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Einleitung
Biologische Zahnmedizin: Vom Pixel zum ganzen Bild

Wie gewinnt man eine Fußballweltmeisterschaft?

1957, ein Jahr vor der Austragung in Schweden, zog sich Vicente Feola, Trainer der brasilianischen Nationalmannschaft zurück, um wie kein anderer vor ihm darüber nachzudenken. Dann begann er eine exakte Vorbereitung. Natürlich brauchte er die talentiertesten Spieler und die besten Trainingsmethoden. Aber Feola dachte darüber hinaus. Er wollte keinen Aspekt übersehen, der die Leistung seiner Spieler beeinträchtigten konnte und er ergriff deshalb Maßnahmen, die im Fußball bis dahin noch nie eine Rolle gespielt hatten. Er ließ seine Spieler nicht nur von einem Psychologen begutachten und betreuen, sondern schickte die gesamte Mannschaft zu einem Zahnarzt. Und der hatte reichlich zu tun. Insgesamt behandelte er 470 Zähne, von denen 32 so krank oder entzündet waren, dass sie gezogen werden mussten. Als die Brasilianer ein Jahr später den Wettkampf antraten, hatten sie vermutlich unter allen Teilnehmern die gesündesten Gebisse.
Trotz der Vorrunden, die bei dieser WM als besonders kräftezehrend galten, weil sie sehr dicht aufeinanderfolgten, gewann Brasilien die Weltmeisterschaft so souverän und überlegen wie keine andere Mannschaft zuvor. Feolas Methoden erschienen damals allenfalls wunderlich. Brauchte ein Fußballer nicht vor allem stramme Waden, Ballgefühl und sehr viel Ausdauer? Heute könnte man dem Trainer zahlreiche Studien in die Hand drücken, die belegen, dass seine Intuition richtig war: Gesundheit und bestmögliche Fitness sind nur dann möglich, wenn auch die Zähne und die Mundhöhle in Ordnung sind.

Jahrzehntelang dachte man, dass Karies und Zahnfleischentzündungen die einzigen Krankheiten sind, die in unserem Mund entstehen. Heute ist vielfach bewiesen, dass auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Unfruchtbarkeit, Schlaganfälle, Darmerkrankungen sowie viele Krankheiten des Autoimmunsystems sehr oft im Mund beginnen oder diese Krankheiten von dort aus verstärkt werden. Kranke Zähne, entzündetes Zahnfleisch und schlecht verträgliche Füllstoffe betreffen nicht nur die Mundhöhle. Oft machen sie sich sogar an ganz anderen Stellen im Körper bemerkbar: als Kniegelenksprobleme, Schulter- und Rückenschmerzen oder weil uns Allergien plagen, auf die wir uns keinen Reim machen können. Kranke oder schlecht versorgte Zähne kosten uns Energie und Nährstoffe, sie können im Körper Prozesse in Gang setzen, die eine Depression auslösen, sie beeinflussen unsere Hormone und die Körperchemie, reizen das Immunsystem und aktivieren die Stressachse 24 Stunden am Tag.
Heute weiß man, dass die meisten chronischen Krankheiten nicht einfach Schicksal, Pech oder schlechte Gene sind, sondern die Folge von anhaltenden, stillen Entzündungen im Körper und dem damit verbundenen chronischen Stress. In der Mundhöhle kommen solche Entzündungen besonders oft vor: Sie verstecken sich an entzündeten Zahnwurzelspitzen, in Zahnfleischtaschen, um Implantate herum, in toten Zähnen oder in den Höhlen, die übrigbleiben, wenn ein Zahn entfernt werden musste. Obwohl die Forschung immer neue Zusammenhänge zwischen Zähnen und Körper entdeckt, kommt dieses Wissen in der Praxis noch viel zu selten an. Mediziner und Zahnärzte arbeiten traditionell in zwei getrennten Sphären. Ein Allgemeinarzt schaut nur selten nach der Mundhöhle und der Zahnarzt betrachtet sie vor allem aus handwerklicher Sicht. Unser medizinisches Versorgungssystem ist so aufgebaut, dass wir auf Pixel schauen - aber was wir dringend brauchen, ist das ganze Bild. Bisher geht die Mundhöhle als zentrales Organ zwischen zwei Disziplinen oft komplett unter und damit die Chance, die Ursache für viele Erkrankungen rechtzeitig zu entdecken.
Und es sind nicht nur wir Zahnärzte, denen man beibringt, die Mundhöhle vor allem danach zu beurteilen, ob darin die Mechanik funktioniert und das Lächeln stimmt. Unsere Zähne erledigen täglich eine enorme Kraftarbeit für uns, wenn sie unsere Nahrung zerkleinern. Aber wenn wir sie lediglich als Kauwerkzeuge betrachten, die man reparieren kann, wenn sie kaputtgehen, dann tun wir ihnen nicht nur ziemlich unrecht. Wir übersehen auch, was sie wirklich sind und welche Rolle sie in unserem Körper spielen. Das, was wir von unseren Zähnen sehen können, ist nämlich gerade mal ein Drittel von ihnen. Den wirklich spannenden Rest bekommen wir leider nie zu Gesicht. Dabei hätte auch der durchaus mal ein bisschen Aufmerksamkeit verdient: Im Kern eines jeden Zahnes befindet sich auf kleinstem Raum alles, was ein Organ ausmacht: Pulsierende Blutgefäße, Lymphe, ein Nerven- und ein Immunsystem. Wie jedes andere Organ sind unsere Zähne darüber mit dem Rest des Körpers verbunden. Geht es dem Körper nicht gut, dann leiden auch die Zähne. Leiden die Zähne, dann macht sich das auch immer im Rest des Körpers bemerkbar.

