Familienalltag gibt, die in den Theoretikerclub Eingang finden: Linus‘ TOL-Bewertungssystem für "total obertolle Leistung" zum Beispiel oder die Wii-Bowlingmeister, die an einer echten Bahn scheitern, weil ihr Schwung einfach nicht ausreichen will… Es macht mir immer noch unglaublich viel Spaß, die erdichteten Superhirne zu belauschen und ihnen dabei zuzusehen, wie der kleine Knut sie mit seinem praktischem Geschick ein ums andere Mal retten muss. Für ihn gibt es übrigens auch ein kleines Vorbild in der Clique meines Sohnes. Und Alba, die nervende Zwillingsschwester von Albert, hat ebenfalls ihr Alter Ego im richtigen Leben. Das sitzt sogar Abend für Abend mit uns am Familientisch und sorgt dafür, dass die praktischen Herausforderungen für ihren großen Bruder nicht abreißen. Jede Menge Stoff also für eine Autorin, um alles haarklein mitzuschreiben – und sogar weitere Bücher mit den queren Ideen zu füllen!

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Der Theoretikerclub Blick ins Buch

Anja Janotta

Der Theoretikerclub

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