Paradigmenwechsel in der Zahnmedizin

Viele von uns geben sich viel Mühe bei der Mundhygiene und sind enttäuscht oder schämen sich sogar, wenn sie viel putzen und ihre Mundhöhle trotzdem krank wird. Lange Zeit galt das Credo: Ein sauberer Zahn wird nicht krank. Meterlange Regale mit Produkten versprechen, uns dabei zu helfen. Wir haben Interdentalbürsten, fluoridierte Zahnseide und antibakterielle Spülungen – und trotzdem haben 95 Prozent der Menschen Karies, 65 Prozent leiden an Parodontitis. Resigniert kommen viele Menschen auf den Gedanken, dass unsere Zähne einfach nicht für Langlebigkeit gemacht sind. Aber bei manchen Menschen halten sie nicht einmal die ersten vier Jahre. Dabei sind unsere Zähne durchaus für ein langes Leben geschaffen. Es hilft ihnen nur nicht weiter, wenn wir sie wie behandeln wie Autolack. Deshalb ist es gut, dass der neue Blick auf die Mundhöhle derzeit auch die Sichtweise darüber verändert, wie und warum sie krank wird. Langjährig gültige Theorien stehen auf dem Prüfstand und werden korrigiert. Wo lange Zeit Einigkeit herrschte, findet gerade ein Paradigmenwechsel statt. Wir haben gelernt, uns so sehr auf die Bekämpfung von schlechten Bakterien zu konzentrieren, dass diejenigen, die uns guttun und unsere Gesundheit fördern, aus dem Blick geraten sind. Wir haben uns auf Löcher konzentriert, aber die Mechanismen vergessen, die unsere Zähne widerstandsfähig machen und ganz von selbst laufend reparieren. Wir haben gelernt, unsere Zähne als unbelebtes Material zu betrachten und dabei ganz übersehen zu prüfen, ob sie die Reparaturmethoden, die wir für sie erfunden haben, überhaupt vertragen.
Biologische Zahnmedizin fügt die übersehen Faktoren zusammen, sie stellt Zusammenhänge her und Traditionen in Frage. Sie nimmt Rücksicht auf die empfindliche Biochemie, Physik und Biologie des Körpers. Unser Organismus ist mit enormen Selbstheilungskräften ausgestattet und kann erstaunlich gut regenerieren, wenn man ihn von dem entlastet, was ihn krankmacht.
Eine neue Zahnmedizin kann ihn dabei unterstützen. Die wenigsten von uns müssen eine Weltmeisterschaft gewinnen. Aber die meisten von uns wünschen sich, gesund und aktiv bleiben zu können. Manche Menschen suchen schon lange verzweifelt nach Antworten, warum sie krank geworden sind oder einfach nicht mehr so fit sind wie früher. Sie wollen wissen, wie sie selbst dafür sorgen können, dass es ihnen bessergeht oder wie sie gesund bleiben können. Wir sollten die zentrale Rolle, die unser Mund dabei spielt nicht länger übersehen und verleugnen. Wir können uns heute auf so viel mehr verlassen als auf unsere Intuition wie einst der Trainer der brasilianischen Fußballmannschaft. Wir haben neue Erkenntnisse aus der Wissenschaft und erkennen dadurch körperliche Zusammenhänge, die so deutlich sind, wie noch nie zuvor. Wir müssen uns nicht länger mit Ausschnitten begnügen. Heute sehen wir das ganze Bild.

Let the healing begin!


Mensch oder Mikrobe?


Wenn wir jede einzelne Zelle unseres Körpers zählen könnten, würden wir bei einem durchschnittlichen Menschen auf rund 30 Billionen kommen. Zählt man die Zellen aller auf und in uns lebenden Mikroorganismen dazu, dann ergibt das etwa 39 Billionen. Unterm Strich sind wir also etwas mehr Mensch als Mikrobe. Es gibt medizinische Forscher, die empfehlen, nicht länger nur den Menschen allein ins Zentrum zu rücken, sondern ihn als Summe aller seiner Organismen zu betrachten, weil wir nur zusammen mit ihnen funktionieren. Sie gehen so weit, dass sie sagen, Bakterien besiedeln uns Menschen nicht einfach. Sie sind wir. Zusammen mit seinen Mikroorganismen bilde der Mensch einen Superorganismus, einen so genannten Holobionten. Erst wenn wir lernen, den Körper in dieser Gesamtheit zu begreifen, würden wir ihn wirklich begreifen, und in der Folge, warum er krank wird und wie er wieder gesund werden kann. Die wichtige Erkenntnis: Die meisten Krankheiten haben ihre Ursache in einem gestörten Verhältnis von Mensch und Mikrobe.

Durch die Hintertür: Die etwas späte Entdeckung der Mundhöhle

Obwohl die Mundhöhle ganz offensichtlich der Eingang zu unserem Magen-Darm-Trakt ist, nähert sich die Wissenschaft dieser Tatsache bisher – nun ja – vor allem hintenrum. Die vielen faszinierenden Erkenntnisse über unser Zusammenleben mit Bakterien haben wir vor allem der gründlichen Untersuchung des Darms zu verdanken. Kaum ein anderes Organ ist in den vergangenen Jahren derart in das Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Während sich im Jahr 2001 gerade einmal 79 Studien mit dem Thema befassten, waren es 2016 mehr als 7000. Kein Wunder: Die Mensch-Mikroben-Symbiose kann man hier besonders gut studieren. Nirgendwo anders ist die Zahl und die Vielfalt von Mikroorganismen so vielfältig wie in unserem Darm. Nirgendwo anders übernehmen sie mehr von den erwähnten ausgelagerten Tätigkeiten. Allmählich richtet sich der Blick aber von unten nach oben: auf die Mundhöhle und wie sie auf den Darm einwirkt.

Anatomisch sind Mundhöhle und Magen-Darm-Trakt kaum voneinander zu unterscheiden: Unser Mund ist keine isolierte Einheit, die nach dem Gaumenzäpfchen einfach aufhört. Eine Grenze zwischen Mund und Darm ziehen eigentlich nur Anatomie-Bücher. Im echten Leben ist alles eins. Alle Bakterienstämme in unserem Darm haben den Weg dorthin über unseren Mund genommen und man weiß heute, dass die mikrobielle Population von Mund- und Darm-Flora Zeit unseres Lebens tief verbunden bleibt. Das passiert alleine schon dadurch, dass unser Speichel pro Milliliter bis zu 10 hoch 9 Mikroorganismen enthält, die wir mit jedem Schluck auf die Reise in den Darm hinunterschicken. Pro Tag macht das ein bis drei Gramm verschluckter Bakterien aus.
Das Mund und Darm so sehr miteinander verbunden sind, hat für uns Menschen durchaus einige Vorteile. Sichtbarkeit zum Beispiel. Während es ohne technisches Gerät ziemlich schwer ist, unseren Darm zu betrachten, um mal zu schauen, wie darin so die Lage ist, geht das in unserem Mund denkbar leicht. Wir müssen ihn nur mal aufmachen und reinschauen. Manchmal noch nicht einmal das. Man kann eine kranke Mundhöhle auch ziemlich deutlich riechen. Schlechter Atem ist fast immer ein Hinweis auf ein Ungleichgewicht der mikrobiellen Gemeinschaft. Eine gestörte Mundflora riecht beißend säuerlich oder schwefelig, bei starken Entzündungen sogar so, als hätte man eine eitrige Wunde geöffnet.
Eingangshallen haben in der Regel die Funktion, jeden darauf einzustimmen, was er im übrigen Gebäude sonst noch so erwarten kann. Unsere Mundhöhle bildet da keine Ausnahme. Wenn hier ein ungünstiges Bakterienklima herrscht, weil unser Zahnfleisch oder die Zahnwurzel chronisch entzündet sind oder weil schlechte Zahnfüllungen laufend toxische Substanzen abgegeben, dann hört dieses Problem nicht irgendwo hinter den Mandeln einfach auf. Eine entzündete Mundschleimhaut setzt sich immer auch weiter unten im Darm fort. Wenn die Ökologie im Mund aus dem Gleichgewicht gerät, dann ist sie in der Regel auch in unserem restlichen Magen-Darm-Apparat durcheinander. Und was man in der Mundhöhle sieht, setzt sich in der Regel im Darm fort. Erst kürzlich haben Forscher entdeckt, dass chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa ihren Ursprung im Mundmikrobiom haben können. Den Wissenschaftlern ist aufgefallen, dass im Darmmikrobiom der erkrankten Menschen vermehrt Bakterienarten zu finden sind, die normalerweise die Mundhöhle besiedeln. Offensichtlich kann eine bestimmte Gattung dieser Bakterien bei Menschen mit einer Prädisposition, also einer Anfälligkeit für besondere Krankheiten, eine Darmentzündung auslösen, wenn sie mit dem Speichel geschluckt werden. Seit einiger Zeit rückt die Bedeutung der beachtlichen Mikroben-Wohngemeinschaft in unserem Mund ins Zentrum der Forschung. Und wir können immer besser nachvollziehen, was sie da so treibt.

Leben in der Mundhöhle: Bakterien zwischen Himmel und Hölle

Wenn ein Mensch sich die ideale Welt vorstellen könnte, dann wäre es wahrscheinlich eine mit Weltfrieden und genug zu essen für alle. Wenn Zahnärzte sich die ideale Mundhöhle wünschen könnten, dann wäre das eine, in der eine positive Wirt-Mikrobiom-Symbiose herrscht. Das ist dem Weltfrieden gar nicht so unähnlich: Total viele unterschiedliche Lebewesen leben in Harmonie und für alle ist immer reichlich gesorgt. Gewinner in solch einem Idealzustand ist der Wirt – also der Mensch. Herrscht in seinem Mund mikrobielle Koexistenz, schadet uns keines der dort lebenden Bakterien – im Gegenteil. Die Gemeinschaft hilft fleißig dabei, unsere Zähne und unser Zahnfleisch gesund zu erhalten. Allerdings ist so eine Mundhöhle für Mikroorganismen Himmel und Hölle zugleich.
Auf der einen Seite ist der Mund für sie ein wahnsinnig attraktiver Ort zum Leben. Es ist immer warm und feucht darin, was Bakterien über alles lieben. Es gibt zahlreiche Nischen und unterschiedliche Oberflächen, wo sie hervorragende Verstecke bilden können - und ständig geht vorne die große Öffnung auf und neues Futter wird nachgelegt. Auf der anderen Seite ist das Leben hier die Hölle, ein wirklich unwirtlicher Ort: Ständig wird hier gekaut, gesprochen, geatmet, durchgespült oder vom Besitzer regelmäßig mit der Bürste durchgeputzt. Wenn Bakterien hierbleiben wollen, müssen sie vor allem eins können: sich gut festhalten. Aber Bakterien hätten nicht knapp 14 Milliarden auf der Erde überlebt, wenn sie nicht ein paar Tricks drauf hätten. Einer der spektakulärsten Tricks, die Bakterien so draufhaben, ist der „Biofilm“.

Der Biofilm: Leben durch Kleben

Mikroorganismen sind winzig klein und bestehen nur aus einer einzigen Zelle, aber in einem sehr wesentlichen Punkt sind sie uns Menschen wahnsinnig ähnlich: Sie leben nicht gerne allein. Wenn Menschen sich zusammentun, nennen wir das Gesellschaft. Wenn Bakterien sich zusammenschließen, nennen Wissenschaftler das einen Biofilm. Das klingt ein bisschen nach Gütesiegel, ist aber eine unglaublich komplexe Matrix, die entsteht, wenn Millionen von Mikroorganismen beschließen, gemeinsam eine Fläche zu besiedeln und sich dadurch neuen Lebensraum mit guten Bedingungen für sich selbst zu erschaffen. Früher sprachen Zahnärzte warnend viel über Plaque und meinten damit den weißlichen, schmierigen Belag, der sich auf unseren Zähnen bildet, wenn wir mal vergessen, sie zu putzen. Plaque war das, was es unbedingt zu vermeiden gilt. Aber Plaque war gestern. Heute betrachtet man diesen Belag etwas differenzierter: Lange bevor Zahnbelag sichtbar oder fühlbar wird, haben Bakterien sich bereits zu einer komplexen Gemeinschaft zusammengeschlossen. Diese wird Biofilm genannt. Von Plaque spricht man heute erst, wenn dieser Biofilm eine wahrnehmbare Dicke erreicht hat. Während wir also noch das Gefühl haben, dass unsere Zähne sauber sind, weil sie sich so schön glatt anfühlen, wenn wir mit der Zunge drüberfahren, finden dort schon längst ziemlich spektakuläre Dinge statt. Mikroskopisch klein entstehen dort so komplexe Bauten, die es durchaus mit Maya-Stätten in Guatemala aufnehmen könnten.

Einen Biofilm zu bilden, um stark zu sein, ist nichts, dass sich Mikroben speziell für unsere Mundhöhle ausgedacht haben. Das machen sie schon seit Millionen von Jahren und einfach überall. Gut sichtbar sind Biofilme zum Beispiel als der glitschige Belag an der Unterseite eines Bootes oder als die Schicht, die an den Pfeilern von Seebrücken haftet. In unserem Körper findet man Biofilme auch noch an anderen Stellen außer der Mundhöhle, und das ist nicht immer nur harmlos. Heute weiß man, dass sie zum Beispiel an der Entstehung von Ablagerungen in Blutgefäßen beteiligt sind, die wir als Atherosklerose, oder auch etwas vereinfacht als Kalk, bezeichnen. An der Bildung dieser Plaque sind sehr oft Bakterienfilme aus der Mundhöhle beteiligt, was einen der Faktoren darstellt, wie der Mund mit Herzerkrankungen im Zusammenhang steht. Eine Bakteriengemeinschaft kann dank des Biofilms also normalerweise an allen möglichen Oberflächen anhaften. In der Mundhöhle allerdings ist das recht schwer. Zähne haben eine Struktur, an der so ziemlich alles einfach runterrutscht. An ihnen etwas befestigen zu wollen, ist ein bisschen wie der Versuch, Pudding an die Wand zu nageln. Da passt es den Bakterien ziemlich gut, dass es in unserem Mund etwas gibt, dass ihnen so zusagen als Antirutschmatte dient.

Dominik Nischwitz
© Christian Metzler

Dominik Nischwitz

Dr. Dominik Nischwitz ist niedergelassener Zahnarzt und Heilpraktiker. Zusammen mit seinem Vater gründete er das Zentrum für Biologische Zahnmedizin in Tübingen. Er ist Vorreiter auf dem Gebiet der ganzheitlichen Zahnheilkunde und hält dazu regelmäßig Vorträge auf wissenschaftlichen Kongressen rund um den Globus. Dass er mit seinen Thesen bei herkömmlich praktizierenden Zahnärzten für Debatten sorgt, dient ihm als Motivation. Denn der Mundraum darf endlich nicht mehr nur für sich betrachtet, sondern muss als zentrale Schaltstelle für die Gesundheit des gesamten Körpers angesehen werden. Dominik Nischwitz lebt mit seiner Familie in Tübingen.

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